Im Schatten Simyalas (Sammelband)

Irgendwo in den Tiefen des unzugängliches Reichsforstes soll vor langer Zeit die legendäre Hochelfenstadt Simyala gestanden haben. Es heißt, sie sei vom Basiliskenkönig zerstört worden, jener Kreatur, die der Namenlose ausgeschickt habe und die erst vom mytischen [sic] Siebenstreichträger Geron besiegt werden konnte.
vom Backcover von Im Schatten Simyalas

Es ist doch irgendwie schön, wenn Wünsche noch in Erfüllung gehen. Vor gar nicht allzu langer Zeit erwarb ich via Fantasy-Download.eu die PDF-Dateien der drei DSA3-Abenteuer „Namenlose Dämmerung“, „Stein der Mada“ und „Der Basiliskenkönig“, hatte aber eine Reihe Kritikpunkte. Denn obwohl die Kampagne selber sehr gut gelungen ist, waren die PDFs doch sehr teuer und nicht einmal an die vierte DSA-Edition angepasst.
Und dann, ganz plötzlich und unerwartet kurz nach dem Verlagswechsel, tauchte plötzlich die Meldung einer Überarbeitung auf. Somit ist „Im Schatten Simyalas“ auch das erste DSA-Produkt, das ich hier bespreche, das nicht mehr über FanPro, sondern via Ulisses Spiele an den Kunden gelangt.
Die Neuauflage orientiert sich vom ganzen Stil her sichtlich an den Neuauflagen der „Sieben Gezeichneten“-Abenteuern (D7G), ist aber komplett in diesem einen Band in sich abgeschlossen. Damit schlägt die 25 Euro teure Neuauflage, die DSA-typisch in einem schier unzerstörbaren Hardcover-Umschlag daherkommt, schon mal alleine preislich die Einzel-PDFs, die mit drei mal 10 Euro zu Buche geschlagen haben.
Über die äußere Aufmachung ist dagegen nicht viel Positives zu sagen. In Anlehnung an das Dämonenkronen-Design der D7G-Bänder hat „Simyala“ auf dem Cover kein eigentliches Bild, sondern einen Schattenriss, der auf einem farbigen Grund liegt. Nur ist dieser Schattenriss ein Baum mit umschließender Wendeltreppe (?) und sieht nicht wirklich prall aus, liegt vor allem aber auf einem neongrünen (!) Untergrund. Ein richtig giftiges Grün, wie man es eigentlich nur für Säure in alten Comics und Filmen verwenden dürfte, strahlt hier dem armen Zuschauer ins Gesicht. Selbst die Schrift auf dem Rücken ist in diesem Grün gehalten (konsequent, die ist bei den D7G-Bänden rot wie das Cover, aber da halt nicht so hässlich) und macht „Im Schatten Simyalas“ irgendwie zu einer regelrechten Schmach im Regal.

Im Inneren dagegen kann man nicht meckern. Da die Illus hier direkt aus den alten Abenteuern übernommen wurden ist ein einheitlicher Stil gesichert und die grafischen Elemente sind die schöneren Post-Basisbuch-Versionen, so dass es durchaus Spaß macht, in dem Buch zu blättern.
Der Druck ist dabei auch ebenso kräftig wie die Bindung, so dass man wohl vorerst sagen kann, dass der Verlagslevel nicht zu einem Absinken der Produktverarbeitungsqualität geführt hat. Allerdings vermisse ich ein Lesebändchen und eine Lasche am Ende des Buches mit Handouts und Karten, wie man das sonst schon erlebt hat.
Mehr noch, ich vermisse einen Handout, jedenfalls gegenüber der alten Auflage. Ein Auszug aus einer alten Legende, der in „Namenlose Dämmerung“ noch als schön aufgemachtes Faksimile enthalten war, gibt es jetzt nur noch im Reintext. Sehr schade.

