American Tigers

Soldat: Vor 36 Stunden hat einer unserer Geheimdienst eine Nachricht aus dem Irak abgefangen. Es enthielt Details über ein streng geheimes, internationales Treffen von einigen der brutalsten Terroristen der Welt.
Ransom: So 'n Scheiß.
- aus American Tigers

Zur Handlung:
Ein Terrorist, selbstredend von absoluter Boshaftigkeit, versucht eine Allianz des internationalen Terrors zu schmieden und den kapitalistischen Amerika einen schweren Schlag zu verpassen.
Und da man Gleiches bekanntlich nur mit Gleichem vergelten kann, kann das normale Militär da auch nichts machen. Statt dessen wird Sergeant Major Ransom eingeschaltet, der sich im Militärgefängnis, wo er gerade die Gefangener überwacht, eine "Elitegruppe" aus Mördern, Brandstiftern und Vergewaltigern rekrutiert, um dem Schurken zu Leibe zu rücken.

Zur Umsetzung:
Amerika. Morgens. Der 'orange'-Filter ist vor der Kamera. Ein Auto nähert sich einem wichtigen Politiker: Drive-By-Attack. Schüsse fallen, der Mann geht getroffen zu Boden. Schnitt. Andere Fahrzeuge haben die Verfolgung aufgenommen. Schnitt. Eine schwarze Limousine überschlägt sich unmotiviert, rollt durch eine Bauanlage und explodiert nach einer Sekunde Verzögerung.
Und der Zuschauer denkt sich nur eines: Hui, Trash!

Nun, liebe Leser, willkommen zu den "American Tigers", einem weiteren Kleinod aus der weiten Welt des amerikanischen Action-Trashs. Zwar ist der Film erst von 1996, aber Optik, Bildqualität, Ausstattung, Synchro und Plot sagen eigentlich alle aus, dass der Film im Herzen noch ein klassischer 'Kracher' der 80-er ist.
Da ist der ungepflegte Schurke, der mit Dreitagebart und Lederjacke gegen das amerikanische System wettert, unter der Synchro leidet ("Das ist Sahne!") und absolut böse ist. Er ist ein ehemaliger Soldat, hört auf den Namen Colonel Riley Hooker und mit Leib und Seele Terrorist. Sein Plan ist es, die rote Brigade, den leuchtenden Pfad, die Lybier, die Iraker, die roten Khmer und die Shiiten auf seine Seite zu bringen und damit alle Grenzen einzureißen – weshalb er sie alle, das Einleitungszitat verrät es, gebeten hat, sich mit ihm auf seinem, nett im Hafen geparkten, Zerstörer zu treffen.

Aber eigentlich geht es in dem Film gar nicht so sehr um diese Leute, sondern um die Männer, die ihn stoppen sollen. Ausgewählt werden sie von besagtem Sergeant Major Ransom. Dieser ist Alkoholiker (was er aber irgendwann unbemerkt im Film dran gibt), lebt von seiner Frau getrennt und trifft sich nach Feierabend mit seinem einzigen Freund, einem schmierigen, fetten Biker, in dessen Stripbar. Ein wahrer amerikanischer Held also.
Gespielt wird die strahlende Hoffnung Amerikas von Sam J. Jones. Richtig, Trash-Freunde werden zu Recht hellhörig, es ist der selbe Sam Jones, der einst, 1980, den 'Flash Gordon' im gleichnamigen Film gegeben hat. Nur ist mittlerweile aus der Sportler von damals eine zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Films bereits 42 Jahre alte Kante geworden, der ulkig spielt und von der Synchro ebenfalls ungeheuer demontiert und zugleich geboosted wird.
Er wird von seinem Sonderposten, der Überwachung der Hinrichtung militärischer Gefangener (Genfer Konvention, irgendwer?) abberufen und soll das "Spiel nach seinen Regeln" beenden.
Dazu sucht er sich sechs der härtesten harten Burschen, vom Nahkampfspezialisten über Vergewaltiger und Brandstifter bis hin zum, O-Ton, "Nazi-Skinhead" aus und bietet ihnen ein Deal an. Er will sie ausbilden, ihnen alle Tricks zeigen und wenn sie ihm helfen, erhalten sie eine Art Absolution und eine Wiederkehr in den aktiven Dienst.
Wehe dem, der hier jetzt was dazu sagen möchte, ob es wohl clever ist, das gerade diesen Jungs anzubieten.

Im Laufe des Filmes lässt er seine Mannen nun nicht nur von – der sich selbst spielenden – Cynthia Rothrock (Fans des Genre rufen einmal 'Yay!') trainieren, sondern drillt sich auch körperlich in Grund und Boden. Zudem muss er sich noch gegen die neidischen und unfair spielenden Marines durchsetzen, die ebenfalls gerne das Suizidkommando durchführen würden und sich, warum auch immer, da auch für qualifizierter halten.

Präsentiert wird das ganze in unscharfem 4:3, wie gesagt, in etwa auf dem nicht remasterten Niveau eines zwanzig Jahre alten Films. Der Ton ist Deutsch, 2.0 Stereo Surround ohne Raumklang, die DVD sonst eigentlich ohne Extras, aber hey, das ist bei einem solchen Film doch alles egal, oder?
Er ist, ebenfalls typisch, teils sehr ungekonnt gekürzt, aber auch hier gilt: schadet dem Spaßfaktor nicht.

Kurzum: 'American Tigers' macht Spaß. Er ist dumm, arm an Dramatik und reich an Blödsinn, unterhaltsam synchronisiert und zumindest im Fall von Sam Jones und Cynthia Rothrock auch noch im Rahmen eines Trash-Films prominent besetzt.
Außerdem ist es einfach herrlich zu sehen, wie Ransom die fast schon bedauernswerten Schwerverbrecher fast den halben Film lang so für ihre Taten nieder macht...

Freunde von 80-er-Jahre-Trash-Action kommen an diesem Film gar nicht vorbei, generische Trash-Fans sollten aber durchaus auch mal einen Blick riskieren...


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