Savage Worlds - Iron Dynasty - Way of the Ronin

 

Iron Dynasty – Way of the Ronin ist ein Setting für Savage Worlds von Reality Blurs, die unter Leitung von Sean Preston bereits bekannte wie beliebte Settings wie RunePunk und Realms of Cthulhu veröffentlich haben. Wie der Name bereits nahelegt, handelt es sich bei Iron Dynasty um ein asiatisches Fantasy-Setting, mit Schwerpunkt Japan, allerdings auch einem Twist. Das übliche Klassensystem der feudalen japanischen Gesellschaft ist durch den technische n Fortschritt zusammengebrochen, es bekriegen sich ein paar Reiche von Kriegsherren und Magie sowie Steampunk-Technologie ist überall zu finden.

Iron Dynasty gibt es sowohl als PDF-Download, wie auch als A5-gebundenes Softcover. Zur Rezension liegt die elektronische Fassung vor, die zudem ausgedruckt und gebunden wurde. Das PDF ist voll durchsuchbar, hat Lesezeichen und einen anklickbaren Index, der einen direkt zum Abschnitt bringt. Alle Texte kann man kopieren und einfügen, was sehr praktisch ist, um etwa ein paar Werte herauszukopieren und für ein Abenteuer vorzubereiten. Der Index am Ende ist umfangreich, aber leider nicht indiziert. Ein Klick bringt einen also nicht direkt zum gesuchten Abschnitt. Technisch also ein hervorragendes Werkzeug.

Optisch spielt Iron Dynasty allerdings nicht in der ersten Liga mit. Es gibt nicht viele Zeichnungen und diese sind eher unterdurchschnittlich. Sehr positiv stechen allerdings die Illustrationen zu den verschiedenen Rüstungen und Waffen hervor, die allerdings nur auf ein paar Seiten zusammengefasst wurden, was vor allem durch die sonstige Spärlichkeit der Bilder überfrachtet wirkt. Auf der letzten Seite gibt es eine vollfarbige Karte des gesamten Settings, bei der Beschreibung der Länder nur einen schwarz-weißen Ausschnitt der gerade vorgestellten Region. Das durchgängig einspaltige Layout ist so simpel wie möglich gehalten und verzichtet komplett auf Zierränder oder nur einen Hinweis, in welchem Kapitel man sich gerade befindet. Insgesamt nicht gerade ein Produkt, das man als hübsch bezeichnen würde.

Interessanterweise ist Iron Dynasty in erster Linie aber ein Regelbuch, da mehr als die Hälfte des Bandes sich auf die regeltechnische Umsetzung von asiatischen Elementen für Savage Worlds beschäftigt. Und dabei wird wirklich versucht, so viel Asia ins Setting zu packen, wie möglich. Es gibt Ninja, Samurai, Ronin, Elementar-Magier, Mönche und Schwertmeister mit übernatürlichen Fähigkeiten, Oni-Dämonen und sogar Bastler mit außergewöhnlichen Gerätschäften sowie Mechs.

Die auf dem Backcover angekündigten mehr als 80 neuen Talente lassen den Savage-Worlds-Fan erst einmal kritisch blinzeln. Das ist jedoch unnötig, denn der Großteil der neuen Talente sind leicht abgewandelte bekannte oder nur neu benannte Talente. Das lässt den Regelteil größer und aufwändiger erscheinen, als er wirklich ist. So sind die Ganso verrückte Wissenschaftler, die Makoto Priester und die Onmyoji Magier, jeweils mit definierter Spruchliste, aber ansonsten fast genau wie aus dem Grundregelwerk. Auch wird etwa das Talent Lieblingswaffe zum „Signature Move“, der eben auch waffenlose Angriffe beinhaltet und die Grundlage für viele spätere Talente darstellt. Auffällig sind ebenfalls einige Talente, die offenbar auf d20 basieren. So erlaubt etwa die „Weapon Finesse“ Geschicklichkeit statt Stärke für Waffenschaden zu nehmen oder „Weapon Focus“, der den Schaden der Lieblingswaffe um einen Würfeltyp verbessert. Gerade durch die Aufwertung der Kampffähigkeiten der neuen Talente wirken die Kikai, die Mechs des Settings sehr unbeeindruckend, da ihre Panzerung und Robustheit durchaus von Charakteren erreicht werden kann. Von den Regeln stellen sie keineswegs die kriegsentscheidenden Vernichtungsmaschinen dar, die sie eigentlich sein sollten. Genaugenommen kann ein frischer Charakter durchaus selbst gegen eine mittelschwere Kriegsmaschine bestehen.

Obwohl jede der neun Regionen des Settings eine eigene Rüstungsart erhält, haben alle die gleichen Werte (leicht, mittel, schwer). Jede Rüstung kann man zudem leichter machen und den Schutz verbessern, indem man (ordentlich!) mehr bezahlt. Die Waffen bieten den bekannten Kram, allerdings mit japanischen Namen, was oftmals verwirrend wirkt. Das erkannten auch die Autoren und haben deswegen auch Listen mit den Namen für den Kram bereitgestellt, den wir dafür geben. Dort kann man dann nachlesen, dass der Odachi ein Zweihänder, der Nage-Yari ein Kurzspeer und das Tachi ein Langschwert ist.

