Mephisto #27

Unsere langjährigen Leser werden vielleicht in diesem Vorwort vermißt haben, daß ich auf das zehnjährige Jubiläum der MEPHISTO eingehe, das wir mit dieser Ausgabe feiern. Anstatt den Platz für unser Spielmaterial aber durch eine Retrospektive zu kürzen, haben wir uns entschlossen, an dieser Stelle nur auf unsere Homepage zu verweisen, auf der man die Geschichte vergangener Ausgaben nachverfolgen kann.
aus der Mephisto 27

Ich war heute in einem Mac-Laden in Aachen, denn ich möchte mir demnächst ein iBook kaufen. Gegenüber ist die Mayersche Buchhandlung – und dort sah ich, beim anschließenden Durchstöbern der Sonderangebote, dass die Mephisto 27 raus ist.
Nach reiflicher Überlegung (kurios, dass ich eher bereit bin, die Firma mit dem Apfel mit rund 1000 Kröten, als den Ellermeier-Verlag nach dem Mephisto-26-Debakel, mit nicht mal vier Euro zu füttern) erwarb ich das Heftchen. Heftchen, denn auch dieses Mal haben wir es nur mit 66 Seiten zu tun.
Nun gut, nachdem uns Björn Lippold, man sehe das Zitat oben, nun schon auf die Internet-Seite zwecks Zehnjahresfeier verwiesen hat, muss ja viel Inhalt drin sein. Apropos: ich war eben mal auf www.dunkle-welten.de – womit soll ich die Geschichte jetzt nachvollziehen? Mit den alten Ausgaben, die im Shop noch gelistet werden? Bei genauerer Betrachtung, trifft ja nicht einmal das zu...

Aber gut, genug zur Webseite gesagt, beschauen wir uns doch lieber die vorliegenden 66 Seiten. Nachdem wir die Doppel-Werbeseite zu "Star Wars Battlefront" mal überblättern finden wir auch schon auf Seite vier das Vorwort ... Grund genug, für mich noch mal zu rechnen.
Wir haben 66 Seiten, ziehen davon aber auch erst einem gut elf Seiten Werbung, Cover und Cover-Reprint im Innenteil, Vorwort, Kolumne, zwölf Seiten News, eine Seite Con-Kalender, zwölf Seiten Rezensionen und eine Seite Vorschau ab. Das lässt dann noch, jetzt festhalten, 25 Seiten von eben jenem ominösen "Spielmaterial", welches Björn Lippold da im Vorwort erneut betont.

Fangen wir aber beim Cover an. Es zeigt eine recht endzeitlich gekleidete Frau mit blankem Bein und Fliegerbrille vor orangem Himmel, auf deren Hand ein offenbar dressierter Drache sitzt, den sie wiederum mit einer Maus ködert. Handwerklich recht fein, wirkt es doch irgendwie ... unpassend. Auf dem Titel werden "Kleine Ängste", "Engel", "InSpectres", Stephen Kings "Dark Tower", das "finstere Leben im Mittelalter" sowie "Warhammer 40.000" beworben.
Ah, aber es gibt eine Antwort: das Cover symbolisiert die "'neuen' phantastische Ausrichtung" des Magazins – und die war noch mal welche? Weniger Inhalt? Nun, aber schauen wir doch erst einmal...

Danach hat Boris Koch mal wieder das Wort. Zeit zum "Wortgemetzel". Themen der heutigen Hinrichtung sind Troja, das Backcover von "Der 13. Mord des Jahres" und "Resident Evil: Apocalypse".
Bei ersterem erfahren wir, dass man den Film ja offenkundig nicht genießen konnte, weil Sparta da am Meer liegt. Was ein Glück, dass der Verfasser offenkundig nicht wusste, dass auch Damaskus 60 Meilen vom Meer entfernt liegt, sonst hätte er Hidalgo vor einer Weile vermutlich auch schon zwischen gehabt...
Weiterhin werden wir darüber aufgeklärt, dass Achilles die Identifikationsfigur des Zuschauers sei und das es die Hollywood-Romanze-Gesetze erfordert hätten, dass Paris Helena abkriegt. Macht vor allem zusammen genommen ja richtig Sinn...
Seine Kritik ob des oben genannten Backcovers ist dagegen gerechtfertigt, bei dem implizierten Vorwurf, das Sequel zu "Resident Evil" sei aus Angst vor Indizierung gemildert worden, kräuseln sich mir dann aber wieder die Nägel. Der Film ist in Deutschland FSK-18 und in Amerika R – was will man denn da mehr?
Insgesamt sind die Kritiken wie gewohnt erzwungen und das noch nicht einmal mit Grund, denn die beiden genannten Filme hatten ja durchaus ihre Macken – Koch findet sie nur nicht. Darauf noch eine Priese "Zombie Ewald" und das gute Gefühl, drei Minuten seines Lebens verschwendet zu haben, ist vollkommen.

