Crime Scene - Feds

Crime Scene: The Feds takes you right to the heart of the bureau, from Quantico to the Hoover Building nand beyond. Here you will learn all you need to know about the FBII‘s history, organizations, duties, procedures – and more.
- vom Backcover von Crime Scene: Feds

Crime Scene: The Feds ist der nunmehr siebte Band der „Crime Scene“-Reihe von Hogshead, welche sich mit Rollenspiel rund um realistische Verbrechensbekämpfung beschäftigt. Zwar haben wir davon auch nicht alle hier auf der DORP bereits besprochen, gerade der vorliegende Band liegt mir aber, mit meinem großen Faible für das FBI, doch sehr am Herzen.

Er kommt daher wie bisher jeder Band der Reihe. Gelb-schwarzes Absperrband „umwickelt“ den gesamten Einband, der auf Rücken und Backcover ansonsten schwarz mit gelber oder roter Schrift erstrahlt. Auf dem Cover, übrigens gezeichnet von Shaun Thomas, sehen wir zwei FBI-Agenten. Das Motiv ist klassisch: sie stehen auf einem Hausflur, schauen auf den virtuellen Betrachter als habe dieser ihnen gerade die Tür geöffnet, worauf sie nun etwas sagen wie „Wir hätten da mal ein paar Fragen, Mr. Rezi-Leser“. Die beiden Kerle, einer jünger, einer etwas älter, sind ebenfalls so stereotyp wie passend, trägt der eine doch eine schwarze Lederjacke und der andere den absolut typischen braunen Trenchcoat mit schwarzer Kravatte und Hut. Klasse!
Das Innenartwork ist dagegen etwas spartanischer. Auf den 80 Seiten des Bandes finden sich exakt 16 Illustrationen, von denen drei auch noch mehrfach verwendet worden sind. Die sind zwar handwerklich nicht schlecht und passen durchaus gut – der Band wirkt dennoch eher wie ein besseres Fanzine Marke „Warpstone Magazine“. Gerettet wird die Optik etwas durch die schöne Seitengestaltung, die aus „zerknitterten“ Unterlagen zu bestehen scheint und so recht stimmungsvoll ist.

Wenn man nun noch in dem guten Wissen, dass die Autoren der Reihe wohl Briten sind, den überpatriotischen Unsinn auf dem Backcover überliest („Your ultimate resource for protecting the USA“ etwa), kann man mal ruhig einen Blick auf den Inhalt werfen.
Die Gliederung des Bandes ist mit zwölf Kapitel und zwei Appendizes sehr fein, was in der Kertwende aber natürlich auch bedeutet, dass kein Thema hier bis ins letzte Detail präsentiert wird. Muss es denke ich aber ja auch nicht, es soll immer noch ein Rollenspiel-Supplement und kein Lehrbuch sein.

Das erste Kapitel befasst sich generell erst einmal mit der Frage der Zuständigkeit. Nach dem 11. September hat sich in Amerika einiges geändert, nicht nur im Bezug auf die Gründung des Department of Homeland Security, sondern auch bezüglich der Aufgaben der anderen Gruppen. Doch auch ohne Terroristen ist das Thema komplex genug, da neben den großen Gruppe wie der CIA, dem FBI oder dem DOJ auch noch regionale Gruppe wie das ABC, 23 State Polices und 26 Highway Patrols mitspielen wollen. Kein Wort verstanden? Dann solltet ihr das erste Kapitel mal lesen – es bietet einen kurzen, aber knackigen Überblick.
Überblick ist generell gut, daher bietet das zweite Kapiutel auch eine Einführung in die Geschichte des FBI, welche immerhin schon 1901 beginnt. Damals wurde Roosevelt Präsident und beauftrage seinen Generalstaatsanwalt Bonaparte mit der Gründung einer staatsweiten Polizei, welche 1909 in Form des ‘Bureau of Investigation‘ wirklich in Aktion trat. Dies im Detail und alle weiteren Infos über die 103 Jahre Geschichte der Organisation findet man hier.

Im dritten Kapitel geht es dann um die Gruppen innerhalb des FBIs. Wer sich noch nie mit dem Thema befasst hat, wird sich vielleicht über Obskuritäten wie die „Cyber Crime Division“ wundern, während alle anderen endlich mal raus kriegen, wofür wohl CIRG, OSB, CNU, CMU, RDLU und all die anderen Abkürzungen stehen – sinnvoll, oder? Liest sich aber weit unterhaltsamer, als man das hier jetzt meinen sollte.
Die Kapitel vier und fünf bilden zusammen eine Einheit und beschreiben die beiden wichtigsten Orte des FBI: Das J. Edgar Hoover Building und die FBI-Akademie in Quantico. Akte X-Fans wissen hier sicher schon Bescheid, alle anderen können das nachholen.

