Ashes of Middenheim

The ashes still cool and the wounds still heal after the onslaught of Archaon and the forces of Chaos Undivided – but Middenheim still stands! Perched atop the massive height of the Ulricsberg, the defenders of the Empire threw back the Chaos hordes.
vom Backcover von Ashes of Middenheim

Somit ist er nun da: Der erste Teil der neues, großen und epischen Kampagne für das Warhammer-Rollenspiel, die sich anschickt, das Erbe von „The Enemy Within“ (TEW) anzutreten, ist mit „Ashes of Middenheim“ nun erschienen.
„Paths of the Damned“ heißt die neue Kampagne und natürlich waren alle Spieler, alt wie neu, sehr gespannt auf den Band. Würden Black Industries wirklich fortsetzen können, was unter Games Workshop so grandios gewesen war? Weder Flame noch später Hogshead war dies ja mit den „Doomstones“ wirklich gelungen.

Zumindest hat der Band ein bombiges Cover bekommen. Wieder zeigt er dein zwergischen Slayer und den einäugigen Recken, die wir schon vom Cover des „Old World Bestiary“ kennen und die wohl auch wieder auf dem nächsten Kampagnenband zu sehen sein werden – mir gefällt diese Kontinuität. Doch auch zeichnerisch gefällt mir Christer Sveen, der Stil ist sehr modern, die Farben sehr kräftig und das Arrangement sehr stimmungsvoll. Wenn so die kommenden Bände alle aussehen würden, wäre ich schon sehr glücklich.
Im Inneren des 96 Seiten umfassenden Hardcover ist dagegen wieder weniger gut lachen. Zwar haben sich auch hier einige Bilder von Sveen eingefunden und wirken recht ansehnlich, leider gibt es aber auch wieder das schon aus früheren BI-Bänden bekannte Lineart zu sehen. Denn auch „Ashes of Middenheim“ hat kein farbiges Interieur spendiert bekommen und es gelten daher eigentlich alle Kritikpunkte weiter, die ich auch schon vergangene Rezi an „Plundered Vaults“ gerichtet habe. Leider.
Das betrifft übrigens auch den Preis – denn weiterhin bezahlt man hier viel Geld für quantitativ wenig Seiten.

Blickt man ins Impressum, so sieht man aber einen weiteren Hoffnungsindikator. Graeme Davis feiert mit diesem Buch seine Rückkehr! Das Genie hinter vielen der früheren Meisterwerke und auch Teilen von TEW schreibt offenbar wieder und tritt die „Paths of the Damned“ zumindest los.
Doch bevor die Handlung konkret losgeht, widmet sich das erste Drittel des Buches erst einmal Middenheim selbst. Es erreicht dabei natürlich rein platzbedingt nicht den Detailgrad des alten Quellenbuches „Middenheim – City of the White Wolf“ (aka „City of Chaos“ in der alten GW-Sammelausgabe zusammen mit „Power behind the Throne“), ist aber unerwartet gut geworden.
Das Update der Stadt auf die Post-“Storm of Chaos“-Ära ist sehr gut gelungen, die Atmosphäre bietet weiterhin viel der alten Stadt, wurde aber um viel Nachkriegsstimmung und düstere Erbstücke ergänzt. Middenheim ist noch immer ein Bollwerk gegen das Chaos, doch ist es seit dem Frontalangriff und der beinahe erfolgten Niederlage sowie den Verwüstungen durch die Skaven auch vom Chaos gezeichnet.
Passend dazu gibt es dann auch noch ein paar Regelergänzungen, etwa Werte für die im Krieg vom Chaos verwendeten Hellcannons und Flayerkin.

