Herr der Ringe - Sichtschirm für die Erzählerin

Der Herr der Ringe – Sichtschirm für die Erzählerin wurde entworfen, um Ihnen Ihre Aufgabe als Erzählerin ein wenig zu erleichtern. Er enthält nicht nur die wichtigsten Listen, Tabellen und Vordrucke des Rollenspiels, sondern auch ein vollständiges Einführungsabenteuer. Der Sichtschirm für die Erzählerin ist eine unentbehrliche Hilfe!
vom Backcover vom Sichtschirm für die Erzählerin

Habe dieser Tage Post bekommen. 13,2 kg an Rezimaterial aus dem Hause Pegasus trafen bei mir ein, wurden erst einmal gesichtet und werden jetzt wohl, nach und nach, hier auch abgearbeitet werden.
Wer mich kennt, der kennt auch meine Vorliebe für Spielleiterschirme aller Art, insofern überrascht es wohl die wenigsten, das ich mir genau so einen als erstes Produkt erkoren habe, welches hier nun im schummrigen Licht meiner Schreibtischlampe meinem trüben und doch wachsamen Blick standhalten musste. Besonders natürlich nachdem Pegasus meines Erachtens mit dem Schirm zu Cthulhu eine Meisterleistung veröffentlicht haben – wenn mir auch natürlich klar ist, dass es sich bei dem vorliegenden Werk, anders als bei dem gerade genannten, „nur“ um eine direkte Übersetzung handelt.

Packt man das in Folie geschweißte, DinA4-formatige Paket aus (oder liest man das Backcover aufmerksam), so stellt man fest, das hier drei Dinge bereitgestellt werden: der titelgebende Schirm selbstredend, dazu aber noch sechs farbige Charakterbögen und ein 16 Seiten umfassendes Abenteuer, extra für Einsteiger.

Zu den Bögen ist eigentlich nicht viel zu sagen. Sie sind mit denen aus dem Grundregelwerk identisch, allerdings wurde der peinliche Fehler des doppelt vorhandenen Skills „Aufführen“ behoben, die Liste geht sachgerecht mit „Akrobatik“ los.
Der Druck ist kraftvoll, das Papier Hochglanz und Bleistifte schreiben dennoch darauf – nichts dran zu meckern.

Aber kommen wir nun zum Schirm selber. Er kommt vierseitig aufklappbar daher und wurde auf stabile Pappe von beiden Seiten vierfarbig bedruckt – durchaus vorbildlich. Die Außenseite, also die für die Spieler, zeigt einer wunderschöne Panorama-Ansicht auf Minas Tirith, so wie wir es im ersten Teil bereits bewundern konnten, als Gandalf die dortige Bibliothek aufsuchte. Sehr schönes Motiv, vom romantischen Lichteinfall bis hin zu den dunklen Schatten über den Bergen am Rande Mordors wird hier sehr nett die Atmosphäre eingefangen. Das Bild selbst könnte zwar etwas mehr Schärfe vertragen, hat mir aber gut gefallen.
Auch die Innenseiten sind gut durchdacht. Es finden sich achtzehn Tabellen darin und eigentlich wird kein Wunsch wirklich offen gelassen. „Rüstung und Schild“ finden sich dort ebenso wie die Modifikatoren für den Fernkampf, Beispiele für freie Aktionen, Erschöpfungsgrade oder auch einfach Modifikatoren für alle anderen Würfe.
Wer eine bestimmte Thematik schnell mal näher beleuchten muss, der wird sich zudem über Seitenzahlen in jedem einzelnen Kasten freuen, die jeweils zu der Seite führen, die auch die Tabelle beinhaltet. Und alle Angaben führen sogar auf die richtigen Seiten! Wer die Indezes von WoD-Grundregelwerken kennt, der weiß, dass das auch keine Selbstverständlichkeit ist.
Ein rundum gelungenes Stück Pappe also, welches dem SL definitiv gute Dienste leisten kann.

Der Begleitband, etwas ungünstig ebenfalls mit „Sichtschirm für die Erzählerin“ betitelt obschon eigentlich nur ein Abenteuer und nichts weiter zum Schirm enthalten ist, ist rundum schwarzweiß und kommt leider ohne Einband daher. 16 Seiten, inklusive dem Deckblatt, dem Schmutztitel und des Inhaltsverzeichnisses, wecken eigentlich nicht die höchsten Erwartungen und die Optik fällt im Vergleich zu den vollfarbigen „echten“ Quellenbänden doch merklich ab.
Geboten wird das Einführungsabenteuer „Margils Haus“, welches auf den ersten Blick einmal recht hochtrabend wirkte, zieht man doch direkt in Elronds Auftrag los und stellt sich indirekt gleich gegen Carangul, einen Hexer, der den gesamten Norden bedrohen soll. Einführungsabenteuer stellt man sich gemeinhin anders vor ... doch der erste Blick täuscht auch.

