Regionalband 08 – Herz des Reiches

Kaiser und Burgen, Ritter und Caballeros, Weinberge und Weizenfelder, Priester und Tempel, Städte und Patrizier: Das Herz des Reiches ist nicht nur das Zentrum des weiten Mittelreiches, das einst Kaiser Raul schuf, sondern auch die von vielen Menschen besiedelte geographische Mitte Aventuriens.
vom Backcover von Herz des Reiches

Mit „Herz des Reiches“, dem achten Regionalband zur vierten DSA-Edition, kehrt die Reihe wieder ab von der Fremdkulturbeschreibung, die „Aus Licht und Traum“ darstellte, und widmet sich einem geographischen Thema: Der Band beschreibt dieses Mal Garetien, Almada und die Kaiserstadt Gareth.
Ein bedeutsames Thema, dass in ein mit 224 Seiten ansprechend dickes Hardcover gepackt wurde. Das Buch kommt unzerstörbar wie immer daher und hat ein absolut phantastisches Titelbild bekommen. Zwei Torwachen stehen am geöffneten Gatter und aus den gülden glänzenden Gassen der Reichshauptstadt bahnen sich Ritter zu Pferd nebst Knappen ihren Weg auf den Betrachter zu.
Das Bild ist wunderbar gefertigt und liebevoll im Detail. Weder Thiemeyer noch Thiel sind dieses Mal verantwortlich, sondern der wohl eher unbekannte Slawomir Maniak. Wundervolle Arbeit, ich hoffe inständig, mehr von diesem Künstler in der Zukunft zu sehen.

Auch die Kartentasche ist voll wie lange nicht mehr. Die übliche Regionalkarte ist vollfarbig und schön wie immer, doch dieses Mal wurde auch die Rückseite mitgenutzt und bietet eine ebenfalls vollfarbige Stadtkarte der Kaiserstadt Gareth. Ihr folgt eine ebenso große und ebenfalls vollfarbige Karte der Königsstadt Punin, auf deren Rückseite die Karte der Stadt Gareth und Umgebung untergebracht wurde, die Veteranen vielleicht noch aus der alten DSA3-Box kennen. Vollfarbig, versteht sich.
Flankiert werden diese vier bunten Karten dann noch von einem schwarzweißen Bogen mit blauer Schrift, der noch einmal die Kaiserstadt zeigt, dieses Mal aber mit eingezeichneten Stadtteilen für den Spielleiter. Auf der Rückseite findet man hier erneut Punin, diesmal mit Planquadraten zur Orientierung, sowie eine politische Karte der Königreiche Garetien und Almada.
Publikation gewordener Rock‘n‘Roll, einfach toll.
Das hat aber auch seinen Preis und „Herz des Reiches“ kommt teurer daher als seine Vorgänger und kostet 28 Euro – das geht bei dieser Ausstattung aber auch durchaus in Ordnung. Es wird sich allerdings zeigen müssen, ob FanPro bzw. mittlerweile Ulysses den preislichen Vorstoß nutzen und für kommende Bände, ob mit Recht oder nicht, beibehalten werden.

Im Inneren hat sich auf Seiten der Illus nichts geändert, die sind noch immer schön und für meinen Geschmack vom Stilmix her hart an der Grenze. Das Layout ist ebenfalls noch immer unspektakulär und verzichtete Leider soweit darauf, die kleinen Verbesserungen des Basisbuches einzuarbeiten, hat aber ein anderes, neues Gimmick. Neben diversen Augen können die müden Augen des Lesers kleine Schwarze Augen mit Zahlenangabe sehen – das ist ein Querverweis auf ein entsprechendes Mysterium oder Arkanum, zu finden eben auf der entsprechend bezifferten Seite. Das ist ungeheuer praktisch und wenn es das Buch jetzt auch nicht gerade schöner macht, so ist es ein weiterer Sprung auf der ohnehin ordentlichen „Usability“-Skala der Reihe.

Das ziemlich schwere Buch gleidert sich in neun Kapitel, vier explizite Anhänge und den üblichen Index und wer hier schon was länger mitliest, der weiß, was nun folgt – ein Überblick über die Abschnitte im Einzelnen.

„Im Herzen des Reiches“ ist ein grober Überblick über, nun, alles. Geographie, Wetter, Kulturen, Pflanzen und Tiere, Städte der Region und ähnliches werden hier für den Einstieg beschrieben. Kenner finden wenig Neues, Einsteiger dagegen eine sehr feine Zusammenfassung – gefällt mir.

