Sigmar‘s Heirs – Guide to the Empire

„The Empire has survived another Chaos Incursion but there will be no peace for Sigmar‘s Heirs.“
vom Backcover von WFRP 2nd – Sigmar‘s Heirs

Wenn Warhammer Fantasy Roleplay wirklich immer eine große Lücke hatte, so war es sicherlich das Fehlen eines Quellenbandes über das Imperium. Schon zu Zeiten der ersten Edition kamen zwar Detailbände, etwa zu Middenheim oder Marienburg, sowie etwa zu den Zwergen heraus, das Imperium aber blieb immer, was im Grundbuch sowie in der Einleitung von „Shadows over Bögenhafen“ angerissen wurde.
Black Industries füllen diese Lücke nun zur Second Edition mit „Sigmar‘s Heirs – A Guide to the Empire“. Was aber zunächst ins Auge fällt, ist das vollkommen lieblose Cover. Man nehme eine Karte des Imperiums, auf der dann noch Orte zu sehen sind, die im Buch nicht beschrieben sein werden, klatsche in die Mitte Sigmars Emblem, damit das nicht so auffällt, verpasse ihr einen leicht abgebrannten Rand und lege darauf den Relief-Filter, der ja schon bei der „Old World Armoury“ nicht gut aussah. Voilà.
Ich meine, es wird gezeigt, was im Band das Thema ist: das Imperium. Aber wenn man die traumhaften Panoramen sieht, die andere Systeme für die Cover vergleichbarer Bände reservieren, so fragt man sich doch, warum das hier nicht ging.
Die Innengestaltung ist von gewohnter Güte. Schöner Bilder zu klein im Text, schöne Seitengestaltung mit den Eindruck mindernden zitronengelben Überschriften und einen gewissen Maß an Symbolwiederverwertung. Ganz nett, aber auch irgendwie nicht atemberaubend. Acht Kapitel und zwei Appendizes liegen vor uns, da fangen wir doch lieber auch direkt mal an.

„The Land and it‘s people“ macht den Anfang und beschreibt auf sechs Seiten genau das, was der Titel verspricht. Wie ist die Landschaft des Imperiums, was für generelle Regionen gibt es und was kann man sich genauer unter den vier großen Rassen, die dort leben, vorstellen. Abgesehen davon, dass hier mal wieder die wenig schöne Karte, die dem Spielleiterschirm beilag, wiederverwertet wurde (kurioserweise hat man auch hier nicht die Chance ergriffen, da mal mit Farben genauere Abgrenzungen zu ziehen; statt dessen hat man, was bisher grau war, nun in verschiedene rotbraune Töne gelegt), gibt es hier viele schöne, einführende Infos.

Das zweite Kapitel bietet ebenfalls wieder exakt, was man erwartet, wenn man den Titel liest: „The History of the Empire“. Neun Seiten Fließtext führen uns von Sigmars Gründertagen durch zweieinhalb Jahrtausende bis ins Jahr 2522, hier schnieke mit „The End of History?“ betitelt, und werden von einer dreiseitgen Zeitleiste begleitet. Gut, wenn auch teilweise etwas knapp.

Im dritten Kapitel geht es um „Government & Foreign Relations“, einem nicht ganz unkomplizierten Thema. Der bretonische Botschafter am Hofe des Imperators soll, so verrät uns das Buch, das Staatssystem des Reiches als „somthing a deranged Snotling would come up with“ bezeichnet haben, was schon stimmen mag. Da haben wir den Imperator, sein Konzil, Kurfürsten, Kurfürstentümer und den Einfluss der Magie, was zusammen schon einen ziemlichen Punch ergibt, wie ein absolut geniales Diagramm auf S. 25 auch humorvoll verdeutlicht. Allerdings ist dieses Kapitel definitiv zu knapp geraten, denn vier Seiten, von denen eine für die internationalen Beziehungen reserviert ist, sind zu wenig für dieses Thema.

„Law, Justice & Criminals“ nennt sich der vierte Abschnitt. Allgemeines zu möglichen Straftaten, Gerichtsbarkeit, reisende Richter und Henker, Gardisten und Hexenjäger sowie vielleicht etwas zu beherzte Regeln für die Umsetzung von Gerichtsprozessen zeichnen dieses Kapitel aus, das wieder mit sechs Seiten einfach zu kurz ist. Sehr interessant, aber zu kurz.

„Cults of the Empire“ ist dann mal wieder so ein typisches Black Industries-Kapitel. Neben einer Doppelseite zu Aberglauben und Mythen werden hier vor allem zu all den gängigen Göttern des Imperiums Unterkulte vorgestellt. Typisch BI, weil hier mal wieder Infos zusammengetragen werden, die in einem etwaigen „Realms of Divine Magic“ wesentlich besser aufgehoben wären. So ist es ja interessant, dass die kislevitische Minderheit in Talabheim Shallya Salyak nennt, aber es wirkt alles so stichprobenartig, so willkürlich in seinem Detailgrad.
Lustig ist da auch die Tabelle für mindere Gottheiten am Ende des Kapitels. So erfahren wir etwa, dass Handerich der Diensthabende für Kommerz ist, oder das Dryath und Haleth Fruchtbarkeitsgötter sind, aber auch nicht mehr. So lernen wir zwar, dass Gazul der Wächter der Toten bei den Zwergen ist, aber alles was wir von Gazul am Ende wissen, ist, dass er der Wächter der Toten ist. Damit kann man als Spielleiter nun auch nicht wirklich arbeiten.

