Das Schwarze Auge - Satinavs Ketten

Videospiel_Satinavs_Ketten_CoverAm Freitag war ich doch ein wenig überrascht, als ich Post von Amazon bekommen habe. Ich hatte doch in letzter Zeit gar nichts bestellt? Als ich das Päckchen dann offen hatte, erinnerte ich mich auch wieder daran, dass ich mir vor einiger Zeit schon (kurz nach der DreieichCon) das Adventure Das schwarze Auge - Satinavs Ketten von Daedalic Entertainment bestellt hatte. In der Collector’s Edition.
Und obwohl ich es geschafft habe, erst sehr spät von dem Spiel zu erfahren, habe ich mich doch sehr darauf gefreut, bin ich doch selbst mit Adventures groß geworden. Edna bricht aus, Harveys neue Augen und The Whispered World aus dem gleichen Hause haben mich bereits sehr gut unterhalten und dass ich dieses Mal in Aventurien unterwegs sein durfte, war nur noch das Tüpfelchen auf dem sprichwörtlichen I.

Wer allerdings mit klassischen Point&Click-Adventures und/oder der Welt von Das Schwarze Auge nichts anfangen kann, dem kann vielleicht noch geholfen werden.


Zur Story
Die Story handelt vom Schicksal des jungen Vogelfängers Geron und der Stadt Andergast. Als vor dreizehn Jahren ein Seher verbrannt wurde, prophezeite er, dass Geron das Ende für Andergast bringen würde. Der Seher hatte immer nur Unheil prophezeit und alle Prophezeiungen sind wahr geworden. Seitdem gilt Geron bei den Andergastern als Unglücksbringer. Das alles sollte sich ab heute ändern. Doch die vielen Krähen und rätselhafte Morde warfen ihre dunklen Schatten voraus. Und gerade, als Geron die Aufmerksamkeit des Königs errungen hatte, trifft er auf Nuri, eine geheimnisvolle Frau, die im Wald lebt und sein Schicksal verändern wird, denn der Seher ist zurückgekehrt und hinter Nuri her.
Die Story wurde bewusst nicht weltverändernd und episch gestaltet, auch wenn der allererste Entwurf noch etwas anderes vorsah. Möchte man mit einer Heldengruppe ganz Aventurien retten, sollte man doch bitte auf die epischen Pen&Paper-Kampagnen ausweichen.
Dadurch wird die Qualität der Story jedoch keineswegs schlechter. Im Gegenteil, die Story um Geron und Nuri ist tiefgründig und überzeugend und hat mir persönlich sehr gut gefallen und eignet sich auch gut zum Nachspielen in einer Rollenspielrunde.
Leider gibt es Satinavs Ketten bisher aus lizenzrechtlichen Gründen noch nicht als Pen&Paper Abenteuer. Die Entwickler, größtenteils auch begeisterte DSA Spieler, hoffen jedoch, dies mit ein wenig Glück in Zukunft noch nachliefern zu können.

Die Rätsel
Als erfahrener Adventurespieler haben mir die Rätsel nicht viel abverlangt.
Sie beschränkten sich meistens auf wenige Orte und eine überschaubare Anzahl an Gegenständen. Lobend erwähnen will ich auch, dass alle Rätsel logisch und schlüssig waren. An keiner Stelle hatte ich das Gefühl, dass das Spiel etwas Unerwartetes verlangt. Als ich ins Stocken kam, hatte ich entweder einen Gegenstand übersehen, oder einfach noch nicht alles im Inventar durchkombiniert.
Das Spiel bietet gleich am Anfang zwei Schwierigkeitsstufen. Allerdings bedeutet das nicht wie z.B. bei Monkey Island 2: LeChucks Revenge, dass man mehr oder weniger Rätsel hat. Hier werden einfach verschiedene Spielhilfen aktiviert oder deaktiviert. Zum Beispiel kann man sich mittels der Leertaste alle Interaktionspunkte und Ausgänge anzeigen lassen.
Damit wäre ich an einer Stelle auch schneller vorangekommen. Aber das wollte ich ja nicht.
Ein vorzeitiges Ende muss man auch nicht befürchten. Zu keiner Zeit läuft man Gefahr, dass man unerwartet in den Tod rennt. An einigen Stellen hätte es mich nicht gestört, wenn so etwas möglich gewesen wäre.

