Zoo-Botanica Aventurica

Aventurien ist alles andere als eine gezähmte Welt: Selbst in Städten und am Wegesrand kann man immer noch dem ein oder anderen wilden oder verwilderten Tier begegnen – begibt man sich aber an den Rand der Zivilisation, dann ist die Welt voller Bestien und Monstrositäten.
vom Backcover der Zoo Botanica Aventurica

Es ist schon lange Zeit her, dass ein kleiner unerfahrener Rollenspieler durch den örtlichen Rollenspielladen schritt, um dort vor dem Regal mit den für ihn nahezu unerschwinglichen DSA-Materialien anzuhalten und einen sehnsüchtigen Blick auf die dort ausliegenden Schätze zu werfen. Doch auch dieser Junge gelangte eines Tages an ein bisschen Geld und hatte selbstverständlich nichts besseres zu tun, als seinen blinden Kaufrausch in einem oder mehreren Regelwerken des beliebten deutschen Rollenspiels zu ertränken. Leider waren seine Freunde jedoch reicher als er und hatten sich bereits eine umfangreiche Sammlungen an Regelwerken zugelegt. So blieb dem armen kleinen Rollenspieler nur der Kauf der Box mit einem der vielleicht unspektakulärsten Namen der Rollenspielgeschichte: "Drachen, Greifen, Schwarzer Lotus".
Nun schreiben wir das Jahr 2005 und der Rollenspieler ist erwachsen geworden (Anmerk.: So wie Rollenspieler halt erwachsen werden). Umso erstaunter war dieser dann auch, als er sah, dass das gleiche für seine erste selbstgekaufte Box gilt. Aus dem selben Regal, im selben Rollenspielladen strahlte ihn der Nachfolger an. "Zoobotanica Aventurica" ist der Titel und er schickt sich an, seinen alten Vorfahren entgültig im Staub des Regals zu begraben.

Wie alle Regelwerke der vierten Edition hat die „Zoobotanica“ ein stabiles Hardcover bekommen. Der Buchrücken hat die für DSA-Regelwerke nun typische Rotfärbung und die bezeichnung R3 weisen daraufhin, dass es sich hier nun um den dritten erschienenen Regelband handelt. Zwei Lesebändchen in rot und schwarz runden den guten Ersteindruck ab. Das Cover von Andreas Adamek wirkt auch auf den ersten Blick sehr gut. Die Mitte des Bildes wird von einem Drachen beherrscht, hinter dem eine Klippenlandschaft sowie eine Wolkenfront zu sehen sind. Direkt unter diesem zerteilen zwei Delfine das Bild, die ihrerseits von einem Säbelzahntiger beäugt werden, der am rechten Bildrand lauert. Der obere Teil des Bildes zeigt keinerlei Umgebung, sondern einen Ausschnitt aus einem Pergament, wie aus dem Buch eines Forschers. Ein humanoides Skelett ist andeutungsweise zu sehen. Neben diesem finden sich in unbekannten Schriftzeichen Anmerkungen. Das Cover sieht rundherum gut aus. Andreas Adamek ist es gelungen, einiges an aventurischer Flora und Fauna unterzubringen, ohne dass das Bild zu überladen wirkt.