Um Iron Dynasty abzurunden, gibt es noch einige Settingregeln. „Defining interests“ sind besonders hervorgehobene Wissensfähigkeiten und Hobbys, die über das Allgemeinwissen des Charakters hinausgehen. Die „extended trait checks“ sind effektiv die Skill Challenges von D&D 4 für Savage Worlds, bei denen längerfristige Aktionen mit verschiedenen Würfen über den allgemeinen Ausgang eines Projekts entscheiden. Die Regeln für Reputation und Duelle mögen für ein asiatisches Setting wichtig sein, nehmen aber gerade durch die Verknüpfungen zwischen beiden Regelkonstrukten viel zu viele Seiten ein, um sich nahtlos und flüssig ins Spiel zu integrieren.

Obwohl es sich bei Iron Dynasty um ein Fantasysetting handelt, stehen nur Menschen als spielbare Rasse zur Verfügung. Diese stammen aus einer der neun Provinzen, welche die Ehrengarde des verstorbenen Imperators nach dessen Tod gegründet haben. Jede dieser Provinzen hat eine besondere Atmosphäre, basierend auf dem Charakter des (verrückten) Kriegsherrn, der sie beherrscht. Die einzelnen Provinzen sind nur sehr knapp beschrieben, zusammen mit besonderen Orten und den Wesenszügen der Bewohner. Nun mag es bei Savage Worlds besonders in sein, sehr knappe Informationen weiterzugeben und den Rest die Gruppe machen zu lassen, doch hier wurde dabei übers Ziel hinausgeschossen. Es wirkt eher so, als hätte man sich einen Haufen Regeln überlegt, um asiatische Fantasy mit Savage Worlds zu spielen und dann darauf irgendwie ein Setting zusammengeschustert, bei dem nichts wirklich herausragt und das man selbst hätte locker zusammenstellen können.

Der Spielleiterteil kann das mit seinen Plot-Generatoren nur bedingt ausgleichen, da diese generisch ausfallen und nur teils spezifisch für das Setting. So gerne ich solche Tabellen auch habe … sechs Seiten mit zufälligen Verbesserungen und Nachteilen nur für die durch dunkle Mächte korrumpierten Antagonisten ist mehr als zu viel des Guten. Anstatt konkrete Savage Tales zu präsentieren oder gar eine ganze Kampagne, die durch das komplette Setting führt, bietet die Spielleitersektion gleich mehrere Kampagnenideen, die jeweils einige Abenteuer in ein paar Sätzen beschreiben und dann als Kampagne zusammenfassen. Das ist unbefriedigend und nimmt einem als SL nur wenig Arbeit ab. Einige davon sind sogar richtiggehend lächerlich, wie die Monsterjäger-Kampagne. Bei dieser Kampagne wird nur gesagt, welche und wie viele Monsterteile die Charaktere beschaffen sollen, bevor es zum nächsten NSC geht, der dann andere Teile fordert. Nützlicher sind dann schon die Beispielswerte für bestimmte Berufsgruppen und die übersichtliche Zahl von Dämonen und Monstern des Settings (Uhrwerksamurai!). Zum Abschluss gibt es dann noch zwanzig Artefakte, die sich aber nur bedingt ins Setting einfügen und eher so wirken, als hätte man noch ein paar Seiten füllen wollen. Störend wirkt noch, dass es keinen eigenen Charakterbogen für Iron Dynasty gibt, auch nicht auf deren Website. Settingspezifische Elemente wie Reputation müssen so separat gelistet werden.

Insgesamt weiß Iron Dynasty – Way oft the Ronin vor allem regeltechnisch zu gefallen. Das Setting bleibt zu generisch und zu blass, um zu begeistern oder auch nur Interesse zu wecken. Vielmehr bietet das Produkt einige tolle Denkanstöße, wie man Fantasyrunden mit Savage Worlds in einem asiatisch angehauchten Setting umsetzen kann. Es wird leider deutlich, dass vor allem ein Umfeld für das Tabletop mit den Showdown-Regeln geschaffen werden sollte. Wer auf der Suche nach Martial-Arts-Action mit Steampunk-Einflüssen ist, sollte auf jeden Fall einen Blick riskieren. Alle anderen können zumindest einen Blick auf die interessanten neuen Regelelemente werfen.


Titel: Iron Dynasty – Way of the Ronin
Autor: Sean Preston{jcomments on}
Verlag: Reality Blurs
ISBN: -
Seitenzahl: 284 schwarz/weiß (21 Mb für PDF)
Sprache: englisch
Preis: digitale Version 15 US-Dollar, Printversion 25 US-Dollar

Kommentare (1)

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Ich finde diese Vorstellung und Bewertung des Produktes "Iron Dynasty" rundum gelungen. - Es kommen die Inhalte des Produkts UND die kritische Meinung des Rezensenten klar rüber. - Gerne mehr Rezensionen in diesem Stile.

Zornhau
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