Das Bildgemetzel vereint nun noch "Alien VS. Predator" mit Zeichentrickfiguren, die ich absolut nicht leiden kann, garniert dies noch mit dem freundlichen Hinweis "Satire" am Seitenrand; würde man sonst ja vielleicht auch nicht merken.

So, lange genug hier festgebissen, machen wir weiter. Die News zu rezensieren macht natürlich wenig Sinn, womit wir dann auf Seite 22 angekommen wären. Wolfgang Schiemichen referiert, sehr stimmungsvoll illustriert von Karsten Schreurs, über "Lebenskampagnen".
Zwar werden sich einige Hardliner wohl an seinem Ansatz, den Mythos als "dämonische Naturkräfte" anstelle der gewohnten "unverständliche[n], Existenz vernichtende[n] Mächte" zu interpretieren, sehr reiben, aber seine Motivation ist Gold wert.
Es geht ihm hier darum, das Mysterium einer länger laufenden Kampagne vor cthuloidem Hintergrund umzusetzen – sicherlich eine spannende Lektüre.

Es bleibt cthuloid, wenn wir uns nun auch an die andere Seitenmarkierung des Typus "Rollenspiel" begeben. Mit "UnSpeakable" erhält das spaßige Geisterjäger-Rollenspiel "InSpectres" nun einen Cthulhu-Ableger. Spieldesigner Jared A. Sorensen hat sich, zusammen mit Zak Arntson und Jürgen Mayer, selbst an das Thema gewagt und einen recht kurzen Artikel eingereicht. Recht wild werden hier die Regeln des Originals gebogen. Teilweise gefallen mir dabei die Änderungen (etwa werden Spotlights nun, Lovecraft-Konform, als Briefe umgesetzt), teilweise aber auch nicht. Da aber auch hier wieder eine Tabelle für schnelle Abenteuer enthalten ist, kann ja jeder leicht selbst testen, ob diese UnAussprechliche Erweiterung etwas für ihn ist.
Illustrationen kommen von Klaus Scherwinski und sehen gut aus. Mehr muss man hier wohl nicht sagen...
Übrigens findet man auf der zweiten Seite dieses Artikels auch mal wieder die letzten Absätze eines noch zwanzig Seiten entfernten Berichtes. Es ist ein altes Phänomen der Mephisto, dennoch frage ich mich doch, warum es noch immer zu diesem nonlinearen Layout kommt...

"Abendlicht und Mörgenröte" ist der etwas dubiose Titel des ersten Teils einer neuen Reihe, die auf den klang- und verheißungsvollen Namen "Das Leben im finsteren Mittelalter" hört. Geschrieben von Björn Schwarzmüller und Klaus Stanjek und illustriert von Chris Noeth wird hier der Versuch unternommen, mit einer beliebten Fehlkonzeption aufzuräumen.
Das Mittelalter war nicht einmal im Ansatz so wie Richard Gere es uns in "Der erste Ritter" verkaufen möchte und wird selten einmal glaubwürdig erfasst, daher schadet es nicht, auch 'Otto Normal am Spieltisch' mal mit einigen eher glaubwürdigen Impressionen zu bedienen.
Das Wunder der Stadt, der Schwierigkeit des Begriffs "Mittelalter", die Härte des Lebens und etwa die Öffentlichkeit des Themas 'Tod' runden den Artikel gut in alle Richtungen ab und machen Lust auf weitere Teile.
Sehr fein...

