Hexer von Salem, Der - Die Tage des Mondes

Die Tage des Mondes ziehen [die Spielercharaktere] tiefer in die Abgründe der menschlichen Seele, als sie sich hätten träumen lassen. Während sie sich der Klauen des Wahnsinns erwehren, heult bei Vollmond ein Wolf die Begleitmusik.
vom Backcover von Die Tage des Mondes

Mit „Tage des Mondes“ liegt das nunmehr dritte, einzeln verkaufte Abenteuer für den Cthulhu-Rollenspiel-SpinOff auf Basis von Wolfgang Hohlbeins „Hexer von Salem“-Buchreihe vor. Wie auch die beiden Vorgänger „Wenn Engel fallen“ und „Der Teufelsplan des Dr. Fu Manchu“ erscheint auch „Tage des Mondes“ als dünnes, geheftetes Büchlein, wieder mit 44 Seiten Umfang. Das Cover hält sich an den Stil der bisherigen Bände der Reihe und wurde schön eingelayoutet, fällt aber auch dieses Mal dadurch auf, dass es allenfalls vage mit dem Inhalt in Verbindung steht. Ich mein, was sehe ich denn da? Ein Wolf hätte sicherlich schön gepasst, ja sogar Cthulhu persönlich wäre nicht falsch gewesen. Dieses Motiv steht hingegen in guter Tradition üblicher Belletristik-Veröffentlichungen im phantastischen Sektor – handwerklich gut, inhaltlich ... naja.
Die Aufmachung im Inneren ist ziemlich fein geworden. Das Papier gibt sich in attraktiver Dünne die Ehre und ist Hochglanz, was dem ganzen Heft trotz der Klammerung recht attraktiv macht und die Auswahl der Bilder hat mir in weiten Teilen sehr gut gefallen. Gerade größere Bilder neigen aber leider mal wieder zum Aufpixeln oder zu einer starken Körnung, was man vermutlich hätte vermeiden können.

Inhaltlich ist das Heft wie immer zweigeteilt. Zunächst steht da „Die Feuerteufel“, eine neue Kurzgeschichte von Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler. Das ich diese Aufteilung generell für wenig sinnvoll halte, das schrieb ich ja bereits bei den vorigen Bänden und so ist es auch hier – kein Nicht-Rollenspieler wird knapp zehn Euro ausgeben, um eine knapp zehn Seiten lange Kurzgeschichte zu erwerben, an der Hohlbein mitgeschrieben hat. Umgekehrt gehen für Rollenspieler so wertvolle Seiten verloren, weshalb Andreas Melhorns Abenteuer sich mit 31 Seiten begnügen muss – der Rest ist wahlweise redaktionell oder Werbung.
Doch zum Abenteuer, dem Zentrum des Buches. Ich hatte auf dem NordCon dieses Jahr die Chance, mit dem Autor einige nette Worte zu wechseln und unter anderem zu erläutern, warum mir Peer Krögers „Fu Manchu“-Abenteuer nicht so zugesagt hatte. Er zeigte sich damals gespannt, ob mir dann wohl „Die Tage des Mondes“ besser gefallen würden und das war ich auch. Nun, nach der Lektüre, kann ich sagen: Auf jeden Fall!

Aber von vorne. Das Abenteuer führt die Charaktere in die Baltimore-Klinik, in der offenbar der Wahnsinn nicht nur umgeht, sondern sich manifestiert. Da wird einer, der Angst vor Schlangen hat, wirklich mit ihnen konfrontiert und ein Weltkriegsveteran wird von eigentlich nur eingebildeten Kämpfern wirklich attakiert.
Hinter all dem, so können die Spieler im Laufe der Geschichte ermitteln, steckt Dr. Mabuse, der einen gar wahnwitzigen Plan verfolgt. Es geht um das „Land hinter den Spiegeln“, ein mystisches Reich, das er nun für erreichbar hält. Demnach müssen die Spielercharaktere im Laufe der Geschichte auch eine Reise hinein in diese wirre Alptraumwelt einstellen, um danach, zurück in der Realität, den irren Plan vereiteln zu können.

