Vampire - The Requiem - Rites of the Dragon

„I saw in the abbot‘s mirror my twisted countenance and I knew the hell-wolf I had become.“
auf dem Backcover zitiert nach V:tR – Rites of the Dragon

Bücher, die innerhalb der Spielwelt existieren, erfreuen sich bei White Wolf ja schon seit jeher großer Beliebtheit. Früher hatten die Vampire unter anderem ihr „Buch Nod“, Magi ihr „The Fragile Path“ und die Hunter hatten ihre „Apocrypha“.
Es hat auch bei der neuen World of Darkness nicht lange gedauert, bis das entsprechend erste Buch dieser Art in den Läden lag. „Rites of the Dragon“, so der Titel des Buches, richtet sich klar an Anhänger des Ordo Dracul.
Richtig, die neue Vielseitigkeit unter den Blutsaugern, die sich mit dem Requiem ausgebreitet hat, kommt ohne einheitliche Schöpfungsgeschichte daher und es ist wohl auch nur eine Frage der Zeit, bis das Lancea Sanctum etwa auch ein „Testament of Longinus“ bekommt.
Nun, es ist definitiv ein schönes Buch geworden. Meine Gangrel-Spielerin nennt es „kuschelig“ und hat damit wohl auch nicht ganz Unrecht, denn anders als früher ist auch dieser Band nun ein Hardcover, jedoch in Samtimitat geschlagen und wie früher vom Seitenformat her normalen Taschenbüchern gleichend. Kombiniert mit silbern geprägtem Titelbild und entsprechender Schrift sieht es einfach schnieke aus, zumal das dunkle Rot des Einbandes erstaunlich stimmungsvoll aussieht. Nicht so eine „Ampelfarbe“ wie der Würfelbeutel der offiziellen V:tR Dice etwa.

Die Innengestaltung ist dabei weit aufwendiger und, sagen wir, künstlerischer als man das von normalen Rollenspielen kennt, mit vielen großen, elegant umflossenen Illustrationen, die man samt und sonders als schön bezeichnen muss. Da man dazu durchweg auf „von Hand zeichnende“ Künstler gesetzt hat, entsteht ein sehr stimmungsvolles Bild und ein sehr atmosphärisches Buch.

Inhaltlich fällt es da auch keinesweg ab. Ich war ja lange zögerlich, ob ich zugreifen würde, doch alleine der Name des Autors stimmte mich versöhnlich: White Wolf konnten Greg Stolze, der unter anderem „Unknown Armies“ und „Hunter“ schon gut bereichert hat, verpflichten, Draculas Memoiren hier zu schreiben.
Es gelingt ihm dabei, die Transformation Draculas und seine Veränderung über die Jahre gut zu präsentieren, ebenso wie sein Text viele Eigenheiten des Requiems gut einfängt. Auch Eigenheiten und Missbrauch seiner „Coils“ werden thematisiert und Vlad selbst eine gute Persönlichkeit verliehen. Das ist es wohl, was das Buch letztlich auch zum Gewinner macht, denn es könnte noch so gut geschrieben sein, wäre die Geschichte langweilig. Dadurch aber, dass man dem Urvater des Ordo Draculs hier richtig Kontur verliehen hat, bleibt man auch als Leser dran.
Da kann man dann auch verzeihen, wenn aus scheinbar dramaturgischen Gründen minimale (!) Eigenheiten in der Geschichte sind, die einem jetzt nach der Lektüre der Grundregeln eher verwundern. Aber da das Buch ja kein Regelband, sondern ein innerhalb der WoD existierender Text ist, kann man das gleich doppelt verschmerzen.
Ebenso übrigens auch einige historische Abweichungen … aber große Charaktere sollten auch nicht einfach an Syphilis sterben. Der Charakter, eben kein Regelbuch zu sein, ist aber dennoch ausschlaggebend, was die Endnote betrifft. Denn so schön „Rites of the Dragon“ ist, es ist doch ein recht spezieller Titel.

Wer jetzt einen Charakter des Ordo spielt, klar, für den ist es eine lohnende Lektüre; Erzähler müssen ja eigentlich eh immer alles wissen, oder zumindest so tun können. Alle anderen aber sollten sich gut darüber im Klaren sein, dass das, was sie da kaufen, allenfalls atmosphärischen Nutzen haben kann.
Es gibt keine „crunchy bits“, keine Disziplinen, keine Devotions und keine Rituale. Auch gibt es mangels Metaplot keine großen Geheimnisse mehr zu entwirren, denn was hier präsentiert wird ist eben eine Weltsicht.
Betrachtet man „Rites of the Dragon“ als Teil der WoD-Fiktionsreihe, so ist man mutmaßlich schon näher dran. Es liest sich gut runter, es macht sogar richtig Spaß, es bietet aufgeschlosseneren Leuten auch einige Abenteuerideen. Aber im Grunde ist es nur eine sehr schön aufgemacht, geradezu inszenierte Fiktion. Wenn man sie als genau das erwirbt, wird man aber auch nicht enttäuscht sein.
Ein „must have“ ist der Band aber sicher nicht.


Name: Rites of the Dragon
Verlag: White Wolf {jcomments on}
Sprache: Englisch
Autoren: Greg Stolze
Empf. VK.: 24,99 US-Dollar
Seiten: 120, Ami-Taschenbuchformat

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