Sichtschirm für H.P. Lovecrafts Cthulhu - 2te Edition

Der Spielleiterschirm aus stabiler Pappe ist unverzichtbares Hilfsmittel in allen Cthulhu-Spielrunden und präsentiert übersichtlich alle im Spiel notwendigen Tabellen und Informationen.
vom Backcover des Begleithefts vom Sichtschirm

Zur SPIEL 2007 erschien bei Pegasus der neue Spielleiterschirm zum Cthulhu-Rollenspiel und gibt mir nun endlich einmal die Möglichkeit, noch mal eine Rezension zu einem meiner liebsten RPG-Accessoires zu verfassen. Denn ich mag Schirme, mag sie einfach, habe viele und hole mir immer noch gerne neue dazu.
Gerade der alte, deutsche Cthulhu-Schirm war ein tolles Gerät, schön aufgemacht und nützlich, der englischen Ausgabe um Welten überlegen. Mehr noch, er war zudem einer der ersten Schritte eines gewissen Frank Hellers hin zum höchsten Thron der Cthulhu-Redaktion.
Nun, passend nur zweiten Auflage des überarbeiteten Regelwerks in zwei Bänden, ist endlich einmal ein neuer Schirm erschienen und ist, was die Ausstattung betrifft, doch merklich anders bestückt als sein Vorgänger.

Reißt man die Folie herunter, hat man de facto drei Dinge in der Hand. Zunächst einmal der Schirm, selbstredend, auf den kommen wir noch zu sprechen. Dazu dann ein neues, wieder einbandloses Heftchen mit einem (neuen) Abenteuer und weiteren Übersichtstafeln. Und, ganz besonders lecker, einen Stapel von acht Charakterbögen. Die sind in A3 gehalten, doppelseitig und vollfarbig bedruckt und in der Mitte übergefaltet, so dass man ein ganz wunderbares Charakterdossier erhält. Das gefällt mir echt mal richtig gut. Die Bögen sind schön und praktisch noch dazu; eine sehr nette Dreingabe. Insgesamt findet man je zwei Bögen für die 1890er und Now vor, sowie vier für die Hauptepoche des Spiels, die 1920er. Das ist fein und damit kann ein Charakter dann auch mal getrost den Löffel abgeben.
Gestaltet wurden die Bögen übrigens von Oliver Fedtke, den der eine oder andere vielleicht auch als Herausgeber des sehr ambitionierten und beeindruckenden Web-Magazins „Der Ruf“ kennt.

Doch auf geht‘s, weiter zum Schirm. Der ist, das sieht man sofort, radikal anders aufgemacht als der alte Hauptschirm; der zusätzliche Schirm mit der Zauberübersicht der alten Ausgabe wurde übrigens ersatzlos gestrichen, was aber auch kein Verlust ist.
Der neue Schirm wurde von außen von Manfred Escher gestaltet und fügt sich daher naturgemäß sehr schön in den aktuellen Look des Spiels ein. Farblich ansprechend, schön, aber nicht zu aufdringlich und vor allem weniger „Fantasy“ als das alte Motiv erstrahlt seine Collage dort und verbreitet Stimmung.
Auffälliger ist aber noch das Format. War der alte Schirm noch ein ganz traditionelles A4-Hochkant-Produkt, erscheint die neue Pappe im dreiflächigen Querformat, mit einer vollen A4-Vorderseite und zwei Seitenflügeln von je grob drei Vierteln A4-Fläche. Das hat zunächst einmal den Vorteil, dass man als Spielleiter zwar vor Einblicken der Spieler geschützt ist, aber nicht mehr selber hinter der Pappe verborgen bleibt. Gefällt mir sehr gut und hat Stil, hat sich auch bei anderen Systemem schon bewähren können.
Und entgegen meines ersten Eindrucks hat nicht mal die Anzahl der Tabellen auf der Innenseite darunter gelitten. Auf dem linken Panel findet man allerlei Regeln zum Wahnsinn inklusive einer Phobienliste, in der Mitte sowohl die Kampf- wie auch die Schusswaffenregelübersicht, der beim alten Schirm noch insgesamt zwei Paneelen einnahmen, und rechts dann noch eine Kampfrundenübersicht, Verletzungsregeln, Panzerung, kritische Treffer sowie „Deckung und Trefferplatzierungen“.
Vergleicht man dies nun mit dem alten Schirm, so stellt man fest, dass einzig die Widerstandstabelle gegenüber der vorigen Auflage auf der Strecke geblieben ist. Das mag der ein oder andere dabei sicher als Nachteil empfinden – wenigstens die Kraftprobenformel hätte man vielleicht noch unter bekommen – aber alles in allem muss ich sagen, die Ausnutzung des Schirms ist ziemlich gut gelungen. Da glaubt man doch gerne, wenn im Vorwort steht, die Aufteilung sei aus jahrelanger Spielpraxis erwachsen, denn sie ist zweifelsohne gut.

