sieben Gezeichneten 3, Die – Invasion der Verdammten

Invasion der Verdammten ist der dritte Band der Kampagne um die Rückkehr Borbarads und die Heldentaten der Sieben Gezeichneten, einer Serie von Abenteuern, die nicht nur Ihre Helden, sondern auch ganz Aventurien dauerhaft verändern werden.
vom Backcover von Invasion der Verdammten

Wäre nicht der Titelschriftzug, so könnte man „Invasion der Verdammten“ äußerlich wohl kaum von seinen Vorgängern unterscheiden. Sicherlich, das Rot des Covers ist auch diesmal wieder etwas mehr gen gelb/orange gewandert, doch alles andere ist bekannt: Schwarze Schrift, schwarzer Buchrücken mit roten Lettern und vorne die stilisierte Dämonenkrone. Nett, aber nicht umwerfend.
Im Inneren des Bandes gibt es ebenfalls Bewehrtes zu sehen. Das Layout entspricht eben den zweckmäßigen, aber nicht umwerfenden Standard von DSA4, die Bilder dagegen sind durchaus schön anzusehen. Mit Ausnahme einiger weniger, teils etwas unvermittelt untergebrachter Bilder aus späteren Bänden findet man in „Invasion der Verdammten“ großteilig exakt die Bilder wieder, die auch in den Erstveröffentlichungen zu sehen waren. Mir persönlich sagt das sehr zu, ich mag Caryads alten, nicht auf Graustufen setzenden Stil, doch ist das Alter eben schon spürbar. Am deutlichsten fallen allerdings die Illustrationen im mittleren Teil – Die letzte Schlacht des Wolfes – heraus, was recht simpel mit ihrer Herkunft zu erklären ist. Was damit gemeint ist, sei im nächsten Abschnitt erklärt...

Das Verhältnis von Abenteuern der Haupt- und Nebenlinie der Borbaradkampagne war in den bisherigen Bänden immer 2:1 gewesen. In „Rückkehr der Finsternis“ waren das „Alptraum ohne Ende“ und „Unsterbliche Gier“ Teil der Haupt- und nur „Grenzenlose Macht“ Teil der Nebenlinie. In „Meister der Dämonen“ standen „Pforte des Grauens“ und „Bastrabuns Bann“ einzig „Schatten im Zwielicht“ gegenüber. In „Invasion der Verdammten“ kippt dieses Verhältnis merklich – stärker noch, als auf den ersten Blick zu erkennen.
Enthalten sind zwei Abenteuer, die man in dieser Form schon kannte, sowie besagte „letzte Schlacht des Wolfes“, welches mutmaßlich niemandem etwas sagt. Das ist leicht erklärt, wenn man weiß, dass das Abenteuer eine deutlich überarbeitete und generalüberholte Version dreier alter Szenarien ist. „Blutige Tobimora“ sowie die beiden Wunderwelten-Abenteuer „Der Winter des Wolfes“ und „Die letzten Tage von Ysilia“ bilden zusammen den Rahmen; doch daraus ergibt sich natürlich auch, dass einige der Illustrationen ebenfalls eher auf WuWe-Magazin-Niveau bleiben. Nicht schlecht, aber noch mal einen Zacken unter dem, was man heutzutage erwartet.

Doch kommen wir zum Inhalt. Das erste Abenteuer des Bandes stammt aus der Feder von Lena Falkenhagen und hört auf den klangvollen Titel „Goldene Blüten auf Blauem Grund“.
Ursprünglich sollte sie das amazonenverbundene Abenteuer mit Ulrich Kiesow zusammen verfassen, was aber aufgrun dessen ersten Infarkts nicht mehr zustande kam.
Geschrieben hat sie es – auch auf seinen Wunsch hin – trotzdem und sich damit sogleich in die hohen Ränge der DSA-Redaktion katapultiert. Wie schon geschrieben, es geht um Amazonen, vornehmlich um das recht verklärte und idealisierte Bild, das zu jener Zeit noch von diesen Frauen vorherrschte.
Dieses „Märchen“ zerschlägt die Autorin gekonnt und leutet damit eine ganz neue Gefahrenstufe für den Borbaradfeldzug ein. Die Handlung ist schön, die Tragweite der Ereignisse gut gewählt, Anspielungen auf vorherige Abenteuer und Anknüpfungen an aventurische Hintergründe im Allgemeinen sind zuhauf vorhanden – kurzum, „Goldene Blüten“ ist eine große Bereicherung der Kampagne, selbst wenn es eigentlich nicht einmal Teil der Hauptlinie war.

