Regionalband 06 – Am großen Fluss

Abenteuerliche Vergangenheit und aktuelle Adelsfehden, Feenmageie und politische Intrigen vereinen sich wie in keiner anderen Region Aventuriens an den Ufern des Großen Flusses, dem westlichen Teil des Mittelreichs zwischen Ferdok und Havena, dem Farindelwald und dem Phecadital.
vom Backcover von Am Großen Fluss

Mit „Am Großen Fluss“ gehen die DSA4-Regionalbände nun also bereits in die sechste Runde. Das vorliegende Buch befasst sich mit den Regionen Albernia, Windhag, Nordmarken, Kosch und den Feenlanden und erscheint, das ist weniger verwunderlich, im gleichen Format wie seine Vorgänger.
So liegt also ein Sturmflut-festes Hardcover vor mir, satte 216 schwarzweiße Seiten schwer, mit einem Lesebändchen veredelt und wie immer mit 25 Euro preislich ziemlich fair bemessen. Das Cover des Buches ist in meinen Augen eines der schönsten Bilder der ganzen Buchreihe. Es zeigt eben den titelgebenden Fluss, beobachtet von einem hockenden Elfen, der auf eine Gruppe Berittener und zwei Schiffe herabschaut. Es stecken viele kleine Details in dem Bild, das dieses Mal aber auch von Tom Thiel angefertigt wurde. Hoffentlich kommt mehr aus dieser Richtung!

Die Innengestaltung ist ebenfalls wie immer auf gewohntem Niveau. Das eigentliche Layout ist, abseits der schönen Kopfleiste, bestenfalls zweckmäßig zu nennen, die Zeichnungen sind dagegen handwerklich gut und der obligatorische Stilmix aus vielen Jahren DSA geht zumindest in Ordnung.
Verbleibt die Kartentasche am Ende des Buches und auch hier enttäuscht das sechste Regionalium nicht. Eine farbige Karte „Das westliche Mittelreich“, ein farbiger Stadtplan von Havena ohne Beschriftung, eine schematische, beschriftete Version davon, zwei schwarzweiße Regionalkarten mit roter (aber teils kaum lesbarer) Beschriftung sowie ein A3-Bogen mit sepiafarbenen Karten zu Honingen, Ferdok, Elenvina und Angbar verwöhnen den Leser. So muss das sein – vorbildlich.

Der Band wurde, wie bereits „Angroschs Kinder“ in dieser Reihe, von Momo Evers redaktionell betreut und so verwundert es nicht, dass es auch dieses Mal wieder eine saubere, übersichtliche Aufteilung des Inhalts gibt. Schauen wir uns das, wie immer, doch einmal der Reihe nach an: Auf einige einleitende Worte unter der Überschrift „Drachenflug“ und einen sehr sympathischen Textkasten zur Orientierung für Einsteiger folgt, das kennt man schon aus anderen Bänden so, das Geschichtskapitel zur Region. Das beginnt wie so oft in grauer Vorzeit und erstreckt sich dann bis in die Gegenwart. Wie überall in Aventurien haben sich auch hier einige bedeutsame Ereignisse zugetragen und es wird einem als Spielleiter sehr einfach gemacht, auf dieser Schiene bereits etwas mit der Region anzufangen.

Darauf folgt auf zwei Seiten das kurze Märchen „Der Nebelsänger“, bevor es dann mit dem Abschnitt „Herzog, Ritter, Bürgermeister“ sachlich weitergeht, einem ebenfalls kurzen Kapitel über das Adels- und vor allem Intrigenspiel in der Region. Und Ähnliches bedient auch der darauffolgende Abschnitt „Krieg in Albernia“.
Die Region ist überaus interessant gespalten, indem der Norden und Westen von Königinnentreuen gehalten wird, während in Süden und Osten nordmärkische Truppen stehen. Das Kapitel liefert einen sehr guten und nützlichen Überblick über die aktuelle Situation und sammelt noch einige Bonuspunkte durch eine sehr nette Idee: Im Fließtext ist hinter den ohnehin schon kursiv hervorgehobenen NSCs jeweils das Wappen Albernias oder der Nordmarken in Klammern abgebildet, was der Übersicht sehr zu Gute kommt.

Nach diesen politischen Abhandlungen geht es dann wieder stärker in die Regionsbeschreibung selbst. „Der Große Fluss“ wird auf drei Seiten umrissen, in seiner Bedeutung für die Region genauso wie seinem Erscheinen. Flusspiraten und ähnliche Ideen bereichern einmal mehr den Stapel neuer Abenteuerideen des Lesers.

Danach wird es dann beschrieben, „Das Königreich Albernia“. Das Abagund, das Winhaller Land, der Farindelwald, das Seenland, das Delta des Großen Flusses, die Küstenregionen und natürlich Havena werden auf insgesamt fast fünfzig Seiten sehr gut und anwendbar beschrieben.

