Regionalband 09 – Schild des Reiches

Die nördlichen und östlichen Grenzprovinzen des Mittelreichs haben im Verlauf ihrer Geschichte immer wieder schwere zeiten durchgemacht. Sie sind und waren der Schild des Reiches, der die zentralen Provinzen von der Bedrohung von außen schützen muss.
vom Backcover von Schild des Reiches

Mit „Schild des Reiches“ liegt nun auch der neunte der neuen Regionalbände für die vierte Edition von DSA vor. Das Buch erscheint wie seine Vorgänger als schweres, stabiles grünes Hardcover, wenn auch mittlerweile unter dem Emblem von Ulisses Spiele. Der Wechselt macht sich allerdings an keinem Punkt des Produktes bemerkbar, sieht man einmal von dem etwas sperrigen, schwarzgrünen Logo auf dem Backcover ab, das FanPros rotgelbes Banner ersetzt. Auf dem Cover sieht man ebenfalls das Werk eines alten Bekannten. Eine bannertragende, gelbblaue Reiterei durchreitet dort eine ungemein schöne Mittelreichlandschaft, in deren Hintergrund eine eindrucksvolle Burganlage aufragt und an deren Himmel, etwa peinlich, eine Hexe und ein Greif ihre Runden drehen. Das Bild wurde von Vincent Dutrait gezeichnet, der auch dieses Mal seine zeichnerischen Wurzeln erkennbar zeigt, dessen Bild mit allerdings um Längen besser gefällt als das, was er auf das Basisbuch gezeichnet hat. Das Motiv hier strahlt durchaus genau die richtige Atmosphäre für das auf, was neuerdings ganz fech die Schildlande heißt, also Weiden, Weiß-Tobrien, Greifenfurt, Perricum und das ehemalige Darpatien.

Ansonsten ist alles beim alten. Zeichnungen quer aus allen Schaffensperioden durchziehen das Buch und fallen hier erneut nicht wirklich negativ durch diesen Stilmix auf. Das Layout ist bescheiden und unspektakulär, aber die leicht verbesserte Version, die seit dem Basisbuch existiert. Das volle Basisbuch-Layout mit dem aufwendigen Seitenrahmen und dergleichen scheint allerdings den roten, grundlegenden Regelbänden vorbehalten zu sein.

Ulisses legen wie FanPro zuvor noch ein grünes Lesebändchen und allerlei Karten („Die Schildlande“ geographisch und politisch in Farbe, schwarzweiße Stadtpläne von Greifenfurt und Trallop in je einer Spieler- und Spielleiterversion sowie Perainefurten und Perricum in einfacher Ausfertigung) mit ein, so dass der Preis von 28 Euro mal wieder recht günstig erscheint.
Auch der innere Aufbau des Buches ist im gewohnten Format gehalten, wenn er auch ungemein davon profitiert, dass die Schildlande ja schon irgendwie die „fetzigen“ Reichsprovinzen sind. Auf gut 140 Seiten beschreibt das Buch demnach nacheinander den Finsterkamm, die Mark Greifenfurt, die Schildlande jenseits der Reichsgrenzen (Neunaugensee, Nebelmoor, das Dominium Donnerbach), das Herzogtum Weiden, Wegscheiden der Schildlande (Rote Sichel, Drachensteine, Schwarze Sichel und die Trollzacken), das Herzogtum Tobrien, das, was aus dem Fürstentum Darpatien geworden ist (Wildermark, Rabenmark und Traviamark) und die Markgrafschaft Perricum.
Man kann in diesem Buch tatsächlich merken, dass das „Jahr des Feuers“ Früchte getragen hat, egal wie schlecht ich Teile der Kampagne auch finde. Gerade die Wildermark ist eine großartige Bereicherung des Settings und bietet einem viel Möglichkeiten, ordentlich einmal in Aventurien ganz eigene Sachen durchziehen zu können. Die Macher unterstützen einen da auch durchaus gut und liefern viel Atmosphäre mit ihren Texten mit.
Das aber gilt auch nicht nur für diese drei Marken, sondern für alle Texte. Auch etwa die Schilderung der Mark Greifenfurts, in der man teilweise die tiefen Wunden, die der Orkensturm gerissen hat, geradezu spüren kann, wenn man die Texte liest. Wem das Mittelreich eigentlich immer zu zivilisiert und lieb war, der wird hier glücklich werden. „Am großen Fluss“ hat die eher malerischen, südlichen Teile des Mittelreiches umschrieben, „Herz des Reiches“ den sehr geregelten Mittelteil, selbst bei gespaltener Kaiserwürde. „Schild des Reiches“ aber führt den Leser heraus aus der Sicherheit in umkämpfte Grenzgebiete, dort wo Orken, Diener der Heptarchen und andere Feinde nur darauf lauern, den Reichstreuen neues Leid zuzufügen.

Weiter geht es dann in dem Buch für ungefähr 60 Seiten mit dem gewohnten Programm. 26 Seiten lang werden einem Personen der Regionen präsentiert, wie man das so kennt. Sortiert in die immerhin dreizehn Gebiete der Schildlande wird hier alles aufgeführt, was Rang und Namen hat, oder bekommen wird. Mir persönlich war etwa Grimwulf der Grüne neu, ein auch der Illustration nach ziemlich harter Robin Hood-Verschnitt der die Orken in Weiden bekämpft und sich für die Schwachen einsätzt, während der gegen den skrupellosen und grausamen Vogt Nordhags angeht.

Danach folgen massig Mysteria et Arcana, ebenfalls wie immer teils von der Verwendung die Redaktion bereits erkennbar befreit, so dass man als Spielleiter ohne Rücksicht auf kommende Publikationen damit wüten kann, wenn man will.
Ebenfalls beibehalten wurde das in „Herz des Reiches“ eingeführte System mit den kleinen schwarzen Augen im Fließtext. Bei denen steht im ersten Teil des Buches dann ein Querverweis auf den entsprechenden Mysteria et Arcana-Eintrag hinten im Buch, während dort noch mal ein Querverweis auf die entsprechende Stelle im Fließtext steht. Das gefällt mir durchaus gut. Der Rest des Buches kommt dann schon geradezu Formalia gleich: Literaturempfehlung von guter Qualität und leider nicht gegebener Beschreibung, eine Übersicht über DSA-Publikationen, die in den Schildlanden spielen sowie einiges zur Namensgebung in der Region. Dazu fünf Seiten mit einem vorbildlichen, klein bedruckten Index.

Alles in allem hat mir „Schild des Reiches“ extrem gut gefallen. Die mittlerweile erreichte Routine in der Produktion von Regionalbänden von hoher Qualität, die guten Texte und die zumindest brauchbare, visuelle Präsentation treffen hier auf einige der spaßigsten Regionen, die Aventurien eigentlich zu bieten hat. Endlich wird mal wieder der Flair von Abenteuer auch in die Mitte der Karte getragen und man muss nicht mehr in die Ferne schweifen, um ein Held zu werden. Wer im Mittelreich spielt, sollte sich „Schild des Reiches“ unbedingt mal ansehen. Zwar kommt man langfristig auch nur schwer um „Herz des Reiches“ herum (der ja auch, nicht zu vergessen, sehr gut ist), doch wer wirklich noch mal Heroisches erleben möchte, der bereist die Schildlande.


Name: Schild des Reiches
Verlag: Ulisses Spiele
Sprache: Deutsch
Autoren: Florian Don-Schauen, Ulrich Kneiphof, Daniel Simon Richter (Redaktion)
Empf. VK.: 28 Euro
Seiten: 200{jcomments on}

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