Mage - Ascension

The Tenth Sphere Revealed – Prepare for Finale Judgement
vom Backcover von Ascension

Das Ende ist nun ganz nah. Mit "Ascension" liegt das vorletzte gedruckte Produkt der "alten" WoD vor uns und leitet damit auch naheliegend das Ende für das dritte der drei großen WoD-Hauptsysteme ein. Die Vampire und Garou hatten ihren Anteil, nun sind die Magi dran.
Wer das in der Dicke seinem Vorgänger entsprechende Buch betrachtet, der wird schnell einige Unterschiede feststellen. Weniger im Cover, welches enigmatisch und faszinierend auf dem Cover glänzt – eine letzte Coverarbeit von Christopher Shy, der wohl für die gesamte dritte Edition prägend war.
Nein, auffälliger ist schon, dass das sich über die Cover der letzten Bände ergießende Blut hier durch den "Zerstückel"-Filter gejagt wurde, der auch in den bisherigen Bänden in der Randgestaltung der Innenseiten Anwendung fand. Ebenso auffällig ist, dass man besagte Ränder auf den Seiten gar nicht mehr verändert hat – scheinbar war den Machern das negative Design der bisherigen Bände apokalyptisch genug.

Ebenfalls fast schon ungewöhnlich für Magus ist die hohe Qualität des Artworks. Die Verbrechen des Leif Jones wurden ganz ausgespart und auch Alex Sheikmann wurde eher klein gehalten. Dafür wirkt das restliche Artwork von Langdon Foss, Michael Gaydos, Jeff Laubenstein, Larry MacDoufall, Jean-Sebastien Rossbach und Drew Tucker auch so richtig beeindruckend – vor allem die Illus des siebten Kapitel konnten selbst den Rezensenten noch mal wirklich beeindrucken.
Kurzum: "Ascension" ist ein optisch sehr schöner Band geworden und insofern mehr als würdig dieses inhaltlich grandiose, optisch aber meist vernachlässigte System zu beenden.

Doch stimmt auch hier der Inhalt? Los geht's wie nun schon bekannt: eine einleitende Kurzgeschichte gibt schon mal den Ton vor (und alleine die Namen Senex und Voormas sollten dem mit dem Hintergrund vertrauten Leser zeigen, was das wohl heißt), danach folgen ein paar Worte des Abschieds der Redaktion sowie das obligatorische 'Wie man dieses Buch benutzt'.
Eigentlich nichts Neues hier, allerdings verrät dieses Kapitel schon, was dieses Buch auszeichnen wird: die Redaktion bekennt sich offen zu einer Auflösung!
Ja, was bei Vampire in Foren angedeutet und bei den Werwölfen völlig offen blieb, wird hier ausgesprochen: das erste Szenario, "Judgement", ist zumindest 'as close as we get to providing an "official" story'.

Warum also noch zögern? SPOILERWARNUNG ausgesprochen und auf geht's!
Naja, zunächst mal kommt noch das erste Kapitel mit den obligatorischen Zeichen der Endzeit. Was hier rekapituliert wird, ist eigentlich recht bekannt – nicht zuletzt auch, weil das "Storyteller's Handbook" natürlich erst letztes Jahr erschienen ist und damals bereits einmal den gesamten Metaplot zusammen gefasst hatte. Somit erfahren wir also noch mal, dass es den Roten Stern gibt, dass die Hölle voll ist und die Toten auf den Straßen wandeln, dass es einen der Vorsintflutlichen der Vampire 1999 erlegt hat und – das ist noch frisch – dass es die s.g. Psychopomps gibt, die sich den Avatarsturm widersetzen können.
Darauf folgen fast zwanzig Seiten weitere Zeichen und Vorausdeutungen – schön, wenn auch etwas viel und übersichtlich dargestellt, 'Legenden des Untergangs' zu jeder Tradition inklusive der Hollow Ones, eine Weiterführung der Nachrichten des 'Rogue Council' und zwei Seiten zum Thema "End Time Seekings". Nett, nützlich, keine Offenbarungen.

