Cthulhu Spieler- und Spielleiter-Handbuch, zweite Edition

Cthulhu, sein obszöner, gigantischer Leib liegt im Todesschlaf begaben in der versunkenen Stadt R‘lyeh, die nicht von Menschen errichtet wurde. Wenn die Sterne richtig stehen, wird Cthuhlu erwachen und die Welt, wie wir sie kennen, vernichtete.
Viele glauben, dass wir in den Tagen der Apokalypse leben und dass der Zeitpunkt, an dem sich Cthulhu erheben wird, nicht mehr fern ist...

vom Backcover von Cthulhu Spieler- und Spielleiter-Handbuch, zweite Edition

Obacht, lieber Leser! Du hast keine Ahnung, was Cthulhu ist? Oder es ist dir neu, dass es ein zweigeteiltes Regelwerk zu Lovecrafts Setting gibt? Oder gar, dass es überhaupt ein Rollenspiel zu „Call of Cthulhu“ gibt? Dann bist du hier, auf der DORP, zwar richtig, aber nicht mit dieser Rezension nicht unbedingt exzellent beraten.

Diese Rezension befasst sich explizit mit der zweiten Edition der beiden Grundbücher für Spieler und Spielleiter – Generelles zu den beiden Büchern, ihren Vor- und Nachteilen sowie ihrem Inhalt findet man in zwei eigenen Rezensionen bei uns im Index.

Aber so war es mal wieder so weit. Die bestehenden Auflagen der beiden Bücher gingen zur Neige und da man bei Pegasus nur selten bereits Bestehendes einfach nur neu auflegt, beschloss man, dem Gesamtwerk eine neue Überarbeitung zu spendieren. Das Ergebnis sind das Spieler-Handbuch (SHB) sowie das Spielleiter-Handbuch (SLHB), zweite Edition.

Zwei traumhaft schöner Bücher sind es geworden, die sich in Sachen Layout und Verarbeitung dieses Mal so ziemlich keinen Fehler mehr erlauben. Die Umschläge sind einmal mehr von Manfred Escher gestaltet worden und orientieren sich am Design der ersten Ausgabe, wirken aber intensiver und kräftiger in ihren Farben, ohne dass man sie bunt nennen könnte. Zwar wurde nicht ganz ohne Grund im offiziellen Forum moniert, dass die zentralen Figuren der beiden Deckblätter (Lovecraft beim SHB, Cthulhu beim SLHB) etwas unsauber, unscharf bzw. pixelig wirken, aber alles in allem sind die Einbände vor allem „wunderschön“ zu nennen.
Das setzt sich, oh Freude, endlich auch wieder im Inneren fort. Auf Basis des Grunddesigns, dass man jetzt schon beim „Arcana Cthulhiana“-Band sehen konnte, wurde die Gestaltung komplett neu gemacht und sieht einfach bahnbrechend aus.
Ob es daran liegt, dass das Layout diesmal von jemand anderem ausgeführt wurde, kann ich dabei nicht sagen, aber Fakt ist, dass auch die kleinen Haken und Ösen der optischen Gestaltung des „Arcana“ verschwunden sind und das, was bleibt, sicherlich das schönste Cthulhu-Regelwerk ist, dass der Markt bisher hat sehen dürfen.
Dazu trägt sicherlich auch die Verarbeitung bei. Die Hardcover-Umschläge sind die gewohnte, matte Pegasus-Qualität und die Bindung ist unsterblich wie immer, doch das Papier ist dieses Mal weitaus hochwertiger als bisher. Fort mit dem leicht rauen, matten Material, her mit einem dezent glanzbeschichteten, glatten Papier, dass wesentlich eleganter wirkt, ohne die Nachteile des glänzenden „Orient Express“ (sehr dick, zu starke Reflektion) zu haben.
Die Bücher sind eine Zierde für jedes Regal und jede Rollenspielsammlung. Wenn man überhaupt nörgeln kann, dann allenfalls über das recht hohe Kampfgewicht der neuen Bücher. Es liegt wohl an dem Papier, aber mein Postbote klagte schon mit Recht über das Paket, in dem die beiden Bücher meine Wohnung erreichten. Aber, hey, wir spalten mal wieder Haare.

