Regionalband 07 – Aus Licht und Traum

Als die güldenländischen Siedler vor 2.000 Jahren Aventuriens Küste betraten, waren die Elfenvölker bereits Erben einer gefallenen Hochkultur.
vom Backcover von Aus Licht und Traum

Sanyasala, talar!
Mit „Aus Licht und Traum“ liegt der siebte Regionalband zur vierten Edition von DSA vor und der zweite Teil der Reihe, der sich exlizit einer Fremdrasse als Thema widmet. „Angroschs Kinder“ hat bereits die Zwerge beleuchtet und nun schickt sich „Aus Licht und Traum“ an, die Neufassung von „Dunkle Städte, Lichte Wälder“ zu vervollständigen und die Elfen Aventuriens zum Thema zu machen.
„Aus Licht und Traum“ steht dabei im Guten wie im Schlechten in der Tradition des Zwergenbandes. So fällt zunächst einmal das Cover auf, dass sich als Collage auf sepiafarbenen Grund gibt. Kennt man mittlerweile bereits vom schwarzen Auge und hat mir eigentlich noch nie so richtig gefallen. Diesmal ist es aber nicht Caryad, die sich da etwas unter Wert verkaufen muss, sondern Vincent Dutrait. Dutrait, das zur Erinnerung, hat auch das Cover zum neuen Basisbuch gezeichnet, dass mir ja so gar nicht zusagt, liefert hier aber mehr als routinierte Arbeit ab. Gefällt mir gut, vor allem, da die Elfen hier eben sehr aventurisch sind. Rockt einen aber auch nicht.

Weiterhin ist zu bemerken, dass auch dieser Band dünner ist als der Durchschnitt der Reihe. Ebenfalls 148 Seiten ist er stark, wie schon „Angroschs Kinder“ zuvor. Das reicht, macht sich aber im Preis bemerkbar, denn der ist bei rund 50 Seiten weniger als beim normalen Regionalband gerade mal zwei Euro geringer. Eher unschön. Dafür ist dann aber auch dieses Mal die Kartentasche am Ende wieder eher mau bestückt...
Da gibt es dieses Mal zwei doppelseitig bedruckte A3-Bögen, die die Inseln im Nebel, Gerasim, eine Weltkarte aus elfischer Sicht (beide je einmal für Spieler und einmal für den SL), einige Karten zu elfischen Siedlungsgebieten (doppelt redundant, da anderen Regionalkarten entnommen und so auch noch mal im Buch) sowie einen kompletten Bogen mit Illustrationen aus dem Buch. Ah ja. Quantitativ hat der Band als gegenüber „Angroschs Kinder“ etwas zugelegt, so richtig toll ist das Angebot jetzt aber auch nicht.
Zumindest das unverwüstliche Hardcover nebst Lesebändchen liefert gewohnt hohe Standards.

Das Innenlayout des Buches ist gewohnter Durchschnitt, was bei DSA nur bedingt ein Kompliment ist. Die Zeichnungen sind wie immer toll und der Stilmix sogar weniger schlimm als normalerweise, der Satz dagegen ist bieder und langweilig wie immer. Eine schöne Kopfzeile macht halt auch noch kein schönes Layout und obschon rein quantitativ eigentlich ungebründet, kamen mir Teile des Buches rein subjektiv etwas „textwüstig“ vor. Das liegt wohl unter anderem daran, dass manch eine Doppelseite ganz ohne Bild oder Kasten auskommen muss, während sind auf anderen gleich mehrere Bilder und Textkästen tummeln.
Das ginge sicherlich schöner.

Wenden wir uns also mal dem Inhalt zu, nachdem das Buch auf der rein optischen Ebene nur befriedigen kann. Das Buch gliedert sich zehn sehr unterschiedlich bemessene Themenkapitel, die wir uns der Reihe nach einmal anschauen können.
Auf das Vorwort und eine ganz nette Kurzgeschichte folgt ein sehr kurzer, und doch sehr bedeutsamer Abschnitt: „Wie elfisch darf‘s denn sein?“ Aventurischen Elfen sagt man ja gemeinhin nach, dass man sie in ihrer absoluten Überlegenheit gegenüber den „Rosenohren“ (Menschen) am Spieltisch ohnehin nicht gut darstellen kann. Während der Abschnitt aber mit dem Klischee des „richtig dargestellten Elfen“ ausräumt, bleibt er leider etwas die notwendige Überzeugungsarbeit schuldig, zu erklären, warum Elfen auch anders inszenieren können soll.

„Die Geschichte der Elfen“ hält das Versprechen des Titels und bedarf eigentlich keiner großen Erläuterung. Es ist ein historisches Kapitel, wie die Zwerge und nebenbei so ziemlich jeder Regionalband der Reihe es schon zu bieten hatte. Es liest sich aber gut, liefert nette Einblicke und hält ansonsten keine großen Überraschungen bereit.