Zur technischen Umsetzung
Gleich vorweg, für das Spiel benötigt man einen STEAM-Account. Ansonsten lässt sich das Spiel nicht spielen. Das ist auch gleich der größte Kritikpunkt, den ich habe. Versteht mich nicht falsch, ich mag STEAM, habe auch selber schon viele Spiele direkt über STEAM gekauft. Aber wenn ich mir The Whispered World ansehe, was ich zwar mittlerweile auch über STEAM kaufen kann, das bei mir im Schrank jedoch noch in der Box mit dem 3W12-Kopierschutz steht, wundere ich mich schon ein wenig.
Ich sollte erwähnen, dass ich mit Drehscheiben und „Wort Nr. x auf Seite y Zeile z“-Kopierschutz aufgewachsen bin und das immer noch Klasse finde.
Des Weiteren wachsen die Mindestanforderungen mit jedem Spiel. Hat für The Whispered World noch ein 2GHz Single-Core ausgereicht, muss es jetzt schon ein 2,5GHz Single-Core oder ein 2,0GHz Dual-Core sein. Das mag heutzutage unter einem neuen Durchschnitts-PC sein, ich kenne jedoch noch PC-Besitzer, bei denen dieses Spiel nicht laufen wird. Mac-Besitzer werden ebenfalls nicht in den Genuss des Spiels kommen.
Und wo wir gerade bei älteren Rechnern sind: Wer noch einen alten 4:3-Monitor sein Eigen nennt, muss sich an schwarze Balken oben und unten gewöhnen. Das Spiel wurde ganz klar für 16:9-Displays entwickelt.
Ganz selten verschwand bei mir der Spielercharakter bei verschiedenen Interaktionsversuchen plötzlich und sein Kommentar wurde links oben in der Bildschirm-Ecke angezeigt, aber auch nur für die Dauer seines Kommentars. Danach war er wieder da, wo er sein sollte. Das mag daran liegen, dass ich zwischenzeitlich öfters auf den Desktop wechseln musste, um jemanden im ICQ zu antworten.
Das war auch schon alles, was mir negativ aufgefallen ist. Und bei den ersten beiden Punkten kann man geteilter Meinung sein und bei letzterem ist mir ähnliches bei anderen Spielen nach exzessiven Spielen und Desktop-Wechseln auch passiert.

Ansonsten sieht das Spiel sehr schön aus. Alle Hintergründe sind liebevoll per Hand gezeichnet. Jeder Dialog und jede Aktion wurde vertont und ist wahlweise auf Deutsch oder Englisch verfügbar. Die Geräuschkulisse ist immer stimmungsvoll und passend zur aktuellen Szene. Die Zwischensequenzen sind mit schöner orchestraler Musik unterlegt, die der Collector’s Edition und der Erstauflage der Standard-Version als Soundtrack-CD beigelegt ist.

Die Zwischensequenzen selbst sind im Stil der alten schwarz-weißen DSA-Zeichnungen animiert und werden von einem Erzähler kommentiert. Meistens dienen die Zwischensequenzen dazu, längere Reisezeiten zu überbrücken, so wie man es am Spieltisch meistens im Grunde auch gemacht hat.

Wie es bei STEAM üblich ist, gibt es auch für dieses Spiel Trophäen zu sammeln. Die meisten erhält man im Laufe der Handlung von selbst, andere je nachdem, wie man sich bei Gesprächen entscheidet. Ist man beim König eher angeberisch, oder lieber doch zurückhaltend? Da die Trophäen alle sichtbar sind, kann ein aufmerksamer Spieler meistens erkennen, wann er schnell zwischenspeichern sollte.

Die verschiedenen Versionen
Wie schon eingangs erwähnt, habe ich mir die Collector’s Edition zugelegt. Es gibt allerdings noch die Standard Edition und man kann es auch rein digital bei STEAM kaufen.
Bei STEAM gibt es das Spiel, ohne irgendwelche Extras. Das Handbuch kann man als PDF bekommen. Darin ist auch die Einsteigerhilfe enthalten.

