Armageddon: 2089

The 21th Century was truly born on 11 September 2002, when terrorists hijacked two planes and crashed them into the symbol of American economic power, the World Trade Centre, and another into the symbol of its military strenght, the Pentagon.
- aus der Einleitung von Armageddon: 2089

Und wieder einmal ist Montag Abend und eine Rezension will geschrieben werden. Da trifft es sich doch gut das ich gerade die Rezeption (sprich: das Lesen) von Armageddon: 2089 abgeschlossen habe.

Dieses Buch scheint eigentlich wie für mich geschaffen, denn es verwendet d20 und hat Mechs. Da es auch noch reduziert zu haben war, macht die Sache für mich eigentlich klar: zugreifen. Wobei reduziert ein wichtiges Kriterium war, doch dazu später mehr. Wie nur unschwer zu erraten ist das Setting in der nicht ganz so fernen Zukunft angesiedelt, nämlich dem Jahr 2089. Die Welt befindet sich einmal mehr am Abgrund, denn es herrscht der dritte Weltkrieg, der Armageddon War. Nukleare Waffen, orbitale Laser und die neuste Errungenschaft WarMeks, bis zu 20 Meter hohe humanoide Waffenplattformen ermöglichen eine neue Ebene von Vernichtung und Krieg. Der Konflikt wird dabei von den beiden Hauptakteuren ausgetragen, den USA und dem Konföderierten Europa. Die Vereinigten Staaten haben im Laufe des 21. Jahrhunderts immer wieder von der "Bush-Doktrin" Gebrauch gemacht und Länder überfallen, die sie angreifen könnten. Dadurch können sie nun auf viele Territorien ausserhalb Nordamerikas blicken. Innerhalb der Landesgrenzen herrschen aber faktisch die Konzerne und die Bevölkerung wird von Propaganda und Angst beherrscht. Europa ist zusammengewachsen und doch nicht. Zwar gibt man sich nach aussen geschlossen, verfällt innerlich aber in starkes Nationaldenken. Die sozialen Systeme können nur noch durch die starke Wirtschaft und horrende Steuern aufrecht erhalten werden. Der Rest der Welt versucht sich entweder in mehr oder minder ernst gemeinten Neutralität, bezieht klar Stellung zu einer der Supermächte oder kann sogar alleine bestehen, wie das technologisch hoch entwickelte Tiger Kombinat. Tatsächlich ist es sogar so, dass dieses Kombinat als erstes WarMeks baute und Piloten ausbildete. Da die Technologie noch verhältnismässig neu ist, stammen immer noch sehr viele WarMek-Offiziere aus dem asiatischen Raum oder haben dort ihr Handwerk erlernt. Im Buch ist sehr ausführlich und schön erklärt, wie die "Global-Player" zueinander stehen und was in ihrem inneren geschieht. Kolumbien z.B. wird komplett von Drogenbaronen regiert, Indien produziert fast die gesamten Unterhaltungsprogramme für Amerika und Israel hat einen atomaren Todesgürtel um seine Grenzen errichtet und beschießt alles was hinein will.
Eigentlich ein sehr interessantes Setting aber a) wieso bekomme ich das nur auf 28 Seiten vermittelt und b) das ist ein Spiel bei dem man sich mit großen Mechs plattschießt (O-Ton Autor: "To me, Armageddon 2089 is unashamed mass destruction. Blowing stuff up."). Also, wieso bekomme ich überhaupt so eine Übersicht? Auch das klärt der Autor. Weil man nicht nur Kram kaputt-schießen kann, sondern auch Kram den man kennt. Ihr wolltet schon immer mal den Eifelturm mit einem Laser schmelzen? L.A. mit nuklearen Raketen beschießen? Den Congo mit Granaten umpflügen? Destruco-Tourism ermöglicht es euch! Einerseits bin ich mir sicher das so etwas mal Spaß machen kann, aber als lange Kampagne wird sich das sicher totlaufen. Mal ganz davon abgesehen das die Spielercharaktere nach solchen Taten wohl eh ganz weit oben auf der Abschussliste diverse Interessensgruppen stehen.

