D&D 4 - Player's Strategy Guide

{jcomments on} Als der Player’s Strategy Guide für die vierte Edition von D&D angekündigt wurde, hatten viele Leute die Befürchtung, dass es ein Rohrkrepierer wie das Hero Builder’s Guidebook wird oder eine trockene Anleitung fürs Powergaming. Das Ergebnis überraschte dann aber selbst Leute, die sich nicht für D&D4 interessierten.

Das Cover ist von Mike Krahulic , dem Zeichner des Penny-Arcade-Webcomics und auch die Innenillus sind von Künstlern aus dem Bereich. Dabei haben viele der Zeichnungen auch Sprechblasen oder erzählen kleine Geschichten. Dadurch bekommt das Buch ein sehr außergewöhnliches Erscheinungsbild im Vergleich zu den anderen D&D-Bücher der vierten Edition. Es ist ein starker Stilbruch, der sicherlich nicht den Geschmack aller treffen wird. Ich persönlich habe jedoch meine helle Freude mit den Zeichnungen gehabt, allen voran dem Dragonborn-Dieb, der einem Gnome „unauffällig“ die Geldbörse stiehlt oder der Lehrmeister, der die verschiedenen Monsterklassen auf einem Diagramm vorstellt.

Das erste Kapitel dreht sich um die Erschaffung und auch Optimierung des eigenen Charakters, was insgesamt etwa die Hälfte des Buches ausmacht. Es wird viel Wert darauf gelegt, dass man einen Charakter spielt, der nicht nur interessant ist und dem Spielleiter viele Anregungen für Geschichten gibt, sondern der auch für die Gruppe einen Mehrwert bringt. Dabei gibt es sogar Fragebögen, welche Rasse oder Klasse zu einem passt oder welcher Spielertyp man ist. Diese Fragebögen sind aber etwas umständlich und hätten besser als Onlinefragebogen funktioniert. Die sonstigen Tipps zum Aufbau des eigenen Charakters sind aber Gold wert. In den verschiedenen Unterkapiteln wird immer wieder deutlich gesagt, dass D&D ein soziales Spiel und eine gemeinschaftliche Angelegenheit ist. D&D4 schafft es ja wie kein anderes Spiel Rollen zu verteilen und die Erfüllung dieser Rollen dann zu belohnen. Der Player’s Strategy Guide geht deswegen natürlich auch darauf ein, wie man seine Funktion innerhalb der Gruppe am besten ausfüllen kann, um das gesamte Spielerlebnis für alle zu verbessern. Dazu gibt es großartige Kapitel wie „How to… have the most hit points“ oder „... make the best healer”, mit denen man direkt wertvolle Tipps zum Optimieren seiner Rolle bekommt. Es ist aber kein Buch für Min-/Maxer, jedenfalls nicht auf einer höheren Ebene. Es stößt einen in die richtige Richtung, aber wenn man sich die WotC-Foren zur Charakteroptimierung durchlesen möchte, wird man effizienteres finden.

Daraus erwachsen dann die anderen Kapitel über die Konstruktion einer funktionierenden Gruppe, sowohl auf Ebene der Regeln, wie auch thematisch und vor allem auch auf Spielerebene. Weitere Aspekte wie die Konzentration von Schaden auf einzelne Gegner, nicht die Gruppe zu teilen und wie man bestimmte Probleme angeht, sind dann im dritten Kapitel zu Strategien zu finden. Und allgemeine Hinweise, wie man das Spiel flotter und spaßiger gestalten kann, sollte eigentlich jedes Spiel haben. Vor allem der finale Abschnitt „Don’t be a jerk“ sollte in jedem Rollenspiel eigentlich ganz vorne stehen.

Erwähnenswert ist auf jeden Fall auch, dass sich alles sehr angenehm liest. Das ganze Buch hat einen rotzigen Humor. Wenn etwa bei der Optimierung der eigenen Unterlagen die Option vorgestellt wird, dass man die Namen seiner Kräfte aufschreibt und dann jede Runde sobald man an der Reihe ist im Buch nachschlägt, dann steht direkt dabei: „Don’t be that player“. Auch der richtige Zeitpunkt für eine Heilung wird interessanter, wenn auf Leute verwiesen wird, die direkt geheilt werden wollen, wenn sie einen einzigen Treffer abbekommen (wir nennen diese Leute manchmal Magier).

Das ganze Buch nur als Leitfaden für Spieler zu verstehen ist zu kurz gedacht, denn aus den Hinweisen lassen sich hervorragende Spielleitertipps herauslesen. Wenn ein Spieler mit einem Wunsch für seinen Charakter zum SL geht und dieser den kategorisch ablehnt, weil das nicht in seine Geschichte passt anstatt einen Kompromiss zu finden, dann kann das Spieler, zu Recht, ansäuern. Immerhin spielt man gemeinsam.

Man könnte natürlich sagen, dass die meisten Hinweise in diesem Buch mit gesundem Menschenverstand abgedeckt sind und dass das ganz offensichtlich ist, wie man mit anderen Menschen zu spielen hat. Leute die das behaupten, sind naiv. Für mich steht fest, dass der Player’s Strategy Guide einer der nützlichsten und auch unterhaltsamsten Rollenspielbände war, den ich in der letzten Zeit gelesen habe. Die Tipps in ihm bereichern sicherlich jede D&D4-Runde, aber auch andere Rollenspieler sollten einen Blick riskieren, um ihr Spielerlebnis mit ihrem System möglicherweise zu verbessern. Dicke Empfehlung! 


Name: Rezi - D&D4 - Player's Strategy Guide
Verlag: Wizards of the Coast
Sprache: amerikanisch
Autor: James Wyatt
Empf. VK.: 29,95 $
Seiten: 160 farbig, Hardcover
ISBN: 978-0-7869-5488-9

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