Jäger - Die Vergeltung

Erobern sie die Nacht zurück!
Jahrhundertelang haben übernatürliche Kräfte geherrscht, Krieg gegeneinander geführt, die menschlichen Herden dezimiert und aus den Schatten heraus nach uns gegriffen. Seit dem Heraufdämmern der Geschichte halten die Kreaturen der Nacht Hof.
Aber nichts währt ewig.
Aus der Masse der Menschheit erheben sich einzelne, die die Wahrheit kennen. Sie wissen, dass es Monster gibt. Genug ist genug. Die Mächte der Finsternis werden zur Rechenschaft gezogen.
SIE sind die Vergeltung!
vom Backcover von Jäger: die Vergeltung

Es ist jetzt schon einige Zeit her, dass "Jäger", die F&S-Übersetzung von "Hunter: The Reckoning" aus dem Hause White Wolf erschienen ist. Das Erscheinen des Spiels besiegelt einen der wichtigsten Einbrüche im Rollenspielhintergrund der World of Darkness: Die Vernichtung eines mächtigen Wesens aus grauer Vorzeit setzte jede Menge Energie und Karma frei und brachte Einbrüche in die Storylines der großen Systeme: Die Vampire erwarten die Rückkehr ihrer Ahnen-Götter und Kains, für die Werwölfe ist die Apokalypse angebrochen, die großen Gemeinschaften der Magi sind zerspellt und nur die Schwächsten von ihnen überlebten, für die Feen ist endgültig der Winter der Phantasie eingebrochen und mit der totalen Verwüstung der Totenlande erhielt der Hintergrund von "Wraith: The Oblivion" einen tragischen Abschluss und das System verließ den Reigen der großen Fünf.


