Spires of Altdorf

„With the Emperor and the army gone from the capital, all eyes have shifted away from Altdorf. Deep inside the city lies a buried secret that promises power but delivers nothing but damnation.“
vom Backcover von WFRP 2nd – Spires of Altdorf

„Spires of Altdorf“ ist, nach „Ashes of Middenheim“, nun der zweite Teil der Trilogie „Paths of the Damned“, der ersten großen Kampagne für die Second Edition von Warhammer Fantasy Roleplay. Wer die Rezi zum ersten Teil gelesen hat, der weiß, dass ich mit dem Band noch nicht wirklich zufrieden war, da er es einfach nicht schaffte, an die alten Klassiker völlig heranzureichen. Heute wollen wir einmal sehen, wie sich Teil 2 schlägt.

Vom Äußeren her ist der Band jedensfalls, man verzeihe mir den Ausdruck, richtig fett geworden. Das Cover von Christer Sveen ist bombastisch, düster und handwerklich meisterhaft geraten. So hätte das Titelbild des Grundregelwerks aussehen können, wenigstens vom Stil her.
Gut, dass es Altdorf is, was man dort sieht, suggeriert alleine der Titel, aber ansonsten setzt es einen wundervollen Stil fort, den man schon vom Vorgängerband und dem „Old World Bestiary“ her kennt. Sogar mit gleichen Charakteren.
Die Innengestaltung ist schwarzweiß geraten und, das kennt man mittlerweile, nicht schön. Tatsächlich hat der Band, wie schon sein Vorgänger, im Hintergrundteil ein paar ganz nette Bilder, aber die Stammen wohl samt und sonders aus dem GW-Archiv. Die Bilder, die BI extra für diesen Band haben anfertigen lassen, sind wie immer bar jeder Aussage und hässlich noch dazu.
Und dann ist da natürlich noch der Preis. Das Buch ist schwarzweiß, hat gerade mal 93 redaktionelle Seiten und kostet dennoch happige 24,99 Dollar. Das sind mehr als 25 Cent die Seite! Jetzt stellt euch mal vor, jemand würde euch für diese Rezension hier 50 Cent abverlangen ... dem würdet ihr auch was anderes erzählen, oder? Fazit ist klar – klarer Abzug bei der Endnote.

Doch kommen wir zu Inhalt. Wie schon der Vorgänger, so gliedert sich auch „Spires of Altdorf“ in zwei Teile. Im ersten Abschnitt wird Altdorf, die Hauptstadt des Imperiums, in aller Tiefe und Breite beschrieben, im zweiten spielt sich das Abenteuer ab.
Der Hintergrundteil ist dabei sehr schön geraten. Der Flair der großen Metropole wird gut vermittelt, man bekommt einen guten Eindruck, was so an normalen Tagen im Herzen des Imperiums abläuft.
So werden etwa klassische Orte in Altdorf beschrieben. Nicht aber wirklich bestimmte Kneipen, die dann in aller Breite aufgefleischt werden, sondern generische Orte, etwa „das Theater“ oder „die Taverne“ oder auch einfach „die Brücke“. Zu jedem Ort gibt es die Unterpunkte „Fights“, „Social“, „Stealth“ und „Personalisation“, die einem Erklären, wie man damit dann schöne Szenen bauen kann. Super Idee, gut umgesetzt.
Man addiere noch neue Berufe („Newssheet Vendors“ und „Lamplighter“), Details zu den Colleges of Magic, typische Gilden und allerlei derartige Details und man bekommt ein Bild von Altdorf, dass die bisher nie geschilderte Stadt unglaublich spielenswert macht. Auch der typische Humor kommt dabei nicht zu kurz, alleine für die Übersicht, die da übertitelt ist mit „During any one year, the average Altdorfer might take part in the following demonstrations“. Herrlich, wie da die typischen Hauptstadt-Polit-Protest-Demos karikiert werden.
Zwar endet die Beschreibung bereits auf S. 36, aber es ist beeindruckend, wieviel schöne Ideen hier untergebracht wurden. Sicher, es gibt Ausrutscher (niemand braucht eine Abenteueridee, die mit dem Satz „A group of footpads jump the characters“ beginnt...), aber alles in allem ein schöner Abschnitt.