Kompetenzen sind das Herzstück des sechsten Abschnitts, der die Struktur innerhalb des FBIs näher beleuchtet. Welche Bedingungen muss ich erfüllen, um ein „Fed“? Werden zu können? Ist ein „Supervisory Agent“ in der Befehlskette oberhalb oder unterhalb eines „Special Agent in Charge“ anzusiedeln? Steht alles hier.

Das siebte Kapitel hat dagegen noch eine andere sehr relevante Frage zu beantworten: wie kommen FBI-Agenten eigentlich an ihre Fälle? Angefangen von einer kurzen Erklärung zu 911 (dem amerikanischen 110), über verschiedene Verbrechenstypen, die in ihr Ressort fallen, Miranda Rights, Haftbefehle und Durchsuchungsbefehle – wer fragen zu solchen Themen hat, findet hier antworten.

Aber nach 31 Seiten reiner Hintergrundfakten drängelt sich dann doch d20 mal wieder nach vorne. Im achten Kapitel, „Character Creation“, geht es eben genau darum. Wie schon aus anderen Bänden der Reihe gewöhnt werden neue Charakterklassen eingeführt. Hier sind es FBI Specialist, Forensic Investigator, Ghost, Negotiator, Pointman und Special Agent. Lustig dagegen die Idee, dass man sich auf ein Gebiet spezialisieren kann und daher noch zusätzliche Skills und Feats aus dazu bekommt. Passen kommen dann im neunten Kapitel eben jene neuen Skills und Feats. 22 neue Skills und 37 Feats schaffen es gemeinsam tatsächlich erneut, aus dem Fantasy-System D&D eine ganz angemessene Krimi-Konstruktion zu bauen

„Equipment and Transport“, das zehnte Kapitel, ist recht stark auf den Waffenaspekt ausgerichtet, aber anders, als man denkt: Hier werden noch mal Fragen diskutiert wie „Welche Waffe darf mein Agent im Dienst führen?“ und „Welche Konsequenzen kann das Abfeuern einer Waffe für ihn haben?“. Sehr nützlich, wenn der Rest dadurch auch etwas kurz kommt.

Das letzte Hintergrundkapitel ist mit zwölf Seiten noch mal ein rechtes Schwergewicht und erklärt, wie das FBI eigentlich ermittelt. Begleitet von passenden Regeln erfährt der geneigte Leser so etwa, wie Zeugen vernommen werden, wie die Bekämpfung von Terrorismus funktioniert und was genau eigentlich ein Profiler tut. Alles etwas oberflächlich, aber für den Zweck eines Spiels sicherlich dicke ausreichend.
Damit man das Gelernte auch sogleich mal antesten kann gibt es mit „Watchers in the Shadow“ noch ein sehr kurzes Beispielabenteuer. Das ist okay, wenn auch keine Offenbarung. Das Beispielabenteuer aus „Crime Scene: Police Investigation“ hat mir da beispielsweise merklich besser gefallen. Dennoch, wer gerade einen passenden Plot sucht, kann den hier gut und gerne nehmen.

Bleiben die beiden Anhänge. Appendix A ist eine große Tabelle mit FBI-Fachtermini. Angefangen von amtlichen Abkürzungen wie HBO (nein, nicht der Fernsehsender) oder RADINT bis hin zu Slang-Ausdrücken wie das „Bucar“ oder die „Three B‘s“ bis hin zu netten hinweisen, etwa das der Assistant Director in Charge mit ADIC abgekürzt wird und dies zumeist „Ay-dick“ ausgesprochen wird, ist alles da.
Appendix B gibt die Adressen sämtlicher amerikanischen FBI Field Offices an sowie generelle Informationen, in welchen nichtamerikanischen Städten das FBI zu finden ist. Etwa in Paris oder London, oder bei uns in Berlin und Frankfurt.

Ein zweiseitger Charakterbogen sowie die Open Gaming Licence runden den Band ab, ein fehlender Index gibt derweil einen Abzug in der B-Note.

Im Endeffekt kann man aber sagen, dass „Crime Scene: Feds“ ein rundum gut gewordenes Buch ist. Wäre es in der Innengestaltung etwas schöner, etwas billiger und hätte es einen Index, wäre es wohl glatt ‘sehr gut‘ geworden, so muss das hervorragend recherchierte und gut verständliche Buch eben einen leichten Abzug hinnehmen.
Man darf aber natürlich nicht vergessen, dass es ein Buch für besonders Interessierte ist. Wer nur ein Mal in seiner Kampagne einen Agent einbauen will, der braucht das Büchlein nicht. Wer aber vor hat, ernsthaft das Thema anzugehen und demnach auch Details brauchen wird, der liegt hier absolut richtig!


Name: Crime Scene: Feds {jcomments on}
Verlag: Hogshead Publishing 
Sprache: Englisch
Autoren: Ian Hunt
Empf. VK.: 18,95 US-Dollar 
Seiten: 80 Seiten

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