Dann aber: "Judgement", das nahezu offizielle letzte Kapitel. Und wow, wann immer man bisher bei Magus von hohem Level sprechen konnte – dies hier ist es auch.
Kurz gefasst: Voormas, böser Schwarzmagus und Langzeitschurke, fürchtet den Tod. Nicht das Ableben an sich, sondern die große Abrechnung mit all seinen über die Jahrhunderte hinweg verübten Gräueltaten. Um seinen Tod zu verhindern und nicht nur, wie bisher, hinauszuzögern, sieht er nur eine Möglichkeit: er muss das 'Wheel of Ages' stoppen und so die Welt in ewige Stasis sperren. Zu diesem Zweck will er sich die 'Shard Realm of Entropy' nehmen und rückt daher vor. Sein Gegenspieler Senex erhebt sich ebenfalls wieder aus seinem Versteck und rückt dem mit einem Viertel der Euthanatos entgegen.
Die Spieler folgen weiter den Botschaften des Rogue Council und werden im Laufe der Geschichte auch hinter die Sphinx blicken können, unter anderem durch die Beihilfe Dantes, dem Virtuellen Adepten, der mittlerweile nicht mehr nur Meister der Korrespondenz ist, sondern schon eher als Orakel zu sehen ist.
Man merkt es, man merkt es ... hier wird mit schwersten Geschützen gekämpft. Dennoch schafft es die Handlung, die Geschichte gut abzurunden, findet eine gute Erklärung für die zehnte Sphäre – die hier selbstredend noch offenbart wird. Schöner noch allerdings wirkt es, dass die Spieler richtig viel Einfluss haben; je nach Gruppe fragt man sich dann vielleicht, warum ausgerechnet die Spieler die Auserwählten sind, aber wer diese Hürde meistern kann, der kann ihnen hier wirklich eine Achterbahnfahrt bieten, die je nach Ausgang sowohl in vollkommenem Untergang wie auch in der Erleuchtung der Massen münden kann.

Da aber einzelne Parteien in der obigen Geschichte etwas zu kurz kamen, werden diesen eben doch noch vier weitere Alternativszenarien eingeräumt. Leider aber liegt die Stärke des Buches eindeutig in "Judgement", der Metaplot war scheinbar doch zu zielstrebig geplant um hier wirklich noch befriedigende weitere Enden zu finden.
Das interessanteste dieser zusätzlichen Vier ist sicherlich Kapitel drei, "The Revolution will be Televised". Gerade wer selber Technokraten als Gruppe hat, wird dieses Kapitel lieben. Denn natürlich interessieren sich die Technokraten nur sehr begrenzt für das, was in der Dimension, die die Magi 'Shard Realm of Entropy' nennen, abgeht und Voormas ist auch nur ein weiterer Realitätsverletzter, wenn auch ein machtvoller.
Daher schildert dieses ebenfalls umfangreiche Kapitel nun einmal das Ende aus der Sicht der Technokraten, die natürlich eine ganz andere Meinung zur Massenerleuchtung haben. Und auch das 'Panopticon" bietet noch einiges Potential, ebenso wie mancher Technokrat in Anbetracht einiger mittlerweile sehr vernünftiger Magi ebenso ins Grübeln kommen kann wie im Hinblick auf seine aus dem Tiefen Umbra funkenden alten Meister, die den Orakeln der Traditionen auch nicht mehr allzu unähnlich sind.

Das vierte Kapitel dagegen ist dann der Tiefpunkt des Buches. Ein Asteroid rauscht gen Erde und kann alles Leben auslöschen. Punkt. Keine Ahnung, was sich die Entwickler bei diesem Plot gedacht haben, der eigentlich in keiner Beziehung in das Gesamtbild passen will. Klar, die Magi entdecken ihn zuerst, klar, ein Marauder hat einen größeren Anteil, aber warum man nicht mal den doch recht naheliegenden Roten Stern mit eingebunden hat ist mir unklar.
Gut zwanzig Seiten, die man besser sofort überblättert...

