Angel – Season 1

Los Angeles. You see it at night and it shines. Like a beacon. People are drawn to it. People and other things. They come for all sorts of reasons. My reason? No surprise there. It started with a girl.
- aus Angel – Season 1, Episode "City of"

Zur Handlung:
Angel, seines Zeichens Vampir mit Seele verlässt die Serie „Buffy“ wie auch den Ort Sunnydale und macht sich auf nach Los Angeles, um in der Stadt der Engel den hilflosen zu helfen. Vor Ort trifft er Cordelia wieder, zu Beginn noch immer eine aufgetakelte Tussi mit dem Schwerpunkt auf „Schönheit“, die eigentlich Schauspielerin werden will, sowie Doyle, einen Dämon mit mentaler Verbindung zu den „Powers that be“.
Denn irgendjemand oder etwas scheint große Pläne mit dem Vampir zu haben. Möglicherweise die Anwälte von Wolfram & Hart, einer finsteren Anwaltskanzlei, die offenbar seit Jahrtausenden die Apokalypse plant. Zusammen mit der Unterstützung von Cordy sowie, im weiteren Verlauf der Serie, dem Selfmade-Vampirjäger Gunn und dem Ex-Wächter Wesley nimmt es die neu gegründete Truppe von ‚Angel Investigations‘ mit allem auf, was sich anbahnt.

Zur Umsetzung:
Joss Whedon ist ein Name, den viele in der DORP mit einem gewissen Maß an Verehrung äußern. Denn was geschickt erzählte Rahmenhandlungen, herzhafte Dialoge und wundervolle Charaktere betrifft, hat der ewig jugendliche Schreiber ein Talent wie kaum ein anderer.
Schon „Buffy“ war, blickte man einmal über die anfangs gegebenen technischen Unzulänglichkeiten und das für ‚seriöse‘ (also erzkonservative) Horrorfreunde viel zu bunte Ambiente hinweg, so erwies sich die Serie als grandiose Synthese aus Schüler-Soap und epischer Phantastik.
„Angel“ nun sollte das erwachsenere Spin-Off werden, wurde auch entsprechend als der düstere Bruder beworben und wer nun die erste Folge schaut, erkennt schnell, woher der Wind weht. Der lakonische Einleitungstext aus dem Off und die Aussage, es habe alles mit „einem Mädchen“ begonnen – das schreit geradezu nach dem Film Noir, den Whedon auch oft als geistigen Paten angegeben hat. Die Bilder sind düsterer als bei Buffy, dreckige Häuserschluchten, Dampf und Dunkelheit dominieren die ersten Eindrücke und das Titeltheme begeistert mit Streichern da, wo die Jägerin E-Gitarren erklingen ließ.
Dennoch merkt man schnell, dass man dennoch weiterhin irgendwie im Buffyversum ist. Die Vampire mit ihrer Kampfgrimasse sind schnell wieder vor Ort, die Effekte kommen bekannt vor und wenn Cordelia Chase das Bild betritt, ist auch wieder der laue Duft von Sunnydale zu erahnen.

Manchmal leider etwas zu viel, denn wenn man der ersten Staffel von Angel eines vorwerfen kann – und muss – so ist es die starke Verbindung zur Schwesterserie. Man verstehe mich nicht falsch, ich mag „Buffy“, nur wird das Spiel hier noch etwas zu wild getrieben.
Wenn es dann sogar Zweiteiler gibt, deren erster Teil eine Buffy-, der zweite aber eine Angel-Episode ist, so ist das mehr als ärgerlich, wenn man die Serien auf DVD sieht. Denn wer nur einer der Reihen verfolgt, ist ohnehin mit Unverständnis gestraft, doch auch allen anderen wird nicht gerade suggeriert, dass „Angel“ auch auf eigenen Füßen stehen kann.
Was sicherlich unzutreffend ist, wie die stetig besser werdenden Staffeln beweisen werden – dazu dann in späteren Rezis mehr. Doch auch in der ersten Season ist schon viel Potential verborgen, schon hier wird genug geboten, damit sich das Betrachten lohnt.

