Wege der Zauberei

Welche Flüche kann eine Hexe schleudern? Wie vergrößere ich die Reichweite eines Zauberspruchs? Welche Auswirkungen hat ein Knotenpunkt magischer Kraftlinien? Diese und andere Fragen werden im vorliegenden Band, dem Regelwerk des Schwarzen Auges zu allen „magischen“ Themen, beantwortet
vom Backcover von Wege der Zauberei

Ich muss sagen, ich war schon etwas schockiert, als ich das vorliegende Buch aus dem Postkarton holte. „Wege des Schwerts“ war ein schöner, handlicher Band mit vielen Infos auf übersichtlichen 208 Seiten gewesen und es war zwar klar, dass „Wege der Zauberei“ etwas dicker sein würde, aber immerhin waren durch „Wege der Helden“, den „Liber Cantiones Deluxe“ und „Stäbe, Ringe, Dschinnenlampe“ doch auch schon viele Themengebiete behandelt, richtig? Falsch.
„Wege der Zauberei“ ist ein wuchtiges Monstrum geworden, das mit erschlagenden 432 Seiten auf die Matte tritt. Damit ist es 104 Seiten dicker (!) als „Wege der Helden“, einem Band, der nun wirklich schon eine Menge Holz enthielt. Das sind geschätzt noch mal rund 100 Seiten mehr Inhalt als „Zauberei und Hexenwerk“, wenn man dort den „Liber“ nicht mitrechnet, der ja im vorliegenden Hardcover auch nicht enthalten ist. In gewisser Weise liegt bei dem Buch also schon eine entsprechende Bringschuld, diesen schieren Umfang irgendwie zu erklären.

Aber fangen wir außen an. Das Frontcover ist in ein sehr dunkles Farbschema zwischen Blau- und Violettönen auf der einen und matten Rot- und Gelbtönen auf der anderen Seite gehüllt und zeigt eine sehr magische Konfrontation mit gewirkter Zauberei, mystischen Kreaturen und eigentlich allem, was das Schlagwort „Zauberei“ so evozieren könnte. Sehr schön anzusehen und wie schon zuvor wieder die beeindruckende Arbeit Slawomir Maniaks.
Im Inneren ist dann mal wieder alles beim Alten: Die Seitengestaltung orientiert sich am Basisregelwerk, ist aber natürlich wieder schwarzweiß gehalten. Die Illus sind wiederverwertet, weitestgehend durchaus schön anzuschauen, passen naturgemäß gut zu DSA und sind, wie immer, zu selten. Immer mal wieder kommen zwei Doppelseiten in Folge ohne Bild, bisweilen sogar drei Doppelseiten, und das ist bei einem insgesamt so langen und textreichen Buch einfach unverzeihlich. Aber leider ja auch nichts Neues.
Ebenfalls nicht neu, aber hier ist das ein Lob, ist die Verarbeitungsqualität des Buches. Eine tolle Bindung, die auch unter den 400 Seiten Ballast nicht ächzen, gebündelt zwischen zwei Pappdeckeln, mit denen man vermutlich einen Wuchtschlag+4 parieren könnte, garniert mit einem praktischen Lesebändchen. Bei DSA kriegt man dahingehend wirklich etwas für sein Geld geboten und ich haben gar keine Bedenken, dass mich die „Wege der...“-Bände auch in Jahren noch wohlbehalten zum Spieltisch begleiten werden.

Aber kommen wir zum Inhalt des Wälzers und keine Sorge, den werde ich jetzt nicht wie bei „Wege der Helden“ minutiös abhandeln, das würde hier unseren Rahmen ganz sicher sprengen. Das Buch gliedert sich, um es einmal ausgesprochen zu haben, in folgende Themengebiete: „Die Quelle der Magie“, „Die Astralenergie“, „Zauberfertigkeiten und Zauberprobe“, „Bann des Eisens“, „Verbotene Pforten“, „Die Magie des Blutes“, „Magiedilettanten“, „Zauberwerkstatt“, „Magische Artefakte“, „Die Kunst der Alchimie“, „Tödliche Täume“, „Erfahrung und Steigerung für Zauber“, „Die Magische Bilbiothek“, „Ritualzauberei“, „Rituale der verschiedenen Traditionen“, „Die Kunst der Invokation“, „Werte beschworener Wesen“, „Im Bund mit den Niederhöllen“, „Besessenheit“, „Die magischen Traditionen Aventuriens“, „Welt, Sphäre und Kosmos“, „Satinav und das Wesen der Zeit“, „Über die edlen Steine und ihre arkane Bedeutung“, „Die Magie der Namen“, „Die Macht der Elemente“, „Die Welt der Geister“, „Chaos und Unendlichkeit“, „Magische Kreaturen“, „Legenden der Magie“ und diverse Anhänge.
Das ist eine ganze Menge Material und eine durchaus spannende und umfassende Mischung, keine Frage. Nur ob das ausnahmslos als Lob zu sehen ist, gilt es abzuwägen.

Auf der einen Seite, gar keine Frage, hat sich das Hardcover ohne Frage auch schon bei mir bewährt. Für Spielleiterarbeiten etwa ist es eine ganz hervorragende Angelegenheit, man hat alles zusammen, was man für den Entwurf einer spannenden Handlung braucht, seien es nun hintergrundspezifische Texte wie etwa der zu Satinav und der Zeit, oder ganz konkret etwa Werte für einen bestimmten Dämonen. Das ist alles da, übersichtlich und verwendbar aufgemacht. Die Macher waren sich offenbar schon darüber im Klaren, was für ein Biest von Buch sie hier konstruieren und haben sich große Mühe gegeben, es verwendbar zu halten. Dieses Vorhaben ist weitestgehend gelungen und wird auch etwa durch einen sehr guten Anhang gestützt, der zumindest alle Zauber einmal in der Kurzfassung aufführt.
Einen meiner Kritikpunkte zu „Wege der Helden“ aber kann ich auch hier wiederholen: Leider sind die Beschreibungen Vor- und Nachteile (hier rund um das Thema Magie) nicht in das Buch aufgenommen worden, was auch hier zu der unangenehmen Situation führt, dass der, der die auch gerne mit zum Spieltisch nähme, eben noch mal 300 Seiten „...der Helden“ im Gepäck haben muss. Ärgerlich.

