Tractatus Contra Daemones

„Dämonen – in den letzten Jahren sind sie zu beunruhigenden Dauergästen so mancher aventurischer Landschaft geworden, vom kleinen Minderdämon bis zum machtvollen Vielgehörnten.“
vom Backcover von Tractatus Contra Daemones

Nachdem der Myranor-Kreaturenband, der aufgemacht war als Dokument aus der Spielwelt selbst, sich als ein ziemlicher Renner sowohl in den Rezis wie auch in den Läden gemausert hat, legt man bei Ulisses nun dem Hauptkind DSA ein entsprechendes Werk in die Wiege. Lateinisch, pardon, Bosparano prangt es „Tractatus Contra Daemones“ auf dem Cover, ein Traktat wider den Dämonen also. Das Cover ist ungemein stilvoll geworden und zeigt ein weibliches Gesicht, das sich komplett nur aus Maden, Würmern und Insekten zusammenfügt. Ich nehme an es ist Belzhorash bzw. Mishkhara, die Gegenspielerin Peraines. Die Zeichnung von Michael Jaecks ist jedenfalls toll, was man aber leider nicht von all seinen Innenillustrationen sagen kann. Viele sind okay, einige wie die zu Aphasmayra Atem oder auch die zu Irhiadhzal sind sogar richtiggehend grandios geworden. Einige Punkten durch Suggestivität (Khelevathan), einige verlieren dadurch, das sie ganz explizit etablierten Eigenschaften des jeweiligen Wesens widersprechen; so hat der Heshthot hier ganz eindeutig einen schlanken Körper und reptilienhafte Füße. Schlimmer noch aber sind eine weitere Kategorie von Bildern – die, die schlichtweg peinlich sind. Der Difar, Duglum oder Cha'Muyan, das sind so Bilder, die darf man eigentlich niemandem zeigen, wenn der jemals noch mal Respekt vor den Viechern haben soll. Und darum geht es eigentlich vor allem in dem vorliegenden Buch. Aufgeteilt nach den zwölf Widersachern der Götter und angereichert um eine kleine Hand voll freier Dämonen beschreibt das Buch insgesamt 44 niederhöllische Wesenheiten in großem Detail. Dabei geht es alleine um Texte direkt aus Aventurien – die Werte werden zwar noch einmal in einem Appendix nachgereicht, aber wer Spielmechanik sucht, wird weiterhin vor allem in „Wege der Zauberei“ fündig. Hier geht es um Atmosphäre, Ausgestaltung und Stil der Dämonen. Die Texte sind dahingehend auch sehr gut geschrieben und tatsächlich schafft es der Band, auch den bereits etwas abgedroscheneren Dämonen neues Unleben einzuhauchen.

Eingebettet werden die Beschreibungen in einen Rahmentext, der von Tarisin von Borbra, seines Zeichens Magus et Magister Maximus Ordinis Defensorum Lecturiae ad Perricum, verfasst wurde und sich an Mitglieder aller drei Gilden richtetet. In Wirklichkeit wurden die Texte von Heike Kamaris und Jörg Raddatz verfasst, unterstützt von Thomas Römer. Was man demnach also erwarten kann und auch bekommt ist eine exzellente Verankerung in aventurische Begebenheiten und stimmige Ergänzungen bestehender Texte.
Wenn man dem Buch noch etwas negativ anrechnen möchte, so kann man sicher kritisieren, dass das Buch sich leider die Chance entgehen lässt, bislang so gut wie gar nicht ausgearbeitete Dämonen ebenfalls einmal näher zu beleuchten. Ganz konkret hatte ich seit der ersten Ankündigung des Bandes darauf gehofft, dass auch Twelwan der Wanderer näher beleuchtet werden könnte – das aber bleibt aus.

An sich ist die Auswahl aber sehr schön gelungen und zeigt einen schönen Querschnitt durch bekannte Dämonen, eher unbekannte Vertreter und Neuzugänge gleichermaßen. Einerseits steht in dem Text über die Heshthotim, als Beispiel, nur wenig Neues. Aber der schön geschriebene Text vermittelt einen guten Eindruck davon, wie Aventurier die klassischen Dämonen sehen und gibt dadurch ein paar schöne Anregungen, wie man die Kreaturen im Spiel inszenieren könnte. Hier liegt eh eine der beiden Stärken des Buches. Entweder man gibt es den Spielern, damit sie innerhalb der Spielwelt etwas stimmiger auf die Niederhöllischen reagieren können, oder man nutzt das Buch als Spielleiter, um genau diese passenden Beschreibungen selber wählen zu können.

Alles in allem ist das „Tractatus“ ein Buch, das man haben kann. Wer keine Dämonen im Spiel verwendet oder wer nur harte Fakten will, der lässt es besser gleich links liegen. Wer aber Spaß an Dämonen und/oder aventurischem Folklorit hat, der wird auch an dem Buch seine helle Freude haben können.
Das Buch ist ein Hardcover mit schwarzem Lesebändchen, 160 Seiten dick und unterstreicht seinen Spielwelt-Charakter noch mal dadurch, das es nicht schwarzweiß sondern eher braunweiß gedruckt ist. Das kennt man so auch schon von vergleichbaren anderen Büchern, etwa dem „Traumsaat“-Band von „Engel“, der insgesamt ein sehr vergleichbares Konzept verfolgte. Das mit 25 Euro nicht zu teure „Tractatus Contra Daemones“ ist in dem, was es sein will – ein Spielwelt-immanentes Buch über Dämonen – geradezu brillant. Jedem, den das Thema reizt, würde ich das Buch an die Hand geben.
Name: Tractatus Contra Demones
Verlag: Ulisses Spiele
Sprache: Deutsch
Autoren: Jörg Raddatz, Heike Kamaris, Thomas Römer
Empf. VK.: 25 Euro
Seiten: 160{jcomments on}

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