Kinder des Käfers

Kinder des Käfers ist ein Abenteuerband, der speziell für EInsteiger konzpiert ist.
vom Backcover von Kinder des Käfers

Wenn man über Cthulhu in Deutschland eine Sache mit Sicherheit sagen kann, dann wohl, dass definitiv kein Mangel an Abenteuersammlungen besteht. Der vorliegende Band entstammt bereits dem Jahr 2003 und ist, so verrät das Vorwort, speziell für Einsteiger konzipiert worden.

Die Aufmachung entspricht letztmalig noch den Coverdesigns der ersten Pegasus-Auflage, mit dem vorherrschenden Braunton und den arrangierten Buchauszügen. Allerdings merkt man hier doch deutlich einen Schritt hin zu mehr Abwechslung, hat Gestalter Holger Rinke doch den gesamten Einband mit Käfern übersäht. Das sieht cool aus, das ist mal was Neues und es passt auch noch zum Titel – so soll das sein!

Die Innengestaltung entspricht dem Standard der ersten Pegasus-Bände, also mitsamt verbranntem Außenrand, zahlreichen historischen Fotos und noch mehr authentisch aufgemachte Handouts zum Austeilen an die Spieler. Hübsch, aber anders als beim Umschlag gibt es innerhalb des 152 Seiten starken Bandes keine Überraschungen.

Enthalten sind vier Abenteuer und wer mal so durch das Impressum blickt, der wird schnell merken, dass er es hier wohl offenkundig um ein direktes geistiges Kind des Chefredakteurs Frank Heller geht. Von den vier Abenteuern sind drei Übersetzungen, zwei davon von ihm überarbeitet und ergänzt. Das vierte Abenteuer ist eine Erstveröffentlichung und ebenfalls von ihm.
Dazu kommen noch Lektorat (zusammen mit Heiko Gill und Momo Evers), Korrektorat, ein Anteil an der Handoutgestaltung, ein Anteil am Bildarchiv und natürlich die redaktionelle Leitung des Bandes. Kurzum; viel Heller hier im Band.
Nachdem sich aber schon dessen „Das entsetzlich einsam gelegene Haus im Wald“ aus dem Band „In Labyrinthen“ zu einem Klassiker gemacht hat, weckt das ja schon geradezu große Hoffnungen.

Hoffnungen und Erwartungen; Erwartungen die das erste Szenario des Bandes leider nicht ganz aufrecht halten kann. „Mister Corbitt“ beginnt mit mysteriösen Vorgängen in der Nachbarschaft und mündet in einem kleinen Spukhaus, in dem aber ein sehr konkretes Böses haust. Es ist eine Übersetzung aus dem Band „Mansions of Madness“, Urheber ist Michael DeWolfe.
Seine Stärke liegt sicherlich einerseits in einem sehr einfachen Plot, den frische Spielleiter gut durchschauen und frische Gruppen gut lösen können, andererseits auch darin, dass man es gut als One-on-One-Abenteuer mit einem einzelnen Spieler und einem SL spielen kann. Dafür dürften viele andere Spieler von dem Plot schnell etwas enttäuscht sein.

Das es in „Das knarrende und windschiefe Haus“ um ein weiteres Spukhaus geht, sollte schnell zu erraten sein. Kunststück, entstammt doch auch dieses Szenario, geschrieben von Mark Morrison, den besagten „Mansions of Madness“.
Insgesamt kann ich klar sagen, dass mir das Szenario schon weitaus besser gefallen hat als „Mister Corbitt“. Die vermittelte Stimmung ist gut, sinnvolle Tipps zur Inszenierung gibt es hier (wie übrigens bei allen Szenarien im Band) ebenso wie eine sehr gut ausgestaltete Location.
Negativ ist mir hier allenfalls die Auflösung des Abenteuers, da die Kreatur, die im Hintergrund für die Schrecken verantwortlich ist, leider erschreckend ineffektiv handelt und die Art, wie man sie bezwingen kann, wohl nicht jedem zusagen wird.
In einer befreundeten Testrunde kam es jedenfalls nichts so gut an, mir persönlich hat es aber ziemlich gut gefallen und gerade die vermittelte Stimmung ist gerade auch gut geeignet, Neulinge weiter auf Cthulhus Tentakel zu zu ziehen...