Positiv sind dagegen auch dieses Mal wieder die Detailänderungen und -verbesserungen, die eingeflossen sind. Das reicht von simplen Errata bis hin zu teilweise sehr heftigen Modifikationen. Natürlich gehen die Meinungen da, auch zu der Frage, ob das Spiel nun ausgeglichener oder unfairer sei, spürbar auseinander, aber insgesamt machen die Änderungen einen guten Eindruck auf mich; allen voran das veränderte System zum Umgang mit Elementaren, das gegenüber der alten Regelauflage komplett umgekrempelt worden ist.

Wirklich unnötig ist dabei eigentlich nichts, was in dem vorliegenden Buch präsentiert wird; leider bedient es dabei aber auch sehr, sehr unterschiedliche Obergebiete. Das ist vielleicht so meine größte Kritik an diesem Wälzer: Das Themengebiet ist unglaublich weit. Zwar steht für jeden Magiekundigen Aventuriens etwas in diesem Buch, aber es steht auch für jeden Magiekundigen Aventuriens viel in diesem Buch, was er niemals brauchen wird.
Das wirft durchaus eine Frage auf, die ebenfalls den Rahmen dieser Rezension sprengen würde, bespräche man sie im Detail, die aber dennoch erwähnt sein soll: Das System ist, gerade im magischen Bereich, mittlerweile gnadenlos überzüchtet. Natürlich enthält das vorliegende Buch auch viel Hintergrundmaterial, das ist gar keine Frage, und mancherlei grundlegende Information über den aventurischen Kosmos, aber damit ist es ja noch nicht einmal getan!
Weder ersetzt „Wege der Zauberei“ den „Liber Cantiones“, noch ersetzt es „Stäbe, Ringe, Dschinnenlampe“. Nimmt man diese beiden Bücher noch zu „Wege der Zauberei“ dazu und garniert das mit einem Schätzwert an Seiten, die in „Wege der Helden“ auf magische Professionen etc. verwandt wurden, dürfte man selbst unter Abzug eventueller, inhaltlicher Dopplungen, locker auf über 800 Seiten reines Magieregelwerk kommen. Ich meine ... hallo?! DSA4 ist komplex, das ist keine Frage und das ist durchaus Fluch wie Segen. Aber ein derartiger Overkill ist schon langsam fragwürdig, mal ganz davon zu schweigen, dass es unter Umständen mittlerweile demnach 132 Euro (39 Euro „Wege der Zauberei“ + 35 Euro „Wege der Helden“ + 35 Euro „Liber Cantiones Deluxe“ + 23 Euro „Stäbe, Ringe...“) auf den Tisch legen muss, um alles zur Hand zu haben, was es über sein Fachgebiet gibt. 132 Euro!

Ein Fazit zu dem vorliegenden Buch muss im Grunde aus zwei Perspektive gesehen werden. Wer DSA-Spieler ist und mit Magie zu tun hat, der solte „Wege der Zauberei“ definitv in seine Sammlung aufnehmen. „Zauberei und Hexenwerk“ ist mittlerweile inhaltlich derartig überholt, das der Wechsel auf das 4.1-Buch Sinn hat und sich durchaus auszahlt. Alleine die Elementar-Regeln machen das Spiel einfach besser, mal ganz davon abgesehen, dass es irgendwo auch schön ist, endlich mal zumindest recht viele der Regeln an einem Ort zu haben.

Wer nun aber kein DSA-Spieler ist, für den sieht die Sachlage mittlerweile durchaus anders aus. Wenn wir das Basisbuch direkt außen vor lassen, so bezahlt man ja alleine für die „Wege“-Bücher zusammen 104 Euro. Legt man dann noch die drei „R“-Bände und den „Liber“ oben drauf, ist man bei 220 Euro Auslagen. Das ist dann ein Punkt, wo dann langsam aber sicher aller guten Dinge Ende ist. Wenn man bedenkt, dass die drei vollfarbig gedruckten, kommenden D&D4-Bücher zusammen 74 Dollar kosten werden und auch ein vollständiges Spiel darstellen werden, fragt man sich ja durchaus, warum man mittlerweile bei DSA derartig viel Geld auszulegen hat.

Insofern bezieht sich das „noch sehr gut“ im Kasten unter dieser Rezi auch eindeutig auf einen aktiven DSA-Spieler als Zielgruppe. Denn, so leid es mir tut und so sehr mein Herz an dem deutschen Fantasy-Schlachtschiff „Das schwarze Auge“ hängt, Neueinsteigern kann man derzeit allenfalls noch das Basisbuch empfehlen. Bei allem anderen geht langsam aber sicher die Verhältnismäßigkeit verloren.
Name: Wege der Zauberei
Verlag: Ulisses Spiele
Sprache: Deutsch
Autoren: Olaf Michel und Thomas Römer (Redaktion), mit: Frank W. Bartels, Lutz Berthold, Peter Diehn, Tilman Hakenberg, Benedikt Megner, Elias Moussa, Christian Saßenscheidt, Alex Spohr und Anton Weste
Empf. VK.: 39 Euro
Seiten: 432{jcomments on}

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