Shadowrun 4 - Arsenal 2070

„Im Arsenal 2070 findest du alles, was du und dein Team braucht: von Waffen, Panzerung und neuester Elektronik über Spionageausrüstung bis hin zu den aktuellsten Drohnen.“
vom Backcover von Arsenal 2070

Shadowrun 4 ist nun wirklich mal ein Rollenspiel mit bewegter Geschichte. In Deutschland durch eine katastrophal vorschnell veröffentlichte Grundbuch-Ausgabe nebst ebenso fehlerhafter Limited Edition und weniger fehlerhafter Zweitauflage hierzulande von FanPro fast ruiniert, in Amerika durch das Zerfallen von FanPro LLC und FASA gleich zwei Mal in die Luft geworfen und nicht gefangen, scheint nun ja langsam wieder Ruhe einzukehren. In Amerika machen „Catalyst Game Labs“ jetzt den Job, in Deutschland ging das Fähnchen an Pegasus.

Dementsprechend erscheint das „Arsenal 2070“, die deutsche Ausgabe vom schlicht „Arsenal“ genannten Buch, mit all den Tugenden, die man von den Cthulhu-Machern aus Friedberg kennt. Das matt eingeschlagene Buch kommt als Hardcover mit Lesebändchen, mit kraftvollem Druck, schöner Gestaltung und viel Liebe zum Detail. Das furchtbare Cover der englischen Ausgabe wurde egen ein neues Motiv von Arndt Drechsler ausgetauscht, das um Längen besser und stimmungsvoller wirkt. Die Innengestaltung legt einen neuen Stil vor und hat den langfristigen Zweck, ab jetzt mal Einheitlichkeit in das Kraut-und-Rüben-Feld bisheriger Gestaltungen zu legen.
Was genau ist dieses 206 Seiten dicke Buch denn aber jetzt?

Nach dem noch bei FanPro erschienen „Straßenmagie“, der deutschen Fassung von „Street Magic“, ist dies nun das zweite von vier Ergänzungsbüchern rund um die verschiedenen Teilgebiete eines Runs. Abgerundet wird das Quartett dieses Jahr noch vom bereits erschienenen „BodyTech“ (im Original „Augmented“) und „Vernetzt“ („Unwired“), die sich mit Cyber- und Bioware respektive mit der Matrix in allen Formen auseinandersetzen werden.

Das „Arsenal 2070“ dagegen ist das Ausrüstungsbuch und steht damit in einer langen Erbfolge mehr oder minder guter Bücher. Das Buch übernimmt damit die eine Tugend des großen Umfangs vom Äquivalent der dritten Edition, „Arsenal 2060“, ohne allerdings dabei leider zu dem schnoddrigen Charme alter Intime gehaltener Bände die dem „Straßensamurai-Katalog“ zurückzufinden. Eine letzte Tugend, die man ebenfalls vermisst, ist dabei auch die der Vollständigkeit. Leider wurden die Einträge des Grundbuchs nicht noch mal übernommen, was direkt wieder zum Wälzen zusätzlicher Bücher führt – ein Problem, das in früheren SR-Editionen schon unglaublichste Blüten zeigte.

Aber es gibt auch sehr viel Gutes über das Buch zu sagen. Unterglieder ist es in sieben mehr oder weniger umfangreiche Kapitel. Den Anfang macht „Die Schattenwirtschaft“, eine sehr lesenswerte Abhandlung über den finanziellen Untergrund, den man Schwarzmarkt nennen könnte. Dann folgen, selbsterklärend, die Abschnitte „Waffen“, „Runnerausrüstung“, „Chemie“ sowie „Fahrzeuge und Drohnen“. Das vorletzte Kapitel gibt einem Regeln und Ideen für mögliche „Modifikationen“ an Waffen und Fahrzeugen gleichermaßen, wohingegen „Schöner Sterben“ dann am Ende die Reste aufwischt und sich einmal quer von Kampfkünsten über weitere Regeln bis hin zu tödlichen Umgebungen erstreckt.
Das Buch ist dabei sehr übersichtlich gestaltet und schön geschrieben. Die zahlreichen Illustrationen der beschriebenen Gegenstände sind nun nicht alle absolute Zierden, vermitteln aber immer eine gute Idee davon, womit man es zu tun hat. Ein von Kapitel zu Kapitel nach unten wandernder Navigator am Seitenrand, sehr viele Kästen und Tabellen und ein sehr angenehmes Satzbild zählen zu den weiteren Annehmlichkeiten des Buches.

Den Autoren ist dabei auch der immer schwierige Spagat zwischen Kawumm! und Spielzeug gelungen. So dürfte im Bereich der Artillerie das Ares Thunderstruck Gaussgewehr der seligen Panther XXL Sturmkanone aus den Grundregeln schnell den Rang als feuchter Traum der Messerklauen dieser Welt ablaufen. Das Dingen macht zwar einen Punkt weniger Schaden, dafür werden alle Panzerungswerte außer Smartpanzerung von diesem Monstrum halbiert.
Doch auch wer mehr Wert auf gewitzte Details legt, wird sicher fündig. So findet man in der wirklich „Spielzeuge für Shadowrunner“ überschriebenen Kategorie etwa auf den ersten Blick nützliche Dinge wie die HERF-Pistole – eine Art EMP-Pistole – oder aber, eines meiner Highlights, die Emogotchis. Das sind kleine Spielzeuge, die mit einer Empathie-Software die Körpersprache von Metamenschen auslesen – was Runner auch gerne nutzen und sie mit zu Verhandlungen nehmen.
Auch toll ist sicher die MCT Bust-A-Move-Spielzeugdrohne, eine singende und tanzende kleine Plüschpuppe. Gehackt aber wird daraus schnell eine schleichende und stehlende Plüschpuppe. Und einen Hauch der alten Dystopie kann man hier auch bei sogenannten „Bester-Freund-Puppen“ spüren, die Kindern Gutenachtgeschichten erzählen können, wenn Mami und Papi noch für den Konzern schuften.

Alles in allem macht es vor allem Spaß, einfach durch das Buch zu blättern und sich ein wenig informieren und inspirieren zu lassen. Das Buch enthält viele tolle Ideen, sowohl was nützliche Geräte wie auch spaßige Gimmicks betrifft. Die sechste Welt wird dadurch ein gutes Stück lebendiger und man hat schnell Lust, tiefer in diese Materie einzusteigen.
Insofern ist das „Arsenal 2070“ auch sicherlich ein gut gewählter Einstiegsband für Pegasus gewesen, denn nicht nur, dass sich Waffenbücher ja eigentlich immer verkaufen, dies hier ist dazu auch noch wirklich gut geworden.

Entgegen meiner Erwartungen ist das Buch nicht nur etwas für Straßensamurais und meinetwegen noch Adepten geworden. Das „Arsenal“ ist weniger ein Waffen- und vielmehr ein Ausrüstungskatalog und insofern kann das Buch, so glaube ich, jede Runde bereichern, ganz egal was für einem Spielstil sie nachkommt.
Da der Preis mit 29,95 Euro zudem auch noch mehr als angemessen ist, kann man eigentlich nur eines raten: Zugreifen!


Name: Arsenal 2070 
Original: Arsenal 
Verlag: Pegasus Spiele 
Sprache: Deutsch
Autoren: Rob Boyle, Robyn King-Nitschke (engl. Red.), Tobias Hamelmann (dt. Red.) uvm.
Empf. VK.: 29,95 Euro{jcomments on}
Seiten: 206

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