Vampire - The Requiem – Belial‘s Brood

Don‘t say our name.
Never say it.
Scream it.
Shriek it.
vom Backcover von Vampire: the Requiem – Belial‘s Brood

Nachdem die regulären Covenants bereits vom Tisch sind und die VII im gleichnamigen Quellenband sogar eine sehr coole, frei nutzbare Adaption erhalten haben, liegt nun mit „Belial‘s Brood“ das letztmögliche Buch dazu vor.
Belial‘s Brood, ganz kurz für jene die kein Vampire spielen aber aus was auch immer für Gründen diese Rezi lesen, dass sind die ganz bösen Vampire. Die blutrünstigen, massakrierenden Schlächter unter den Blutsaugern. Der Bodensatz der moralisch Fragwürdigen.
Und das ist keine einfache Prämisse für ein Quellenbuch.

Aber fangen wir wie immer außen an. Das Coverbild von Matthias Snygg ist handwerklich sehr schön und zeigt eine geradezu sakral anmutende Szenerie, was – wie wir im Laufe dieser Rezension sehen werden – erstaunlich viel Sinn macht. Es ist wie immer matt gedruckt und mit glänzenden Elementen garniert, ganz so, wie man das bereits von dutzenden WW-Büchern kennt.
Der Druck ist okay und leider nach wie vor weitab von dem, was die nWoD anfangs noch aufgeboten hat, zumindest aber hoch aufgelöst und scharf. Die Bindung ist dagegen mal wieder ein waschechter „Chinakracher“, wenn ich das so sagen kann.
Die Innenillustrationen kommen aus dem gewohnten Lager und bieten die gewohnte Summe aus handwerklich solider bis exzellenter Arbeit und einem recht wilden Stilmix. Cathy Wilkins jedenfalls hat einige ziemlich starke Motive beigesteuert, von denen ich gerne mehr sehen möchte.

Inhaltlich gilt ebenfalls wie so oft die „alles beim Alten“-Regel, nach der es eine einleitende Erzählung, eine Einleitung, vier Kapitel und einen Appendix gibt. Ist aber ja okay, das Format hat sich in der Vergangenheit ja durchaus bereits bewährt.
Was mir allerdings direkt unangenehm aufgefallen ist, ist die Abkehr vom „VII“-Format. Anders als bei dem Buch zu dem anderen der beiden Schurken-Covenants hat man in „Belial‘s Brood“ wieder eine einzige, wenn auch gewohnt offen beschriebene Interpretation der Truppe. Finde ich sehr schade, zumal sogar bereits „VII“ suggerierte, was für unterschiedliches Potential in der „Brood“ stecken könnte. Zwar betont der Entwickler Will Hindmarch in einem gesonderten Vorwort noch, dass das vorliegende Buch auf vielen „optionalen Wahrheiten“ beruht, die man als Erzähler ganz nach seinem Gusto formen kann, aber der Text ist und bleibt auf eine einzelne Deutung hin ausgerichtet. Schade.

Aber man soll ja bekanntlich Rollenspielprodukte nicht gemäß einer enttäuschten Stimmung ob einer falschen Erwartungshaltung beurteilen, schauen wir uns also die Kapitel doch mal im Detail an.
„A History of Vice“ ist das obligatorische Geschichtskapitel zum Bund. Der Abschnitt präsentiert sich als Sammlung fiktiver Quellen und bietet dergestalt drei Geschichten feil, liest sich allerdings etwas zäh. Wer auch immer auf die Idee kam, diesen ganzen Abschnitt in einer überformatigen, serifenlosen Type (Courier, würde ich mal sagen) zu setzen, gehört ohnehin geschlagen. 34 lange Seiten umfasst der Abschnitt und, nee, so wirklich überzeugen konnte mich das nicht. Einfach alles zu dröge und zu unbequem zu lesen.

„The Devil You Know“ ist das zweite Kapitel und der große, allgemeine Überblick über „Belial‘s Brood“. Hier gibt es sehr viel Hintergrund, spirituelle Glaubensrichtungen und ganz weltliche Strukturen zum Covenant. Irgendwie, so muss ich zugeben, gefällt mir auch hier die Ausarbeitung nicht wirklich. Das Grundbuch zeichnete das Covenant als eher unter einem Oberbegriff zusammengefasstes Sammelsurium irrsinniger Satanisten und Spinner, die streng der „Tu was du willst soll dein einziges Gesetz sein“-Crowley-Doktrin folgen. Hier nun bekommt das alles Form, Struktur, Hierarchie.
Das weiter oben bereits erwähnte Vorwort von Hindmarch betont auch, dass er das Buch ursprünglich nicht machen wollte, damit dieser Schrecken der WoD nicht vermenschlicht würde. Hätte er mal besser auf seinen Instinkt gehört, denn mal ehrlich: Nach dem, was ich hier lesen konnte, ist zwar offenkundig, dass die Jungs vom „Brood“ dicker einen an der Waffel haben als der Rest, aber auch nicht wirklich viel schlimmer.

