Warmachine - Escalation

Es hat zwar etwas mehr als zwei Jahre gedauert, doch nun ist der Ergänzungsband Escalation endlich auch auf deutsch für alle Fans von Warmachine verfügbar. War das amerikanische Original bereits beeindruckend, so legt die deutsche Ausgabe noch einen drauf, indem das Buch als solides Hardcover erscheint und das nahezu zum gleichen Preis wie die Originalausgabe! Die 240 vollfarbigen Seiten erfreuen den Leser mit einer großen Zahl von hervorragenden Illustrationen und einigen eindrucksvollen Fotos der Miniaturenreihe. Satz und Layout sind ebenfalls gut, auch wenn der äußere Rand der Seiten weiterhin sehr viel Platz einnimmt, der aber immerhin ab und zu für Infokästen genutzt wird.

Anders als beispielsweise beim großen Konkurrenten Warhammer, veröffentlicht Warmachine keine Armeebücher für einzelen Fraktionen, sondern Kampagnenbände. In Escalation werden Geschehnisse in der Spieltwelt in Kurzgeschichten und spielbaren Kampagnen erzählt, wozu alle Fraktionen neue Einheiten erhalten. Dieses Buch enthält nicht nur jeweils einen neuen Warcaster für die vier Fraktionen Cygnar, Protectorate of Menoth, Khador und Cryx, sondern auch neue Truppen und Warjacks. Dabei ist die Zahl der neuen Regeln äußerst übersichtlich. Die Regeln für die neuen Einheiten sind nicht zwingend notwendig, da diese auch auf praktischen Karten jeder Einheit beiliegen. Bei der Präsentation im Buch erhält man dazu jedoch noch eine fantastische, große und farbige Zeichnung der Einheit sowie etwas stimmungsvollen Text über die Hintergründe der neuen Truppen und Kriegsmaschinen.
Zu den vier Fraktionen gesellen sich auch noch einige Söldner, welche die übrigen Fraktionen verstärken können. Gab es bisher nur Solos, die man als käufliche Krieger in seine Armee einbetten konnte, so kommen nun zwei Warcaster und ganze Einheiten hinzu, die einen in der Schlacht unterstützen können.

Ergänzt wird dies um 26 Seiten mit Fotos zu den Fraktionen, Tipps zur Bemalung, einer Auflistung von Rangabzeichen und Basteltipps. Darauf folgt die gewaltige Kampagne namens “Herrscher, Reiche und Gottheiten”, in der man den beginnenden Krieg zwischen den vier Fraktionen über das ganze erste Jahr nachspielen kann. In sage und schreibe 48 indiviuellen Szenarien durchlaufen die Spieler den Winter in Khador, den Frühling Cygnars, den Sommer des Protectorates und den Herbst von Cryx. Dabei sammelt man in den Szenarien Boni für weitere Schlachten, mehr Punkte und Verbesserungen der eigenen Truppen, um sich dann im Finale dem Ende des ersten Kriegsjahres zu stellen. Die Wirren des Krieges, die Entwicklung der benannten Warcaster und die Veränderungen in der Spielwelt werden dabei von den Spielern durch die Szenarien immer unmittelbar miterlebt. Die Kurzgeschichten, die zwischen den Kampagnen und vor manchen der Szenarien zu finden sind, motivieren dabei ungemein und tragen viel zur Stimmung bei. In den Szenarien kämpfen in der Regel zwei festgelegte Fraktionen gegeneinander, aber es gibt auch Szenarien für vier Spieler und einige, wo man jeweils nur einen Warcaster auf eine Solomission schicken kann, um besonderns effektive Boni zu erhalten. Die Szenarioziele sind dabei abwechslungsreich. Mal muss eine Brücke zerstört werden, mal verteidigt man einen Tempel, mal muss man einen Verräter gefangen setzen, mal muss man einfach nur die andere Seite des Schlachtfeldes erreichen. Wirklich eine sehr abwechslungsreiche und interessante Kampagne, die zum Spielen animiert. Im Anhang finden sich dann noch ein Glossar für die Vergünstigungen aus der Kampagne und eine Auflistung der Korrekturen für Warmachine Prime.

Die deutsche Übersetzung ist jedoch nicht völlig überzeugend, was sich vor allem an der Entscheidung zeigt, den Namen oder die Bewaffnung einer Einheit im Original zu belassen oder ins Deutsche zu übertragen. Ein paar Beispiele, um die Kritik zu verdeutlichen: Cygnar führt einen Gun Mage Captain Adept in die Schlacht, der eine Magieschlosspistole und ein Schwert führt. Auf der nächsten Seite findet sich der Stormblade Lieutenant, der mit seiner Storm Glaive einen Storm Glaive Blast ausführen kann. Ähnliches bei den anderen Fraktionen: So hat die Winter Guard Mortar Crew von Khador ein Mortar, aber auch Donnerbüchsen und Äxte. Der Necrosurgeon von Cryx greift mit dem Darmspleisser an, der Pistol Wraith mit seinen Wraithlock Pistols. Als Beispiel für das Protectorate muss deren neue Warcasterin herhalten: Feara, Priestess of the Flame. Ihr Talent und ihre Zauber wurden alle übersetzt, jedoch benutzt sie noch Flame Thrower statt Flammenwerfer. Bei ihrem Kollegen aus Cygnar, dem Commander Adept Sebastian Nemo, hat man sogar kein deutsches Wort für Disruption gefunden, obwohl “Störung” eigentlich sehr naheliegend wäre. Diese inkonsequente und wahllos wirkende Übersetzung verdirbt den eigentlich sehr guten Eindruck, ebenso die immer wieder anzutreffenden Fehler bei der Rechtschreibung, der Zeichensetzung und vor allem der Grammtik.

Durch den intelligenten Aufbau, die sinnvollen neuen Einheiten mit ihren grandiosen neuartigen Modellen, die extrem motivierenden Geschichten und durch die erzählerische Kampagne wird Escalation zu einem insgesamt sehr gelungenen Buch für Warmachine. Die deutsche Ausgabe kann zwar von der Verarbeitung her klar gegenüber der Originalausgabe punkten, verliert aber durch die inkonsequente Umsetzung einige Sympathiepunkte.


Titel: Warmachine Escalation (Hardcover)
Verlag: Ulisses Spiele
Autoren: Matt Wilson u.a.
Sprache: deutsch
Empf. VK.: 34,99 Euro{jcomments on}
Seiten: 240
ISBN: 978-3940424860

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