Barsaive at War

Ein Ruf zu den Waffen
übersetzt vom Backcover von Barsaive at War

Lange ist es her. Mehr als vier lange Jahre ist es her, da erschien die Earthdawn-Kampagne Prelude to War. Damals war es noch ein Spiel aus dem Hause FASA, und niemand ahnte, dass sich das mal ändern sollte bzw. das FASA anno 2001 sogar ganz aufhören würden...
Damals erschien also die Kampagne, und so genial sie auch war (vgl. entsprechende Rezi auf dieser Seite), sie hatten einen kleinen Nachteil: sie war der erste Teil von etwas, dessen zweiter Teil von Louis J. Prosperi persönlich geschrieben werden sollte und bald als War angekündigt wurde, aber durch die Einstellung des Systems nie fertig werden sollte.
Nie, bis dann im Jahre 2000 der kleine Verlag LIVING ROOM GAMES seine Chance ergriff und von den damals noch existenten Jungs bei FASA die Rechte an Earthdawn erwarb. Und plötzlich wurde das Erscheinen von Barsaive at War wieder möglich.
Mittlerweile haben wir 2001, also fast fünf Jahre nach dem Erscheinen von Prelude to War, und der zweite Teil des s.g. Campaign Epics liegt endlich vor mir.
Aber ob sich das lange warten gelohnt hat, dass soll sich hier nun zeigen...
Dick ist das Werk geworden, das steht fest. Satte 158 Seiten (155 davon bedruckt) umfasst es, und dabei ist der Textanteil weit über 50%. Das wiederum bringt mich zu dem, was ich ja stets als erstes Betrachte: die äußere Erscheinung.
Da wäre zunächst einmal das Frontcover. Prelude zeichnete sich an dieser Stelle bereits durch ein kleinen Meisterwerk von BROM aus, aber dieser spielt wohl eine Klasse zu hoch als das die Jungs von LR GAMES sich ihn leisten könnten. An seine Stelle tritt der (mir zumindest) unbekannte Patrick Keith, der eine zwiespältige Sache abliefert. Während die Luftschiffe und Drachen am Himmel, die Wolken und die dämmrige Atmosphäre wunderschön sind, sind die Personen im Vordergrund scheußlich. Mag man den Troll und die Zwerge rechts noch annehmen können, so sind die inzuchtgeschädigten Orks und der "ich glaube es ist ein Elf" auf der linken Seite geradezu ein Verbrechen am Auge des Betrachters. Es ist auch nicht durchschnittlich ... es ist irgendwie cool und schlecht zugleich...
Das gilt auch für das innere Layout. Zunächst einmal wirkt der Text recht karg und die Balken, die die Seiten oben und und unten einschließen, recht unspektakulär, aber das fällt eigentlich nicht sehr ins Gewicht.
Einige der Innenillustrationen schon...
Einige davon sind ja richtig gut, etwa das Bild auf 131, welches mir richtig gut gefällt. Aber einige andere...
Da sind zunächst die Bilder von MacDougall. Der Kerl hat in meinen Augen schon in Die Kreaturen von Barsaive unglaublichen Schaden angerichtet, im Shadowrun-Buch Konzernkrieg! blieben sie ja erträglich, das eine Bild, das er zu Magus 3rd beigetragen hat, ist wieder eine Grausamkeit und auch seine Bilder hier stehen dem in nichts nach. Der Gaul auf Seite 123 sollte da ein gutes Beispiel sein.
Stephanie Folse hat einige seltsame Bilder in einem Stil beigesteuert, den ich mal am ehesten mit einem Manga vergleichen will; irgendwie sind diese auch sehr fröhlich geworden und wollen nicht so recht zu dem Stil der alten Sachen (und aller anderen Bilder dieses Buches) passen... Mark Schneider liefert derweil Dinge ab, für die sich ein FanZine noch schämen müsste - S. 120 sei mein Zeuge...
Dieses humanoide, aber nicht weiter identifizierbare Dingen auf 31 ignoriere ich einfach mal, aber dann ist da noch ... die Wolke...