Das beginnt mit den Charakteren. Angel selbst erweist sich als erstaunlich vielschichtiger Charakter, einer epischer Held, der an den kleinen Dingen des Alltags scheitert und weder ein Handy bedienen noch Kaffee kochen kann. David Boreanaz gelingt es dabei, sowohl den finsteren Einzelgänger wie auch den Tollpatsch wunderbar zu vereinen.
Cordelia entwickelt sich bereits im Laufe dieser Staffel von dem Dummchen zu einer auf eigenen Füßen stehenden Frau, ohne dabei ihre Wurzeln zu verlieren. Sie kommt als verwöhnte junge Frau nach L.A. und selbst wenn ihre Jugend in Sunnydale sie schon besonders geprägt hat, so muss sie doch eine Menge lernen. Charisma Carpenter spielt sie, wie schon bei Buffy, sehr gekonnt, darf hier aber deutlicher zeigen, wie gut sie schauspielern kann.
Vor allem gefallen ihre Interaktionsszenen mit dem Glenn Quinn gespielten Doyle, der mit irischem Akzent, Charisma und viel Humor Freude bereitet. Dann ist da Gunn. Sicherlich einer der (noch) nicht ganz so ausgeprägten Charaktere und Verkörperung des Klischees des schwarzen Gangleaders. Doch auch er bringt eine düstere Hintergrundgeschichte mit, sucht nach Rache und kämpft auf verlorenem Posten Nacht für Nacht gegen die Geschöpfe der Dunkelheit.
Das ist, in der Theorie, auch der Plan von Wesley. Der ehemalige Wächter der Jägerin Faith schlägt sich mittlerweile als Dämonenjäger durchs Leben ... oder versucht es. Denn er ist nunmal ein englischer Bücherwurm, der gerade im Kontrast zum pragmatischen Gunn häufig mehr Komik als Drama verköpert.
Auch diese beiden werden von J. August Richards und Alexis Denisof perfekt gespielt, hier stimmt die Chemie, hier macht das Zuschauen Spaß.

Diese Hauptcast wird noch von zahlreichen Nebencharakteren ergänzt, von denen nicht wenige im Verlauf der Serie auch noch stark ausgebaut werden sollen. Etwa die beiden intriganten Anwälte Lindsey und Lilah innerhalb der Reihen von Wolfram & Hart, die Polizistin Kate, die Angel bald zu ihrer ganz persönlichen Vendetta macht, oder auch Lorne.
Dieser ist der Eigentümer von Caritas, einer Kneipe, in der sich Nachts unter dem Schutz eines Gewalt verhindernden Zauberspruchs Übernatürliche aus ganz L.A. treffen, um sich auszutauschen.
Daran sieht man schon gut eine weitere Stärke der Serie: das Übernatürliche wird irgendwo sehr alltäglich präsentiert. Nicht die Monster der Woche, gewiss, aber in Whedons Universum treffen sich auch Dämonen Abends mal auf ein Bier, tragen Armbanduhren und hören gerne Musik. Das sorgt für Witz, gibt dem Setting aber auch einen ganz eigenen Charme.
Auch die Antagonisten von W&H passen in das Schema. Die Idee, übernatürliche Schergen vor einem übernatürlichen Privatdetektiv durch übernatürliche Anwälte zu schützen ist so abstrus, so nah an der Albernheit, funktioniert aber durch gut geschriebene Drehbücher, gut gespielte Charaktere und nicht zuletzt die glaubwürdige Inszenierung ganz hervorragend.

Was der ersten Angel-Staffel allerdings schmerzlich fehlt ist eine klar strukturierte, erkennbare Rahmenhandlung. Buffy hat eigentlich jede Staffel einen festen Widersacher (sei es nun der Meister, der Bürgermeister von Sunnydale oder etwas anderes) und auch Angel soll dies ab der zweiten Staffel haben. In der ersten leider nicht.
Zwar laufen im Hintergrund verschiedene Handlungsfäden ab, zwar tickt irgendwo die Uhr einer großen Prophezeiung, aber das alles wirkt weit offener, weniger personifiziert. Es gibt keinen Feind, den man hassen, verteufeln oder auch einfach nur sehen kann, alles bleibt etwas nebulös.
Das ist schade, aber sicherlich auch Teil des Problems, dass man seitens Warners offenbar bedenken hatte, diese Serie gleich von Beginn an auf eigenen Füßen stehen zu lassen. Da ist noch deutliches Verbesserungspotential gegeben.
Dafür muss man die Serie schon jetzt in ihrer Vielfalt loben. Von Drama zu Comedy, von kuriosen Geschichten bis hin zu knallharten Analogien zum dritten Reich - es gibt nichts, was es nicht gibt, in dem, was Fans mittlerweile 'Angelverse' nennen.

Somit erhält jeder, der sich an die erste Staffel wagt, viele Stunden grandioser Unterhaltung, voll cleverer Gags, guter Stories und Gothic-inspirierter Optik.
Man kann viel von der Serie lernen, was guten Aufbau und spannende Inszenierung betrifft, muss allerdings auch mit einigen Kinderkrankheiten leben.
Zu viel Exposition, zu viel Crossover und zu wenig Rahmenhandlung lassen die erste Staffel gerade aus heutiger Sicht etwas antiquiert wirken. Gott sei dank war man damals aber wohl bei Warner noch experimentierfreudiger als heute und gab Whedons zweiten Kind eine zweite Staffel, der wir uns kommende Woche widmen wollen und die nahezu alle hier genannten Kritikpunkte adressiert.
Die Ausstattung der DVD ist okay - nicht mehr, nicht weniger. Manierliches Bild mit deutlicher Vebesserungsmöglichkeit, akzeptabler Ton und ein Hauch von Extras singen hier ein Lied vom Durchschnitt. Für die erste Staffel, isoliert gesehen, kann man wohl ein „sehr befriedigend“ geben, als Exposition auf Dinge, die noch kommen sollen, vielleicht sogar ein „noch gut“.


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