Pandemie

Vogelgrippe, Schweinegrippe – sie alle haben auch ihre guten Seiten. Etwa diesen Sommer, da haben sie der gesamten Medienwelt über das Sommerloch hinweg geholfen. Das war nett. Oder aber hier im Falle von Pegasus Spiele: Die haben die Gunst der Stunde erkannt und bringen mit „Pandemie“ ein nettes, taktisches Brettspiel, dass man nicht gegeneinander, sondern eher in der Gruppe gegen sein System spielt. Ähnlich wie etwa Days of Wonders „Schatten über Camelot“ auch. Das Spiel kam bei Kritikern wie Käufern soweit gut an und ist nominiert zum Spiel des Jahres 2009. Aber wie finden wir es?

Der Packungsinhalt
„Pandemie“ kommt in einem stabilen, aber nicht über die Maßen robusten Pappkarton daher. Der Karton ist dabei gut gefüllt. Neben einer guten, übersichtlichen und vollfarbigen Anleitung im A4-Format gibt es dort: den Spielplan, 116 Spielkarten, 96 Holzwürfel in vier Farben, fünf hölzerne Spielfiguren und eine kleine Hand voll Pappmarker. Negativ fällt bei der Menge leider allenfalls auf, dass das Innere der Box nicht so effektiv in Fächer unterteilt worden ist, wie es sein könnte, so das gerade nach einem Transport zu Freunden die Karten leicht durcheinander sind, der Rest dagegen sogar sehr. Abhilfe verschafft eine transparente, wieder verschließbare Plastiktüte, aber so ganz perfekt ist das auch nicht.
Toll ist dagegen die Aufmachung. Die Grafiken sind allesamt schön, alle Texte sind gut lesbar und das Design ist, alles in allem, sehr ansprechend.

Anzumerken ist noch, dass es zwei unterschiedliche Cover für das Spiel gibt. Die erste Ausgabe der deutschen Version verwendet das Cover der amerikanischen Edition (mit einem Wissenschaftler in voller Montur), ab der zweiten Auflage ist es dagegen ein anderes Motiv (mit einer blonden Wissenschaftlerin u.ä.).
Optisch gibt es sonst keine Unterschiede, allerdings einige Errata, wie weiter unten unter „Support“ noch weiter erklärt.

Das Spiel
Der Aufbau des Spiels geht recht schnell von statten. Bis zu vier Spieler ziehen jeweils eine Rolle aus einer Sammlung von fünf Karten und bestimmen damit ihren Beruf und die damit verbundenen, besonderen Fähigkeiten. Mit anderen Karten werden die Seuchenherde, die zu Beginn bereits existieren, festgelegt und, wie auch sonst im Spiel, mit den kleinen Holzwürfeln markiert.
Ein Spielzug ist danach in eine Reihe von Aktionen und das Ziehen von zwei Kartenstapeln unterteilt. Mit seinen Aktionen kann der Spieler etwa den Seuchenherd reduzieren, Forschungsstationen errichten oder auch schlichtweg Reisen unternehmen. Jede Rolle hat zudem eigene Fähigkeiten – der Arzt etwa kann wesentlich effizienter Krankheiten heilen wohingegen der Dispatcher in der Lage ist, alle Figuren weitaus schneller über die Karte zu bewegen. Nach seinen vier Handlungen sind noch Züge von zwei Kartenstapeln dran. Der Spieler zieht zwei Spielerkarten, die im Spiel verschiedene Funktionen von schnelleren Reisen bis hin zur Entwicklung von Heilmethoden abdecken, sowie – anfangs – zwei Infektionskarten, die neue Krankheitsausbrüche in den verschiedenen Städten der Spielkarte auslösen.
Kommt es durch gezogene Karten zu s.g. Epidemien, so kann es aber auch sein, dass man bald drei, teilweise sogar vier Infektionskarten pro Spieler ziehen.

Es gibt eine ganze Reihe von Kriterien, die zur Niederlage der Spieler führen können. Sollten irgendwann alle Holzwürfel einer Farbe auf dem Spielplan liegen etwa. Oder wenn es zu einem achten Ausbruch (mehr als drei Würfel in einer Stadt) gekommen ist. Oder wenn der Zugstapel der Spielerkarten aufgebraucht ist. Es ist nicht leicht, die Welt zu retten.
Der sicherste Weg ist es, zu diesem Zwecke Gegenmittel zu entwickeln. Dazu muss ein Spieler fünf Spielkarten der gleichen Farbe auf der Hand halten und diese dann abwerfen, um in eben dieser Farbe einen Wirkstoff zu entwickeln. Da Spieler Karten untereinander tauschen können, allerdings nicht ohne verschiedene Einschränkungen, entwickelt sich daraus sehr schnell eine große, taktische Komponente, da man gleichzeitig die Krankheitsherde eindämmen und dabei untereinander die Karten tauschen muss.

Der Spielverlauf ist, im Gegensatz zu dem, was obige Zeilen vielleicht vermuten lassen, schnell erlernt und intuitiv. Neben der Anleitung helfen aber zur Not auch noch Merk-Karten sowie Angaben direkt auf dem Spielbrett dabei, alles im Blick zu behalten.

Erweiterungen
Die Erweiterung des Spiels „Pandemie: Am Abgrund“ ist für dieses Jahr auf Deutsch geplant. Die englische Version, „On the Brink“, ist bereits erschienen und erweitert das Spiel um neue Rollen, Ereignisse und eine fünfte Seuche.
Wir werden die deutsche Ausgabe, wenn sie erschienen ist, mit einer eigenen Rezension behandeln.

Support
Bei „Pandemie“ liefern Pegasus wie eh und je bekannte und damit gewohnt hohe Qualität im Bereich des Supports ab. Wie bei den meisten Spielen aus Friedberg gibt es auch hier auf der offiziellen Webseite pegasus.de ein Unterforum für Pandemie, wo allen Fragen gerne Antworten zugedacht werden. Außerdem – und das ist noch wichtiger – gibt es die Spielanleitung in der aktuellen Version der dritten Auflage online als PDF-Download, wodurch auch Besitzer der ersten Edition Zugriff auf die leicht überarbeiteten Regeln haben.

Fazit
„Pandemie“ ist ein sehr schönes Spiel. Es ist leicht zu lernen und zu spielen, aber es ist nicht leicht zu gewinnen. Die Spielergruppe muss an einem Strang ziehen, um überhaupt eine Chance zu haben und selbst dann ist der Sieg nicht leicht zu holen.
Der Zufall spielt dabei eine große Rolle, allerdings nicht immer eine spielentscheidende. In einer Partie waren wir nach wenigen Zügen bereits fertig, weil der Kartenstapel schlecht sortiert war und wir von einer einzelnen der vier Seuchen ziemlich radikal überrannt wurden. Allerdings sind das Sonderfälle und in der Regel präsentiert das Spiel einen willkürlichen, harten, aber fairen Gegner. Auch Niederlagen sind eher motivierend als frustrierend – wir „wollten es dem Spiel mal zeigen“ während des Spieltests.
„Pandemie“ kriegt von mir eine klare Empfehlung, sowohl im Rahmen der Spiele, die man als Gruppe gegen die Mechanik spielt, wie auch im Rahmen von Brettspielen allgemein. „Pandemie“ ist ein richtig tolles Spiel zu einem fairen Preis.


Name: Pandemie
Hersteller: Pegasus Spiele
Sprache: Deutsch 
Spieler: 2-4 Spieler {jcomments on}
Spieldauer: 30-60 Minuten
Empf. VK.: 34,95 Euro
Komplexität: Leicht zugänglich, taktisch anspruchsvoll

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