Das Abenteuer ist in Teilen ebenfalls sehr lenkend, weiß es aber weitaus besser zu kaschieren als sein Vorgänger. Beispielsweise ist zwar die Zeit in der Baltimore-Klinik zu Beginn des Abenteuers vor allem eine Ansammlung von Gruselszenen, aber es dürfte niemandem schwerfallen, hier eine spannende Geschichte zu inszenieren, in der die Spieler durchaus Tempo und Richtung beeinflussen können.
Es wird das Denken wieder den Spielern überlassen und nicht, wie leider im vorigen Abenteuer, von NSCs übernommen, wenn einige von denen auch hier in etwas unschönen „Und jetzt müsst ihr zu Location c“-Stichwortgeber-Rollen auftreten. Aber auch hier gibt einem der Text einige gute Ideen an die Hand, wie man es spannend und stimmungsvoll halten kann.

Schön ist auch die starke Zentrierung auf die Wahnsinn-Thematik. Das ist ein sehr bestimmender Teil des ganzen Cthulhu-Mythos und wird leider oft nur gestreift – hier aber gibt es eine Menge schöner Elemente dazu. Etwa der schon erwähnte Veteran, der an ganz mondänem Wahnsinn leidet, was aber dennoch für eine spannende Szene herhalten kann.
Auch die Szenen rund um Cornelia Bennet, eine 22jährige Künstlerin, die offenbar entgegen aller Möglichkeit gerade sehr körperlichen Herrenbesuch hatte, wenn die Charaktere ihren Raum in der Klinik aufsuchen, haben mir gefallen. Vor allem, weil es kein Exploit ist, wohl aber ein, sagen wir, erwachsenes Thema anschneidet und obschon es an diesem Punkt vielleicht noch als Selbstzweck erscheint, es im Verlauf des Abenteuers auch seinen Platz als Teil des Puzzles findet.

Wenn man nach Kritikpunkten sucht, so sind von den wenigen Sachen, die mich stören, auch noch einige eher dem Setting selbst geschuldet. So tritt nun, nachdem wir Dr. Fu Manchu im letzten Abenteuer in die Flucht geschlagen haben, eben mit Dr. Mabuse der nächste Superschurke auf. Hier hätte mich eine Absprache der Autoren, ein einheitlicher Schurke und damit die Verbindung der drei Einzelabenteuer mehr gefreut ... aber das will ich nicht diesem einzelnen Szenario zur Last legen.
Eher schon fallen hier dann doch einige Gängelungen ins Gewicht, mit denen der Spielleiter zumindest hinter den Kulissen die Charaktere wieder und wieder auf den richtigen Pfad schubsen muss ... es gibt eben doch einige Punkte, wo man einfach nicht abweichen kann.

Doch insgesamt ist „Tage des Mondes“ ein tolles Abenteuer geworden. Es sind viele gute Ideen drin und die Inszenierung funktioniert, ebenso wie das Setting und die NSCs gefallen. Es ist nicht perfekt, aber welches Szenario ist das schon, und müsste man die Hohlbein-Geschichte nicht mitkaufen, würde es zu einem glatten „sehr gut“ reichen. Mit den minimalen Mängeln und den zehn Seiten Hohlbein/Winkler-Ballast ist es immerhin „noch sehr gut“ zu nennen.
Fans können ja selber entscheiden, ob sie das schreckt oder nicht, doch auch alle anderen Fans des „Hexer“-Rollenspiels sollten das Abenteuer nicht links liegen lassen.


Name: Die Tage des Mondes {jcomments on}
Verlag: Pegasus Press
Sprache: Deutsch
Autoren: Andreas Melhorn, mit Beiwerk von Wolfgang Hohlbein und Dieter Winkler
Empf. VK.: 9,95 Euro
Seiten: 44

 

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