Dann kommt sie, „Die letzte Schlacht des Wolfes“. Ich gebe zu, ich war da anfangs etwas skeptisch, denn wenn drei Abenteuer, noch dazu von komplett unterschiedlichen Autoren verfasst und nie aufeinander aufbauend konzipiert, zusammengefasst werden, dann ist das sicherlich kein leichtes Unterfangen.
Somit liest man dann auch eingangs, das alles sei verfasst „von Ulrich Kneiphof, Michael C. Maurer, Jürgen Plank und Anton Weste, überarbeitet und ergänzt von Daniel Jödemann und Sebastian Thurau, mit Beiträgen von Armin Bundt (diverse Szenarien)“.
Ich glaube nicht, dass ich ein anderes Abenteuer kenne, dass so viele Autoren und Editoren für sich verbuchen kann. Trotzdem muss man sagen, „Die letzte Schlacht des Wolfes“ ist ein imposantes und erstaunlich rundes Szenario geworden. Es füllt dabei sogar eine wichtige Lücke, denn wie schon richtig angemerkt wird, wurde der ganze, bedeutsame Feldzug um Tobrien in der ursprünglichen Linie niemals wirklich in Abenteuerform behandelt. Es gab die „Goldenen Blüten“, doch ansonsten wurde fast alles in Form von Botenartikeln und Romanen dargeboten. Dies ändert sich nun und „Die letzte Schlacht des Wolfes“ macht dieses dramatische, bedeutsame Ereignis spielbar und mündet mit dem Fall der Stadt Ysilia in einem der großartigsten Höhepunkte, die ich jemals habe leiten dürfen.

Der dritte und somit letzte Beitrag des Bandes, „Rohals Versprechen“, ist dagegen Hauptlinie in reinster Form. Hadmar von Wieser und Thomas Römer haben das Abenteuer gemeinsam verfasst und bietet dem geneigten Helden viel zu erleben. Der Allaventurische Konvent der Magie führt zu einem Weg, den weisen Rohal zurückzubringen und mündet daher in einem Aufeinandertreffen mit Borbarad selbst – immerhin zwei Halbgötter. Nach dem Auftritt der Nandussöhne reisen die Helden weiter, noch immer auf der Suche nach Spuren, die neue Hoffnung wecken könnten. Das Szenario mündet in Drakonia, dem Konzil der Elemente, wo die Charaktere dann noch dem Erscheinen des legendären Lichtvogels beiwohnen können, was sich jedoch ganz anders entwickelt, als sie sich das vorgestellt haben.
„Rohals Versprechen“ hat für mich bisweilen etwas den Hauch von Geradlinigkeit gegen sich sprechen (das Finale etwa hat ein negativ-offenes Ende, dessen Fortlauf nur optional spielbar, vielmehr aber in dem Roman „Der Lichtvogel“ ausgestaltet wird), bietet dafür aber viele denkwürdige Szenen, an die sich – richtig präsentiert – die Spieler sicherlich auch nach langer Zeit noch erinnern werden. Insgesamt aber kann das Abenteuer nicht ganz mit den prächtigsten Szenarien der Reihe mithalten.

Insgesamt aber hat mich „Invasion der Verdammten“ rundum überzeugt. Die Verbindung von „Blutige Tobimora“, „Der Winter des Wolfes“ und „Die letzten Tage von Ysilia“ zum großen Abenteuer „Die letzte Schlacht des Wolfes“ funktioniert ganz hervorragend, genauso wie man auch dieses Mal kaum mehr erahnen kann, welche Szenarien ursprünglich einmal Teil der Haupt- und welche Teil der Nebenlinie waren.
Alles fließt homogen ineinander und bietet eine ganze Reihe spannender Höhepunkte auf der Reise, die den exzellenten Ruf der Kampagne einmal mehr bestätigen. Wenn nun der noch ausstehende Band „Mächte des Schicksals“ die beiden letzten Abenteuer, „Siebenstreich“ und „Rausch der Ewigkeit“, noch genauso gekonnt und verbesser präsentiert, dann kann man mit Fug und Recht sagen, dass die insgesamt elf Abenteuer der Kampagne mit zu den größten Erlebnissen gehören, die man als Rollenspieler haben kann.
Schlichtweg großartig!


Name: Invasion der Verdammten
Verlag: FanPro
Sprache: Deutsch
Autoren: Lena Falkenhagen, Thomas Römer und Hadmar von Wieser, sowie Ulrich Kneiphof, Michael Maurer, Jürgen Planck und Anton Weste, u.a.
Empf. VK.: 28 Euro
Seiten: 280{jcomments on}

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