Doch auch inhaltlich hat sich etwas geändert und hier findet sich im Verlauf auch noch die Kontroverse. Im Spielerhandbuch hat sich eher wenig getan. Die Errata seit 2003 sind eingearbeitet worden, was aber noch eher unter Selbstverständlichkeit fällt. Holger Göttmanns in meinen Augen wirklich grandioses Solo-Abenteuer „Schatten über Arkham“ ist einem neuen Beitrag gewichen. Jakob Schmidt liefert „Das letzte Opfer“, dass sicherlich als Einführung besser geeignet ist als Holgers etwas eigenes Szenario, aber in meinen Augen auch deutlich biederer daherkommt. Aber ich will nicht unnötig klagen, denn im Gegenzug gibt es „Schatten über Arkham“ mittlerweile auf www.pegasus.de als kostenlosen Download. Das tut es auch.

Einzig sonst noch neu ist ein kurzer Artikel über die deutsche Cthulhu-Szene, der mir zwar etwas wie Eigenwerbung vorkam, aber andererseits auch einfach überblättert werden kann.
Effektiv kriegt man hier jedenfalls noch mehr für sein Geld als es bei der ersten Ausgabe der Fall war und die 19,95 Euro sind sicherlich gut angelegt. So einen fairen Preis bietet der deutsche Markt heute nahezu nirgends mehr.

Beim Spielleiterband hat sich dagegen mehr getan. Klar, auch hier gibt es erst einmal ein paar Selbstverständlichkeiten – weiter fortgeführte Zeitleisten, eine aktualisierte Publikationsübersicht, eingearbeitete Errata – und einige weitreichendere Eingriffe.

Dass der Abschnitt über „Cthulhu in alternativen Settings“ nun auch auf den Hexer von Salem eingeht, fällt für mich noch unter „ferner liefen“, doch auch hier gibt es wieder einige deutliche Veränderungen bei den Abenteuern.

So wurden die in CW6 vorgestellten Ergänzungen zum Abenteuer „Kerkerwelten“ nun in das Szenario eingeflochten, was durchaus in Ordnung geht. „Das entsetzlich einsam gelegene Haus im Wald“, einer der Klassiker des modernen Cthulhu aus der Feder von Frank Heller, aus dem lange vergriffenen „In Labyrinthen“-Band, ist nun ebenfalls enthalten, was ebenfalls gut ist, denn das Szenario ist schon wirklich prima.

Gestrichen wurde „Nachts im Schwarzwald“ und wurde ersetzt durch „Das Geheimnis des Schwarzwaldhofs“. Das neue Szenario, geschrieben von Frank Heller und Stefan Franck, ist nicht verkehrt. Es ist eine nette Geschichte, wenn auch etwas eigentümlich von der Prämisse her, angereichert mit vielen nützlichen Tipps. Eines aber ärgert mich an dem Wechsel:
Als das 99er-Regelwerk 2003 gegen die zweibände Ausgabe ausgetauscht wurde, sind zwei Abenteuer beibehalten worden und zwei unter den Tisch gefallen. Eines der Gefallenen war „Der Wahnsinnige“, im Grunde richtiggehender Trash, also nicht schade drum, das andere aber „Der Spuk“. „Der Spuk“ war ein tolles, simples Gruselszenario, dass ein totaler Anfänger mit totalen Anfängern ohne große Vorbereitung spielen konnte und das, wenn auch nur bedingt an Lovecraft gekoppelt, doch aufgrund der klassischen Materie erwiesenermaßen gut Neuzugänge fesseln konnte.
Gerade das zu streichen fand ich sehr schade und freute mich daher, dass auch „Nachts im Schwarzwald“ in eine änhliche Kerbe schlug. In meiner Rezi damals schrieb ich noch „Es kann mich sogar fast über das Fehlen des „Spuks“ vertrösten, vereint es doch eine gruselige Atmosphäre und ein erkundbares Haus [...]“; jetzt ist auch das weg.
Es verbleiben daher aus dem ganz alten Regelwerk noch „Am Rande der Finsternis“, dass nach bereits zwei Grundregelwerken und zwei „Cthulhu für Einsteiger“-Heften, eines davon sogar zum kostenlosen Download auf pegasus.de, vermutlich nicht auch hier noch mal hätte abgedruckt werden müssen, sowie „Blues für Marnie“, dass ich seit jeher als „special interest“-Fall führe. Dazu dann die guten, aber nicht ganz leicht zu leitenden „Kerkerwelten“, das inhaltlich grundsolide, aber gut präsentierte „Geheimnis des Schwarzwaldhofs“, das schöne und rundum überzeugende, „einsam gelegene Haus im Wald“ sowie der ebenfalls sehr gute „Gaukler von Jusa“.