Die Abenteuer selber aber sind inhaltlich unverändert und somit in alter Qualität vorhanden. Ich werde hier nicht mehr dergestalt ins Detail gehen wie bei der letzten Rezensionen – die ist ja nach wie vor auf der DORP zu finden – und beschränke mich auf einige allgemeine Sätze. Die drei Abenteuer sind von Lena Falkenhagen und Thomas Finn geschrieben und führen die Charaktere auf eine mythische Reise, gar nicht mal weit von der Heimat entfernt. Im Reichsforst soll die alte Elfenstadt Simyala verborgen liegen und wird nun von verschiedenen Parteien aus verschiedenen Gründen gesucht.
Am Ende steht der Namenlose und eine Bedrohung aus alter Zeit, ein Treffen mit felinen Hochelfen und ein episches Finale, dazwischen viel Mystik und Abenteuer. „Im Schatten Simyalas“ ist eine Besonderheit im DSA-Kampagnenreigen, denn obschon es episch zugeht und das Schicksal Aventuriens durchaus von den Ereignissen beeinflusst wird, so läuft das Geschehen eher im Geheimen ab.
Anders als beim „Jahr des Greifen“ (wo wir schon bei Neuauflagenwünschen sind ... das wäre doch echt mal was...), den „Sieben Gezeichneten“ oder eben dem „Jahr des Feuers“ schaut hier nicht das ganze Mittelreich oder gar ganz Aventurien auf die Taten der Helden, was einmal eine nette Abwechslung ist.
Denn dadurch bleiben sie vor allem spielbar. Wer Greifenfurt befreit, Borbarad getötet oder das Mittelreich vor der vollständigen Vernichtung gerettet hat, der ist eigentlich fertig mit dem Heldenleben. Die „Simyala“-Kampagne dagegen bietet den Spielern viel zu tun und zu bestreiten, ohne dabei den Status Quo der Spielwelt zu erschüttern.

Der Anspruch an den Spielleiter ist beiweilen in der Kampagne recht hoch, was man wissen sollte, bevor man sich ins Abenteuer stürzt. Die Bücher unterstützen einen nach Leibeskräften, haben aber einfach einige eher knifflig zu meisternde Stellen.
Hier wurde leider bei der Neuauflage auch die Chance zur Überarbeitung nicht genutzt. Anders als bei D7G sind die Texte der alten drei Abenteuer hier fast 1:1 übernommen wurden. Loben dagegen muss man aber die Konvertierung des alten Formats (Allgemeine, Spezielle und Meisterinformationen) hin zum mittlerweile etablierten allgemeinen Textfluss mit Vorlesekästen – wenn man es nicht wüsste, man würde nicht merken, dass hier eine Bearbeitung stattgefunden hat.

Was ich zuletzt vermisse ist ein neues Grußwort der Autoren. Das hat die ersten drei D7G-Sammler in meinen Augen sehr sympathisch gemacht und hätte auch „Im Schatten Simyalas“ gut zu Gesicht gestanden, wurde aber leider versäumt.
Das ist ein minimaler Kritikpunkt, ich weiß, aber es hat mir durchaus gefehlt.

Alles in allem kann man aber bei „Im Schatten Simyalas“ getrost zugreifen. Die gute Verarbeitung, die schöne Innengestaltung und vor allem drei exzellente Abenteuer sollten über den hässlichen Umschlag und einige kleine Kritikpunkte bei der Bearbeitung der alten drei Abenteuer hinwegtrösten können.
Vor allem kriegt man aber DSA-typisch mal wieder viel Abenteuer für‘s Geld, denn 25 Euro auf 160 Seiten sind zwar nicht mehr so extrem unter Industrie-Standard, wie es bei dem System lange Usus war, aber fair ist der Preis allemal. An der „Simyala“-Kampagne dürfte eine normale Gruppe schon recht lange zu spielen haben.
Name: Im Schatten Simyalas
Verlag: Ulisses Spiele
Sprache: Deutsch
Autoren: Lena Falkenhagen und Thomas Finn, mit Anton Weste und Hadmar von Wieser, bearbeitet von Ingo Mittas
Empf. VK.: 25 Euro
Seiten: 150{jcomments on}

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