Auf Seite 115 findet man das Bildnis einer Wolke, einer Horror Cloud, wie man nach der Lektüre des Kapitels schließen wird, aber die Art wie sie gezeichnet ist ... nun, zunächst war ich versucht zu schreiben, selbst meine fünfjährige Kusine würde etwas furchterregenderes Zeichnen, wenn sie eine normale(!) Wolke zeichnen würde, aber letztlich kam ich zu dem Entschluss, dass das, was meine Kusine da malen würde, exakt so aussähe wie das Bild in Barsaive at War. Es ist halt einfach eine kleine, mit sechs Strichen gemalte, flauschige Wolke; aber seht sie euch selber an, macht euch selber ein Bild davon.
Das wir uns nicht falsch verstehen: das Buch ist nicht durchweg schlecht illustriert. Die alten Bilder sind durchgehend gut (wobei, wenn auch die Dinger von MacDougall alt sind, ich das hiermit einschränke) und auch bei den neuen Bildern gibt es eine Hand voll, dir mir gut gefallen (etwa die Luftschiffe auf Seite 115), aber insgesamt bete ich doch, dass LR GAMES für die Illustrierung vom Earthdawn Rulebook 2nd Ed. andere Zeichner nehmen werden...
Aber kommen wir zu dem, was wirklich zählt: der Inhalt, und ab hier geht es auch wieder steil bergauf.
Prelude to War enthielt ja insgesamt schon vier Handlungsstränge, doch Barsaive at War weiß das noch mal gehörig zu toppen: es gibt acht Handlungsstränge, die in insgesamt neun Oberthemen in dem Buch behandelt werden; damit ist die Kampagne also mehr als doppelt so groß wie sein Vorgänger!! Wenn das mal kein guter Einstieg ist...
Worum geht es also genau? Nun, fassen wir mal kurz und spoilerhaltig zusammen: in Prelude to War starteten die Theraner eine erneute Offensive gegen Barsaive und planierten mit ihrer Behemoth "Triumph" des Lebensstein von Omasu, König Varulus fiel einem gemeinen Attentat zum Opfer, das zunächst von Theraner zu kommen schien, aber letztlich nach Iopos führte, was dazu führte, dass Neden der neue Herrscher des Reiches wird, das kleine Mädchen Aardelea, bereits einmal in Verseucht aufgetaucht, gewann an Bedeutung und entpuppte sich als "The Dragon's Daughter" und letztlich begannen sich die Orks der Nation von Cara Fahd einen neuen Staat zu gründen bzw. ihren alten wieder neu zu gründen.
Nach all diesen bewegenden Momenten, und insbesondere dem Zwickmühlenartigen Zusammentreffen dieser drei Mächte (Thera, Throal und Cara Fahd) endete Prelude, und dort beginnt Barsaive at War.
!!!LETZTE SPOILER-WARNUNG!!!

"The Declaration of Independence and War" ist der erste Handlungsstrang und handelt von der Namensgebenden Deklaration: König Neden weißt den Meister der Hallen der Niederschriften, Merrox, an, diese namensgebende Unabhängigkeits- und Kriegserklärung zu verfassen und von da an soll sie von jedem Volke Barsaives unterschrieben und so den Theranern überbracht werden.
Letztlich findet sich dafür viel Zuspruch. Nur sieben Gruppen stellen sich gegen die Erklärung (die Bloodlores und die Blackfangs bei den Crystal Raiders, da sie keinen diplomatischen Kontakt aufnehmen, Haus Henghyoke der T'skrang, weil es nicht erreicht werden kann, Haus Ishkarat, weil es mit Iopos paktiert sowie natürlich auch Iopos selbst, Haus K'tenshin, weil es mit Thera paktiert und Urupa, weil es von Thera unter Druck gesetzt wird), aber ganze siebzehn Gruppen und Orte (Parlainth & Haven, die Liferock Rebellion von Omasu, die Drachen von Barsaive, Cara Fahd, der Blutwald, die Häuser V'strimon, Syrtis und T'kambras der T'skrang, bei den Crystal Raiders die Stoneclaws, Swiftwind, Ironmongers, Thundersky, Rockhorn und Skyseekers, Kratas, Travar und Jerris) sind auf der Seite Throals! Beste Grundlagen für einen spannenden Konflikt... Der zweite Handlungsstrang ist "The Return of Aardelea" das Thema. Erneut geht es um das kleine Mädchen, das in Verseucht noch so relativ harmlos erschien: sie wurde am Ende ihres Handlungsstrangs in Prelude to War nach Creana, einer theranischen Provinz, gebracht, doch zu Beginn dieser Handlung wurde sie bereits wieder befreit, und es ist nun an den Spielern, das Mädchen heil zu den Drachen von Barsaive zu bringen; es erklärt sich von selbst, dass es Kräfte gibt, die das zu Verhindern suchen...