"In falscher Mission" ist der Titel des "Chroniken der Engel"-Abenteuer dieser Ausgabe und wo ich zunächst noch missmutig an das Werk ging, bin ich doch überrascht. Dalibor Petrovic hat ein vollkommen unabhängiges und für Anfänger geeignetes Abenteuer abgeliefert, welches zwar geradlinig ist, aber anders als "Die Ruhe vor dem Sturm" aus der vorigen Ausgabe keine offenkundigen Konzeptionsfehler aufweist.
Die Bilder der offiziellen Illustratorin Eva Widermann runden das Bild ab.

Weiter geht es mit einem weiteren Abenteuer. Björn Schwarzmüller adressiert "Kleine Ängste" mit dem Halloween-Abenteuer dieses Jahres. Und "Es war einmal..." ist ziemlich gut geworden. Es hat einen schlüssigen Plot, der für die Spieler auch spannend umzusetzen ist, eignet sich gut als Oneshot (perfekt für die eigene Halloween-Fete) und ist thematisch auch nicht so heikel wie manche Idee für "Kleine Ängste". Umso günstiger, wenn man es echt einfach mal, weil es etwa vom Datum her passt, in munterer Runde spielen will. Als Konsequenz daraus ergibt sich aber natürlich, dass das Potential der echt die Nerven angreifende Intensität, das im Grundregelwerk steckt, nicht vollkommen erfasst wird.
Die Illustrationen von Mana sind zwar schön, aber recht spärlich.

Nach all dem Rollenspielmaterial folgt dann mal wieder ein Beitrag, der mehr zur "dunklen Phantastik" allgemein gehört. "Herr Roland kam zum finstern Turm..." von Joachim Körber befasst sich, leicht erkennbar, mit der Buchreihe "Die Saga vom Dunklen Turm" von Stephen King. Eine Priese Rezension, gemischt mit umfangreicher Vorstellung, Rezeptionsgeschichte und Interpretation vermitteln hier einen sehr umfassenden Eindruck der epischen Reihe und machen, was wohl die Hauptintention war, auch Lust darauf, sie zu lesen. Das ist umso verwunderlicher, als dass ich King eigentlich gar nicht so mag.
Und ja, auch hier gibt es wieder schöne Illustrationen zu sehen, diesmal von Karsten Schreurs.

Es bleibt literarisch, wenn Boris Koch den Autor Tobias O. Meißner (Neverwake, HalbEngel u.a.) interviewt. Zwar bin ich generell sehr, sehr skeptisch wenn solche Interviews mit einem Satz wie "Tobias O. Meißner ist ein Ausnahmeschriftsteller." beginnen, aber so wenig ich die Schreibe des Herrn Koch mag, so interessant liest sich auch das Interview.
Darauf folgt dann noch ein kurzer Bericht zum jüngst viel diskutierten "Otherland"-Hörspiel, dann folgen nur noch die Rezensionen. Und Rezensionen zu rezensieren, so fanatisch bin ich nicht...

Somit sind wir auch schon wieder durch die neue Mephisto durch. Doch zu meinem Überraschen kann man festhalten, dass gegenüber der sechsundzwanzigsten Ausgabe zumindest inhaltlich große Fortschritte gemacht wurden. Die Abenteuer sind gut, die Artikel spannend oder zumindest lesenswert und das Layout recht gelungen. Auch das Lektorat sich mir diesmal wieder besser geraten zu sein.
Was aber bleibt ist das recht unverschämte Preis-Leistungs-Verhältnis, insbesondere im Vergleich zu den alten Ausgaben, die einfach weiterhin als Messlatte herhalten müssen.
Dennoch, während ich von der letzten Ausgabe klar abgeraten habe, die 27 kann man sich zumindest mal anschauen, wenn man mit dem schlechten Preisleistungsverhältnis leben kann.


Name: Mephisto 27 
Verlag: Martin Ellermeier 
Sprache: Deutsch
Autoren: diverse{jcomments on}
Empf. VK.: 3,95 Euro
Seiten: 66 

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