„Devil‘s Hole“ ist irgendwie der eigenartigste Beitrag. Im Original von Gary Sumper geschrieben und im Band „In the Shadows“ erstveröffentlicht, geht es hier um Wesen aus der Tiefe im für Horror immer gut geeigneten England. Es werden Anbindungsmöglichkeiten an die Kampagne „Auf den Inseln“ geboten (was direkten Newbies nun vielleicht nicht so sehr hilft, hier aber dann eben den alten Hasen entgegen kommt). Überhaupt werden sich die im Vorwort noch so umworbenen Anfänge an dem Abenteuer zumindest auf SL-Seite noch ganz gut reiben können, da es ein vollkommen nonlineares Krimi-Abenteuer ist. Es ist zwar nicht schlecht, Neulingen auch so etwas zu bieten, ob sie es aber wirklich umgesetzt bekommen, ist eher fraglich.

„Kinder des Käfers“ zuletzt hat dem Band nicht nur den Titel verliehen, sondern ist auch die einzige komplette Neuschöpfung. Es entstammt wie eingens erwähnt der Feder von Frank Heller und zeigt das in gewisser Weise auch. Gerade der sehr der Cthulhu-Matrix (alter Freund bittet die Charaktere oder zumindest einen von ihnen um okkulten Beistand) entsprechende Auftakt und die dann doch sehr spannende Handlung mit überrasschendem Ende wissen zu gefallen.
Generell geht es um die Insekten von Shaggai und ihren Einfluss auf die Menschen eines Vorortes von Boston.
Das Szenario selbst ist dabei sehr gut und klar auf meiner Liste der Cthulhu-Abenteuer, die ich definitiv auch gerne in einer regulären Runde spielen würde. Allerdings unangenehm ist die Struktur des Szenarios zu nennen. Wenn man tatsächlich über 15 Seiten lesen muss, um als SL zu wissen, worum es geht, dann ist das vielleicht der „Spannung beim erstmaligen Lesen“ (S. 106) in der Tat zuträglich, der Spielpraxis aber nicht.
Das Abenteuer liest sich zwar wirklich recht spannend, aber gerade ein Anfänger, der nun schnell nach potentiellem Abenteuerfutter sucht, muss da doch viel Zeit investieren, bevor er ‘einfach loslege‘ kann; kein Beinbruch, aber ärgerlich ist es schon.

Abschließend kann man sagen, dass „Kleine Völker“ schon ein guter Abenteuerband geworden. Keines der Szenarien ist wirklich schlecht, sie alle sind spielbar und vor allem die titelgebenden „Kinder des Käfers“ selbst auch spielenswert.
Leider verwehren einige kleine Makel wie die verbesserbare Struktur der Abenteuer (bei einigen mehr, anderen weniger), die für Anfänger teils doch nur eingeschränkte Eignung von „Devil‘s Hole“ und das eher durchschnittliche „Mister Corbitt“ volle Höchstwertungen.
Doch wer, gerade als Anfänger, was zum Spielen sucht, der ist mit „Kinder des Käfers“ weit besser beraten als etwa noch mit „In Labyrinthen“. Zumal die Abenteuer auch regional gesehen flexibler sind als etwa bei dem zuvor genannten, extrem eng mit Amerika verknüpften, Abenteuerband.

Kein Meilenstein, aber zugreifen kann man hier guten Gewissens!


Name: Kinder des Käfers
Verlag: Pegasus Press
Sprache: Deutsch {jcomments on}
Autoren: Frank Heller, Michael DeWolfe, Mark Morrison, Gary Sumper u.a.
Empf. VK.: 16,95 Euro
Seiten: 152

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