„Das Mittelreich“ ist dann ein ziemlicher Brummer unter den Kapiteln und füllt über 40 Seiten. Das sonst so unvermeidliche Geschichtskapitel ist hier mit aufgegangen, der Rest aber ist Leben und Stil des Mittelreiches. Von Adelspracht zu den Heerhaufen, von Intrigen hin zum „umstrittenen“ Kaiserthron, einen Konflikt, den Rohaja und Selindian Hal auf sich verbuchen können und der derzeit das Reich stark spaltet. Das ist gut, bringt Abenteuermaterial mit sich, offenbart aber auch eine Eigenschaft des vorliegenden Regionalbandes, die ich nun weder gut noch schlecht nennen will, aber benennen muss: Das Buch ist klar Post-Jahr-des-Feuers. Das heißt, hier finden sich nicht nur massenhaft Spoiler, sondern es ist auch nur sehr bedingt für Leute verwendbar, die der aktuellen Hintergrundentwicklung nicht folgen wollen.
Es ist für solche Leute nicht nutzlos, aber es bringt eben Arbeit mit sich.
Das kann man, wie ich meine, nicht pauschal werten, man sollte es aber wissen.

„Das Königreich Gareth“ beschreibt dann auf den kommenden zwanzig Seiten die Region rund um die Hauptstadt, Land und Leute ebenso wie das Machtgefüge vor Ort, bevor dann im folgenden Kapitel die Stadt selber beschrieben wird. Sehr, sehr viele Details, aber auch sehr viel verwertbares Material. Gareth gewinnt hier sehr an Kontur und wird zu einer (im Rahmen von DSA) glaubhaften Stadt, in der man sicherlich gerne mal ein Szenario ansiedeln wird.
Da ist es nur Konsequent, dass das nächste Großkapitel sich entsprechend Almada widmet. Geschichte, Land und Leute der zweiten Machtquelle des Mittelreichs werden hier ebenso beschrieben wie entsprechend die zweite großen Stadt des Buches, Punin. Zwar wird Punin bei weitem nicht der Raum gegeben wie Gareth, aber auch hier gibt es viel zu lesen und umzusetzen, so dass auch auf dieser Seite spannende Abenteuer leicht zu entwerfen sein sollten.

Danach kommt noch etwas aus der Kategorie „Was vom Tage übrig blieb“. Die Zahori, Aventuriens Zigeuner, bekommen etwas mehr als dreieinhalb Seiten, die zwar sehr gut geschrieben, aber viel zu knapp sind. Da hätte man mehr draus machen können und sollen als die Randnotiz zweier beschriebener, mächtiger Teilreiche. Noch härter hat es dann wie immer Elfen, Halbelfen, Zwerge, Grolme, Amazonen, Ferkinas, Goblins, Oger, Orks, Halborks und Trolle getroffen – die wohnen auch in der Region, müssen sich aber zusammen weniger als zwei Seiten teilen. Naja.

Danach folgt wieder das übliche Potpourri der Abschlusskapitel. „Persönlichkeiten der Region“ bietet, was der Name verspricht. Sehr viele namhafte NSCs, manch einer mit Plot-Potential und einige tolle Illus machen den Abschnitt sehr angenehm.
Ebenfalls von gewohnt guter Qualität und gewaltigem Umfang sind die Mysteria et Arcana, die auf mehr als zwanzig Seiten und mit dem neuen, bereits erwähnten Querverweissystem jeden Spielleiter direkt dazu zu nötigen scheinen, Abenteuer in der Region anzusiedeln. Material dafür wird jedenfalls genug geliefert.
Abgerundet wird der Abschnitt noch einer langen Passage mit SL-Informationen über den Fortgang der Rahmenhandlung – gab es ja bereits im Bezug auf Oron schon mal in dieser Form und hat mir hier noch einen Zacken besser gefallen.

Es folgen noch die angekündigten Anhänge: Eine Zeittafel (lang und nüchtern), Anregungen aus Film, Buch und Musik (wie immer mit guten Ideen und sehr umfassend, aber leider ohne Erläuterung der Einträge), der Stammbaum des kaiserlichen Hauses von Gareth (nützlich und optisch schön) sowie ein Stadtplan von Cumrat (joah, halt da).
Danach folgt wie immer de Index, diesmal fast sieben Seiten lang und ich glaube gar noch etwas kleiner als sonst geschrieben.

Alles in allem hatte ich fast den Eindrucck, das immense Eigengewicht des Buches resultiere aus dem großen Maß an verwertbaren Inhalten. Das Buch steckt voll komprimierter Informationen und abseits von Detailmängeln (mehr Zahori!) kann man nicht umhin und festhalten, dass das vorliegende Buch ganz grandios geworden ist.
Die Ausstattung ist bombig, die Aufmachung zumindest okay, das Buch sehr anwenderfreundlich und, was wohl das Wichtigste ist, voll guter Ideen.
„Herz des Reiches“ macht dem Mittelreich sicherlich Ehre und ist zweifelsohne einer der besten der bisher acht Bände starken Regionalreihe. Wer im Herzen Aventuriens spielt, der sollte dieses Buch nicht im Laden liegen lassen!


Name: Titel
Verlag: FanPro
Sprache: Deutsch
Autoren: Anton Weste (Redaktion)
Empf. VK.: 28 Euro
Seiten: 224{jcomments on}

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