Necronomicon - Geheimnisse des Mythos

Necronomicon ist das unverzichtbare Werk für Spielleiter und am Cthulhu-Mythos Interessierte, das nicht nur das alptraumhafte Necronomicon des wahnsinnigen Arabers Abdul Alhazred beschreibt, sondern hunderte der Bücher über den Cthulhu-Mythos und Okkultismus sowie dutzende magische Artefakte wie den leuchtenden Trapezoeder oder Gerätschaften von außerirdischen Rassen wie Blitzwerfer oder Schoggothentreiber, viele authentisch bebildert.
vom Backcover des Necronomicons

Ich gebe es einmal mehr zu – ich war skeptisch. Nicht skeptisch, ob das vorliegende Buch handwerklich gut werden würde, denn das ist man bei Pegasus ja schon nicht anders gewöhnt, sondern, ob sie die Seiten sinnvoll füllen können würden.
Denn das Thema Mythosbücher wurde ja schon an mancherlei Ort diskutiert und ein Band, der nun das alles noch mal wieder aufgekocht und mit neuen Mythosbuchauszügen garniert hätte, wäre sicherlich nicht gut weggekommen.
Doch das „Necronomicon“ ist weit mehr als das geworden und hat sich, so kann man vorweg schicken, zu einem der besten Quellenbände des Systems überhaupt mausern können.

Er ist dabei erst einmal sehr schön zu nennen. Der Einband wurde wieder von Manfred Escher gestaltet und gibt sich diesmal vornehmlich schwarzweiß, mit mysteriösen Formen, Foliantelementen und einem in der Mitte scheinenden pnakotischen Pentagon. Sehr frein, irgendwo von gewohnter Qualität und doch zugleich noch einmal herausragend.

Das Design der Buchseiten selbst gleicht nun einmal mehr der formidablen Aufmachung des neuen Grundregelwerks, wobei die Illustrationen ebenfalls hervorzuheben sind. Weniger historische Fotos als vielmehr historisch wirkende Fälschungen dominieren den Band – Handout-Meister Kostja Kleye und die anderen „Handwerker“ haben ganze Arbeit geleistet und eine ganze Palette von Bildern geschaffen, die so auch aus einem Museumsführer stammen können und unglaublich überzeugend wirken.
Nebenbei bemerkt sei noch, dass das „Necronomicon“ der wohl erste und einzige Rollenspielband sein dürfte, der einen „Messerschmied“ im Impressum stehen hat...

Inhaltlich lässt sich der Hardcoverband, übrigens 260 Seiten schwer und mit einem roten Lesebändchen ausgestattet, in zwei größere Kapitel und einen Anhang teilen, wobei auch dort noch einmal Unterabschnitte auszumachen sind.
Nach einem gewohnt umfangreichen Vorwort beginnt der 170 Seiten lange erste Teil unter dem Motto „Von fauligen Folianten“. Dabei wird nicht gleich mit den Büchern, sondern erst einmal mit etwas Hintergrund losgelegt.
„Eine kleine Geschichte des geschriebenen Wortes“ bietet etwa genau das, doch auch vom Umgang mit verbotenen Bänden und anderen Textmedien als Büchern wird hier gesprochen. Nützlich und nicht so theoretisch-trocken wie es klingen mag.
Danach setzt allerdings auch schon der umfassendste Abschnitt dieses Teils ein, die Beschreibung der Bücher. Vornehmlich Mythos-Bücher werden auf den rund 130 Seiten beschrieben, doch auch „normale“ okkulte Bücher bis hin zu Okkult-Lexika sind hier vertreten.
Dabei wurde teilweise auf altes Material, etwa aus dem „Keeper‘s Companion“, zurückgegriffen, teilweise aber auch Neues geschaffen. Markant ist sicherlich die Akribie, mit der hier auch unterschiedliche Auflagen und Sprachfassungen einzelner Werke behandelt werden, sowie die neuen, optionalen Zusätze über das, was mit dem Leser eigentlich passiert, wenn er die Werke liest. Sind ja keine Bücher, sind Mythosbücher.
Wer also beispielsweise schon immer mal wissen wollte, wie ‚De Vermis Mysteriis‘ eine „mentale Vergewaltigung“ (S. 49) hinbekommt, findet die Anwort dazu eben in diesem Buch.
Einige weniger populäre Mythosbücher wie die ‚Bekenntnisse des wahnsinnigen Mönches Clithanus‘ sowie die ‚normalen‘ Okkultwerke werden dagegen nur kurz behandelt, aber immer noch detailliert genug, um damit etwas anfangen zu können.
Ab Seite 162 wird es dann aber noch einmal theoretisch und es folgen Abhandlungen zum Einsatz sowie zur Umsetzung von Mythosbuchtexten. Gut und lange überfällig!