Allerdings gibt es einen für Pegasus-Produkte sehr ungewohnten Rüffel, den ich austeilen möchte, bevor ich mich dem beigefügten Abenteuer widme: Insgesamt macht das Set bisweilen einen etwas hingeschluderten Eindruck.
Das beginnt bereits bei den Charakterbögen, denn der Now-Charakterbogen ist mit „Horror in der Gegenwardt“ betitelt. Das Extra-d ist zwar vielleicht schrecklich, aber nicht so, wie das wohl gewollt war, nehme ich an. Der Abschnitt auf dem Spielleiterschirm zu „Zwei Waffen“ ist sprachlich ebenso gewagt (u.a. „Man kann in jeder Runde nur einen Angriff und eine Parade durchgeführt werden.“) und vermutlich das Opfer massiver Kürzung gegenüber des alten Texts. Dazu gibt es dann noch ein wenig Zahlensalat in der Tabelle für kritische Treffer.
Im Begleitheft dann weicht noch die Definition eines „physischen Schocks“ von der ab, die in den Grundbüchern von ’99 bis heute gegeben wird. Ob nun Fehler oder unausgewiesenes Erratum, ungünstig ist es so oder so, denn es verwirrt.
Das kenne ich von Pegasus-Produkten so eigentlich nicht. Ich weiß, dass sich andere Systeme auch durchaus solche Pannen leisten (und auch nicht, ohne sich hier der Kritik aussetzen zu müssen, versteht sich), aber gerade bei Pegasus und gerade bei einer teils so zentralen Regelreferenz finde ich das schon sehr bedauerlich.

Doch uns bleibt noch ein Abenteuer. „Feuer und Asche“ löst das alte „Tod in Aylesbury“ ab, dem ich an dieser Stelle auch nicht groß nachtrauern werde. Der neue Beitrag ist von Stefan Moriße mit Frank Heller geschrieben worden und etwas mehr als zwanzig Seiten lang. Das Layout ist von mittlerweile wieder durchweg tadelloser Qualität, das Abenteuer selbst von Björn Lensig seht stimmungsvoll illustriert und von Dennsi Kringe mit ganz netten Handouts veredelt worden.
Nennenswert ist vorweg zudem, dass das Szenario in allen drei großen Epochen, 1890er, 1920er und in der Gegenwart, gut spielbar ist. Das ist selten, löblich und hier auch durchweg gut gelungen.
„Feuer und Asche“ ist in zwei Teile gegliedert, die – man ahnt es – „Feuer“ und „Asche“ heißen. Hier ist es aber wirklich einmal sinnig, diese Zweiteilung zu betonen, denn der Flair beider Abschnitte ist sehr unterschiedlich, Abwechslung ist also gesichert.
In der ersten Hälfte finden sich die Spieler in einer Lodge mitten im Wald wieder, als dort gerade eine wilde Feuersbrunst über sie hereinbricht. Es folgt eine wilde Flucht mit vielen Gefahren und ordentlichem Adrenalinpotential, während der sie auch bereits die Nase an ihre Widersacher bekommen: Feuervampire.
Diese fetzen dort gerade durch die Wälder, bringen um, was sich töten lässt und machen auch durchaus ihre Jagd auf die Spieler. Diese können dann in letzter Sekunde der Gefahr entkommen und somit langsam in den zweiten Teil des Abenteuers übergleiten.
„Asche“ passt da deshalb so schön als Name, weil sie nun Recherchieren können, was eigentlich passiert ist, auf unerwartete Verbündete treffen und letztlich in einer finalen Konfrontation das Abenteuer ähnlich geladen beenden, wie es angefangen hat.

„Feuer und Asche“ ist prinzipiell ein sehr gutes Abenteuer, das zu leiten ich durchaus einmal Lust hätte. Es begeht zwar an einigen Stellen einige wüßte Railroading-Verbrechen („Die Charaktere erreichen schließlich gerade in dem Moment die Straße, auf der auch das Löschfahrzeug steht, als die Feuervampire sie nun endgültig einholen.“), aber kann das durch wirklich viele, gute Anmerkungen für den SL ausgleichen, die rund um den Text arrangiert worden sind. Da gibt es eine Handlungsübersicht, einen Spieltestbericht sowie viele Tipps zur Inszenierung. Gerade die Mordmethode der Feuervampire ist etwas ... eigen, allerdings wurde auch dort meine Skepsis durch einen entsprechenden Textkasten abgefangen.
Einzig am Ende fühlte ich mich an einer Stelle bezüglich der Inszenierung des Finales vom Abenteuer einmal explizit allein gelassen, aber damit kann man durchaus leben.
Insgesamt kann man an „Feuer und Asche“ denke ich sehr viel Spaß haben.
Der Band wird von einer Tabellenübersicht abgerundet, die allerdings eher eine nette Dreingabe ist, als irgendwie mehr. Hier aber findet man dann auch die vermisste Widerstandstabelle wieder.

Alles in allem gibt es keinen Grund, an dem neuen Set zu meckern, sieht man einmal von der mangelnden Qualitätskontrolle ab. Die Verarbeitung ist gut, das Design spitze, der Schirm praktisch und sinnvoll, die Charakterbögen schön und spielorientiert und das Abenteuer gefällt mir eigentlich ziemlich gut.
Das Fazit fällt insofern kurz und erfreulich aus. Das Set, gerade in seinem Umfang un ob des durchaus fairen Preises, landet ein souveränes „noch sehr gut“; eine entsprechend überarbeitete Fassung ohne die unschönen Fehler würde sogar die glatte Bestnote schaffen.


Name: Sichtschirm für H.P. Lovecrafts Cthulhu
Verlag: Pegasus Spiele {jcomments on}
Sprache: Deutsch
Autoren: Frank Heller, Christian Moriße, Hans-Christian Vortisch
Empf. VK.: 19,95 Euro
Seiten: Dreiseitiger Spielleiterschirm, acht vollfarbige Charakterbögen A3 sowie ein Heft mit 42 Seiten

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