Weiße Berg I, Der – Die Zuflucht

Der Freiherr von Andrafall lädt zum Turnier, um die Hochzeit seiner lieblichen Tochter mit einem altgedienten Recken angemessen zu feiern. [...] Doch dann verschwindet ein wertvolles Schmuckstück, und der Freiherr setzt eine hohe Belohnung für seine Wiederbeschaffung aus.
vom Backcover von Der Weiße Berg I: Die Zuflucht

Als vor Jahren die DSA4-Basisbox erschien, da lieferten die DSA-Macher auch (in ihrem Rahmen) zügig eine kleine Einsteiger-Kampage nach, damit Neulinge auch flott was zum Spielen hat. Ich persönlich fand die „Spielstein“-Kampagne dabei eher mau und belanglos, aber die Intention war gut.
Da ist es natürlich nur clever, dass nun, passend zum neuen Basisbuch, erneut eine Einsteigerkampagne kommt. Sogar noch cleverer, denn sie ist in Andergast angesiedelt, der Region, die neuerdings auch als Startregion im Grundbuch präsentiert wird.

„Die Zuflucht“ ist dabei der erste Teil einer Duologie namens „Der Weiße Berg“ und hat mit seinem geistigen, vierteiligen Vorgänger zunächst einmal den roten Rahmen gemein. Es trägt die Nummer E5 und macht damit gleich auf mehreren Ebenen klar, dass es sich eben an ein Einsteiger richtet. Sinnig.
Das Cover fällt dabei zügig ins Auge, denn es ist von erstaunlicher Güte. Ritter, die mit Knappen und Turnierlanzen durch ein Fachwerkdorf ziehen, verlangen gleich mehrerlei Lob. Einerseits zeigt Slawomir Maniak ein weiteres Mal ziemliches künstleriches Talent, andererseits passt es sogar zum Inhalt. Großartig, dass ich das noch erleben darf!
Das Buch kommt übrigens bereits aus dem Ulisses-Vertrieb und markiert exakt die Verlagswechselgrenze, denn es war gerade im Druck, als FanPro DSA vergab. Daher prangt auf dem Buch noch stolz, aber eben ein letztes Mal, rot-gelb-schwarz das FanPro-Logo.

Das Innenlayout bemüht sich um Gliederung, ist aber etwas über das Ziel hinausgeschossen. Auf der einen Seite gefallen die seit der Basisbox verschönerten Designelemente, auf der anderen Seite sind es mit mit Abstand zu viele Textkästen.
Da gibt es graue Textkästen mit schwarzem Rand, weiße Textkästen mit schwarzem Rand, ausgefranste Textkästen mit Textur, ja sogar Textkästen in Textkästen ... man kann es auch übertreiben, würde ich mal sagen.
Dafür sind die Innenillustrationen schön. Die relative Neuentdeckung Mia Steingräber zeigt einmal mehr Liebe zum Detail und schafft es, Heldengruppen zu nehmen, die weder an Logik, gutem Geschmack noch Anatomie scheitern, sondern erfreulich direkt aus dem Spielgruppenalltag zu stammen scheinen. Ein weiteres Innenbild ist von Zoltán Boros, bewährte Kost also; die Karten sind von Florian Stitz und gefallen auch, sind allerdings nicht ganz auf dem hohen Niveau der restlichen Bilder.

Auch inhaltlich hat mir „Die Zuflucht“ aber sofort gefallen. Die Idee, eine Gruppe neuer Spieler mit einem Turnier nach Aventurien zu führen gefällt mir, ist klassisch und bewährt. Ja, sogar im mir so verhassten „Schlacht in den Wolken“ war das Turnier in meinen Augen unbestrittenes Highlight und ich finde, Florian Don-Schauen toppt das hier sogar noch mal ordentlich.
Denn was mir so gut gefällt sind nicht die Turnierkämpfe, sondern die Vielfalt anderer Wettstreite. Etwa der Geländelauf – das ist absolut passend für die Region, stimmungsvoll, eine tolle Aufgabe für neue Charaktere und nebenher noch ein netter Weg für frische Spieler, einige Regelmechanismen kennen zu lernen.

