Vor den Toren von Loyang

So, nach langer Zeit gibt es mal wieder eine Rezi von mir. Leben frisst Zeit. Aber diesmal gibt es an dieser Stelle von mir keine Rezension zu einem chinesischen Historien-Hunnen-belagern-China-Zelluloid-Spektakel, sondern zu dem Spiel der Firma H@ll-Games.

Die Verpackung suggeriert mir, dass es darum geht Getreide und Gemüse anzubauen und an irgendwelche Käufer zu verkloppen. Soweit so gut.

In der Praxis gestaltet sich das jedoch weitaus schwieriger. Zuerst einmal ist die Spielanleitung nicht gerade einfach konzipiert. Dicker Minuspunkt. Es kann ja nicht sein, dass zwei durchschnittliche Mitteleuropäer ihre liebe Not damit haben, die Spielregeln zu interpretieren und während des Spiels fleißig rätseln, ob man es denn nun richtig spielt. Einige Zeit später haben wir erfahren, dass es eine bessere Anleitung beim Hersteller im Internet gibt. Und die ist wirklich verständlich und veranschaulicht den Spielablauf richtig gut. Aber warum packt man diese Erklärregeln nicht in die Packung? Oder ist mittlerweile auch für Brettspiele ein Internetzugang erforderlich? Bei so viel Holz und so viel Pappe in einem so großen Karton, wäre noch reichlich Platz für ein weiteres Faltblättchen gewesen.

Aber irgendwann hat man diese Hürde auch genommen, der Abend ist weiter voran geschritten und man pflanzt eifrig sein Gemüse an, verkauft es an Stammkunden oder Laufkunden und kassiert dafür Käsch. Je mehr Käsch man einnimmt umso mehr Fortschrittspunkte kann man sich kaufen. Und wer am Ende die meisten Punkte, hat gewonnen.

Ich könnte jetzt seitenweise was dazu schreiben wie man das Spiel spielt und was es alles zu beachten gibt. Aber das ist unnötig, denn die allwissende Müllhalde Internet ist voll davon und der geneigte Leser kann bei Interesse des Spielablaufs Google bemühen und sich die Anleitung und die Erklärregeln auf der Seite des Herstellers angucken.

Um es auf den Punkt zu bringen: Uns hat das Spiel nicht so wirklich unterhalten. Man arbeitet halt seine Schritte ab, macht sein Ding, guckt zu was die anderen Mitspieler tun und schaut das man sein Käsch vermehrt. Das ist ja alles schön und gut, aber der Funke will nicht überspringen, da es uns so vorkam, als wäre die Interaktion mit seinen Mitspielern gleich Null. Es gibt zwar bestimmte Karten mit denen man das Spiel des Gegners beeinflussen kann. Aber so der richtige Knaller war das nicht. Ich mag aber auch keine Spiele, die man mit anderen alleine spielt. Irgendwann ist das Spiel zu Ende und jemand hat gewonnen. Toll. Lange Spielzeit (ca. 2-3 Stunden für eine Partie) kombiniert mit partieller Langeweile und zu wenig Interaktion. Das taugt in meinen Augen nicht für einen gelungenen Spielabend. Der Wiederholungsfaktor hält sich sehr in Grenzen, auch da das Spiel nach mehrmaligem Spielen für uns nicht besser wurde. Die Spielerfahrung lässt sich meiner Meinung nach mit „Die Säulen der Erde“ vergleichen. Auch dort kam es mir so vor, als spiele man für viele Stunden gemeinsam alleine.

Wenn ich jedoch im Internet die übermäßig positiven Rezensionen zu dem Bauern-Monopoly hier lese, komme ich zu dem Schluss, dass diese Art von Spiel nix für uns ist oder bei anderen Spielerkonstellationen einfach auf fruchtbareren Boden fällt. Der Strategie-Faktor wird sehr gelobt und die Komplexität des Spiels. Naja. Uns kam es nicht so vor, als würde das Spiel so wahnsinnig viele Möglichkeiten bieten. Es ist bezeichnend das keiner der Mitspieler große Lust auf erneute Partien hatte.

Aber bei der ganzen Kritik gibt es auch positives zu vermerken. Die Gestaltung des Spiels ist gelungen. Die Karten sind schön gemalt und die Gemüse-Plättchen aus Holz sehen ulkig aus. Aber wie bereits erwähnt, mehrmals spielen wollte das keiner der Befragten.

Zu erwerben gibt es das Dingen quasi überall ab 35 €. Wir denken, das Geld kann man sinnvoller investieren oder man steht total drauf Kaufmannsladen im alten China, oder „Der sich den Lauch pflanzt“ zu spielen.


Name: Vor den Toren von Loyang 
Verlag: H@ll Games {jcomments on}
Sprache: deutsch
Autor: Uwe Rosenberg
Empf. VK.: 35 Euro

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