nWoD - Antagonists

The Shadows go deeper than
you can possibly imagine.
Kill me, but know this:
There is no going back now.
vom Backcover von Antagonists

Ja, ich gebe zu, ich scheine eine skeptische Natur zu sein. Als die neue WoD angekündigt wurde, war ich skeptisch. Als „Ghost Stories“ angekündigt wurde, war ich skeptisch. Ja, und auch als das vorliegende Buch, „Antagonists“, angekündigt wurde, war ich es.
Was sollte das auch werden? Das große WoD-Monsterhandbuch? Nun, in den beiden erstgenannten Fällen war ich am Ende ja doch sehr begeistert, warum also nicht auch den Antagonisten eine Chance geben?

Zunächst einmal muss man sagen, dass das Buch wieder bombig aussieht. Zur generellen Aufmachung sei der geneigte Leser hier einmal auf die Rezension der oben genannten Produkte hingewiesen, das Cover aber verdient besondere Erwähnung. Becky Jollensten hat eine überaus verstörende Vogelscheuche mit Gasmaske erschaffen, die zwar keine konkrete Bindung zum Inhalt zu haben scheint, einen aber doch fesselt. Das Bild ist faszinierend und regt die Phantasie an – was will man da mehr?
Das innere Artwork ist weitestgehend, wie man es kennt. Etwas weniger Araya diesmal, dafür aber andere gute Künstler, die ebenfalls den neuen, düstereren Look gut transportieren und so etwas wie eine Mischung aus der „guten alten“ Riege der Vampire-2nd-Künstler sowie neuer, talentierter Gesichter zu sein scheinen. Gefällt mir und lässt, legt man sie heute noch mal daneben, Produkte der alten WoD schnell verblassen. Neu und faszinierend sind übrigens die NSC-Portraits, deren Künstler eine faszinierende Mischung auf Fotokopie und Linoldruck erzeugt, leider aber keinen Namen darunter gesetzt hat.
Wunderschön also, einmal mehr.

Kommen wir demnach direkt zum knackigen Teil, zum Inhalt. Was also kann ein generischen WoD-Buch zum Thema Antagonisten bieten, ohne dabei zum Monsterhandbuch oder zur Liste plumper Extras zu verkommen? Eine Menge, wie sich gezeigt hat.
Kapitel eins behandelt die „Living Dead“, also klassische Zombies. Hier wird alles geboten, was man zu dem Thema brauchen könnte und egal, ob man nun eher klassische Romero-Zombies oder doch lieber die flinken Burschen aus „28 Days Later“ haben will, hier ist alles möglich. Doch halt, nur Zombies? Mitnichten! „Imbued“, also zum (Un-)Leben animierte Puppen, Golems und ähnliche, „Revenants“ (tendiert gen ‚The Crow‘) und deren unfreundlichere Ableger, die „Intruder“, werden ebenfalls behandelt.
Das Kapitel ist dabei, wie das ganze Buch, atmosphärisch geschrieben, aber dabei gut abgesetzt mit ergänzenden, spieltechnischen Kommentaren angereichert. Die Sahnehaube für micht ist definitiv der Zombiebaukasten, der es einem dann noch ermöglicht, komplett modifizierte Hirnfresser zu erschaffen. Und Einträge wie „Contagios 4: Airborne. Welcome to the apocalypse“ lassen den geneigten Erbauer durchaus schmunzeln.

Kapitel zwei läuft unter dem Titel „A Need for Vengeance“. Es geht hier um ein Konzept, so alt wie Monster: Monsterjäger. Gemeint sind aber keine semiübernatürlichen Jäger wie seinerzeit in „Demon Hunter X“ (sowie allgemein im ‚Year of the Hunter‘) oder voll übernatürliche Jäger wie in „Hunter“, sondern normale Leute, die den guten Kampf gegen die Monster aufnehmen.
Auch dieses Kapitel begeistert vor allem durch die guten Überlegungen, die darin stecken. Einen Mob mit Ketten, Stangen und Fackeln ausstatten, das kann jeder. Hier aber wird vielmehr darüber nachgedacht, wie sich eine solche Jagdgruppe erfolgreich behaupten kann, auch wenn sie es mal mit dickeren Biestern aufnimmt. Vielleicht nicht gerade den Prinzen der Stadt, aber einige der hier beschriebenen Ansätze können wohl auch mancher übernatürlichen Spielergruppe ernsthaft Ärger machen. Somit ist es zugleich eine gute Lektüre für sterbliche Charaktere wie auch für Erzähler übernatürlicher Runden und wider Erwarten eine sinnige Ergänzung.

Das dritte Kapitel widmet sich „the Righteous and the Wicked“, Kulten also. Auch dieses Kapitel steckt voller guter Ideen, ist aber meines Erachtens das Schwächste in dem gesamten Band. Irgendwie ist zwar alles drin, was einem zum Thema Kulte so einfallen könnte, aber nur an wenigen Stellen gelingt es dem Buch, hier über Allgemeinplätze hinaus zu kommen. Auch die gebotenen Regelmechanismen zur Gehirnwäsche wären vielleicht jetzt so nicht wirklich notwendig gewesen.
Dafür sind die Beispielkulte ungemein abenteuergeeignet, gerade Christina Morrison, „Hierarch of Persephone Unbound“ hat es mir sehr angetan. Insgesamt gut, aber nicht überragend.

„Fear given Form“, Kapitel vier, ist dagegen mein absoluter Liebling in dem Buch. Hier werden nun jene Monster beschrieben, die in keine andere der Kategorien passten. Nicht nur, dass hier das geleistet wird, was ich mir einst bereits von „Hunter: Urban Legends“ erhofft hatte aber nicht bekam, nein, hier wird vor allem noch einmal belegt wie viel offener für eigene Ideen die neue WoD in ihrer Konzeption schon ist.
Zehn Beispielkreaturen und einige generelle Informationen werden gegeben und eigentlich möchte man jede Zeile sogleich in seine Kampagne einbauen. Die Kreaturen sind unterschiedlich, inspirierend und teils sogar innovativ, garantieren also insgesamt einige sehr spannende Sitzungen. Vor allem aber garantieren sie den Spielern einige unangenehme Überraschungen, denn – um es mal platt zu sagen – nur weil es Blut trinkt ist es nun noch lange kein Vampir.

Abschließend kann ich auf „Antagonists“ eigentlich nur die gleichen Lobeshymnen singen wie schon auf die neuen Grundregeln und „Ghost Stories“. Es ist ein wunderschön aufgemachtes Buch voller guter Ideen, frei vom alten Dogmatismus, den alten Zwängen und dem alten Schubladendenken, eine Einladung für Erzähler mit eigenen Ideen und zugleich ein flexibles Regelkleid, das man seinen Kreationen kinderleicht anpassen kann.
Dieses Buch ist eine unbedingte Empfehlung!


Name: Antagonists {jcomments on}
Verlag: White Wolf 
Sprache: Englisch
Autoren: Pamela Collins, Aaron Dembski-Bowden, Jonathan McFarland und Morgan A. McLaughlin
Empf. VK.: 24,95 US-Dollar 
Seiten: 132

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