Ich wünschte mir wirklich, dass man den klassischeren Szenarien mehr Chancen geben würde. Irgendwie trifft es immer die Szenarien bei den Revisionen, die ich als besonders gut für Einsteiger geeignet empfinde. Sehr bedauerlich, sehr schade.

Auf der anderen Seite sind die neuen Abenteuer auch noch problematisch, weil sie eben neu und nur hier enthalten sind. Das wäre okay, wenn man seitens des Verlages nicht so oft betont hätte, dass niemand die „zweite Edition“ kaufen müsste, da man nur Bestehendes verbessert habe. Zumindest beim „Schwarzwaldhof“ würde ich da aber widersprechen und es ist schade, dass das Szenario also nur durch einen immerhin gut 40 Euro teuren Band zu bekommen ist. So werden die meisten Leute, die mit der ersten Edition des Buches glücklich sind, wohl niemals in den Genuss des Abenteuers kommen; immerhin ist „Nachts im Schwarzwald“ demnächst auch in „Cthulhu für Einsteiger“ enthalten. Zumindest ein kleiner Trost.

Ingesamt gilt auch hier: Die Überarbeitung hat das SLHB definitiv zu einem besseren Buch gemacht. Die Aktualisierungen, die Errata, die bombastische Optik und vor allem das „entsetzlich einsam gelegene Haus im Wald“ sind schon regelrechte Killerargumente.

Dass „Nachts im Schwarzwald“ nun neben dem „Spuk“ in der Krypta der vergessenen Szenarien gelandet ist, ist bedauerlich, führt aber trotz der umfassenden Kritik oben nur zu einer marginalen Beeinträchtigung der Note des Buches an sich und sei mehr als persönlicher Kommentar des Rezensenten verstanden.
Der Preis liegt hier fünf Euro über dem der Vorgängerausgabe, aber das ist okay, denn das Buch ist auch 68 Seiten (bzw. 72, Werbung eingerechnet) dicker als die alte Ausgabe.

Insgesamt haben die Jungs bei Pegasus gekonnt vorgemacht, wie eine überarbeitete Regelwerkausgabe auszusehen hat. Das ist sowohl wörtlich gemeint, denn das Layout ist toll, wie auch inhaltlich, denn die Überarbeitungen sind durch die Bank weg sinnvoll und gut geraten.

Wer noch kein Cthulhu-Regelwerk sein Eigen nennt, der macht mit der neuen Ausgabe sicherlich nichts falsch, zumal zumindest das Spielerhandbuch auch durchaus ein Schnäppchen ist. Das Spielleiterhandbuch ist zwar auch „viel Buch zum fairen Preis“, allerdings sind 39,95 auch kein Mitnahmepreis für zwischendurch.

Beide Bücher haben aber meine volle Kaufempfehlung und schlagen ihre Vorgänger ganz eindeutig in allen Disziplinen.{jcomments on}

Name: Cthulhu Spieler-Handbuch, zweite Edition
Verlag: Pegasus Press;
Sprache: Deutsch
Autoren: Frank Heller, mit Marcus Johanus (Konzeption), u.v.a.
Empf. VK.: 19,95 Euro
Seiten: 248

Name: Cthulhu Spielleiter-Handbuch, zweite Edition
Verlag: Pegasus Press
Sprache: Deutsch
Autoren: Frank Heller, mit Marcus Johanus (Konzeption), u.v.a.
Empf. VK.: 39,95 Euro
Seiten: 472

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