Regionalband 05 – Land der ersten Sonne

Das Land der ersten Sonne – das ist das Land östlich der Khômwüste und des Raschtulswalls, die Wiege der aventurischen Zivilisation, ein Land mächtiger Städte und fruchtbarer Äcker, ein Land der geheimnisvollen Dschinne und Fliegenden Teppiche, der gewitzten Händler, geschickten Diebe und stolzen Krieger.
vom Backcover von Land der Ersten Sonne

Mit „Land der Ersten Sonne“ ist die Überarbeitung der ersten Regionalbox für DSA, „Die Wüste Khôm und die Echsensümpfe“, endlich komplett. Der fünfte Band der Regionalreihe zu DSA4 liefert nun noch Beschreibungen von Mhanadistan, Aranien, Gorien, der Balasch und Thalusien nach und vollendet damit die Tour durch die Südlande gewissermaßen.

Optisch ist der Band zunächst einmal sehr zufriedenstellend. Das Cover zeigt eine Karawane, die über eine phantastische Brücke in eine ebenso phantastische Stadt Einzug hält, während dahinter eine gewaltige, dschinnenhafte Gestalt blau das Umland erleuchtet. Ziemlicht viel Fantasy für DSA, aber ein tolles Bild. Diesmal war es nach Caryads Gastspiel auf dem Cover von „Angroschs Kinder“ wieder Thomas Thiemeyer, der den Zeichenstift schwang, und das Bild sieht toll aus.

Das Hardcover ist gewohnt unzerstörbar und wie immer mit einem Lesebändchen garniert, was rein von der Produktionsqualität einmal mehr verdeutlichen kann, warum ich DSA-Bücher in meinem Schrank so schätze.
Das Textlayout im Inneren ist gewohnt spartanisch und nicht so wirklich schön, wohingegen die Innenillustrationen dieses Mal wieder weit besser wirken. Sind wie immer viele Wiederverwertungen dabei, was aber entschuldbar ist, zumal dieses Mal die Zusammenstellung wieder zusammenpasst. Es macht Spaß, in dem Band zu blättern, und was will man denn mehr von einem Innendesign erwarten?
Ebenfalls wieder zu alter Größe, denn zu altem Umfang, kehrt die Kartenlasche am Ende des Buches zurück. Eine farbige Regionalkarte der östlichen Tulamidenlande, ein farbiger, aber unbeschrifteter Plan von Khunchom, eine schwarzweiße, vielmehr Sepia-farbene entsprechung mit Planquadraten, ebenfalls sepia-farbene A4-Pläne von Baburin (zwei, einer für Spieler und einer für den Meister) und Rashdul sowie A5-Karten von Anchopal, Fasar, Elburum und Zorgan sind zusammen schon ein starkes Paket. Sehr vorbildlich, sehr nützlich.

Doch nachdem diesmal ganz offenbar von dieser Seite her alles stimmt – und großes Lob noch mal dafür – schauen wir doch mal, ob der Inhalt mithalten kann.
Das 192 Seiten starke Buch wurde von Frank Wilco Bartels und Chris Gosse betreut und ist in acht Abschnitte untergliedert. Wie immer wollen wir einmal eine kleine Tour unternehmen, und uns diese Abschnitte im Detail beschauen.

„Das Land der Ersten Sonne – ein Überblick“ ist das erste Kapitel und als solches ziemlich eindeutig benannt. Ein grober Überblick, geographisch wie auch auf sozialer Ebene, angereichert mit Reise- und Tierweltsinformationen rund um das titelgebende „Land der Ersten Sonne“. Gewohnte Kost, aber demnach auch gewohnt gut.

„Die Geschichte der Tulamidenlande“ ist das zweite Kapitel und als solches natürlich sehr belebt. Über die Sultane von Khunchom und die Magiermogule von Gadang geht hier die Reise, bis hin zu Borbarads Einfluss und seinen Erben. Das Kapitel ist informativ und, vor allem, inspirativ; es ergänzt sehr gut, was in „Raschtuls Atem“ über den Süden zu lesen war, aber aus ganz anderer Perspektive. Hat mir gut gefallen.

„Die Tulamiden“ stellen das dritte Kapitel. Was tragen sie für Kleidung? Woran glauben sie, wie sehen sie Magie und Wissenschaft? Handel, Wirtschaft und der Alltag, Architektur und Siedlungswesen, Märchen und Kriegskunst – über dreißig Seiten breiten hier wirklich alles wissenswerte zu dem Thema aus. Aus persönlichem Interesse hat mir hier vor allem auch der Part über die Schrift der Tulamiden sehr gut gefallen, doch insgesamt ist das ein sehr essentielles Kapitel. Es ist eben mal wieder einer dieser Abschnitte, die aus dem Klischeesammelsurium von einst einen schönen, runden, modernen Hintergrund zaubern.