Elrond selbst bleibt dabei ein gewisser Fehlgriff, alleine aufgrund seiner Darstellung.
„Hat Dank, dass ihr gekommen seid, meine Freunde“, sagt er mit ernster Stimme. „Es ist gut, dass euer Weg euch gerade zu diesem Zeitpunkt nach Imladris geführt hat, und wer weiß, vielleicht ist es mehr als nur ein Zufall. Ich benötige eure Hilfe. Ihr müsst für mich einen Waldläufer namens Margil finden, von dem ich schon seit vielen Monaten nicht mehr gehört habe.“ (Seite 7, zweiter Absatz nach der Überschrift)
Klingt eher nach D&D-Kneipen-Anwerbung oder Shadowrun-Schieber als nach dem erhabenen Herren von Bruchtal, oder?
Auch das die Dúnedain nicht aufeinander aufpassen können sondern ein Rudel frischer Spielercharaktere anwerben müssen, wenn sich einer von ihnen nicht meldet. Aber gut, einmal kräftig schlucken und weiter geht's.

Abseits des etwas ungünstig prominenten Auftraggebers Elrond bewegt sich das Abenteuer im realistischen Rahmen, auch etwa Carangul verzichtet auf einen Auftritt. Vielmehr legt das Abenteuer den Startschuss für das im Grundregelwerk bereits beleuchtete Konzept „Der Schatten des Nordens“, und als solcher funktioniert er auch hervorragend.
Der Plot ist für Einsteiger gut geeignet, auch Neulinge werden sich sicherlich nicht überfordert sehen, der Spielleiter (pardon, die Erzählerin, dazu am Ende noch mal mehr) hingegen muss zumindest etwas Talent zur Improvisation aufbringen, doch das Abenteuer tut, was es auf der geringen Seitenzahl kann, ihm dabei zu helfen. Am Ende dürfen noch einige Monstren und ein „Endgegner“ verhauen werden und ich denke, Neulinge werden sehr zufrieden sein, erfahrenere Gruppen erhalten wenigstens eine gute Inspiration.

Somit kann man eigentlich gegen keine der enthaltenen Komponenten wirklich etwas Nachteiliges sagen. Die Charakterbögen sind nett, das Abenteuer okay und der Schirm richtig gut, der Preis liegt wieder merklich unter der englischen Ausgabe.
Wenn es schon etwas zu bemängeln gibt (außer einigen Tippfehlern, von denen es einer jedoch ganz unangenehm aufs Backcover geschafft hat), dann wohl den Titel.
Ich bin ja wirklich kein Gegner der Gleichberechtigung – warum sollte ich auch. Aber muss der Band dann wirklich „Sichtschirm für die Erzählerin“ heißen?
Das die Spielleitung im Wortlaut des Spiels ewig weiblich ist, war schon im Grundbuch aufgefallen, aber langsam fängt es doch an, peinlich zu werden.
Hätte es den Emanzipationsprozess weit zurück geworfen, wenn das gute Stück jetzt „für den Erzähler“ gewesen wäre?
Zwar bin ich einerseits sehr dankbar, das man auf die Verwendung des unsäglichen Binnen-I verzichtet hat („Binnen-Is sind der Teufel“ erklärte Thomas Römer mal sehr treffend), aber auch die konstante Verwendung der weiblichen Form wirkt auf mich eher gezwungen denn sinnvoll.
Ist nur ein Details, aber dieser aufgesetzte Gleichberechtigungsansatz ist genug Leuten in meinem Umfeld unangenehm aufgefallen, so dass die Erwähnung hier sinnvoll erschien.

Aber da das Unwort auch auf dem Schirm selber nicht auftaucht und die Gesamtqualität ganz hervorragend geraten ist, kann man eigentlich nur jedem Spieler vom Rollenspiel zu Tolkiens Roman raten, zuzugreifen.
So muss ein Spielleiterschirm aussehen!


Name: Sichtschirm für die Erzählerin 
OT: Narrator's Screen {jcomments on}
Verlag: Pegasus Press 
Sprache: Deutsch
Autoren: diverse
Empf. VK.: 14,95 Euro 
Seiten: 16+Schirm+sechs farbige Charakterbögen

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