nWoD - Changing Breeds

Nature is FED UP with us.
In fact, she‘d like to have a chat with you.
vom Backcover von Changing Breeds

Mein erster Gedanke, als der vorliegende, generische WoD-Band seinen Weg in meine Wohnung fand, war definitiv „Oh mein Gott“. Denn mal ehrlich, irgendwann fragt man sich ja doch, warum die Hälfte der Bücher, die vermutlich gute Werewolf-Produkte geworden wären, ihren Weg in die generische Reihe nehmen müssen.
Im Falle von „Skinchangers“ war das inhaltlich ja sogar noch okay, im Falle von „Shadows of the UK“ dagegen ein schweres Verbrechen. Und nun also „Changing Breeds“.
Es sieht von außen schon mal wieder eher wie ein W:tF-Buch aus. Das farbenfrohe Cover von Abrar Ajmal mit seinem eher comichaften Stil spricht da alleine schon Bände. Aber immerhin sieht es schön aus, ist handwerklich gut und White Wolf haben mal wieder einen Weg gefunden, ihren „matt und glänzend“-Look kreativer zu nutzen und das Bild so gekonnt etwas mehr zu akzentuieren. Gefällt mir gut.
Auch das Innenlayout des Buches ist gewohnt, aber gut. Vor allem sind dieses Mal noch mal durchweg viele Bilder im Text zu finden, deren Qualität mit wenigen Abstrichen auch noch über dem Durchschnitt liegt, weshalb das Blättern in dem Buch alleine bereits Freude macht.

Und während ich so darin blätterte, ging mir langsam auf, das ich einen kapitalen Irrtum begangen hatte, dass meine „Werewolf“-Schelte fehl am Platze war. Denn was „Changing Breeds“ wirklich ist, hatte ich zunächst gar nicht erkannt: Es ist ein Mini-Grundbuch.
Es ist nicht der erste Vertreter seiner Art (das war glaube ich „Ghouls“), aber ein sehr interessanter: „Changing Breeds“ ist das Buch für alle, die gerne Wandler spielen wollen, die aber eben keine Wölfe sind.

Zur Abgrenzung: Die Uratha, also die Werwölfe des gleichnamigen Spiels, sind ja mutmaßlich bekannt. Skinchangers nun bot zwar auch Wesen an, die eine derartige animalistische Komponente hatten, die sich auch verwandeln konnten, aber bei denen dies durch einen Spirit geschah. Die hier enthaltenen Kreaturen stellen dagegen die komplette Palette denkbarer Werkreaturen dar.
Und das ist ja durchaus spannend.

Gegliedert ist das Buch mit 216 Seiten recht schwere Buch in eine Einleitung und vier Kapitel. Die Einleitung verdient dieses Mal aber durchaus noch eine Erwähnung, denn sie bietet nicht nur einen dieser unglaublich praktischen wahr/falsch-Kataloge der großen Splats, sondern auch die vielleicht umfassendste Literaturliste eines WoD-Buches bisher. Mehr als zwei Seiten umfasst die eindrucksvolle Übersicht und hilft einem ebenfalls schon gut, zu dem Thema des Buches zu finden. Zumal einige sehr klassische, teils aber auch regelrecht kreative Ideen darin versammelt sind.

Das erste Kapitel heißt „The Wild Heart“ und präsentiert generelle Informationen und Theorien zum Thema Gestaltwandler. Das ist interessant, auch für fanatische W:tF-Anhänger, denn die ganze „Father Wolf“-Theorie will natürlich erst einmal ordentlich in Frage gestellt sein, wenn man es nicht zuletzt sogar mit katzenhaften Gestaltwandlern zu tun haben könnte.

„Building the Perfect Beast“ ist das dazugehörige Charaktererschaffungskapitel. Hier finden sich auch gleich eine ganze Reihe neuer Regeln um die erschaffenen Wesen auch zu spielen, inklusive neuer Advantages, Aspects und neuer Mechanismen. Ein gut geschriebenes Kapitel voller guter Ideen.
Dazu gibt es auch hier wieder fünf „Gruppen“, denen Charaktere entstammen können. Da gibt es die ruhigen, harmonischen „Den-Warder“ mit ihrem starken Sinn für Soziales (Typischerweise also etwa Bären, Elefanten oder Hunde), die raubtierhaften „Heart-Ripper“ (Wolf, Hai, Tiger, Skorpion usw.), die neugierigen, problemlösenden und begabten „Root-Weaver“ (Spinnen, Affen, Raben etc.), die rebellischen „Sun-Chaser“ (unter anderem Fuchs, Ziege, Kojote, Wiesel) und die eher einzelgängerischen „Wind-Dancer“ (etwa Eule, Büffel, Jaguar und Luchs).

Das dritte Kapitel heißt „The Breeds beneath Our Skins“ ist dann ein gigantischer Katalog möglicher „Gattungen“, denen man so oder so in einer Kampagne begegnen könnte. Die hier aufzulisten würde wahrhaften den Rahmen sprengen, aber man kann sagen, dass eigentlich alles von klassisch (Bastet, also Werkatzen) über bizarr (Werelefanten und Werrhinozerosse) bis hin zu echt spannend (Werhunde; also eine große Möglichkeit, die Überschneidungen mit den Uratha in mögliche Handlungsfäden zu verwandeln).
Mehr als achzig Seiten füllt dieses Kapitel, hier wird also vermutlich wohl jeder fündig werden, zumal jeder Eintrag auch noch einmal eine ganze Palette von Unterkategorien hat.

Den Abschluss bildet dann, auf sehr wenigen Seiten, „Faces in the Smoke“, eine kleine, aber feine Sammlung von Beispielcharakteren. Kann man nicht viel Schlechtes drüber sagen, gebraucht hätte ich die umgekehrt aber auch nicht.

Insgesamt hat mir „Changing Breeds“ nach der vorhergehenden Skepsis dann doch sehr gut gefallen. Es ist voller guter Ideen und seht stimmungsvoll umgesetzt, gerade verglichen mit dem, was es da teilweise in W:tA so zu sehen gab. Keine Rokea hier, versprochen.
Ob man das Buch braucht, ist wie immer bei der WoD wohl vor allem eine Frage des ganz persönlichen Geschmacks. Wer vor hat, Werkreaturen in seiner Kampagne einzubauen, der ist hier gut aufgehoben. Die kann man als Spielercharaktere sicherlich spannend einsetzen, oder auch als Ergänzung für eine W:tF-Runde. Oder aber, man konfrontiert seine sterblichen WoD-Charaktere mit den Kreaturen, egal auf welcher Seite der Flinte.

Das Buch bietet jedenfalls ordentliches Potential und, insgesamt, eben genau das, was der Titel verspricht. Ob man es braucht oder nicht ist reine Geschmackssache; sehr gut gelungen ist es allemal.


Name: Changing Breeds 
Verlag: White Wolf {jcomments on}
Sprache: Deutsch
Autoren: Phil Brucato, Jackie Cassada, Alexa Duncan und Elizabeth Jordan Leggett, mit jeremy Duncan und Nathan Ballingrude
Empf. VK.: 31,99 US-Dollar 
Seiten: 214

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