Bestiarium der Alten Welt

Hier gibt es Monster!
vom Backcover von Warhammer Fantasy-Rollenspiel: Bestiarium der Alten Welt

Recht pünktlich erschien Anfang 2006 der erste Ergänzungsband zum Rollenspiel „Warhammer“ in deutscher Übersetzung aus dem Hause Feder & Schwert. Diese Rezension befasst sich ausnahmslos mit der übersetzten Ausgabe – eine Besprechung des englischen Bandes gibt es jedoch auch bereits hier auf der DORP, wem also hier bestimmte Details fehlen, der findet sie eventuell noch in der anderen Besprechung.

„Bestiarium der Alten Welt“, hier fortan nur „Bestiarium“ genannt, ist mal wieder einer dieser Quellenbände, die exakt halten, was ihr Titel verspricht. Auf insgesamt 136 vollfarbigen Seiten präsentiert sich der Quellenband als „Kompendium redlicher und garstiger Kreaturen“, wobei er in einen atmosphärischen und einen regeltechnischen Teil untergliedert wurde.
Was auf den ersten Blick schon deutlich wird, ist die optische Überarbeitung. Zwar muss man diesmal auf das ausgesprochen hübsche „Teils matt, teils glänzend“-Design des Umschlags verzichten, den man beim Grundbuch noch bestaunen konnte, dennoch ist der Band schon von Außen deutlich schöner als das englische Vorbild. Das (leider hochglänzende) Cover zeigt zwar das gleiche Motiv, wird aber auch dieses Mal wieder stärker von den roten Leisten umrahmt und wirkt einfach schön und stimmungsvoll. Am Interieur hat sich weniger geändert als beim Grundregelwerk, was daran liegt, dass zumindest der Atmo-Teil der Vorlage bereits schön aufgemacht war, doch man als Faustregel sagen, dass das, was im „Bestiary“ eben im schnöden Standard-Layout erschient, im „Bestiarium“ das schönere, deutsche Standard-Layout bietet, was im Original dagegen schon schön war, wurde hier noch weiter verfeinert.

Der größte Teil des Buches, von Anfang bis S. 84, nennt sich „Eine Studie über Kreaturen von redlicher als auch garstiger Art“ und ist komplett aus Kommentaren direkt aus der Spielwelt heraus aufgebaut. Jede Wesenheit wird aus drei Blickwinkeln – Allgemeine Sichtweise, Aus der Sicht des Gelehrten und Mit unseren eigenen Worten – beleuchtet und einfach umschrieben. Die „Sprecher“ dieser Kommentare, von langen Umschreibungen bis hin zu kürzesten Zitaten, reichen dabei vom Bauern Hob bis hin zum Kurfürsten Boris Wüterich, von Hexenjäger Volker Pike bis hin zu Klaus Goethe vom Hohen Rat der Kaufmannsgilde zu Middenheim, seinerseits Tzeentch-Kultist. Die Texte sind stellenweise einfach nur amüsant zu verfolgen – etwa die Anmerkungen Rikkit‘tik, einem Skaven, der immer nur in kurzen Worten umreißt, womit man das jeweilige Wesen töten kann – andererseits aber auch wertvolle Inspirationsquellen für die Darstellung solcher Wesen aus den Blickwinkeln unterschiedlichster Charaktere heraus.
Der Regelteil dagegen bietet gewohnte Kost. Neben ein paar netten Ergänzungen wie dem Beurfspfad des Schamanen nebst eigener Lehre findet man hier vornehmlich wirklich die harten Fakten und Werte zu den im ersten Abschnitt umrissenen Kreaturen. Das „Bestiarium“ ist nicht der erste Quellenband mit einer solchen Aufteilung, wenn man etwa an den Engel-Quellenband „Traumsaat“ denkt, doch hier funktioniert es erstaunlich gut. Wer Flair will, liest eben vor allem die ersten zwei Drittel, am Spieltisch findet man dagegen alle Werte, sehr hilfreich für jegliche Referenzarbeit, dagegen extrem komprimiert im zweiten Teil des Bandes.
Mancherlei Sachen fehlen mir zwar in den beiden Kapitel, aber im Großen und Ganzen ist es eine nützliche und gut umgesetzte Einteilung.

Doch wenn wir noch von Flair sprechen, so gilt es natürlich auch noch eben einen Blick auf die Übersetzung zu werfen. Die ist diesmal nicht von Oliver Hoffmann, sondern von einer Julia Swietlinski. Die kannte ich nicht, aber die kann man sich ruhig mal merken, denn generell liest sich der Band ganz hervorragend. Gerade die unterschiedlichen Sprechstile der Kommentatoren aus dem ersten Teil haben überraschend gut den Port in eine neue Sprache überstanden. Einige Begrifflichkeiten sind zwar einfach konturloser als in der Originalausgabe (so finde ich, „Slaughter Margin“ klingt einfach kultiger als „Herausforderungsgrad“), doch eigentlich alle anderen Punkte, die mir sprachlich nicht gefielen, gehen einmal mehr auf Vorgaben durch GW zurück.
So wirkt es einfach nicht so schön, wenn neben Übersetzungen wie Geister und Verfluchte noch immer Banshees stehen, oder wenn klangvolle Wörter wie „Hippogreifen“ Verwendung finden.
Davon gibt es aber nicht genug, als dass sich das auf die Endnote auswirken kann, der positive Eindruck beim Lesen überwiegt dort ganz deutlich.

Abschließend kann man eigentlich nur sagen, dass mit „Bestiarium der Alten Welt“ sogleich einer der nützlichsten und besten Bände des „Warhammer Fantasy-Rollenspiels“ den Markt erblickt hat und der Kauf sich für alle, die das Spiel spielen, auch zwingend lohnt.
Schön geschrieben, gut übersetzt und mit einer teilweise mehr, teilweise weniger deutlich verbesserten Optik gilt für das „Bestiarium“ sogar das, was ich schon dem Grundbuch attestierte: Wer sich für das Spiel interessiert, sollte sein Augenmerkt hier klar auf die Übersetzung ins Deutsche legen. Der Flair leidet zwar in einigen Texten etwas, doch die Vorteile überwiegen für Auge und Hirn (Stichwort eingearbeitete Errata) gleichermaßen. Den einzigen Abzug, den es für seine Endnote erdulden muss, findet man auf dem Backcover, denn der Preis des Bandes ist schon ziemlich gesalzen. Knapp 30 Euro für 136 Seiten Quellenband sind definitiv teuer.
Wer „Warhammer“ spielt, sollte sich das dennoch „Bestiarium“ kaufen. Wer „Warhammer“ noch nicht spielt, hat hiermit nun den zweiten, deutschsprachigen Grund erhalten, dies zu ändern.


Name: Bestiarium der Alten Welt 
Verlag: Feder und Schwert 
Sprache: Deutsch{jcomments on}
Autoren: T.S. Luikart, Ian Surrock, Deutsch von Jutta Swietlinski
Empf. VK.: 29,95 Euro 
Seiten: 136

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