Envoyer 2007/06

Das Cover der Juni-Ausgabe des Envoyers im Jahre 2007 wurde von Christian Günther gestaltet. Nein, nicht dem Christian Günther von Degenesis, sondern dem Christian Günther, dessen Kreationen in Wort und Bild man auf seiner Seite cyberpunk.de finden kann. Neben dem Cover hat der Künstler auch die Kurzgeschichte 88 Prozent für das Magazin beigesteuert.

Mit 23 Seiten nimmt das Soloabenteuer Das vergessene Tal mehr als ein Drittel des gesamten Magazins für sich in Beschlag. Das Abenteuer folgt dem bekannten Schema der Abenteuerspielbücher: Der Leser wird am Ende eines Abschnitts aufgefordert, sich für eine Option zu entscheiden oder eine Probe abzulegen und dann, bei einem bestimmten, nummerierten Abschnitt weiterzulesen. Das Abenteuer wurde eigentlich für ein bestimmtes Rollenspiel geschrieben, jedoch im Nachhinein generisch gestaltet, was nur teilweise gelungen ist. Immer wieder wird auf Götter oder Orte verwiesen, die wohl zu der zunächst angedachten Spielwelt gehörten. Der Autor schreibt bisweilen etwas zu ausschweifend und umständlich, jedoch entschädigt die Handlungsfreiheit dafür ohne weiteres. Bei mehrmaligem Durchspielen kann man selbst bei trivialen Entscheidungen wie der Reise nach Osten anstelle von Westen, einige neue Elemente des Abenteuers erleben. Dabei ist die Mischung aus Kampf, Talenteinsatz, Rätseln und Dialogen sehr gelungen und auch beim erneuten Durchspielen macht das Abenteuer viel Spaß. Etwas nervig ist es allerdings, dass das Lightregelwerk von Das Monster aus der Spätvorstellung genau zwischen das Abenteuer in die Mitte des Magazins geheftet wurde. So muss man immer wieder den Mittelteil des Heftes überblättern, um zu den entsprechenden Stellen des Soloabenteuers zu gelangen. Das Lightregelwerk zu dem satirischen B-Movie-Rollenspiel umfasst mit fast 20 Seiten etwa ein weiteres Drittel des Gesamtumfangs. Die Regeln des Spiels sind eher schlicht: Fünf Attribute und eine ganze Reihe von Fertigkeiten, alles basierend auf einem W100-System. Um etwas Filmflair einzufangen, kann man sich etwa mit seinem Attribut “Ruhm” Boni für seine Proben erkaufen, oder sogar Szenen des Spielleiters ändern, wenn man androht den Film zu verlassen! Eine weitere thematisch passende Regel ist etwa der Stuntman, den jeder Charakter hat und der körperlichen Schaden von einem abhalten kann. Allerdings bleibt in dem vorgestellten Lightregelwerk unklar, ob der Schaden nun Charaktere oder Darsteller betrifft. Auch die Heilung, die mit 1W10 Punkten pro Minute Filmzeit angegegeben wird, ist eher unverständlich, wird doch nirgends erklärt, was nun als Filmzeit zu werten ist. Um das System ausprobieren zu können, ist ein Abenteuer angehängt, dass den herrlichen Titel Siggi ausm Sumpf trägt. Das Abenteuer liest sich großartig, ist voller amüsanter Momente und fantastischer Anspielungen. Allerdings funktioniert es als Abenteuer selbst weniger gut, als dass es sich liest, denn die Spieler erhalten praktisch keine Gelegenheit, irgendetwas zu tun. Zwar wird am Ende darauf verwiesen, dass das Abenteuer weitergeführt wird und man den Rest kostenlos auf http://www.krimsu.de finden könnte, jedoch fand sich auf der Homepage zum Zeitpunkt als diese Rezension verfasst wurde, kein solches Abenteuer oder nur ein Hinweis darauf.

Ansonsten bietet diese Ausgabe des Envoyers noch die eingangs erwähnte Kurzgeschichte von Christian Günther, die im Cyberpunk-Milieu spielt und Videospiele thematisiert, News, zwei Rezensionen, die wie immer amüsanten Weltenretter und ein LARP-Artikel, der Leute mal wirklich entschieden entmutigt Nichtspielercharaktere auf einem Live-Event zu spielen, obwohl der Artikel eigentlich das genaue Gegenteil anstrebt.

Das Layout ist gewohnt schlicht, wird aber durch die hübschen Zeichnungen des Soloabenteuers und den trashigen Charm der Lightregelwerks aufgelockert.

Insgesamt eine brauchbare Ausgabe, die gerade durch das amüsant zu lesende Lightregelwerk zum Monster aus der Spätvorstellung und dem sehr gut gelungenen Soloabenteuer durchaus seinem Preis angemessen ist.


Verlag: FZ Werbung / Redaktion Envoyer
Herausgeber: André Wiesler
Sprache: deutsch
Empf. VK.: 1,80 Euro{jcomments on}
Seiten: 66
ISBN: -

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