Crime Scene - Supernatural

THE TRUTH IS OUT THERE
Crime Scene: Supernatural takes you into the world of police and federal investigations of supernatural crime. This book details all the history, from cattle mutilation and Armageddon cults right through to serial killers, ghosts and para-zoology. Learn about processing an occult crime scene, who to involve, an what steps to take.

- vom Backcover von Crime Scene: Supernatural

Nachdem "Crime Scene: Police Investigations" ein Produkt von überraschender Güte geworden ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis mir auch die nächsten Bände in den Schrank wandern würden.
"Crime Scene", für die, die es nicht wissen, ist die neue Reihe von Hogshead Publishing. Nach dem Ausstieg der alten Crew und der Einstellung der bisherigen Reihen hat man bei Hogshead ein bisher sehr unberührtes Feld erwählt: das Feld der Verbrechensbekämpfung.
Weniger noch ein Krimi-Rollenspiel als vielmehr ein Polizei-Rollenspiel wusste der Eröffnungsband durchaus zu gefallen. Doch Rollenspieler sind nun mal dramaturgisch und medial orientierte Menschen, weshalb es keine Frage war, das man sich auch irgendwann mal von der Realität etwas abwenden würde und ganz im Sinne der X-Akten in die Welt des Übernatürlichen vorstoßen würde.

Genau dies ist in "Crime Scene: Supernatural" nun geschehen. Auf dem Cover sehen wir einen amerikanischen Polizisten, der – mit seiner Maglite bewaffnet – in einen dunklen, staubigen und mit Spinnenweben versehenen Raum schreitet. Sehr schön gezeichnet, wenn eben auch mit vielen dunklen Flächen, gefällt das Bild Shaun Thomas vor allem aufgrund seiner immensen Detailverliebtheit bei Gesicht und Uniform des Officers.

Das restliche Design des Bandes entspricht exakt "Crime Scene: Police Investigations", mit dem gelben "Absperrband" rund um das Cover, dem "Akte"-Design der Innenseiten und den eher durchschnittlichen Line-Art-Illustrationen. Auch der Umfang gleicht exakt dem Erstling.

Das Buch gliedert sich in elf Kapitel, ist also feiner gegliedert als "Police Investigations", und endet – wie dieser – mit einem kurzen Abenteuer.
Nach einer zweiseitigen allgemeinen Einleitung und weiteren zwei Seiten, Kapitel 1, die sich der Frage "Warum eigentlich Ermittler für das Okkulte?" beschäftigen kommt man dann auch schon Kapitel 2, einem Überblick, wer im Bereich des Okkulten eigentlich ermittelt. Drei Seiten, davon anderthalb über das FBI und anderthalb über Polizei, unabhängige Ermittler, Pathologen etc.
Nett, aber zu oberflächlich.

Kapitel 3, "Supernatural Crime", kommt der Sache dann schon näher, denn auf sechs Seiten erhält man einen groben Überblick über die klassisch okkulten Themenbereiche. Kulte, Satanisten, ein kurzer Überblick über Dämonenbeschwörungen , anderthalb Seiten über UFOs, eine Seite über die typischen Konzepte von Geistern und ein bisschen über andere Monster geben einen guten Überblick, gehen jedoch auch nirgendwo stark in die Tiefe. So kaut der UFO-Abschnitt zwar alles von Roswell bis Majestic 12 wieder, liefert dabei aber auch nicht mehr, als man nach ein oder zwei Staffeln Akte X auch weiß.

Kapitel 4, "Psychics", widmet sich mit den nicht rational zu erklärenden Fähigkeiten des menschlichen Geistes, außersinnliche Wahrnehmung und dergleichen mehr, sowie ihre Wahrnehmung im Laufe der Zeit.
Man erfährt ein Wenig über die (ja belegten) Versuche verschiedener Regierungen, durch diese Richtung unschlagbare Spione zu 'entwickeln', inwieweit man als Ermittler offen auf Hellsicht und ähnliches zurückgreifen kann und wer heute noch daran forscht.

Die nächsten sieben Seiten, respektive das fünfte Kapitel, widmen sich ganz der Ermittlungsarbeit ... und hinterlassen dabei einen etwas schalen Beigeschmack. Denn während die Informationen zum Fassen von Serienmördern, Biss- und Klauenspuren sowie zum Einsatz von Hypnose neu sind, so ist doch ein Großteil des Kapitels eine Wiederholung dessen, was man im "Crime Scene" schon gelesen hat. Das rührt daher, das "Supernatural" auch ein Stand-Alone-Produkt ist, welches eine Alternative zu CS:PI darstellt. Dennoch ist es ärgerlich, hier so viel reproduziert zu sehen, denn was den Neukunden halt freut, ärgert den Käufer des Vorgängerbandes. Da wäre eine Art Grundbuch vielleicht eine günstigere Idee gewesen.
Auch sind die Informationen hier nicht alle von der Güte, die man aus des Erstling kennt. Gerade die Checkliste für Serienmörder ist zu verallgemeinernd und faktisch eigentlich nicht wirklich zu gebrauchen.