Danach beginnt das eigentliche Abenteuer, welches sich in acht Kapitel gliedert: „Rats in the Walls“, „The Shrine in the Forest“, „Deadly Cargo“, „The Unquiet Death“, „Panic in the Streets“, „Trial of Fire“, „Corruption‘s Journey“ und „The Truth Will Out“.
Die Geschichte setzt dabei an, wo „Through the Drakwald“ im Grundbuch aufgehört hat. Die Spieler haben etwas erworben, was sie loswerden wollen – bevorzugt in einem Tempel im nächstgelegenen Middenheim. Also reisen sie dort ein, übergeben ihr Fundstück und werden in den Folgeereignissen mehr oder weniger durch Zufall auf einige sehr erschreckende Vorgänge in und um Middenheim aufwendig, dass derzeit durch die Abwesenheit von Graf Boris Todschläger irgendwie wahrlich herrenlos wirkt.
Das Abenteuer gibt sich dabei recht episodenhaft, anders als die ersten Teile von TEW, die ja extrem aus einem Guss wirkten. Andererseits sind die Verbindungen auch wiederum besser gelungen als im eher schwachen „Something Rotten in Kislev“.
Was allerdings wirklich etwas fehlt ist das Gefühl von großer Intrige und vielen Leuten mit eigener Agenda. Gerade die Freiheit, die Spieler wie, gewissermaßen, auch NSCs einst genossen, wurde gegen einen ziemlich ausgeprägten Schienenverkehr ausgetauscht. Jedes der oben genannten Kapitel ist in sich abgeschlossen und stelle eine kleine Etappe dar. So stellt „Rats in the Wall“ ein winziges Investigationsabenteuer dar, dessen Feinde findigen Lesern anhand des Titels deutlich werden sollen und das in einem Minidungeon mündet.
„The Shrine in the Forest“ dagegen ist etwa ein weiterer dungeonartiger Komplex, den die Spieler dann ausheben dürfen, „Deadly Cargo“ stellt nur die Reise zurück nach Middenheim dar usw.
Wie gesagt, die Abschnitte sind miteinander verbunden und es tickt da im Hintergrund auch irgendwo eine schöne Geschichte, aber das wird etwas von dem „tu dies, dann das, nach jenes...“-Konzept überlagert.

Das heißt nicht, dass die „Ashes“ ein schlechtes Abenteuer sind. Ich denke, man kann es gut spielen, der Gesamthandlungsrahmen der Kampagne erscheint zumindest nach dem ersten Eindruck irgendwo verheißungsvoll und ein geschickter Spielleiter kann auch verbergen, dass es in dem vorliegenden Szenario immer nur nach vorne geht.
Natürlich hat das nicht nur Nachteile. Gerade „Power Behind the Throne“ ist so etwas wie eine Maximalprüfung für Spielleiter, mit seinen dreißig NSCs, unabhängig der Spieler ablaufenden Tagesplänen für jeden einzelnen, mindestens ebenso vieler separater Intrigen und einem dichten Zeitplan. „Die Ashes“ sind da natürlich gnädiger und auch ein Neueinsteiger kann den finsteren Plot hier leiten, kann sich an den einzelnen Kapiteln wie an helfenden Händen entlang ziehen.
Alte Hasen freuen sich zudem über viele Anspielungen an vergangene Zeiten (denn natürlich hat auch der Kult der ‚Purple Hand‘ einen Auftritt), neue Spieler über schöne Handouts und beide zusammen erhalten einen sehr guten Abenteuerrahmen, mit dem sich schon gut arbeiten lässt. Neueinsteiger werden sicherlich zudem viel von dem Middenheim-Hintergrund-Kapitel profitieren, das sehr inspirativ und informativ geworden ist.
Aber an die Genialität eines „Shadows over Bögenhafen“, „Death on the Reik“ oder gar „Power Behind the Throne“ reichen zumindest die „Ashes of Middenheim“ noch nicht heran. Man darf aber einmal gespannt sein, wie sich im Herbst der zweite Teil – „Spires of Altdorf“ – wohl schlagen wird.


Name: Ashes of Middenheim 
Verlag: Black Industries 
Sprache: Englisch{jcomments on}
Autoren: Graeme Davis
Empf. VK.: 24,99 US-Dollar 
Seiten: 96

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