Space Alert – Unendliche Weiten

Space Alert erschien 2008 und überzeugte Spielefans mit seinen tollen, kooperativen und hektischen Spielmechaniken und der beigefügten CD, über die die Missionen absolviert wurden. Dies wurde 2009 auch mit dem Sonderpreis "Neue Spielwelten" der Spiel-des-Jahres-Jury gewürdigt. 2011 erschien die deutsche Version der Erweiterung zu diesem tollen Spiel unter dem Namen Unendliche Weiten. Wobei es irgendwie falsch wäre, von "der Erweiterung" zu sprechen, denn es sind vier neue oder erweitere Spielelemente in Box enthalten!

Diese Erweiterungen sind sowohl einzeln, als auch in Kombination zu einander spielbar. Als Gimmick können zudem noch sieben Pappmedaillen für einzelne Funktionen auf dem Schiff verteilt werden. Es ist zwar spielerisch irrelevant, ob ein Spieler die Marke des Sicherheitschefs oder des Wissenschaftsoffiziers trägt, aber es hilft die Aufgaben der Spieler zu koordinieren. Auch wenn sieben dieser Crewabzeichen enthalten sind, ist auch Unendliche Weiten "nur" maximal mit fünf Leuten spielbar.

Aber das ist wirklich nur Spielerei, denn die neuen Inhalte haben es in sich und sollten nur von Spielern angegangen werden, die viel Erfahrung mit dem Grundspiel haben. Das liegt zum einen an der steigenden Komplexität und zum anderen einfach am knüppelharten Schwierigkeitsgrad der neuen Missionen und Herausforderungen. Ein Team das bereits bei Space Alert Schwierigkeiten mit der Koordination hatte, sollte eher noch ein paar Partien davon spielen, bevor sie sich an Unendliche Weiten wagen. Unsere Stammrunde lachte bisweilen nur verzweifelt, als die neuen Karten durchgeschaut wurden ...

Die erste und auch leichteste Erweiterung sind die Doppelaktionen, die das Aktionskarten-Set aus dem Grundspiel ersetzen können. Die Spieler haben damit die Möglichkeit in einer Aktion zwei Handlungen auszuführen. Während man bei Space Alert nur in Richtung rot oder blau gehen, bzw. einen Knopf drücken konnte, kann man nun auch gleichzeitig beispielsweise C drücken und dann nach rot gehen. Damit kann man theoretisch natürlich doppelt so viele Aktionen durchführen wie üblich, ABER halt nur die, die auf der Karte stehen und dann nur in der Reihenfolge. Dadurch wird noch mehr Koordination und Absprache am Spieltisch gefordert, was den Anspruch, aber auch die Effizienz der ganzen Truppe sehr steigern kann. Wenn man mit Unendliche Weiten startet, sollte man diese Neuheit meines Erachtens als erstes ausprobieren. Spätestens dann, wenn man die neuen Missionen auf der CD der Erweiterung testet, die neben schwereren auch mehr Bedrohungen als Space Alert bieten.

Diese 48 neuen Bedrohungen bieten neben gesteigerten Schild- und Lebensenergiewerten der Feinde vor allem gemeine neue Fähigkeiten. So gibt es nun planetengroße Schiffe, die alle Sektoren attackieren und auch von dort attackiert werden können und sogar einen Planeten. Mhm. Dazu kommen Gegner, die nur jede zweite Runde attackiert werden können, die über nahezu undurchdringliche Schilde verfügen, sich auf dem Schiff verstecken oder die Sektoren wechseln, in denen sie angreifen und angegriffen werden können. Wie schon erwähnt, ist das alles harter Tobak und eine echte Herausforderung, selbst für gestandene Crews. Aber vielleicht können da die neuen Systeme für Spezialisierungen und Erfahrungspunkte helfen.

Spezialisierungen sind einzelne, aber sehr mächtige Karten, die es einem Spieler einmal erlauben, etwa Raketen von einem beliebigen Feld abzufeuern, Bedrohungen für eine Runde zu verlangsamen oder sich an einen anderen Ort im Schiff zu teleportieren. Und diese gibt es dann zudem noch in einer fortgeschrittenen Version, die noch einmal mächtiger ist und eine weitere Option bietet, wie etwa für eine Runde ohne Energie temporäre Schilde zu errichten oder zu verhindern, dass jemand in seinem Sektor des Schiffs in einer Runde ohnmächtig werden kann. Diese Spezialisierungen können entweder einzeln gezogen werden und ersetzen die goldenen Karten aus Space Alert, oder sie müssen durch Erfahrungspunkte verdient werden.

Erfahrungspunkte erhält man durch erfolgreiche Missionen. So macht es endlich einmal Sinn, beim Reaktor aus dem Fenster zu schauen und weitere Punkte anzuhäufen! Da die Sterblichkeit bei der Besatzung der Tontauben-Schiffe doch recht hoch ist, kann man sich auch dazu entschließen, Klone von sich erstellen zu lassen, damit nicht die ganze gesammelte Erfahrung nach dem eigenen Ableben verloren geht. Und mit der Kampagnenmethode wachsen einem nicht nur die eigenen Forscher ans Herz, sondern werden eben auch besser. Und, was für mich noch total (!) wichtig ist: es gibt Erfolge. Ähnlich wie bei modernen Videospielen, kann man durch bestimmte Aktionen Erfolge "freischalten". Das reicht von "Einsamer Wolf" für das Abschließen einer Solo-Mission, über fast nur durch Zufall erreichbare Erfolge wie "Geisterschiff", in dem man mit einem Schiff voller Bewusstloser die Mission gewinnen muss, bis hin zu humorvollem Kram wie "Promiskuität", für das man an einem Tag mit zehn verschiedenen Leuten gespielt haben muss. Sicherlich nur ein lustiger Bonus, aber auch ein zusätzlicher Anreiz, noch einmal mehr zu spielen, als man es vielleicht sowieso vorhatte.

Unendliche Weiten ist eine Erweiterung, wie man sie sich wünscht. Bestehende Spielelemente wie Abfangjäger werden durch neue Elemente wichtiger, bzw. werden anders genutzt, neue Spielelemente gliedern sich geschmeidig in das bekannte System ein und bieten dennoch neues, alles ist optional und modular spielbar und das Preis-Leistungsverhältnis der kleinen Box ist auch noch toll. Selbst diejenigen, die die Erweiterung nicht spielen, können mit dem toll erklärten und übersichtlichen Regelheft eine tolle Zeit verbringen, da alle Beispiele von amüsanten und stimmungsvollen Tagebucheinträgen begleitet werden. Unendliche Weiten ist eine beispielhafte Spielerweiterung!

Mit freundliche Unterstützung des Heidelberger Spieleverlags.


Name: Space Alert – Unendliche Weiten
Spieler: 1 bis 5
Verlag: Heidelberger Spieleverlag 
Sprache: deutsch
Autor: Vlaada Chvatil
Aufmachung: gut
Empf. VK.: 21,95 Euro 
Komplexität: Mittel
EAN: 4015566030572


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Kommentare (1)

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Das Original gehört auch definitiv auf meine "Noch zu spielen!"-Liste!

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