Kapitel sechs eröffnet nun den Regelteil und liefert erst einmal die sechs Charakterklassen des Bandes. Die sind relativ gleichgültig und wenig inspirierend (FBI Agent oder SWAT wären zwei Beispiele), schlucken aber, zusammen mit den Infos über das Start-Department, zehn Seiten und sind damit direkt das bisher längste Kapitel des Bandes...

...nur um von dem 14 Seiten umfassenden Folgekapitel, "Skills & Feats", noch geschlagen zu werden. 21 neue Skills werden beschrieben und das macht, im Hinblick auf das zugrunde liegende PHB von WotC, sehr viel Sinn. Leider aber sind von diesen 21 Skills bereits 20 in "Crime Scene: Police Investigations" zu finden gewesen, einzig das dort enthaltene "Dog Handling" ist hier "Hypnosis" gewichen, was dann wieder zu oben genannter Kritik der unnötigen Wiederholung führt.
Auch bei den Feats sieht es ähnlich aus, jene, die weder aus dem PHB noch dem ersten Band dieser Reihe bekannt sind, sollte man bequem an einer Hand abzählen können. Die folgenden beiden Kapitel, "Guns and Armor" und "Combat", sind auch nahezu vollständige Wiederholungen, teils etwas erweitert, teils etwas verkürzt ... irgendwie fühlt man sich schon etwas um sein Geld geprellt.

Die folgenden vier Seiten, Kapitel 10 mittlerweile, drehen sich um Psychic-Charaktere und sind wiederum recht nett geraten. Zwar sollte man mit dem Konzept sparsam umgehen, aber gerade wer beispielsweise weniger von Akte X und mehr von Millennium her kommt, kann sich hiermit nun auch seinen kleinen Frank Black zusammenbauen.

Kapitel 11, das letzte inhaltliche Kapitel, bringt es dann noch mal auf fünf Seiten und liefert dem Spielleiter weiteres Material. Doch naturgemäß fallen die Abhandlungen über verschiedene Magievorstellungen schon sehr knapp aus, die "Monster" des Bandes (ganze sieben Stück), werden gar auf eine halbseitge Tabelle degradiert, ihre markanten eigenen Fähigkeiten auf Einträge wie "Regenerates, Transformation" - hier am Beispiel eines Vampirs (!) aufgezeigt.

Somit ist das abschließende Abenteuer erreicht, welches mit seinen zehn Seiten nicht sehr tiefgründig ist, aber eine ganz nette Gradwanderung zwischen 'Phänomenen am Rande einer polizeilichen Ermittlung' und 'übernatürliche Komponente' bildet; dennoch gefällt mir der hier dargebotene Mord an einem Sammler okkulter, seltener Bücher bei weitem nicht so gut wie der Fall aus "CS:PI" und originell ist auch etwas anderes.

Abschließend fällt das Urteil nicht schwer, schade finde ich es aber doch. Wo Mark Ricketts sowohl mit "Crime Scene: Police Investigations" wie auch "Crime Scene: Forensics" hervorragende Bücher abliefert, die eine gute Gradwanderung zwischen D20 und Inhalt darstellen, so ist dies Ian Hunt nicht gelungen.
Das Buch umfasst 80 Seiten, gut 60 abzüglich des Abenteuers. Davon drehen sich aber nur rund 30 Seiten überhaupt um das Übernatürliche, weitere 30 Seiten sind umformulierte Regel- und Basisinfos in Zweitverwertung.
Der inhaltliche Teil ist zudem sehr oberflächlich und vereinfacht dargestellt, bietet dem SL auch aufgrund seines so objektiven Tonfalls kaum Ansatz zur Inspiration an, wenn auch das, was im Buch steht, sehr gut recherchiert ist.

Somit kann man sich das Buch kaufen, denn insgesamt ist es eine noch befriedigende Abhandlung des Themas, wer aber zudem noch CS:PI sein eigen nennt, für den kann der Band bestenfalls noch auffüllenden, und damit 'noch ausreichenden' Nutzen haben.
Dann doch lieber CS:PI kaufen und Akte X gucken...


Name: Crime Scene: Supernatural 
Verlag: Hogshead Publishing 
Sprache: Englisch
Autoren: Ian Hunt{jcomments on}
Empf. VK.: 18,95 US-Dollar 
Seiten: 80

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