Aber es bleibt natürlich nicht lange so und die Helden stoßen alsbald auf eine verbrecherische Spur, die sie in den Steineichenwald führt, wo sie nicht nur einen den ersten Teil befriedigend abschließenden Teilerfolg erzielen können, sondern auch auf eine ominöse Burg treffen.
Dort kommen dann erste Hinweise ins Spiel, was es mit dem titelgebenden „weißen Berg“ so auf sich hat und wohin der Rest der Kampagne sie inhaltlich führen wird, und nach einigen weiteren, netten Gelegenheiten zum Rollenspiel können sie sich noch einen Cliffhanger abholen.

Einer der dicksten Pluspunkte des Büchleins ist sicherlich die Qualität des Textes. Zahlreiche klassische Fehler in der Konzeption von mehrbändigen Abenteuern werden umgangen, so hat der Spielleiter nach der Lektüre der ersten paar Seiten bereits den kompletten Überblick über die Hintergrundgeschichte der Kampagne, wird also vermutlich nicht in Unkenntnis des zweiten Bandes die Gruppe in irgendwelche Sackgassen führen.
Nett sind auch zahlreiche Tipps im Text, angefangen von Ratschlägen zum Umgang mit gerade inaktiven Spielern über historische Atmosphäre-Inspirationen (Gunst- oder Minnebänder beim Turnier, etwa) bis hin zu ganz konkreten Problem-Lösern zum eigentlichen Handlungsablauf.
Als ich in dem Abenteuer so las, kam mir da immer wieder ein Gedanke: „Ich weiß das zwar mittlerweile, aber Gott was wäre das toll gewesen, solche Infos zu haben, als ich vor vielen Jahren mit DSA angefangen habe!“
Insofern sicher schon mal: Experiment geglückt, Einsteigerfreundlichkeit erfüllt.

Diese Einsteigerfreundlichkeit sollte dabei aber nicht mit einer einfachen oder dummen Geschichte verwechselt werden. Etwas Anspruch an den Spielleiter stellt das Abenteuer sicherlich, gerade, weil manche Teile recht nonlinear sind. Das finde ich aber gar nicht schlecht, denn so kriegen die Spieler auch mal zum Auftakt schon richtig was geboten. Zumal auch eher komplexe DSA-Themen wie etwa das Wesen von Globulen hier bereits angeschnitten und im zweiten Band sicherlich noch ausgebaut werden.

Natürlich wird eine endgültige Bewertung auch immer etwas vom „Fluch von Burg Dragenstein“, dem zweiten und letzten Teil der Reihe abhängen. Aber ich bin da eigentlich recht zuversichtlich, da der Autor ja der gleiche bleibt.
Momentan, bis der „Fluch“ eben raus ist, gilt noch eine gewisse Einschränkung auf meine nun folgende Kaufempfehlung, da die beiden Abenteuer eigentlich eher eng aneinander anschließen, doch davon abgesehen:
„Die Zuflucht“ ist ein tolles Abenteuer für junge Helden und, ebenso, frische DSA-Spieler. Es ist toll geschrieben, hat eine gute Geschichte und gibt dem Spielleiter viel Material an die Hand, um direkt loslegen zu können.
So müssen Einsteigerabenteuer aussehen – doch selbst erfahrenere Spieler können mal einen Blick riskieren, „Die Zuflucht“ ist schon ein richtig, richtig gutes Teil geworden...


Name: Der Weiße Berg I: Die Zuflucht
Verlag: FanPro/Ulisses Spiele 
Sprache: Deutsch
Autoren: Florian Don-Schauen
Empf. VK.: 10 Euro {jcomments on}
Seiten: 56

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