Etwas sperrig gibt sich der Titel des vierten Abschnitts: „Mächte und Potentaten im Land der Ersten Sonne“. Das Sultanat Gorien, das Großfürstentum Khunchom, das Mhaharanyat Aranien, das Kalifat, das Sultanat Thalusa und einige kleinere, weitere Machtgruppen werden hier vorgestellt. Schöne Ideen, aber irgendwo auch gewohnte Kost. Gut, aber bar absoluter Highlights.

„Die tulamidischen Völkerschaften“ ist dann mit rund 70 Seiten der sicherlich epochalste Abschnitt in dem Kapitel. Die großen Städte und wichtigsten Regionen der Tulamiden werden in abweichendem Detailgrad dargelegt und beschrieben. Der Detailgrad hier ist teils sehr beeindruckend. Gerade etwa Khunchom und Fasar werden in großer Fülle beschrieben und schaffen doch irgendwie das Kunststück, nicht zu sehr den Aufzählungen alter Bände zu verfallen.
Hier kann man wirklich mit arbeiten und ich kann aus persönlicher Erfahrung heraus sagen, dass die Schilderungen großartige Hilfen beim Ausgestalten von Abenteuern sind. Sehr nützlich, sehr vorbildlich.

Womit wir dann aber auch wieder den „Pflichtteil“ der Regionalreihe erreicht hätten. „Persönlichkeiten der Region“ gliedert sich diesmal in Khunchom, Gorien, Khanadistan, Fasar, Aranien und Thalusa und trägt auch diesmal teils wieder sehr ordentlich auf. Ruban ibn Dhachmani, „der Rieslandfahrer“, Sultan Hasrabal ben Yakuban von Gorien oder eben Thomeg Atherion, Spektabilität der Al‘Achami, das sind schon ordentliche Hausnummern.
Teils waren die Autoren hier etwas sparsam, was spieltechnische Daten betrifft – Hasrabal hat etwa welche, Ruban nicht.
Auch „Mysteria et Arcana“ gibt es wieder in der gewohnten Form, sehr inspirierend und teilweise mit einem Sternchen zum metaplotfreien Abschuss durch jeden Spielleiter freigegeben. Neu ist ein langer, grau unterlegter Abschnitt am Ende des Kapitels, der tatsächlich die eigentliche Rahmenhandlung voran bringt und die Entwicklung Araniens in den kommenden Jahren umreißt. Ich bin da etwas zweigeteilt. Inhaltlich ist der Abschnitt schön geraten, nur ist es eben ein Konflikt, was Käuferschichten betrifft. Gerade im Hinblick auf die Langlebigkeit der Informationen aus dem Buch ist so ein Abschnitt sehr sinnvoll, andererseits gehören derartige Informationen vielleicht eher in den Boden denn in ein Hardcover-Buch. Doch so viele Seiten, dass sich eine wirkliche Kritik lohnen würde, ist der Abschnitt jetzt auch nicht lang.

Es folgen noch die regeltechnischen Anmerkungen bezüglich Spielercharakteren aus der Region, mit drei Seiten erfreulich kurz und die Liste empfohlener Quellen, die diesmal allerdings ohne allzu große Überraschungen daherkommt. Sie ist wie immer sehr umfassend, jedoch auch nach wie vor nicht im Detail kommentiert, was tendentiell obskure Angaben wie „Ghazal“ oder „Badar Ali Khan“ bei den Musiktipps für uneingeweihte nur erschwert zugänglich macht.
Abgerundet wird das Buch wie immer durch einen vorbildlichen und vollständigen Index in winziger Schrift auf mehreren Seiten.

Alles in allem ist das „Land der Ersten Sonne“ eine sinnvolle Ergänzung mit all dem, was „Raschtuls Atem“ nicht behandelt hat. Erstklassige Texte und eine sehr gute Umsetzung, kombiniert mit einem für DSA schon überdurchschnittlichem Layout machen aus dem Buch definitiv einen weiteren Kauftipp innerrhalb der Reihe der aventurischen Regionalbände.


Name: Land der ersten Sonne
Verlag: FanPro
Sprache: Deutsch
Autoren: Frank Wilco Bartels und Chriss Gosse et al.
Empf. VK.: 25 Euro
Seiten: 192{jcomments on}

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