Von da an beginnt sich die Lage zusehends zuzuspitzen und die Fäden verdichten sich mehr und mehr. In "Preparations for War" dreht sich alles rund um die Vorbereitungen zum bevorstehenden Krieg, und das umfasst so üble Dinge wie das Einen der Trolle, den Diebstahl theranischer Luftschiffe und dem Beginn der Belagerung der Triumph.
Die Drachen inszenieren derweil den "Theft of the Everliving Flower", einem weiteren alten Bekannten, haben die Spieler, wenn sie von Anfang an dabei sind, doch eben diesen Gegenstand in Nebel über dem Blutwald eben erst Königin Alachia überbracht...
Doch durch diesen getäuschten Diebstahl, in dem die Spieler natürlich erneut eine große Rolle übernehmen, werden einige falsche Spuren gegen Thera gelegt und als Folge dieser Intrige schließt sich der Blutwald nun endlich ganz Throal an.
"The Siege of Triumph" ist dann das erste richtig harte Kapitel des Buches, denn letztlich ist auch das, was das Buch selbst als "large-scale battle" beschreibt ... und letztlich der erste Erfolg für das neue Bündnis rund um Throal.
Und während nun die Spieler anfangen, bereits die nächsten Dinge vorzubereiten, stolpern sie auf einen weiteren, finsteren Plan, und erneut geht er auf Iopos zurück. Dort plant man nämlich "The Taking of Jerris". Unnötig zu sagen, dass es erneut heißt hergeht...
Die letzten beiden Kapitel, "The Fall of Vivane" und "The Assault on Sky Point" sollte man dann in Zusammenhang gesehen werden. Hier zieht wirklich alles auf, was Rang und Namen hat, und schwere Geschosse werden ausgespielt. Mein persönlicher Höhepunkt der ganzen Massenschlacht ist aber, das sage ich unverblümt, die Rückkehr der legendären "Earthdawn". Es hieß ja, sie käme wieder, wenn die Not am Größten ist, und dieses Versprechen hält sie mit Pauken und Trompeten.
So nebenher lassen in der Schlacht dann noch eine Reihe großer Drachen ihr Leben, und auch der dämonenverseuchte Vestrivan hat seinen großen Auftritt...
Letztlich fallen sowohl Vivane als auch Himmelsspitze und alles scheint sich zum Guten zu wenden ... doch dann sind da ja noch die Horror Clouds...
Niemand weiß so recht, was sie sind. Sie könnten ein Teil manifestierte Plage sein, ein permanentes Tor zum Astralraum oder ein einzelner Dämon, der sich nur aufgrund des noch niedrigen Magieniveaus nicht voll manifestieren kann, der aber zu stark ist, um gebannt zu werden.
Egal was es ist, ich bin mir sicher, LR GAMES werden uns im nächsten Campaign Epic, Barsaive in Chaos, erneut angenehm überraschen können...
Abgerundet wird der Band dann noch durch eine Übersicht, wie sich die Parteien nach der Kampagne so verhalten werden und einigen neuen Adept-Werten für die verschiedenen Kreise. Kommen wir noch zu einem kleinen Fazit: GENIAL!!
Doch was genauer? Also gut: das Buch ist optisch eher abschreckend, auch wenn ich einige Teile, auch das Cover, schon irgendwie mag. Inhaltlich ist es jedoch das mit Beste, was Earthdawn in seiner Geschichte so gesehen hat und wenn LR GAMES dieses Niveau halten werden, dann steht Barsaive wohl noch eine wundervolle Zukunft bevor... Name: Barsaive at War
Verlag: Living Room Games
Sprache: Englisch
Autoren: Louis J. Prosperi u.v.a.
Empf. VK.: 18 Euro
Seiten: 155{jcomments on}

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