Die graue Eminenz

Wer läßt die Middenheimer beim Karneval nach seiner Pfeife tanzen?
Vom Backcover von PbtT

Die Frage, die da auf der Rückseite des dritten Bandes des Inneren Feindes gestellt wird ist mehr als berechtigt, denn in der Stadt des weißen Wolfes geht irgendetwas seltsames vor!
Doch immer der Reihe nach!
Auch diesmal hat sich etwas Quellenmaterial eingefunden, aber nur vergleichsweise wenig, denn schließlich möchte man auch Middenheim: Stadt des weißen Wolfes (Middenheim, City of Chaos) absetzten. Meine Sorge war aber unbegründet, denn man brauch es definitiv nicht für dieses Abenteuer ... schöner kann es dadurch aber schon werden. Wir hatten es jedenfalls nicht...
Das Quellenmaterial behandelt auf zehn Seiten Middenheim, den Karneval und die Familie von Wüterich (im Original Todschläger genannt), alles dementsprechend knapp; aber ausreichend, um das Abenteuer zu leiten.
Doch bevor sie sich der grauen Eminenz widmen kann, sind die Spieler Abgebrannt. Dieses kurze Szenario ist, so weit ich weiß, erst seit der Hogshead-Ausgabe dabei und bereitet auch ein Wenig den Weg für Empire in Chaos, den neuen, letzten Teil der Kampagne.
Die Spieler werden ihr Boot wieder los (was mir nach DotR zunächst als Problem erschien) und reisen nach Middenheim. Einerseits aufgrund eines Handouts aus dem vorherigen Abenteuer, andererseits aufgrund einiger Ereignisse in diesem Kurz-Szenario.
Auf der Reise werden die Spieler dann aber Zeugen eines Ereignisses, daß viele offene Fragen für EiC auslegt:
Der Gorßtheoginist des Sigmar wird von einer Gruppe namens Söhne Ulrics attackiert, und die Spieler dürfen ihn retten. Dabei scheint der Theogonist auch "Kastor Lieberung" zu erkennen, aber für alles weitere wird dann auch auf EiC verwiesen.
Dann beginnt auch schon das Hauptabenteuer. Denn als die Spieler Middenheim erreichen müssen sie feststellen, daß es in der Stadt eine neue Steuer gibt, die Zwerge, Zauberer und Priester absolut benachteiligt - viele kehren der Stadt bereits den Rücken.
Und da eben jene drei Gruppen die Verteidigung der Stadt darstellen ist das Ziel der Steuer klar erkennbar.
Die Spieler stoßen daraufhin auf eine sehr (!) komplexe Intrige, die auch für den SL nicht gerade leicht zu überschauen ist. Allerdings kommt einem da der Aufbau des Buches entgegen:
ganze 53 Seiten sind mit der Beschreibung von den insgesammt 22 NSCs gefüllt, was ein schnelles Nachschlagen erleichtert.
Die Spieler müssen also die Verschwörung entlarven, während der Karneval läuft. Das erweist sich als recht schwieriges Unterfangen, denn die Spieler sind dabei völlig frei. Natürlich wahren sie bei DotR freier, da das Gebiet wesentlich größer war, aber diesmal dürfen sie ihre eigenen Fäden aufspannen und knüpfen die nötigen Kontakte, um alles aufzudecken.
Das ganze mündet erneut in einem großen Finale, daß aber nicht die Epik eines SoB erreicht. Auf jeden Fall wird ein schöner Cliffhanger für das Finale gelegt, wobei die deutsche Ausgabe hierbei (wahrscheinlich) etwas von der englischen Abweicht, da dort nun Something rotten in Kislev folgt, in Deutschland aber sofort Imperium in Flammen folgen wird.
Der Anschluß des englischen vierten Teiles ist aber kein Problem (ich spreche aus Erfahrung).

Inhaltlich ist auch diesmal alles stimmig, und auch Abgebrannt fügt sich gut ein. Die Spieler sind durch ihre Freiheit wohl recht motiviert, denn es ist diesmal wirklich ihre Leistung.
Es ist aber auch ein Problem mit der Freiheit verbunden: das Abenteuer enttarnt nämlich auch die Führungsperson der violetten Hand, aber einige Spieler können diese Informationen glatt verpassen - meinen ist es passiert.
Und noch ein zweiter Makel: Der Handout aus DotR führt die Spieler zwar nach Middenheim, mit der eigentlichen Rahmenhandlung von PbtT hat er aber rein garnichts zu tun...
Als kleines Bonbon liegt der deutschen Ausgabe ein Spielleiterschirm bei, auf dem alle wichtigen Verbindungen stehen, welcher sich auch schnell als recht nützlich erweißt.
Leider ist damit auch ein gehöriger Mehrpreis verbunden, und knapp 60 DM sind echt happig, auch wenn man natürlich ein geniales Abenteuer erhält, das zudem noch angenehm dick ist.

Das Abenteuer offenbart sich in der gewohnten Schwarzes Einhorn-Qualität, die ich schon bei SoB und DotR näher geschildert habe. Geradezu Unfair ist allerdings, daß die deutsche Ausgabe das Cover des englischen Middenheim: Stadt des weißen Wolfes hat, nicht das (bessere) Originalcover; aber auch das Jetztige ist nicht schlecht!
Kaufen!!


Name: Die graue Eminenz 
OT: Power behind the Throne 
Art: Abenteuer 
Seiten: 160 Seiten{jcomments on}
Sprache: Deutsch 
Autor:Sargent, Wallis 
Verlag: schwazes Einhorn

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