„The Grand Provinces“, Kapitel sechs, ist dann aber der Schwerpunkt des Bandes. Auf rund sechzig Seiten werden die großen Provinzen Averland, Hochland, Middenland, Mootland, Nordland, Ostermark, Ostland, Reikland, Stirland, Talabecland und Wissenland auf jeweils mehreren Seiten vorgestellt. Neben einer kurzen Übersicht gibt es jeweils eine Beschreibung der Landschaft, der Bevölkerung, ein paar ausgewählte Locations, typische Redensarten, zwei Abenteuerideen und einen Beispiel-NSC nebst Stats. Zudem gibt es zu jeder Region eine entsprechende „Gazetteer“, die sämtliche noch so kleinen Orte mit Größe, Herrscher, Bevölkerung, Wohlstandsgrad, Einnahmequellen, Militärpersonal und weiteren Kommentaren.
Generell gefällt das Kapitel sehr gut, die gebotenen Informationen sind nützlich und jedermann sollte hier irgendetwas finden, womit er auch seine Kampagne entsprechend bereichern kann.
Etwas unmotivert findet man irgendwo inmitten der Reiklandbeschreibung auch gleich eine neue, doppelseitige Karte des gesamten Imperiums, die endlich mal sowohl schön als auch Übersichtlich ist.
Allerdings zeigt diese Karte auch einige der großen Schwächen des Bandes auf. So entdeckt man auf der Karte offenkundig größere Orte wie Wörden im Stirland, das aber nirgendwo in dem Band genauer beschrieben wird, obschon es gemäß der Gazetteer etwa größer ist als das genauer beschriebene Leicheberg.
Auch auf der Karte zu sehen sind die Ruinen von Mordheim. Das Buch aber hat es nicht nötig, Mordheim auch nur einmal zu erwähnen. Die Karte vom Cover zeigt uns eine dubiose Location namens „The Three Towers“ nördlich von Hochsleben am Black Fire Pass. Hochsleben gibt es in dem Band gar nicht, dafür aber Hocheleben, das an der gleichen Stelle läge, aber auf der Karte nicht verzeichnet ist, obschon dieses wiederum größer ist als Wörden. Und die drei Türme? Natürlich auch nirgends genannt.
So etwas frustriert einen, wenn man den Band wirklich einmal nicht nur liest, sondern zur Abenteuerplanung verwenden will. Immer wieder fehlt einem gerade die Informationen, die man eigentlich bräuchte. Das ist nicht misszuverstehen, es stehen wirklich, wirklich viele Fakten in dem Buch drin. Nur eben nicht alle.

Im siebten Kapitel geht es um „Forbidden Cults“. Man fragt sich kurz, warum das nun nicht nach Kapitel fünf, „Cults of the Empire“, stehen konnte sondern nun durch die Provinzen davon abgesetzt ist, aber irgendwie habe ich mittlerweile bei den neuen Warhammer-Büchern schon aufgegeben, auf eine sinnvolle Organisation zu hoffen.
Beschrieben werden hier ganze zwei Kulte auf ganzen drei Seiten. Mag für ein Abenteuer mal ganz nützlich sein, hat aber auch den klaren Charme von „Mist, wir haben noch leere Seiten im Buch, schreibt mal schnell noch was!“

Abgerundet wird das Band dann mal wieder von einem Abenteuer. Das wird langsam zur Unsitte, denn es führt zu diversen Nachteilen. Etwa dazu, dass man nun als SL, will man das Szenario nicht spielen aber die Infos aus dem Band zur Spielrunde tragen, knapp 20 Seiten Zusatz mit sich schleppt. Und bezahlen muss, auch wenn man vielleicht keine vorgeschrieben Abenteuer spielt.
Nun, jedenfalls heißt es „Ill met in Bögenhafen“ und führt mal wieder in die Stadt zurück, die einst in der legendären „Enemy Within“-Kampagne so wichtig war. Es gibt auch durchaus einige große Spuren von „Shadows over Bögenhafen“ in dem Szenario zu entdecken und im gleichen Zusammenhang eine ausufernde Beschreibung der Stadt am Bögen, die hier im Band eigentlich auch nichts in dem Maße zu suchen hat, aber ansonsten ist das Szenario auch nichts berühmtes.

Appendix I bringt noch acht neue Berufe ins Spiel (Einträge wie der Apotheker und der Exorzist führen zwangsläufig zu der Frage „Warum nicht im Grundbuch?“), Appendix II bietet noch Racial Features für Menschen aus bestimmten Regionen. Ob man das nun braucht und warum etwa ein Reikländer mehr Talents hat als ein Talabecländer und warum unter jedem Eintrag extra noch mal steht, dass man einen +10%-Bonus auf Knowledge-Tests über seine Heimatregion bekommt, anstelle das generisch dem Abschnitt voranzustellen, das sind Rätsel, die wir heute nicht lösen werden.

Insgesamt ist „Sigmar‘s Heirs“ bei aller Kritik zusammen mit den „Bestiary“ definitiv das Beste, was BI bisher auf die Beine gestellt haben. Derart gebündelt haben Rollenspieler die Infos über das Imperium noch nie bekommen. Da ist es dann auch eher egal, dass einige Details fehlen uns mancher Abschnitt im falschen Buch zu sein scheint, damit kann man leben.
Wer allerdings Warhammer im Imperium spielt, kommt auf kurz oder lang an „Sigmar‘s Heirs“ wohl nicht vorbei, auch wenn er wieder einmal mit knapp 30 Dollar für 128 Seiten unverschämt teuer geraten ist.


Name: Sigmar‘s Heirs 
Verlag: Black Industries {jcomments on}
Sprache: Englisch
Autoren: Anthony Ragan, Kate Flack, Chris Pramas, Rick Priestley
Empf. VK.: 29,99 US-Dollar 
Seiten: 128

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