Die Schreibe des Autors (oder der zahlreichen Nebenautoren) ist dabei immer sehr gut. Er schreibt flüssig und unterhaltsam, selbst wenn es zu den (ziemlich langen) Ausrüstungslisten kommt. Die meiste Ausrüstung in dem Buch kommt natürlich den Hauptakteuren zugute. Und das sind in diesem Setting ja nicht direkt die Spielercharaktere, sondern eher die Vehikel die sie steuern: ihre WarMeks. Die Auflistung dieser Kampfpötte auf zwei Beinen reicht von 20 Tonnen schweren Scouts bis hin zu titanischen 200 Tonnen Dingern, die alles umpusten können was es gibt. Da es sich bei Armageddon 2089 um ein konfliktbasiertes Rollenspiel mit viel technischem Firlefanz handelt, gibt es natürlich auch entsprechend viel davon und auch mit entsprechend vielen Regeln. Alleine die Meks machen 60 Seiten aus und damit ein Fünftel des Buches. Ein weiteres Fünftel geht für erweitere Kampfregeln und Ausrüstung drauf. Das erste Fünftel befasst sich mit dem Aufbau einer Söldnereinheit, was sie erleben kann, wieviel Geld man für was zu erwarten hat, etc. Das letzte Fünftel steht dann für eine Übersicht der Länder, Konzerne und Tipps für den Spielleiter, wie er die Welt gestalten kann und was für Kampagnen darin möglich sind. Gerade letzter Teil ist sehr gut geschrieben und hilft einem tatsächlich ein Gefühl für dieses Setting zu bekommen. Das restliche Fünftel ist dann Kram wie Waffentabellen, Index, Einleitung, Glossar, etc.
Trotzdem habe ich mit der ganzen Intention des Settings ein Problem. Eigentlich ist alles darauf ausgelegt nur zu Kämpfen. Es wird auch im Buch beschrieben das es die extrem wichtige Aufgabe des SLs sei, den Spielern auch zwischen den Kämpfen etwas zu bieten und das stelle ich mir bei diesem System wirklich sehr schwierig vor. Allgemein habe ich eher den Eindruck als hätte man hier ein gutes, wenn auch sehr komplexes TableTop geschaffen als ein Rollenspiel. Als Spiel das nur Mechgefechte simulieren will, funktioniert es auch sicher ganz gut, vorausgesetzt man findet Leute die sich mit den komplexen Regeln auseinandersetzen. Hier besteht Gefahr missverstanden zu werden. Die Regeln sind nicht schlecht, wirklich nicht. Ich glaube das sie die Thematik gut umsetzen, nur... meine Güte, ist das viel Kram! Sensoren, Spezialregeln für spezielle Sensoren, Ausrüstung die diese speziellen Sensoren dann unbrauchbar macht, etc. pp.

Optisch ist das Buch ein zweischneidiges Schwert. Einerseits haben wir zu jedem Mek ein wirklich gelungenes Renderbild. Andererseits war es das dann auch schon fast an Illustrationen. Die speziellen Klassen für das Setting (verschiedene Mek-Piloten, Zivilisten, Infantristen, etc.) sind zwar auch bebildert, aber mehr schlecht als passend. Die weiteren Illus beschränken sich auf SEHR schlichte s / w Strichzeichnungen von Fahrzeugen und den zugegebenermaßen gelungenen Konzernlogos. Ja, beim durchblättern fällt es mir wieder auf. Textwüsten. Diese sind ab und an einmal von einer Newsmeldung unterbrochen, die eine halbe Seite Text einnimmt und In-Time-Texte präsentiert. Die sind auch gut zu lesen, ja... aber dunkelgrüne Schrift auf schwarzem Hintergrund? Hallo? Wer soll denn das lesen? Das ist auch allgemein ein Problem des Buches, denn dadurch das alle Seiten farbig sind (und es wieder mal keinen triftigen Grund dafür gibt, siehe weitestgehend fehlende Illus) leidet die Lesbarkeit stark.

So weit, so gut, ABER: Das Buch kostet 45 $ für knapp 300 vollfarbige Seiten. Konnte ich dies bei Babylon 5 noch in etwa nachvollziehen, da man ja auch die Lizenz bezahlen musste, gibt es für den horrenden Preis hier eigentlich keine Erklärung. 45$ sind schlicht zu viel für das was einem hier geboten wird und das beeinflusst das Verhältnis von Preis / Leistung doch stark negativ.

Nun stehe ich am Ende meiner Rezi und gleichzeitig an einem Dilemma. Denn dieses Buch richtet sich an einen sehr speziellen Kreis, nämlich den der TableTop Spieler, die nebenbei mal Rollenspiele zocken und diese am liebsten so gestalten wie ihre Figurenzockerei. Das ist nicht schlecht, aber doch sehr speziell. Die meisten werden mit den vielen Tabellen und sehr vielen Rechnereien nichts anfangen können. Wer also auf detailierte Action in Kampfkolossen steht, sollte zugreifen. Der Rest macht aber lieber einen Bogen um das Buch. Gerade zu dem Preis.


Name: Armageddon: 2089 
Verlag: Mongoose Publishing 
Sprache: englisch
Autoren: Ian Sturrock, August Hahn, James Maliszewski, John Shields, Matthew Sprange, Paul Tucker, Dr. Sara Tucker 
ISBN: 190398095X
Empf. VK.: 44,95 US-Dollar {jcomments on}
Seiten: 304 farbig, Hardcover

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