Bei dem Abenteuer dagegen bin ich wesentlich zweigeteilter. Eine der Hauptkritiken an „Ashes of Middenheim“ war sicherlich, dass es so linear und baukastenartig geraten ist. Das ist „Spires of Altdorf“ sicherlich nicht.
Es gibt drei Handlungsfäden, von denen einer allerdings sehr dominant ist, die anderen eher optional. Doch alleine die Hauptgeschichte ist ziemlich verworren, leider auch für den Spielleiter. Es geht wieder um ein Chaosartefakt, aber wer hofft, schnell einen Eindruck davon zu kriegen, was eigentlich passiert, wird dann nachher doch lange lesen müssen.
So machen sich die Spieler auf, ein besagtes Chaosartefakt zu suchen und damit dann etwas zu tun, während sie nebenher eine Nebenintrige aufdecken und eine Rache an ihnen selbst verhindern können.
Das Szenario ist dabei an mehr Variablen geknüpft, als es verdient. Wenn man an den Klassiker „Power behind the Throne“ denkt, so muss man sagen, dass es da zwar weit mehr Handlungselemente und -charaktere gab, aber das alles viel überschaubarer präsentiert wurde.
Am Anfang wird versprochen, dass man das Szenario so geschrieben habe, dass nichts vollkommen falsch laufen kann – was damit aber gemeint ist, merkt man im Verlauf der Lektüre. Da lautet ein direkter Hinweis an den Spielleiter dann auch „fudge things“. An anderer Stelle gilt es einen Magier zu bekämpfen, was aber nicht zum Hauptplot gehört. Daher wird gesagt, dass wenn die Charaktere zu verlieren drohen, man den Magier einfach mit einem Verweis auf den Curse of Tzeentch zerlegen soll.
Ja hallo? Ich weiß doch auch, dass das oft am Spieltisch genau so ablaufen wird, aber wenn ich mir schon für teuer Geld ein Szenario kaufe, kann nicht wenigstens das dann mal ohne brutalste Mauern auskommen?

Die eigentliche Geschichte ist nett, aber weder innovativ noch liest sie sich sonderlich spannend. Die Verknüpfung mit Band 1 beruht weitestgehend darauf, dass die Charaktere da gesagt bekommen, sie sollten doch mal nach Altdorf gehen. Klar, selbst im „Enemy Within“ waren die Abenteuer eher vage verknüpft, aber in diesem Falle wurde eben eine Schwäche übernommen, ohne die Stärken zu erhalten.

Nee, mir hat das Abenteuer nicht wirklich gefallen. In den vergangenen Jahren sind für verschiedene Systeme so schöne Szenarien erschienen, voller neuer Ideen, spannender, ja bewegender Geschichten und echter Freiheit, da kann „Spires of Altdorf“ einfach nicht gegen an.
Die „Doomstones“ zu toppen ist kein Akt, den „Enemy Within“ verfehlt aber auch der zweite Teil der neuen Kampagne. Und das ist, anno 2005, einfach nicht mehr genug. Das Szenario ist nicht ganz schlecht, eben „ausreichend“. Der Quellenteil ist sogar „gut“, was einen zusammen auf ein „befriedigendes“ Gesamtergebnis verweisen würde.
Nur ist der Band ja auch noch unverschämt teuer, was die Note definitiv drückt.
„Voll ausreichend“, leider aber nicht mehr.


Name: Spires of Altdorf 
Verlag: Black Industries 
Sprache: Englisch
Autoren: David Chart
Empf. VK.: 24,99 US-Dollar 
Seiten: 94{jcomments on}

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