Angel – Season 2

Lilah: "For god's sake, help us!"
Holland: "Angel - please - People are going to die!"
Angel: "And yet, somehow, I just can't seem to care."
- aus Angel – Season 2, Episode "Reunion"

Nachdem Angel das Ritual von W&H nur unzureichend stören konnte, ist sie wieder da: Darla, Angels Erzeugerin. Zunächst als Mensch. Während Lilah und Lindsey versuchen, die junge Frau entsprechend zu manipulieren, machen sich die Auswirkungen nach und nach auch bei den Leuten von Angel Investigations bemerkbar.
Diese können zu Beginn der Staffel endlich ein würdiges Hauptquartier erwerben, doch ist damit auch noch nicht Frieden gewährleistet. Denn die komplexe Intrige, die neben Darla auch die Wiederkehr von Drusilla umfasst, droht, Angel Investigations endgültig zu spalten.

Zur Umsetzung:
Nachdem offenbar auch die Verantwortlichen nach der ersten Staffel gleichermaßen das große Potential der Charaktere und die verschenkten Chancen durch die mangelnde Selbstständigkeit erkannt hatten, wurde mit der zweite Staffel mit einem Schlag alles anders.
Diese Staffel bietet entsprechend eine große, umfassende Rahmenhandlung, wie sie besser kaum sein könnte. Die Rückkehr Darlas bringt nicht nur eine offenkundige Bedrohung, sondern vor allem auch viel persönliches Drama mit sich.
Da ist nun Angel, ein Vampir, der von Zigeunern dazu verflucht wurde, eine Seele zu haben. Der seit Jahrhunderten nun versucht, Vergebung zu erlangen und Reue zu zeigen. Dieser Vampir trifft nun seine eigentlich längst getötete Erzeugerin und Liebe vergangener, dunkler Zeiten wieder, die jedoch wieder Mensch ist. Eine einmalige Möglichkeit, sie zurück auf einen rechten Pfad zu führen ... wenn W&H nicht andere Pläne hätten.
Es ist dabei spannend zu sehen, wie düster die Serie dabei wird. Hier wird das Versprechen, Buffys Ableger richte sich an ältere Schichten, deutlich eingelöst. Der Bruch von Angel mit all seinen Freunden ist schmerzlich und eine nahezu finale Konfrontation zwischen Darla und Drusilla, W&H sowie Angel in einem Weinkeller ist eine grausame Szene, die mich immer etwas erschaudern lässt.

Die Darsteller wachsen hier klar mit der Herausforderung. Boreanaz beweist deutliche Wandlungsfähigkeit zwischen einem hoffenden und einem verbitterten Angel der Gegenwart, sowie zahlreichen Rückblenden auf sein seelenloses Ich, Angelus.
Seine Gefährten werden immer mehr zu selbstständigen Charakteren, teils natürlich aus der Not heraus, dass Angel ein gewisses Schisma bewirkt. Wes und Gunn gelangen zu einer stärkeren Freundschaft, Cordy verliert mehr von ihrer Tussihaftigkeit, nur Lorne bleibt weiterhin Klischee.
Lilah und Lindsey profitieren stark davon, dass es nun einen konkreten Plan bei W&H gibt. Das gibt ihnen mehr Raum zum Agieren, aber auch mehr Aktionen, die sie letztlich ausführen können. Dabei gelingt es bravourös, sie eben nicht zu großen Bösewichten aufzubauschen. Sie machen ihren Job, bürokratisch gerad ezu, weil die Senior Partners der Kanzlei es so wollen. Eine Eigenart, die ihre Charaktere frischer wirken lässt.
Darla und Drusilla sind weitere, enorme Bereicherungen. Die von Julie Benz gespielte Darla überzeugt als verzweifelter Mensch wie als sadistischer Vampir gleichermaßen und Juliet Landau als Drusilla ist irre. Einfach nur irre.

Neben der dichten Rahmenhandlung findet die Serie aber auch immer mal wieder Zeit für kleine Einzelfolgen. Etwa die Episode um das Hyperion Hotel – auf zwei Erzählebenen, eine davon in Rückblenden in den 50er Jahren – wird hier eine inhaltlich wunderschöne Geschichte um Paranoia und Misstrauen erzählt.
Doch Kernhandlung der Staffel ist klar Darla und irgendwo münden fast alle Fäden dann auch wieder bei ihr. Das Ende der Geschichte ist wie schon gesagt sehr dramatisch und irgendwo sehr grausam, was nicht nur für diese Staffel, sondern für die ganze Serie ein Thema aufspannt, welches grob unter „Vergebung“ läuft.
Nicht immer ist es leicht, Verfehlungen anderer zu vergeben. Nicht immer ist es möglich.
Angel verletzt seine Freunde mehrfach sehr und es braucht Zeit, diese psychischen Wunden zu heilen. Auch das ist eine Erzählebene, die man einer Serie über Vampire und Latexdämonen nicht zutrauen würde, stünde nicht ‚Joss Whedon‘ auf dem Etikett.
Der bringt auch wieder seine Qualitäten für Dialogtexte mit, füllt selbst die dunkelste Episode zuweilen noch mit ein paar fröhlichen Kommentaren. Umso besser, da einem so dann und wann das Lachen so wunderbar im Halse stecken bleiben kann, wenn die Rahmenhandlung zum nächsten Schlag ausholt.

Wo wir aber schon die Latexdämonen erwähnten – die Ausstattung der Staffel ist sehr gelungen. Einige der neuen, regulären Sets sind bombastisch und die Inszenierung oft reif für‘s Kino. Man kannte seine Stärken mittlerweile offenbar bereits und spielt sie entsprechend aus, auch etwa bei den Dämonen. Sie sieht man zwar hier und da, das offenbar Mittel gefehlt haben, aber es fällt eigentlich niemals negativ auf.

Kurios ist allerdings noch der Schluß der Staffel zu nennen. Der Metaplot, wenn man ihn so nennen mag, endet bereits drei Episoden vor Schluß. Was danach folgt, ist ein aufwendig inszenierter Dreiteiler, der die Jungs, Mädels, Dämonen und Vampire von Angel Investigations in eine Paralleldimension führt, um eine verwirrte, junge Frau zu retten. Das ist eigentlich fast schon Teil der dritten Staffel oder, besser gesagt, das Verbindungsstück.
Denn die verwirrte junge Frau wird dort behutsam in die Main Cast integriert werden und sich mit all den Gefahren stellen, die kommen. Doch mit der Succubus-artigen Intrige W&Hs aus der zweiten Staffel hat es rein gar nichts zu tun, was dramaturgisch zumindest etwas eigentümlich wirkt.
Der Mehrteiler selbst ist gut geraten und wie gesagt, mit endlosem Aufwand produziert, hat sogar seinerseits wieder neue Hintergrundinfos zur Rahmenhandlung zu bieten, aber er fügt sich einfach nicht richtig an die subtile, dunkle und vor allem urbane Geschichte der zweiten Staffel.

Auf technischer Seite macht die DVD Fortschritte. Das Bild wird besser, wenn man auch leider weiterhin auf ein Seitenformat von 16:9 verzichten muss. Der Ton ist für eine Fernsehserie mittlerweile richtig wuchtig und bringt gerade die dramatischen Szenen erst voll und ganz zur Geltung.
Das Bonusmaterial ist, einmal mehr, okay, man darf aber nicht zu viel erwarten.


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