Phantom Quest Corporation

"Jungfrauen, was? Du bist doch nur ein geiler, alter Bock!"
- Ayaka Kisaragi zu Graf Dracula, aus Phantom Quest Corporation

Zur Handlung:
Die Yûgen Kaisha (Phantom Quest Corporation) ist eine Detektei, die sich auf das Lösung von übernatürlichen Fällen spezialisiert hat. Verwaltet wird sich von dem elf Jahre alten Mamoru, während die Eignerin der Firma, Ayaka, zugleich deren primäres Vollstreckungsorgan ist.
Ihr zur Seite stehen allerdings noch weitere Mitarbeiter, so etwa die Wahrsagerin Suimei, den Bannmeister Rokkon, die im Umgang mit Feuer sehr "begabte" Nanami sowie der vollkommen unmystische Polizist Kouzou Karino.
Gemeinsam nehmen sie es mit Vampiren, Dämonen, Geistern, Werwölfen und bösen Menschen auf und verteidigen, natürlich gegen Bargeld, die Unschuldigen. Doch die Spesen ihrer Tätigkeit sind hoch, die roten Zahlen immer nahe...

Zur Umsetzung:
Nachdem die Anime-Rubrik einige Wochen ruhen musste, freut es mich umso mehr, die Rückkehr mit einer ebenso genialen wie unbekannten Serie zu bestreiten: "Phantom Quest Corporation".
Denn was vielleicht noch auf den ersten Blick wie die japanischen "Ghostbusters" wirken mag, entpuppt sich beim Gucken schnell als eine unglaublich lustige und zugleich recht spannend inszenierte Serie.
Sie umfasst vier Episoden und ist damit eine jener recht einsam und verloren wirkenden OVA-Produktionen, zu denen auch etwa "Read Or Die" gezählt werden kann, ist aber, anders als jene Serie, bisher auch nirgends wieder aufgegriffen worden.
Die Geschichten, die von Mami Watanabe ("X") geschrieben und von dem eher unbekannten Kôichi Chigira inszeniert wurden, beginnen meist recht konventionell. Mysteriöse Dinge geschehen, es mag Opfer geben, die Helden werden eingeschaltet und ermitteln. Die Vorgänge selbst sind dabei recht eng an bekannte Mythen angelehnt und schöpfen ebenso in klassischen Erzählungen wie in den schwarzweißen B-Monster-Filmen vergangener Jahrzehnte.
Allerdings sind es vor allem die Charaktere, die dem ganzen dann doch noch einen sehr eigenen Flair geben.

Protagonistin Ayaka Kisaragi etwa ist keinesfalls, was man sich unter einer Geisterjägerin vorstellt. Weniger Pflichtbewusst als arrogant, dem Alkohol zugeneint, schnattert sie oft lieber schiefe Karaokegesänge, als Monster zu jagen. Wenn sie dies doch tut, so macht sie es etwa mit ihrem Geisterbannschwert, welches wohl nicht ganz zufällig wie ein Lichtschwert aus "Krieg der Sterne" wirkt, sich allerdings aus ihrem Lippenstift formt.
Auch die Gegenseite entspricht nicht so ganz den bekannten Klischees. Teetrinkende Vampire mit Sonnenbrillen oder böse Buddhisten sieht man eben doch nicht alle Tage...

Die Serie ist von 1994, was man ihr auch klar ansieht. Wer moderne Animationen à la "Hellsing" oder gar "Metropolis" gewohnt ist, wird sich eventuell noch mal umstellen müssen, denn hier stammt noch alles mehr oder minder aus einer von echter Hand geführten Feder.
Das ist kein Makel, aber ein beschreibendes Kriterium, denn auch in vielerlei Darstellung ist die Serie noch weit näher an klassischer Manga-Symbolik, als es modernere Animes zuweilen sind.
Dafür ist der Detailgrad enorm. So bekommt man etwa ein Krankenhaus zusehen, bei dem die "Ausstattung" einfach perfekt einem echten Hospital entspricht, bis hin zu den Stoßkanten an Wänden, damit die Tapete nicht durch die fahrbaren Betten beschädigt wird.
Rein akustisch wird man ebenfalls verwöhnt, denn der japanische Ton der vorliegenden Veröffentlichung ist klar, die Sprecher sehr gut passend und die Musik wieder einmal sehr eingängig. Auch nachdem man durch die insgesamt nur 130 Minuten hindurch ist, werden einem die Lieder sicherlich noch nachhängen.

Apropos Veröffentlichung: vorgelegen hat mir die Pioneer-DVD-Veröffentlichung aus dem Jahre 2001. Und obwohl etwa die VHS-Kassetten der Serie noch immer gut zu haben sind, gilt dies für den Silberling nicht gerade.
Wer ihn allerdings irgendwo erspäht, sollte ernsthaft über den Kauf nachdenken, denn obschon weder eine deutsche Tonspur noch irgendwelche nennenswerten Extras auf der DVD-5 Platz gefunden haben, ist die Umsetzung sehr lobenswert.

Generell kann man "Phantom Quest Corporation" schlichtweg als unkomplizierten Spaß beschreiben. Die Serie ist spannend und gut in Szene gesetzt – vor allem ist sie aber lustig und lebt von ihren kauzigen Charakteren.
Es gibt keine große Verbindung zwischen den Episoden und man wünscht sich sicherlich weit mehr Folgen, aber dennoch verbreiten die vier vorhandenen eine Menge Spaß und unterhalten in den gut zwei Stunden besser, als es vielen Hollywood-Blockbustern gelingt.
"Phantom Quest Corporation" ist zu Unrecht so unbekannt und jeder, der Spaß an lockerer Anime-Unterhaltung hat, sollte hier einmal einen genauen Blick drauf werfen.


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