Die beiden Box-Versionen enthalten beide eine Lösungshilfe (die oben erwähnte Einsteigerhilfe), den Soundtrack auf CD und ein Poster.
Die Collector’s Edition hat zusätzlich noch das Original-Ledernotizbuch des Feenforschers aus dem Spiel, ein Artbook, ein Entwicklertagebuch zum Spiel, eine Making-Of-CD, fünf Charaktertafeln zu Charakteren des Spiels und einen Gutschein für „The Art of Games“ (gültig bis zum 26.09.2012).
Das Poster zeigt das Cover des Spiels in DinA3, auf der Rückseite befindet sich eine Kollage aus mehreren Spielhintergründen.

Der Soundtrack (sowie die Spiele-CD und das Making-Of) ist in einem einfachen Pappumschlag drin, vorne das Cover, hinten die Titel. Schick, aber nicht fürs Regal geeignet.
Die Lösungshilfe (Einsteigerhilfe) ist im Handbuch integriert und beschreibt, wie man die ersten Rätsel im Spiel lösen kann. Dies sollte gänzlich unerfahrenen Adventure-Spielern zumindest eine Idee geben, wie das weitere Spiel zu meistern ist.

Das Artbook ist auch Teil des Handbuchs und zeigt mehrere Hintergründe des Spiels, die sich meiner Meinung nach alle sehen lassen können.
Vier dieser Artworks kann man auch bei „The Art of Games“ in hoher Qualität kaufen. Dafür liegt der Collector’s Edition auch ein 10%-Gutschein auf für alle Satinavs-Ketten-Artworks bei. Mir persönlich ist die Auswahl noch zu gering. Mal abwarten, ob es dort noch weitere Bilder geben wird.
Auf der Making-Of-CD (!) finden sich vier Videos, jeweils zu der Entstehung der Hintergründe, der Charaktere und der Zwischensequenzen. Im letzten Video kann man zusehen, wie ein Hintergrund im Schnelldurchgang entsteht. Kleiner Tipp von mir: Öffnet die Videos aus dem Ordner Videos mit dem VLC Player. Die CD bietet nur ein kleines Menü, über das man die Videos auswählen kann. Warum man damit nicht gleich eine DVD erstellt hat, entzieht sich mir. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die DVD dann wieder eine extra FSK-Freigabe benötigt hätte. So läuft alles unter einer USK-Freigabe. Aber das ist nur meine Vermutung. So genau kenn ich mich da dann doch nicht aus.
Im Entwicklertagebuch erfährt man die Entstehungsgeschichte des Spiels und wie die Story ursprünglich geplant war.
Die fünf Charaktertafeln zeigen neben Geron noch vier weitere Charaktere, denen man im Spiel begegnet. Jeder Charakter ist mit den wichtigsten DSA Werten ausgestattet, um sie jederzeit als NSC in eine Spielrunde einbauen zu können.
Das Ledernotizbuch sieht schick aus. Auf dem zweiten Blick ist es allerdings nicht so robust, wie ich es mir erhofft habe. Aber hey, ich will mich nicht beschweren. Schließlich wird nicht jeder, der das Buch mit dem Spiel bekommt darüber grübeln, ob es LARP-tauglich ist. Wenn man eine längere Kampagne spielt, eignet es sich hervorragend als Charaktertagebuch.

Fazit
Mir hat das Spiel sehr gut gefallen. Zur Spieldauer kann ich nur sagen, dass ich nach fast einen Tag durch hatte, andere werden dabei aber mit Sicherheit länger dran knobeln können.
Ob einen die zusätzlichen 20 Euro der die Collector’s Edition Wert sind, muss jeder selber entscheiden.


Name: Das Schwarze Auge – Satinavs Ketten
Genre: Point&Click-Adventure
Entwickler: Daedalic Entertainment
Publisher: Deep Silver
Systeme: Windows
USK: ab 12 Jahren freigegeben


Galerie:

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