Degenesis - Justitian

ALLES WAS WIR KENNEN WAR GESTERN
vom Backcover von Justitian

Mit etwa einem Jahr Verspätung ist nun der Quellenband Justitian (JUS) zum Endzeit-Rollenspiel Degenesis (DeGen) erschienen. Zunächst als Softcover mit etwas mehr als 100 Seiten angekündigt, wurde es zu einem Hardcover von 200 Seiten, vollgepackt mit Illustrationen der gehobenen Qualität, wie man es von DeGen eben kennt. Das Cover bleibt dem Layout der Serie treu, was bedeutet, dass im unteren Teil des Buchrückens eine Collage mit NSC-Portraits findet. Die Illus sind hervorragend und bieten auch schon einen guten Ausblick auf die Atmosphäre des Bandes. Freundlich sieht keine der Gestalten aus aber für sowas ist DeGen ja auch nicht bekannt.

Das Layout ist wie von DeGen gewohnt erstklassig. Keine Seite sieht aus wie die andere und alleine das Durchblättern des Buches ist ein Augenschmaus. Ganz selten mal, wird Text durch eine Illustration schwierig zu lesen. Erfreulicherweise wurde in diesem Buch auch mehr Platz auf den Seiten genutzt als im GRW, große leere Flächen finden sich hier also nicht. Die Illustrationen stellen die übliche Mischung aus Skizzen, Gescribbel und kräftigen Linien dar, die auch das GRW bereits verfeinert hatten.

Im Innencover vorne findet sich eine Karte der Region um JUS, welche die Protektorate der Stadt zeigt. Dabei hat jede der kleinen Siedlungen ein eigenes Symbol erhalten. Mal abgesehen davon, dass etwa ein Drittel der Symbole Schädel darstellen, kann man die Protektorate damit gut unterscheiden. Bei der Beschreibung der Orte im Innenteil wiederholen sich die Symbole dann, was den Wiedererkennungswert noch erhöht. Das hintere Innencover zeigt einen detailierten Stadtplan von JUS, inklusive einer kleinen Legende mit den wichtigsten Orten. Vorbesteller des Bandes konnten sich zudem noch über die Beigabe dieser beiden Karten als Handout freuen. Ziemlich praktisch!

Nach einer allgemeinen Einleitung wird man direkt wieder von einer Kurzgeschichte begrüßt. Wie im GRW von DeGen ist das Buch in vier Kapitel unterteilt, die jeweils mit einer solchen Geschichte eingeleitet werden. Die Geschichten sind untereinander verknüpft und die Charaktere entwickeln sich immer weiter, je weiter man im Buch gelangt.

Das erste Kapitel gibt einen Überblick über die Protektorate, JUS und die Historie der Stadt. Und mal abgesehen von der Historie, ist dieses Kapitel nur konfus. Die Erzählperspektive springt von Satz zu Satz, mal erklärt ein allwissender Außenstehender, mal ein Geschichtenerzähler und dann ein subjektiver Erzähler. Der erste Teil nennt sich damit nicht zu Unrecht „Blick von Aussen“, denn es ist eine wilde Sammlung von Fakten und Informationen, die dem Leser entgegengeworfen werden. Die 24 Protektorenstädte werden alle nur sehr knapp beschrieben, so dass man zwei bis vier von ihnen auf einer Seite findet. Konfusion herrscht auch hier vor, aber eher hervorgerufen durch die seltsame Anordnung. Die Städte sind nämlich nicht alphabetisch geordnet, sondern grob nach ihrer Nähe zu JUS. Obwohl das auch nicht wirklich stimmt, denn „Das Spital“ z.B. wird als vorletztes beschrieben, liegt aber praktisch direkt an der großen Stadt. Konfus, auch wenn es hier sehr viele schöne Ideen und Ansätze für Szenarien gibt.

Das zweite Kapitel beschreibt JUS an sich, geteilt in Umland, Tiefstadt und Hochstadt. Ab hier wird der Stil viel eindeutiger und klarer zu lesen. Immer wieder gibt es schwarze Kästen, die konkrete Informationen zur Stadt, zu Gesetzen und zu Preisen liefern. Erstaunlicherweise sind alle Kulte bis auf einen (Anubier, Priester aus Afrika) mehr oder minder in JUS vertreten. Dies ist erstaunlich, da sich einige der Kulte nicht gerade freundlich gesonnen sind. Es ist ein brüchiger Frieder, den die Richter in ihrer Stadt aufrechterhalten und das spürt man auch immer wieder in den Texten. Obwohl DeGen bereits in einer postapokalyptischen Welt spielt, geht diese doch weiter zugrunde, weil die Menschen eben immer noch Menschen sind. Die Atmosphäre ist hier wirklich gelungen eingefangen, auch wenn mich persönlich der sehr bildhafte Sprachstil bisweilen abgeschreckt hat. Mag das „Gespenst tausendfacher Ausscheidung“ noch irgendwie eine unfreiwillig komische Metapher für das Durchspülen der Kanalisation sein, so wäre ich ohne weiteres mit einigen „verschrumpelten Hoden“ weniger ausgekommen.

Auf Seite 88 beginnt das dritte Kapitel, das die Kulte in JUS beschreibt. Das geht bis Seite 187. Darin sind eigentlich nur NSCs. Ja, 100 NSCs auf 100 Seiten! Als ich zuerst davon hörte, war ich mir ziemlich sicher, dass dies nicht funktionieren konnte. Aber es klappt. In JUS sind die NSCs nicht einfach Teil der Stadt, sie SIND die Stadt. Sie erwecken das ganze Gebilde zum Leben und halten es am Laufen. Jeder der NSCs hat nicht nur ein hervorragendes Portrait, eine Geschichte und Werte, sondern steht auch in Verbindung zu einem anderen NSC, einem Kult oder einer Abenteueridee. Beeindruckend!

Als letztes bietet das vierte Kapitel noch einige Anregungen für den Spielleiter um Abenteuer in JUS zu erleben. Ganz zum Schluß gib es auch einen Ausblick auf die Zukunft der Richterstadt. Der Spielleiter (und nur der!) sollte hier nachlesen, was mit der Stadt und den Kulten die sie bewohnen geschieht. Wenn JUS eine Sandburg ist, die man lange und mühselig errichtet hat, dann ist der letzte Abschnitt so etwas wie die Flut, die das Meiste der Arbeit mitnimmt und eine neue Zusammenstellung zurücklässt.

Was man noch erwähnen sollte, ist der hohe Preis. 35 Euro für 200 s/w Seiten im Hardcover sind nicht gerade wenig, auch wenn man ein gutes Buch mit extrem vielen Illustrationen erhält. Wer sich vom dem Teils doch sehr wirren Stil und dem Preis nicht abschrecken lässt, findet in diesem Buch ein sehr interessantes Endzeitsetting. Für DeGen-Fans ist das Buch eh Pflicht.


Name: Justitian{jcomments on}
Verlag: Sighpress 
Sprache: deutsch
Autoren: Christian Günther, Marko Djurdjevic, Alexander Malik und Bernhard Diller 
Empf. VK.: 34,95 Euro 
Seiten: 203 s/w, Hardcover 
ISBN: -

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