Der zweite inhaltliche Block des Buches widmet sich dagegen handfesten Artefakten des Mythos, die noch einmal in „uralte und unirdische Artefakte“ und „technische und magische Werkzeuge“ unterteilt wurden.
Bei den Erstgenannten handelt es sich demnach um generelle Objekte wie das Bronzehaupt aus Randy McCalls „Die Auktion“ oder das Gals von Leng (aus „Das Giebelfenster“ von Derleth und Lovecraft). Dabei haben auch Artfefakte aus deutschen Veröffentlichungen wie etwa der Diamantring aus Jan Christoph Steines‘ „Der Ruf des Meeres“ oder die Flöte von Dhol (aus Florian Hardts „Der Sänger von Dhol“) Eingang gefunden und stehen nun tapfer neben Klassikern wie dem leuchtenden Trapezoeder.
Die „Werkzeuge“ kommen dagegen nach Intime-Herkunft sortiert daher. So findet man hier, beispielsweise, den Schoggothen-Treiber der Älteren Wesen, die Blitzwerfer der Nub‘lenk‘hi oder auch die Todesstrahler des Schlangenvolks. Natürlich sind auch die Mi-Go hier markant vertreten und auch hier merkt man, dass alle Veröffentlichungen bedacht wurden. Sei es nun der Zellzersetzer aus Randy McCalls „Die Anstalt“ oder Thomas Finns Magnetisator aus „Tempus fugit!“, es ist ebenso enthalten wie die Tarnkappe der Nibelungen – diese geht dementsprechend auf das Konto von Steffen Schüttes Abenteuer „Siegfriedslust“.

„In Azathoths Spähren“ ist, Zitat, „[e]ine Geschichte, garniert mit Mythosbuchauszügen, zur Erbauung und Inspiration des Spielleiters, zugleich eine Textsammlung“. Wow.
Naja, was unterm Strich bleiben 14 Seiten mit sehr wenig Text und sehr viel Mythosbuch-Handouts, die zwar generell praktisch sind, ihren Sinn und Zweck aber auch ganz wunderbar ohne den Text drum herum erfüllt hätten.
Der schadet aber niemandem, weshalb ich diesen Teil des Buches einfach mal nüchtern, wie er ist, zur Kenntnis nehme.

Der Anhang hat sich dann noch einmal dem magischen Wirken sowie der nahezu-magischen Kunst der Übersichtslisten gewidmet. Es gibt 38 neue Zauber (darunter sechs „Kontakt zu...“ und neun „Rufe“ bzw. „Rufe/Vertreibe“-Sprüche), tabellarische Übersichten zu allen Büchern und Artefakten, sowie vier Seiten mit „Ausgewählten Zauber[n] [...] die in Mythosbüchern enthalten sein können“. Praktisch; wenig innovativ, aber eine große Hilfe für jeden Spielleiter.

Somit kann ich, am Ende unserer kleinen Tour, nur lobend von dem Band sprechen. Sieht man einmal von dem etwas obskuren Abschnitt „In Azathoths Sphären“ ab, der nicht so ganz in den Sammel-Charakter des Buches zu passen scheint, habe ich eigentlich gar nichts zu nörgeln.
Ein schönes Buch mit einem vortrefflich präsentierten Inhalt, schön bis wunderschön aufgemacht und sogar noch von konkretem Nutzen. Rundum gelungene Arbeit und für mich der beste Cthulhu-Band seit dem „Malleus Monstrorum“.


Name: Necronomicon
Verlag: Pegasus Press {jcomments on}
Sprache: Deutsch
Autoren: Frank Heller (Redaktion und Konzeption), u.v.a.
Empf. VK.: 34,95 Euro
Seiten: 260

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