Die nächsten drei Kapitel sind sehr schematisch aufgebaut – was kein Nachteil sein soll. „Die Markgrafschaft Windhag“, „Das Herzogtum Nordmarken“ und „Das Fürstentum Kosch“ werden alle grob mit den gleichen Unterpunkten beschrieben. „Vom Leben in...“ ist stets der erste Abschnitt, immer gefolgt von „Sagen und Legenden in...“. Darauf folgen dann noch die relevanten Orte in unterschiedlichem, aber immer ausreichendem Detail. Das wird die Reichsstadt Kyndoch in Windhag ebenso beschrieben wie Gratenfels in den Nordmarken oder Angbar, ‚die Eherne‘, im Kosch.

Das letzte, sagen wir einmal individuelle Kapitel heißt dann einfahc „Von Wundersamen und Zauberhaften“ und beschreibt eine Menge Material, die man in einer so weltlichen Reihe wie den Regionalbänden vielleicht gar nicht erwartet hätte. Feen, Necker, Nixen und Meermenschen sind hier Thema, Feenlande werden beschrieben, es gibt Regeln zum Zaubern an diesen doch sehr speziellen Orten und auch dunklere Themen wie die Lamifaar werden angesprochen.
Das Kapitel ist ziemlich gut und vermutlich einer der Gründe, warum Momo Evers – die ja in Aventurien derzeit ohnehin für Märchen zuständig zu sein scheint – den Band betreut hat. Wer etwas mit Feen und anderen Wundersamen spielen möchte, sollte sich die zwanzig Seiten definitiv mal zu Gemüte führen.

Der Rest des Buches ist wieder exakt in der gleichen Form gehalten, wie in den anderen Regionalbänden. „Berühmte und berüchtigte Persönlichkeiten“ ist in die Regionen Albernia, Windhag, die Nordmarken und den Kosch untergliedert und erstreckt sich ebenfalls auf gut 25 Seiten. Von Politischen wie Invher ni Bennain, der Königin Albernias, und Cusimo Garlischgrötz von Grangor, den Markgraf vom Windhag bis hin zu Kalibern wie Archon Megalon wird der geneigte Spielleiter hier fündig.
Wie immer haben einige NSCs zwar einen serifenlos gesetzten „Infoblock“, aber keiner von ihnen kommt mit einer vollen Wertesatz daher. Nervig ist dabei auch nicht zum ersten Mal die Willkür, mit der diese Werte vergeben werden. So weiß ich jetzt zwar, was Fürstin Isora Ulaman von Elenvina auf Betören hat (12), aber der sogar explizit als mögliche Kampfopposition aufgeführte Druide Tlutasch hat dagegen gar keine Werte. Nervig.

Wer die eine oder andere Rezension zu einem Regionalband hier gelesen hat (oder gar den Band selbst), der kann sich sicherlich denken, dass nun wieder die Mysteria et Arcana kommen und weiß halt auch, was es damit auf sich hat.
Aber für alle anderen: „Mysteria et Arcana“ sind Ideengeber und als solche Meisterinformationen, die dem geneigten Spielleiter Anregungen zur Ausgestaltung eigener Abenteuer in der Region geben sollen. Dazu gibt es noch solche, die mit einem Sternchen (*) gekennzeichnet sind – bei diesen M&A versichert die DSA-Redaktion, keine Metaplot-Verwendung für das Mysterium oder Arcanum zu haben.
Insofern kann man als Spielleiter aus jeder dieser Anregungen Ideen schöpfen, doch wer mit der offiziellen Zeitlinie konform bleiben will, kann zudem jene Gewässer meiden, die da gefährlich würden.
Knapp zwanzig Seiten an Vorschlägen sind es auch dieses Mal wieder geworden und man kann nicht anders, man muss einfach Abenteuerkonzepte in den Kopf kriegen, wenn man auf diesen Seiten blättert. Nach wie vor eine unglaublich gute und ergiebige Sache!

Es verbleiben wie immer Lese- und Schauvorschläge sowie der Index. Die Bücher, Filme und Musikvorschläge sind wie immer gut, voll netter Ideen und mit einigen eher unerwarteten, aber sehr passenden Beiträgen versehen, reichen vom trivialen Karl May bis zum erlauchten Heinrich Heine, von Comics zu Filmsoundtracks. Sehr schön.
Ebenso kann man den winzig gedruckten, fast sechs Seiten langen Index nur loben – wer etwas in dem Buch sucht, der findet es hier. Nahezu garantiert.

Alles in allem hat mich auch „Am Großen Fluss“ wieder sehr zufrieden gestellt. Das von außen sehr schöne Buch ist ganz gut aufgemacht, inhaltlich aber einmal mehr exzellent. Es ist sehr aventurisch und transportiert viel Setting-Material, aber ohne den Spielleiter als nutznießenden Konsumenten aus den Augen zu verlieren.
Es gilt wie schon so oft: Wer in der Region spielen möchte, der kommt an dem Buch kaum vorbei; wer bisher nicht vorhatte, dort zu spielen, wird aber vielleicht durch seine großartige Qualität umgestimmt.
„Am Großen Fluss“ ist ein weiterer Regionalband, der der Reihe zweifelsfrei einmal mehr Ehre macht.


Name: Am großen Fluss
Verlag: FanPro
Sprache: Deutsch
Autoren: Momo Evers (Gesamtredaktion)
Empf. VK.: 25 Euro
Seiten: 216{jcomments on}

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