„Blood of Belial“ wurde dann das dritte Kapitel getauft und und setzt diesen Trend fort. Wir bekommen „the Hexad“ vorgesetzt, eine Zusammensetzung der größten Fraktionen innerhalb des Covenants. Das sind „The Nameless“, „The Roaring Serpent“, „The Pandaemonium“, The Mercy Seat“, „The Throne of Smokeless Fire“ und „The Scarlet Rite“; alles zusammen die typischen Gruppen, wie man sie aus diversen Ecken bereits kennt.
Dazu kommen dann noch drei kleinere Fraktionen, die man kaum namentlich nennen darf. „The Teeth of Yamatu“ sind halt eine weitere Fraktion, aber dass der Spitzname der „Horned Hand“ „Alpdrücke“ ist, das tut schon was weh. Schmerzhafter ist aber „The Corpus Delecti“. Leute! Echt! Die Übersetzung mit „The Body Criminal“ ist dann auch nur noch die Sahnehaube.
Man addiere dann noch die Brood-exklusive Blutlinie „Therion“ (die echt ein paar coole Features hat, dazu gleich mehr) und die Ghulfamilie der Doulosi und fertig ist das Reißbrett-Kapitel 3 eines jeden Covenant-Buchs.

„The Wages of Sin“ ist dann die gewohnte regeltechnische Abhandlung. Hier kommen wir dann auch direkt zu dem Punkt, warum Therion cool sind. Die haben eine exklusive Disziplin namens Choronzon, mit der sie in der Lage sind, einige gesonderte Fähigkeiten zu adressieren. Um nur ein Beispiel zu geben – Consolamentum ist eine Fähigkeit, mit der ein Mitglied des Covenants die Kräfte des Therion anzapfen kann, um nicht weiter in seiner Menschlichkeit zu degenerieren. Das bedeutet effektiv, dass er weit wahnsinniger wüten kann und dennoch die Kontrolle über sich behält.
Da das aber nur bei regelmäßiger Anwendung funktioniert, erzeugen die Therion so ein Abhängigkeitsverhältnis mit dem einzigen Gut neben Vitae, mit dem man einen Vampir wohl locken kann: Kontrolle über das Biest. Das finde ich wirklich cool, das gefällt mir und vereint Storytelling und Regelmechanismen zu einem stimmigen Konzept.
Die restlichen Kräfte hier sind ebenfalls mystische Anwendungen, die nur der Brood offenstehen, mir aber schon wieder zu sehr in die „Oh Gott, ich bin so ein schreckliches Monster, aber sieh nur, was für tolle Kräfte ich dafür bekommen habe!“-Richtung gehen, unter der das System auch in der nWoD-Fassung halt bisweilen leidet.
Devotions gibt es auch, wie immer.

Der Appendix heißt „The Adversary“ und bietet, na klar, die passenden Beispiel-NSCs. Zwölf Stück mit sehr unterschiedlichem Geschichts-Potential, aber alles in allem zumindest in Ordnung. Eben auch gewohnte Kost.

Eigentlich ist das Buch gar nicht übel. Alles außer Kapitel 1 ist gut geschrieben und es sind tolle Ideen im Text versteckt, ganz voran die Therion. Aber ich habe ein großes Problem mit dem vorliegenden Buch.
Im Grundbuch wurde ein „Covenant“ vorgestellt, dass zumeist nicht einmal wirklich lange in einer Domäne überlebt, da sie brutal und unsubtil vorgehen, blutrünstig und bestialisch. Das vorliegende Quellenbuch nun hat aus ihnen eine Vereinigung gemacht, die organisiert genug ist, um einen Oberbegriff für ihre sechs größten Fraktionen zu haben.
Das missfällt mir einfach maßlos. Aus einer der grauseligsten und gruseligsten Truppen des Spiels ist eine Art „etwas kaputteres“ Covenant gemacht worden, dass aber jetzt sagen wir mal den schlimmsten Ausreißern eines Lancea Sanctums auch nicht viel voraus hat. Sicher, „Belial‘s Brood“ sind auch in diesem Buch noch immer üble Gesellen, aber es geht mir dennoch nicht wirklich weit genug. Der schiere Irrsinn, den das Grundregelwerk versprach, ist abwesend und das ist einfach schade.

Man bekommt kein schlechtes Buch, wenn man „Belial‘s Brood“ kauft, sicher nicht. Aber gute Einfälle und schlanke, verständliche Erklärungen haben noch keine Klausur gerettet, die am Thema vorbei ging.
Wem die Idee eines „normaleren“ Untergrund-Covenants namens „Belial‘s Brood“ gefällt, der rechne das Buch ruhig eine ganze Note nach oben, alle anderen improvisieren vielleicht lieber mit den Ideen aus dem Grundbuch und den bisherigen Quellenbüchern.


Name: Belial‘s Brood 
Verlag: White Wolf {jcomments on}
Sprache: Englisch
Autoren: George Holochwost, Khaldoun Khelil, Ari Marmell und C. A. Suleiman
Empf. VK.: 26,99 US-Dollar
Seiten: 156

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