Nach dem Aufschlagen des Buches finden wir neben einer groben aventurischen Karte ein kurzes Vorwort zur Benutzung dieses Buches. Hat man das hinter sich gebracht, kommt man zum eigentlichen Buch. Auf den ersten 20 Seiten wird ausführlich auf die Tiere und ihre Bedeutung für den Spieler eingegangen, ob sich die Tiere nun als todbringende Gegner nähren oder als treue Gefährten mit dem Krieger in die Schlacht ziehen. Für alles finden Spieler und Spielleiter hier die passenden Regeln. Letzterer kann sich dann auch endlich über eine sinnvolle Regelergänzung im System freuen: durch das Einführen des Loyalitätswertes hat der SL endlich eine Messlatte, in wie weit ein gezähmtes Tier sich seinem Herrn verbunden fühlt. Schließlich gibt es immer wieder Spieler, die eine Raubkatze für ein angenehmes Haustier halten.
In den folgenden Kapiteln erfahren wir dann anschließend alles über die aventurische Tierwelt. Den Beginn machen dabei Die „Reit-, Last-, und Zugtiere", unter die natürlich die unverzichtbaren Pferde, aber auch andere Tiere wie Kamele oder Maultiere fallen. Auch der Reitkunst und dem Kampf vom Pferde wird in diesem Kapitel Platz eingeräumt. Jeder stolze Recke, der im Laufe seines Heldenlebens einmal auf einem Pferd sitzen will, sollte zumindest einmal einen Blick hier hereingeworfen haben.
Als nächstes widmet sich das Buch den weniger interessanten Begleitern und Nutztieren. Für den Spielverlauf wohl weniger interessant, es sei denn die Gruppe führt eine komplette Quest auf einem Bauernhof durch und muss deswegen die Informationen über Schweine haben. Zumindest die Spieler, die in Erwägung ziehen eine Hexe in Aventurien zu spielen, sollten einen Blick in den Abschnitt über die Vertrautentiere werfen.
Beim erneuten Umschlagen geht dann auch jedem Fantasyfreund das Herz auf. Das nächste Kapitel ist überschrieben mit „Übernatürliche Kraturen“ und gibt recht genaue Angaben über eben diese. Namentlich findet man ausreichend Informationen über Drachen, Feenwesen, Greifen und wie sie alle heißen. Eine durchaus sinnvolle Anregung für jeden Spielleiter, auch wenn das Kapitel über die Drachen etwas zu mager ausgefallen ist.
Es folgen noch einige Regeln zur Jagd, bevor das Buch unter der Überschrift „Bestiarium Aventuricum“ ein Lexikon aller in Aventurien ansässigen Tiere offenbart. Dies scheint auf den ersten Blick nicht sehr praktisch, da der Name des Geschöpfes bekannt sein muss, welches gesucht wird. Aufgrund der großen Masse an Tieren aber ist dies denke ich beste Lösung. Das Bestiarium nimmt die Seiten 63 bis 189 des Buches ein und hat damit einen mehr als stolzen Umfang von 126 (!!!) Seiten.

Die verbliebenen Seiten widmen sich nun den Pflanzen Aventuriens. Wie bei den Tieren auch hat man zu Begin eine grobe Einteilung in Bäume, Sträucher ect. vorgenommen, um anschließend in eigenen Kapiteln besser darauf eingehen zu können. Besonders zu erwähnen sind hierbei noch die Regeln für die Pflanzensuche der Helden, sowie für Abhängigkeit und Suchterkrankungen. Erst durch die letzgenannten Regeln wird der entsprechende Nachteil aus „Schwerter und Helden“ spielbar.
Die Pflanzenkunde endet, ebenso wie die Tierkunde auch, in einem entsprechenden Lexikon, das von den Autoren mit „Herbarium“ betitelt wurde. Wie bei den Tieren auch, finden sich hier alle Pflanzen Aventuriens in einer sauberen Anordnung von A bis Z.
Zu guter Letzt finden wir im Anhang noch eine Sammlung von Tabellen, die besonders für Spielleiter geeignet sind, die gerade nicht jede einzelne Pflanzenwirkung oder Regionsbeschaffenheit im Kopf haben. Damit dieser sich schnell informieren kann, finden sich viele der im Buch vorhandenen Informationen nochmals in diesen Tabellen. Ist bestimmt kein Kaufgrund, aber erleichtert dem SL die Aufgabe und ist ein Luxus, an den ich mich gewöhnen könnte.

Ich kann eigentlich nur Positives aus dieser Rezension ziehen. Das Buch hat ein hervorragendes Äußeres. Es ist zudem reich und sehr gut illustriert. Ja tatsächlich ist es mein einziger Regelband, an dem ich nichts auszusetzen gefunden habe. Selbst der Preis ist mit 35 Euro zwar nicht niedrig, aber man bekommt eine Menge für sein Geld. Immerhin 304 Seiten. Diese sind zwar nicht farbig, aber ich könnte mir denken, dass bei dieser Fülle an Illustrationen der Preis für einen Farbdruck explodiert wäre.
Den Vergleich mit seinem Vorgänger braucht es nicht zu scheuen. Sogar alte Fehler wurden nicht blindlings übernommen, sondern geändert. So hat beispielsweise der Keiler nun ein anständiges Körpergewicht und die bekannten Todeshörnchen wurden „entschärft“. Ich kann jedem DSA Spieler und Spielleiter dieses Regelwerk ans Herz legen.


Name: Zoo-Botanica Aventurica
Verlag: FanPro
Sprache: Deutsch
Autoren: Florian Don-Schauen, Thomas Römer
Empf. VK.: 35 Euro
Seiten: 304{jcomments on}

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