Danach folgen zwei Quickies. „Elfische Mythen und Legenden“ ist ein Überblick über die Art und Weise, wie das mystische Weltbild der Elfen so funktioniert und was für Sagen sie so tradieren. Ist nett, wenn auch kurz, was aber verständlich ist, denn ein großer Teil der konkreten Geschichten an sich folgt am Ende des Buches mal wieder unter der Überschrift der „Mysteria et Arcana“.
Der andere Quickie heißt „Zwischen Licht und Wirklichkeit“ und liefert eine weitere Prise elfischer Weltsicht. Ziemlich unkonkret aus spieltechnischer Perspektive, aber ein schöner Einblick in elfisches Feeling – was nur gut sein kann für Leute, die so etwas am Spieltisch darbieten wollen.

Konkreter wird es unter „Wesen, Kultur und Lebensweise“. Immerhin 25 Seiten, die die ganzen, passenden Schlagworte abarbeiten – Magie der Elfen, die Sippenkultur, die elfische Sprache und dergleichen mehr. Manches hat man hier schon eventuell in früheren Bänden lesen können, doch es gelingt „Aus Licht und Traum“ ganz gut, das einmal zu komprimieren. „Elfen sind keine Menschen mit spitzen Ohren“ heißt hier der erste Absatz und das ist ein implizites Versprechen, dass das Buch hält – hier kriegt man den notwendigen, kulturellen Input, um Elfen auf der anderen Seite auch aus dem Klischee der weisen, lächelnden Zen-Supermenschen zu heben.

„Von den Völkern der Elfen“ liefert genau das, was man erwartet. Auelfen, Waldelfen, Firnelfen, Steppenelfen, Halbelfen und einige Exkurse rund um das Thema sind alles, was man braucht, um loszulegen. Schön ist vor allem, dass Elfen in ihrer Gesamtheit zwar sehr ähnlich, die Völker in den Details aber krass unterschiedlich sind. Hier liest man, auf welche Art und Weise.

„Das Aventurien der Elfen“ ist ein etwas weniger als 20 Seiten langer regionaler Exkurs. Die Kernlande wurden die elfischen Siedlungsgebiete getauft und werden hier beschrieben, von den Steppen bis ins ewige Eis. Einen besonderes Fokus wirft das Buch dann noch auf „Sala Mandra“, gemeinhin die Salamandersteine genannt. Eine wundervolle, aber ich vermute recht selten wirklich bespielte Region im Herzen Aventuriens, aus der man viel machen kann. „Aus Licht und Traum“ gibt einem zumindest eine ganze Reihe guter Anregungen, wie man das angehen kann.

Und dann ist auch dieser Band beim üblichen Schlusstrio angekommen. „Berühmte und berüchtigte Elfen“ ist die übliche NSC-Sammlung, mit der ich aber dieses Mal etwas unzufrieden bin. Zwar findet sich selbst ziemlich abgefahrenes Volk wie Feyangola, ein Auge des Namenlosen, oder der Feylamia Arantalwa Lässt-Himmel-Kreischen hier, der Rote Pfeil aber darf nicht rein. Überhaupt vermisse ich hier einige Namen, die ich gerne mit in der Auflistung gesehen hätte.
Mit Mysteria et Arcana kommen wie immer inklusive der von der Redaktion per Sternchen als Metaplot-gefeiten Einträge und überzeugen auf ganzer Linie; in meinem persönlichen Notizbuch stehen eine ganze Reihe netter Abenteuerideen, die ich diesem Kapitel im Speziellen zu verdanken habe. Was also will man mehr?
Vielleicht noch mal gebündelte Infos zu Elfen im Rollenspiel? Kein Thema, wird unter eben diesem Namen noch mal am Ende des Bandes zusammengefasst, inklusive einiger, in meinen Augen eher überflüssiger, regeltechnischer Anmerkungen.

Wie schon „Angroschs Kinder“, so bietet auch „Aus Licht und Traum“ keinerlei irdische, wohl aber eine Übersicht aventurischer Quellen, was schade, aber auch verständlich ist. Top ist auch dieses Mal wieder der Index am Ende, der auf viereinhalb sehr eng bedruckten Seiten wohl jedes relevante Schlagwort des Buches sauber auflistet. Wie immer beide Daumen hoch für die aventurische Archivarskunst.

Alles in allem lässt mich „Aus Licht und Traum“ aber doch etwas unbefriedigt zurück. Ja, elfische Themen werden gut zusammengefasst und die Tipps zum Darstellen von Elfen am Spieltisch sind sicher gut ... aber auch nicht weltbewegend.
Das Buch liefert grob das, was der Titel verspricht und wird Elfenfans sicherlich begeistern, aber jene, die bisher mit den Spitzohren nichts anzufangen wussten, auch nicht zur Elfenseite des Lebens locken.
Genau das ist aber eigentlich die Stärke der bisherigen Regionalbände gewesen, weshalb man „Aus Licht und Traum“ zwar als exzellente Quelle für Elfenfans auf beiden Seiten des Spielleiterschirmes durchaus empfehlen kann und sollte, aber der Rest der Welt braucht das Buch eigentlich nicht.


Name: Aus Licht und Traum
Verlag: FanPro
Sprache: Deutsch
Autoren: Katharina Pietsch und Tyll Zykura, mit Momo Evers (Redaktion)
Empf. VK.: 23 Euro
Seiten: 148{jcomments on}

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