Astrópiá – Hier gelten andere Regeln!

Spielleiter Goggi erzählt den Abenteuereinstieg.
Spieler Scat/Rollenspielcharakter Borbarad: „Na, wenigstens ging es nicht in einem Gasthaus los!“
- aus Astrópiá – Hier gelten andere Regeln!

Die Handlung:
Das Party-Girl Hildur (Ragnhildur Steinunn Jónsdóttir) hat es nicht leicht. Nachdem ihr Freund Jolli (Davíð Þór Jónsson) verhaftet wurde, findet sie sich mir nichts dir nichts, wohnungs- und arbeitslos auf der Straße wieder. Zum Glück kann sie bei einer Freundin unterkommen und findet kurze Zeit später einen Job im ortsansässigen Rollenspiel-/Fantasy-/Comic-/DVD-/Nerd-Laden Astrópiá. Zuerst hat sie keine Ahnung von der Materie, aber nachdem sie der Einladung des Ladeninhabers folgte und einmal mitspielte, findet sie gefallen an der Sache. Unterdessen arbeitet Jolli fieberhaft an seinem Ausbruch aus der Strafanstalt, welcher ihm auch gelinget. Doch plötzlich wird Gabi, äh Hildur, entführt (der geneigte Leser möchte mir als TKKG-Fan diesen flachen Gag verzeihen) und ihre neuen Freunde aus dem Laden starten eine Rettungsaktion.

Die Umsetzung:
Es fällt mir leicht, Astrópiá zu bewerten. Der Film vor tollen Einfällen, wie z.B. das bei Szenenwechseln das gefilmte Bild zu einer Comiczeichnung wird, und die Kamera aus dem Comicheft zurückfährt und sich zum nächsten Bild bewegt und sich das neue Comicbild wieder in ein Filmbild verwandelt. Das sieht schön aus, und gibt dem Film durchaus ein gewisses Etwas. Dann wurde ein wunderschöner Kniff angewandt um die InGame-Sequenzen vom Rest des Films abzuheben. Wechselt die Handlung ins Rollenspiel, werden die schwarzen Breitbild-Balken größer und das Bildformat ändert sich von normalem 16:9 zu Cinemascope. Das fand ich beim Zuschauen unheimlich wirkungsvoll. Überhaupt ist der ganze Film schön eingefangen. Ich fühlte mich beim Zuschauen unheimlich wohl. Astrópiá ist vermutlich der erste kommerzielle Film, welcher versucht die Nerd-Szene näher zu beleuchten. Umso erfreulicher ist, dass kein Film herausgekommen ist, welcher sich pauschal auf eine Seite stellt. Es ist kein Film, wo die Gags nur auf Kosten der Nerds gehen und es ist gewiss kein Film von Nerds, in dem sich über Nicht-Nerds lustig gemacht wird. Astrópiá ist es in meinen Augen wunderbar gelungen die Grenzen zwischen beiden „Welten“ durchlässiger zu machen. Die meisten Gags des Films haben mich unheimlich zum Lachen gebracht und gewiss wird mir Astrópiá in guter Erinnerung bleiben.

Die DVD:
Ich kann das Team von AV Visionen nur beglückwünschen. Sie schnappen sich einen guten Film und wissen, wie sie ihn adäquat auf den Markt bringen. Die DVD ist edel aufgemacht. Sie kommt mal nicht in einer Amaray-Hülle oder ähnlichem daher, sondern in einer stabilen Papp-Hülle, welche sich dem Thema des Films entsprechend wie ein Buch anfühlt. Löblich das einem schon bei der Verpackung nicht der übliche Einheitsbrei angeboten wird. Allerdings hat die Verpackung auch einen gewaltigen Nachteil, nämlich das sie nach einem Transport im Rucksack sehr schnell starke Gebrauchsspuren aufweist. Das 16:9-Bild des Films weiß prinzipiell zu gefallen, allerdings fielen mir beim Betrachten zum Teil unschöne Flimmereffekte bei manchen Stellen im Bild auf. Der Filmgenuss wird dadurch nicht gestört, aber hier könnte man bei einer Neuauflage evtl. noch nachbessern.
Den Ton gibt es in Deutsch und Isländisch in Dolby Digital 2.0 Surround. Hier wird so mancher jetzt vielleicht kreischen: „Äh, kein Dolby Digital 5.1???“ Glaubt mir, das braucht der Film nicht. Die Soundkulisse gibt keine Rechtfertigung für diskreten Mehrkanalton und die vorliegende Surroundabmischung ist voll OK. Die Synchronisation des Films kann als sehr gelungen betrachtet werden. Flachheiten oder Sinnentstellungen wie „Ich kenne den Affen, sein Name ist Esel!“ gibt es hier nicht. Es wurde anscheinend sehr stark drauf geachtet, den Film sorgfältig ins Deutsche zu übertragen und keine Hau-Ruck-Schlampig-Synchro abzuliefern. Auch dafür gehen die Daumen nach Oben. Beim Betrachten des Bonusmaterials fällt auf, dass die Köpfe hinter AV Visionen stark mit der Rollenspielszene verbunden sind. So finden sich neben den obligatorischen Making Ofs, einem Musikvideo, Outtakes, Pannen vom Dreh und Trailern, in der Hülle ein wunderschönes Booklet mit einem kleinen Rollenspiel, was man direkt mal so spielen kann. Das ist mal vorbildlich. Auf der DVD gibt es noch Internet-Links zu den Homepages zu Cthulhu, Shadowrun und Das schwarze Auge, mit der Möglichkeit für den neugierigen Zuschauer sich dort weiteren Content zu holen. Genau so muss Bonusmaterial aussehen und es freut mich das hier schöne Synergien zwischen den Medien entstanden sind und Verlage wie Ulisses und Pegasus da mitziehen. Sehr löblich das Ganze.
Bei den meisten Händlern trägt Astrópiá den deutschen Beititel „Wo sich Regeln verändern!“. Meine vorliegende DVD hat auf der Hülle aufgedruckt „Hier gelten andere Regeln!“ und daher ist dies augenscheinlich der korrekte deutsche Beititel und die Angaben bei Amazon, Imdb und Konsorten sind falsch!

Fazit:
Der Film ist gut und die DVD auch. Und die Arbeit die sich mit der Veröffentlichung gemacht wurde, sollte in meinen Augen auch honoriert werden. Für einen aktuellen Straßenpreis von 16 € sollte der interessierte Käufer zugreifen. Ich persönlich hoffe, das wir weitere, spannende DVD-Veröffentlichungen von AV Visionen erwarten dürfen.


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