Aus der Asche Middenheims

Ein neues Epos beginnt
vom Backcover von Warhammer Fantasy-Rollenspiel: Aus der Asche Middenheims

Na, wer hätte das Gedacht. Kein Jahr nach Erscheinen des deutschen Grundregelwerks für das Warhammer-Rollenspiel liegt mit „Aus der Asche Middenheims“ bereits der vierte Band für das System vor. Eine tiefe Verneigung meinerseits vor dem Mannheimer Verlag Feder&Schwert, der bei dieser Spielreihe definitiv noch einmal beweist, nicht umsonst einer der letzten „Großen“ zu sein. Wie immer beim deutschen Warhammer gilt dabei, dass ich „Ashes of Middenheim“ vor längerer Zeit ja bereits rezensiert habe und daher nicht alle Informationen aus der alten Rezi hier wiederholen möchte. Hier geht es mehr darum, die Qualität der deutschen Ausgabe zu betrachten.
„Aus der Asche Middenheims“, dass ich fortan aber mal AdAM nennen möchte, alleine weil das Akronym so schön ist, ist dabei allerdings eine interessante Neuerscheinung. Zunächst einmal, weil es der erste Band mit schwarzweißer Innengestaltung, zu dessen Adaption man sich bei Feder&Schwert entschieden hat. „Sigmars Erben“ ist genauso wie das „Bestiarium“ ein vierfarbiges Buch gewesen und somit wirkte die Reihe in Deutschland bisher fast opulenter, da die preisgünstiger zu illustrierenden S/W-Bände schlicht nicht existierten. Ist aber eigentlich auch egal, zumal man bei F&S auch diesmal nicht auf der faulen Haut gesessen hat, was das Layout betrifft. Denn wo „Ashes of Middenheim“ einen planen, weißen Hintergrund hinter seinem Text aufweist, hat man in der deutschen Ausgabe auch hier eine Pergamentstruktur ergänzt, was einfach schöner aussieht. Schnell fällt zudem auf, dass in der deutschen Ausgabe die Textdichte merklich höher zu sein scheint. Das ist nachvollziehbar, ist die übersetzung doch kaum sechs Seiten länger als das Original, ist aber nicht störend. Das sonstige Layout wurde dem dezent anderen deutschen Layout angepasst, was aber weniger ins Auge fällt als einige Korrekturen.
So wurde etwa der Ulricstempel auf der Gesamtkarte der Stadt Middenheims der Schilderung im Buch angepasst, was in der englischen Ausgabe nicht gegeben war.
Apropos Karte, diese ist in der deutschen Ausgabe farbig und auf die Innenseite der Kartondeckel des Hardcover-Buches gedruckt. Das sieht nicht nur schnieke aus, sondern ist auch ein klarer Gewinn gegenüber dem Original.
Doch auch sonst begeistert die Optik durch kleine Verbesserungen und liebevoll eingedeutschte Illustrationen – Schriftzüge in den Bildern wurden ebenfalls übersetzt.
Zuletzt wurde auf optischer Seite auch die Covergestaltung konsequent an die deutsche Reihe angepasst – die roten Rahmen sind in das Bild hinein gezogen, nur einzelne Elemente im Vordergrund liegen wiederum davor und bleiben doch hinter dem Text zurück. Sieht toll aus, wie immer.

Schauen wir nun aber mal nach dem Inhalt, an dem hatte ich ja bisher auch genug zu meckern. Übersetzt wurde der Band von Alexander von Peschke-Pigulla, wie immer mit den Einschränkungen durch das offizielle GW-Glossar. Er hat seine Arbeit dennoch sehr gut gemacht und das Buch liest sich sehr flüssig und angenehm. Die eine oder andere Anspielung ist zwar auch diesmal der Unübersetzbarkeit zum Opfer gefallen (spontan fällt mir da eine auf Stephen King und eine auf H.P. Lovecraft ins Auge), aber das ist unvermeidbar und soll daher auch nicht so sehr als Kritik, nur als Anmerkung verstanden sein.
Der eigentliche Text liest sich gut und hat das vor Verlag gewohnte, angenehm hohe Sprachniveau. Liest man den Text stichprobenartig quer, so stellt man zwar fest, dass der Übersetzer sich einige kleine Freiheiten genommen hat, was allerdings in der Regel eher Verbesserungen sind.

Was bleibt, ist der eher einfache Charakter des Abenteuers, der insbesondere in der Struktur verankert ist. AdAM ist in acht kleine Kapitel unterteilt, die am Stück abgespult werden. Einige sind dabei merklich innovativer als andere, doch im Großen und Ganze ist das Buch daher auch vor allem sehr geradlinig. Wer mit einer TEW-artigen Erwartungshaltung an das Buch geht, wird von der Fortsetzung um die Ereignisse des Grundbuch-Abenteuers sicherlich enttäuscht werden. Andererseits soll sich AdAM ja auch an Neueinsteiger richten und der an sich so seltene Rollenspiel-Nachwuchs wird es mit dem Abenteuer sicherlich einfacher haben als seinerzeit mit „Shadows over Bögenhafen“.
Positiv sind mir einige kleine Anpassungen im Text ins Auge gefallen, wo eventuelle Fehler und Ungereimtheiten, die im Original noch vorlagen, ausgebügelt wurden. Das wiederum ist genau die Qualität, die ich mittlerweile von F&S‘ Warhammer-Büchern gewöhnt bin. Teils sind sogar zusätzliche Beschreibungen und gar Regeln aus der englischen Old World Armory in den Band gewandert, was noch einmal ein Pluspunkt ist.

Insofern steht und fällt die Gesamtnote mit dem Original. Ich habe „Ashes of Middenheim“ seinerzeit als „gut“ bewertet; da AdAM definitiv besser ist als das Original sei es demnach als „voll gut“ bewertet.
Das inhaltlich wenig überraschende Abenteuer und der mit ca. 25 Euro für 100 schwarzweiße Seiten im Hardcover doch ziemlich stattliche Preis sind die einzigen Aspekte, die es von einer noch besseren Note abhalten.

Ich bin gespannt, was F&S mit der Fortsetzung „In den Türmen Altdorfs“ (OT: „Spires of Altdorf“) machen werden, der mir im Original ja eigentlich so gar nicht zugesagt hat. Wir werden sehen. „Aus der Asche Middenheims“ aber ist für Freunde vorgefertigter Abenteuer definitiv eine lohnende Investition, zumal es ja auch eine Fortsetzung des Szenarios aus dem Grundbuch ist. Und, wie schon bei den anderen Bänden bisher, der Vorlage einfach überlegen.

Abschließend gebührt mein Dank übrigens auch dem Übersetzer, der so freundlich war, sogar einer Nachfrage wegen der Art einer einzelnen Übersetzung Rede und Antwort zu stehen.


Name: Aus der Asche Middenheims 
OT: Ashes of Middenheim 
Verlag: Feder&Schwert {jcomments on}
Sprache: Deutsch
Autoren: Graeme Davis u.a.; Deutsch von Alexander von Peschke-Pigulla
Empf. VK.: 24,95 Euro 
Seiten: 104

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