Mit den Jägern erschien nun eine neue Art übernatürlicher Charaktere - und zum ersten Mal seit längerer Zeit ein neues, vollständiges Grundregelwerk für die WoD...
Eins vorweg: Sooo neu ist Jäger natürlich nicht geworden. Es basiert weiterhin auf dem Storytellersystem, allein schon um Kompatibilität zu gewährleisten (für Uneingeweihte: Grundidee sind Attribute und Skills mit einem Wert zwischen Null und fünf, die dann zusammen den Pool für einen Wurf ergeben - etwa Geschick + Körperkraft. Die Punkte im Pool bestimmen die Anzahl von W10, mit denen gegen eine bestimmte Schwierigkeit gewürfelt wird. Ergebnisse gleich oder besser als die Schwierigkeit sind Erfolge, die Menge der Erfolge bestimmt denGesamterfolg des Wurfs). Ebenso gibt es auch wieder bestimmte Gruppen mit bestimmten Kräften, in diesem Fall "Bekenntnisse". Entsprechende "Bekenntnisbücher" sind selbstverständlich in Produktion.
Was also macht Jäger so neu und interessant? Und was beim Geier ist ein Jäger überhaupt? Jäger an sich hat es in der WoD schon länger gegeben, Menschen, die die ganze übernatürliche Population um sich bemerkt haben und dieser nun nachspüren, etwa die Erben der mittelalterlichen Inquisition oder FBI-Leute mit seltsamen Fällen, eigentlich aber nur Randerscheinungen. Der normale Sterbliche lebt blind in dieser Welt der Korruption, des Verbrechens und des Verfalls und egal was für coole Monster man spielen konnte - den Normalos ging es immer echt drekig. Das hat sich jetzt geändert, seit der übernatürlichen Weltkatastrophe werden die, die am meisten leiden und am zornigsten auf die Welt sind beseelt - sie erkennen die Monster unter sich und bekommen von flüsternden Stimmen im Kopf und seltsamen Menetekeln den Auftrag, die Menschheit von ihnen zu befreien.
Und das wars dann. Die meisten Jäger vernichten ihr erstes Monster, nachdem es ihnen offenbart wurde und bleiben recht hilf- und ahnungslos zurück. Je nachdem könnte sogar die Polizei hinter ihnen her sein oder sie sind anderweitig gezwungen, ihr vorheriges Leben aufzugeben. Sie müssen feststellen, dass die Monster überall sind, untote Obdachlose, vampirische Medienmoguln, Serienkiller mit Pelz und Klauen und blutige Hexenkulte in Stadtparks. Ein Jäger hat ein paar Kräfte und die Überaschung auf seiner Seite (welcher jahrhundertealte, mächtige Vampirprinz erwartet schon, dass ihm die nette Oma auf der Straße mit ihrer bügeleisenbefüllten Handtasche den Schädel herunterhaut?), werden aufgrund ihres Unwissens und der Tatsache, dass sie im grunde doch nur ganz normale Menschen sind (und sein wollen) aber irgendwann garantiert erwischt und getötet.
Nur wer sich ganz dem Kampf verschreibt und zum haltlosen Fanatiker wird oder wer lernt mit anderen zusammenzuarbeiten kann auf Dauer Erfolg haben. Untereinander können sich die Jäger mit einer Art archaischen Piktogrammsprache erkennen und verständigen, die sie mit der Beseelung intuitiv beherrschen, ihre größte Kommunikationsbasis ist jedoch das Internet. Das "Hunter-Net" ist ein virtueller Ort, an dem sich Hunter weltweit treffen und verständigen können und trotz der Gefahr der Infiltration durch die Monster hat es sich bisher als das effektivste Mittel zur Aufklärung und Koordination der Jäger erwiesen. Hier entstand auch erstmals die Idee, dass die Jäger verschiedenen Kategorien angehören, eben den Bekenntnissen.
Die Rächer haben sich der totalen und kompromisslosen Vernichtung der Monster verschrieben, die Verteidiger wollen eher ihre Mitmenschen schützen, die Richter bemühen sich um ein rationales Vorgehen und eine objektive Beurteilung der Monster, die Erlöser glauben, dass auch Monster selbst Opfer desw Bösen sind und versuchen, sie zu befreien, die Märtyrer leiden unter ihrem Zustand und sind daher ein wenig selbstzerstörerisch, die Unschuldigen haben keine Ahnung, aber auch keine Vorurteile und die Visionäre scheinen sowieso mehr zu wissen und hinterfragen die ganze Jagd.
Der große Reiz an Jäger ist das Gefühl völliger Ahnungslosigkeit. Auch der SL weiß eigentlich nicht, was hinter all dem steckt. Und gerade für Einsteiger in die WoD ist es, denke ich, sehr schön, einen Charakter zu spielen, der genausowenig weiß wie er selbst und sich die Hintergründe erst langsam erschließen kann. Gegen Vampire hilft doch Weihwasser, oder nicht? Blöd, wenn davon dein Leben abhängt... Auch über die Natur ihrer Beseelung sind sich die Charaktere unklar, gibt es Gott oder sind sie von Aliens erwählt? Haben sich irgendwelche versteckten Gene aktiviert, die sie zur neuen Entwicklungsstufe der Menschheit machen oder sind sie nur Marionetten von Monstern, die dadurch ein wenig die Reihen ihrer Konkurrenz lichten wollen?
Das gibt dem SL natürlich auch die Möglichkeit, ganz eigene Horrorszenarien zu bauen, die bisher nicht so richtig möglich waren. Wenn Vampire oder Magi einen direkt mit Tonnen von Hintergrund erschlagen haben, ist Jäger am besten völlig ahnungslos zu spielen. Vielleicht haben Vampuire ja Angst vor Kreuzen? Und Magi sind wirklich die bösen satansokkultisten aus dem Fernsehen? Auch traditionelle Horoor- und Splatterstorys können rollenspielerisch erfahren werden, wie der Werwolf in der Nachbarschaft und die Zombiearmee im Kaufhaus, Schleimdinger im Kanal und die untote Grundschullehrerin.
Wer auf solche Stories steht oder allgemein in die WoD reinschnuppern will, der sollte sich Jäger auf jeden Fall zulegen. Aber auch der erfahrene Spielleiter hat mit Jäger die Chance, seine Gruppe mal eine Perspektive von der anderen Seite zu geben und die Welt der Dunkelheit noch düsterer zu schildern.
Der Preis ist normal für ein Grundregelwerk und man kriegt ein dickes Buch mit wirklich schönen Illus (wie üblich für ein neues System hat man sich einen ganmzen Pulk neuer und guter alter Zeichner an Bord geholt), das endlich auch mal ohne Kompendium für den Erzähler spielbar ist. Wer also zumindest ein wenig Interesse in der Richtung zeigt, der sollte zugreifen.


Name: Jäger die Vergeltung 
OT: Hunter: the Reckoning 
Verlag: Feder & Schwert {jcomments on}
Sprache: Deutsch
Autoren: Wayne Peacock, Greg Stolze u.a.
Empf. VK.: 33,21 Euro 
Seiten: 208

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