Hordes - Primal

Obwohl Privateer Press seit 2003 mit ihrem Tabletop-Spiel Warmachine immer größerer Erfolge feiern können, war das den Machern nicht genug. Nebenbei entwickelten sie ein weiteres Tabletop-Spiel, welches in der gleichen Welt angesiedelt ist und ähnliche Regeln benutzt, aber dennoch ganz neue Aspekte ins Spiel bringt: Hordes wurde geboren, der brutale und urtümliche Bruder von Warmachine. Statt um große humanoide Maschinen, die sich mit Gewehr und Schwert gegenseitig vernichten, geht es jetzt also um wilde Monster, die sich mit Zähnen und Klauen bis aufs Blut bekriegen.

Hordes spielt nicht in der zivilisierten Welt der westlichen Königreiche, sondern in den wilden, unerforschten Randgebieten, wo Monster lauern und uralte Magie praktiziert wird. Kennern von Warmachine werden direkt die Ähnlichkeiten zwischen beiden Spielen auffallen. Jede Armee wird von einem Kriegsmagier angeführt, der hier Warlock heißt. Er kann die Monster unter seinem Kommando zu besonderen Leistungen anstacheln, was diese sehr effektiv werden lässt. Die Kehrseite ist, dass die Monster durch dieses Antreiben Wut aufbauen, wodurch sie in wilde Raserei verfallen können und womöglich eigene Einheiten angreifen.
Der Warlock braucht diese Wut aber auch, um damit seine Zaubersprüche zu wirken, sich zu heilen oder seine Angriffe zu verstärken. Zuviel Wut bringt also große Probleme, zu wenig aber auch. Durch das Regelwerk ziehen sich viele hervorragende Photos und Illustrationen. Das Buch wird dadurch zu einem optischen Leckerbissen, der in dem gebundenen Hardcover auch stabil daherkommt. Auf etwa den ersten 70 der 208 Seiten befasst sich das Buch mit den Grundregeln, die zwar einfach, aber doch taktisch fordernd sind. Alle werden möglichst klar erklärt und sind mit Beispielen und Diagrammen versehen.

Hordes ist vor allem als Skirmish-System ausgelegt, kann aber ohne größere Probleme auch für größere Schlachten verwendet werden. Wenn man das Hordes Regelbuch hat, dann benötigt man eigentlich nur noch einige sechsseitige Würfel sowie die Starterbox einer der vier Fraktionen und das Spiel kann beginnen.
Eine Seite zieht immer all ihre Figuren, dann ist der Gegner am Zug. Grundsätzlich wird bei einem Angriff mit zwei sechsseitigen Würfeln gewürfelt und zu dem Ergebnis der Fähigkeitswert der Figur hinzuaddiert. Für Nah- und Fernkampf gibt es je einen gesonderten Wert. Erreicht oder übertrifft dieses Ergebnis den Verteidigungswert des Ziels, so wird es getroffen. Dann würfelt der Angreifer im Normalfall wieder 2w6 und addiert dazu die Stärke der verwendeten Waffe. Ist das Gesamtergebnis größer als die Panzerung, so erleidet das Ziel für jeden Punkt Differenz einen Punkt Schaden. Die meisten Infanteristen verkraften nur diesen einen Punkt und sind schnell ausgeschaltet, doch große Bestien des Krieges können bisweilen gewaltige Mengen an Schaden einstecken.
Quasi jedes Modell und jede Einheit verfügt darüber hinaus über Sonderregeln, deren Kombination sie einzigartig machen. Eine Bestie des Krieges kann z.B. dazu angestachelt werden, beim Angriff und beim Schaden sogar drei Würfel zu werfen, was die Erfolgschancen natürlich stark erhöht.
Keine Einheit ist nutzlos, alle erfüllen eine oder mehrere Aufgaben auf dem Schlachtfeld. Grundsätzlich gilt, dass der Angreifer bei Hordes einen sehr großen Vorteil hat, was einen sehr aggressiven und schnellen Spielstil fördert, der direkt zu Beginn des Buches allen Spielern nahegelegt wird: “Play like you’ve got a pair!”