...nur um weiter in die Traufe zu geraten. "A Whimper, not a Bang" tritt das Magus-Gesamtbild ebenso beherzt und kräftig in die Seite. Fremde Wesen, woher auch immer, die teilweise bewusst aussehen wie die klassischen Roswell-Aliens, stehlen der Avatare unserer Dimension und schwächen so beständig das gesamte Magieniveau ... um es mal in einem Wort zu sagen: Hä?

Mal sehen ... Traditionsmagi, Technokraten, unmotivierte Klumpen aus dem All unter Mitwirken eines Marodeurs und Aliens – fehlt da nicht wer? Richtig, die Nephandi. Der Titel des sechsten Kapitels ist demnach auch Programm: "Hell on Earth".
Daran ist eigentlich auch nicht zu meckern, allerdings hat das Szenario zwei dicke Haken. Der erste Haken ist die Unumgänglichkeit des tragischen Ausgangs. Für eine Geschichte vom Ende der Welt, eine Tragödie, ist das zwar im Grunde okay, aber wie das Buch auch selber schreibt, besteht die immens große Gefahr frustrierter Spieler. Kann ich mir auch gut selber vorstellen: da baut man seinen Charakter über Jahr auf, liebt dessen Ecken und Kanten ebenso wie seine Fähigkeiten, nur damit der dann in einem undurchschaubaren und unaufhaltsamen Wirbel von Ereignissen untergeht? Nur unter großem Vorbehalt...
Zum anderen werde ich bei Szenarien misstrauisch, die eine Einleitung wie folgt haben: "You are about to betray everything you ever believed about the Ascension War and humanity's place in the world of the Awakened."
Aber mal davon abgesehen, dass auch dieses Szenario eine eigene Suppe kochen möchte und wohl kaum einen Spieler, den ich kenne, wirklich befriedigen kann, ist dies auch ein ganz ordentliches und spielbares Szenario geworden.

Das siebte Kapitel, "Designing Ascension", kennt man ähnlich auch bereits von "Gehenna" und "Apocalypse", mit dem Unterschied, dass hier noch eine ganze Reihe neuer Antworten gegeben wird – beispielsweise auch zum Rogue Council. Und darum steht dieser Absatz hier auch noch unter dem Spoiler-Motto, aber ich denke, es lohnt sich schon zu erwähnen, dass dem Konzil auch solche Namen wie 'Bernadette of the First Cabal' und nicht zuletzt Porthos Fitz-Empress angehören; zumindest mehr oder weniger.

SPOILER ENDE.
Ansonsten bietet das siebte Kapitel eben die klassischen Richtlinien, was man so beim Erstellen der eigenen Kampagne beachten sollte, fasst noch mal zusammen, wie die Fronten sonst so stehen (Stichwort: das neue Horizont-Konzil etc.) und liest sich gut.
Tipps zur Epik in der WoD sind ebenso nützlich wie einige andere Anmerkungen, etwa zum Thema Gegenspieler, wohingegen die enthaltenen Regeln zur Durchführung von Kriegen mal wieder richtiger Blödsinn sind. Schön dagegen wieder eine lange, lange Abhandlung zum titelgebenden Thema des Bandes: der Erleuchtung.

Abgerundet wird das Buch gewohnt von einem Stück Kurzgeschichte, und es freut mich ganz persönlich doch sehr, dass die letzten offiziellen Sekunden des Spiels 'Mage' dann noch einmal Penny Dreadful, einem der dienstältesten und regelmäßigsten Charaktere des Spiels, gehören.

Insgesamt lässt mich 'Ascension' durchaus sehr zufrieden zurück. Zwar sind gut sechzig Seiten des Buches ziemlich Blödsinn, dafür ist der Rest des Buches, von der Optik bis zum restlichen Inhalt, ein wirklich würdiger Abschluss für das letzte der großen WoD-Systeme.
Wer die Reihe verfolgt hat, der kommt an diesem Buch nicht vorbei!


Name: Ascension 
Verlag: White Wolf 
Sprache: Englisch
Autoren: Brian Campbell, Stephen Michael DiPesa, Conrad Hubbard, Sam Inabinet, Kathleen Ryan und Malcolm Sheppard
Empf. VK.: 29,99 US-Dollar 
Seiten: 223{jcomments on}

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