Der große Mittelteil des Buches ist den vier Fraktionen gewidmet. Jede von ihnen wird mit einer Kurzgeschichte und einem historischen Abriss der Fraktion eingeleitet, die es auf besonders gelungene Weise schaffen, die Atmosphäre um die Fraktion gekonnt einzufangen und wiederzugeben. Jede der danach beschriebenen Einheiten hat ihre eigene, sehr hochwertige Illustration bekommen, die natürlich auch in Farbe gehalten ist.
Die vier Fraktionen von Hordes Primal sind die Trollbloods, der Circle Orboros, die Skorne sowie die Legion Everblight.
Die Trollbloods sind die Abkömmlinge der großen Trolle, gesegnet durch zähe Körper und einen unbändigen Willen verteidigen sie ihre Wälder und Siedlungen gegen jeden Aggressor, der sie bedroht. Sie haben ihre wilden und unzivilisierten Verwandten unter ihren Bannern vereint, so dass riesige, reinblütige Trolle ihre Armeen verstärken.
Der Circle Orboros ist eine uralte Sekte von menschlichen Druiden, welche die Mächte der Erde selbst verwenden um die Wildnis vor Angreifern und der beständig fortschreitenden Zivilisation zu schützen. Magische Konstrukte und wilde Bestien ergänzen diese Armee.
Die Skorne sind ein Volk von aggressiver Humanoiden aus dem Osten des Landes, die von einem vertriebenen König Cygnars angeführt werden, in dem sie einen wiedergeborenen Eroberer sehen. Sie sind grausam und setzen Todesmagie, sowie Schmerzen ein um ihre Truppen und Kriegsbestien zu beherrschen.
Als letztes wird die Legion of Everblight vorgestellt, eine Gruppe von verdammten Wesen, welche durch die Essenz eines Drachen verändert und verdorben wurden. In ihren Reihen finden sich groteske Drachengezüchte und verzerrte Eiselfen, deren Zivilisation durch diese Bedrohung fast völlig vernichtet wurde.
Alles in allem vier sehr unterschiedliche und interessante Fraktionen, wobei jede ihre eigenen Vorzüge und Schwächen hat, die es auszunutzen gilt.

Der Rest des Buches enthält noch Szenarien, Photos der Miniaturen, Bemaltipps und ein umfangreiches Glossar für die Begriffe des Spiels. Leider nicht enthalten ist eine Schnellübersicht mit den wichtigsten Regeln und einer Übersicht der Zugphasen.
Wie man bereits in dieser Rezension sieht, ziehen sich englische Begriffe durch das gesamte deutsche Regelwerk. Man hat sich entschieden, die Namen der Einheiten nicht zu übersetzen, sondern im englischen Original zu belassen. So führt man also nun Tharn Ravagers ins Feld, statt Tharn Verwüster. Auch die Eigennamen von Personen und Orten wurden beibehalten, was den Lesefluss manchmal stört, wenn man etwa von ‘Madrak Ironhide, dem Thornwood Chieftain liest, der die Grenze der Bloodstone Marches von Western Immoren bewacht.’
Auch die Namen einiger Waffen wurden im Original belassen, andere übersetzt. So zieht die Archdomina Makeda mit zwei Swords of Baalash in den Kampf, während ihre Praetorians Schwerter tragen.

Hordes funktioniert nicht nur alleine sehr gut, sondern kann auch mit Warmachine zusammen gespielt werden! Beide Spiele sind in der gleichen Welt angesiedelt und verwenden den gleichen Regelkern. Nur die Kontrolle der Warcaster über seine Kriegsmaschinen unterscheidet sich von der Kontrolle der Warlocks über ihre Bestien. Doch wenn eine Hordes-Fraktion gegen eine Warmachine-Fraktion kämpft, spielt das in den seltensten Fällen eine Rolle.
Für jede Figur finden sich ihre Werte und Sonderregeln nicht nur in diesem Buch, sondern auch bei der beigelegten Datenkarte im jeweiligen Blister oder der Box der Miniatur.
Das macht das Überprüfen von Werten und das Nachhalten von Lebenspunkten bei mächtigen Modellen sehr einfach. Das Buch ist erfreulich fehlerfrei, lediglich auf Seite 133 wird dem Basilisk Krea bei den Spezialregeln unterstellt, ein Harrier zu sein, eine Einheit der Legion of Everblight.

Mit Hordes – Primal liegt eine sehr ansprechende deutsche Version dieses excellenten Tabletop-Spiels vor, das eigentlich jeder Fan von Tabletops zumindest einmal anspielen sollte.


Titel: Hordes: Primal (Hardcover)
Verlag: Ulisses Spiele{jcomments on}
Autoren: Matt Wilson u.a.
Sprache: deutsch
Empf. VK.: 29,99 Euro
Seiten: 208

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